Dieser Essay will sich mit einem sicherlich merkwürdig anmutenden Thema auseinandersetzen: Die Suche nach Utopien in den Romanen von Walter Moers. Des weiteren sollen diese Utopien auf mögliche Anknüpfungspunkte zur Antike hin untersucht werden. Wie kommt man auf eine solche Idee im Werk von Walther Moers nach Utopien und ihren möglichen Anknüpfungen zur antiken Tradition zu suchen? Ich bin mir sicher, dass dies als Gegenstand einer Arbeit Erstaunen auslöst, so wie die unzähligen Geschichten von Walter Moers selbst. Meinem Erkenntnisstand nach hat sich auch bis jetzt noch niemand eingehend damit beschäftigt. Der Grund dafür ist wohl, dass die „ernsthafte Forschung“ - wenn wir sie so nennen wollen - Walter Moers als einen Autoren nicht ernst nimmt. Das Problem ist wohl, dass sein Werk als das eines Kinderbuchautors verstanden wird. Diese einseitige Klassifizierung ist meiner Meinung nach jedoch nicht tragbar. Auch wenn mir eine eindeutige Einordnung in eine bestimmte Sparte nicht gelingen will, so vereinen seine Bücher doch eindeutig Elemente von Kinder- und Erwachsenenliteratur. So hält es auch Tilmann Gangloff in einem Beitrag fest: „Die Zwischenzeit vertreibt sich Walter Moers literarisch: Käpt’n Blaubär wird Romanfigur. Das Buch soll sich [...] wieder an Jugendliche und Erwachsene richten.“
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Geschichte von Käpt’n Blaubär
Die Städte der Süßen Wüste: Anagrom Ataf und die Tornadostadt
Die Hauptstadt Zamoniens: Atlantis
Zusammenfassung: Der utopische Charakter der zamonischen Städte
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den utopischen Charakter ausgewählter Städte im Roman "Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär" von Walter Moers und analysiert mögliche Anknüpfungspunkte zur antiken Utopietradition.
- Analyse des utopischen Gehalts von Anagrom Ataf, der Tornadostadt und Atlantis.
- Untersuchung der Rezeption antiker Motive in der modernen phantastischen Literatur.
- Kontrastierung des idealen "Nicht-Ortes" mit der destruktiven oder transformativen Wirkung der Realität.
- Einordnung von Walter Moers' Werk zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur im Kontext der Utopiegeschichte.
Auszug aus dem Buch
Die Städte der Süßen Wüste: Anagrom Ataf und die Tornadostadt
Auf seinem Weg nach Atlantis muss Blaubär die sogenannte Süße Wüste durchqueren. Die Süße Wüste ist ein landschaftliches Phänomen, was den größten Teil des zentralen Binnenlandes von Zamonien ausmacht. Nach Prof. Nachtigallers Lexikon befand sich dort früher eine Zuckerrohrplantage, die aufgrund extremer Sonneneinstrahlung vernichtet wurde - der Zucker wurde dabei zu „reinem kristallinen Rohrzucker“ (S. 275) konzentriert. Das besondere an dieser Wüste ist, dass sie sich ständig verändert. Da sich Zuckerstaub viel leichter binden läßt, entsteht mit Hilfe des Windes, einmal als „transportierendes wie auch als denudierendes Agens“ (ebd.), an den unterschiedlichsten Stellen Skulpturen, die aber wieder abgetragen und an anderen Orten wieder aufgeschichtet werden - somit ist die Wüste permanent in Bewegung.
In dieser lebensfeindlichen Vegetation trifft Blaubär auf die „Gimpel“ (S. 278). Die Gimpel sind „eine vom Zufall zusammengewürfelte Notgemeinschaft von gesellschaftlichen Aussteigern und Außenseitern, die ihr Heil in der Einsamkeit suchten, dann aber wahrscheinlich damit nicht zurechtkamen und eine wandernde Stammesgemeinschaft gebildet haben, die immer noch im Wachstum begriffen ist. Finden die Gimpel in der Wüste eine notleidende oder orientierungslose Person nehmen, so nehmen sie sich ihrer an und in ihren Stamm auf, ohne Ansehen von Stand, Vermögen, Geschlecht oder Dimensionszugehörigkeit.“ (S. 279) So wird Blaubär ein Teil des Stammes der Gimpel.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert die Motivation, Utopien in Walter Moers' Werk zu suchen, und grenzt die Fragestellung gegenüber der klassischen Literaturwissenschaft ab.
Die Geschichte von Käpt’n Blaubär: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Zusammenfassung der Lebensstationen von Käpt’n Blaubär, die als Grundlage für das Verständnis seiner Reise durch Zamonien dient.
Die Städte der Süßen Wüste: Anagrom Ataf und die Tornadostadt: Hier wird der utopische Charakter der flüchtigen Stadt Anagrom Ataf und der abgeschlossenen, zeitlosen Tornadostadt analysiert.
Die Hauptstadt Zamoniens: Atlantis: Das Kapitel untersucht Atlantis als "Megastadt", ihre Bewohner, ihre Architektur und ihre Wandlung von einer Regierungsstadt zu einem Rettungsschiff.
Zusammenfassung: Der utopische Charakter der zamonischen Städte: Der Autor zieht ein Fazit über die drei untersuchten Orte und ordnet sie als unterhaltsame Stationen in den Kontext von Moers' literarischem Gesamtkonzept ein.
Schlüsselwörter
Utopie, Zamonien, Walter Moers, Käpt’n Blaubär, Antike, Literaturgeschichte, Anagrom Ataf, Tornadostadt, Atlantis, Nicht-Ort, Rezeptionsgeschichte, Phantastik, Genre-Grenzen, Stadtarchitektur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwiefern die im Roman "Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär" dargestellten Städte utopische Charakterzüge aufweisen und in welcher Beziehung diese zu antiken literarischen Traditionen stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Definition der Utopie als "Nicht-Ort", die literarische Antikenrezeption in der modernen phantastischen Literatur sowie die soziologische Struktur der beschriebenen Städte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den utopischen Gehalt der Städte Atlantis, Anagrom Ataf und der Tornadostadt freizulegen und zu prüfen, ob Walter Moers diese Orte bewusst als politische Utopien konzipiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt die Form des Essays, um einen individuellen, subjektiven Zugang zu wählen, der der phantastischen Natur des untersuchten Primärwerkes gerecht wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Reise-Stationen des Helden Blaubär detailliert nachgezeichnet und die Städte Atlantis, Anagrom Ataf sowie die Tornadostadt hinsichtlich ihrer utopischen Architektur und Lebensweise untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Utopie, Zamonien, Antike, Rezeptionsgeschichte und Atlantis.
Wie unterscheidet sich Atlantis bei Moers von der antiken Vorlage bei Platon?
Während Platons Atlantis eine politische Warnung und ein zerfallendes Imperium darstellt, fungiert Moers' Atlantis als buntes, extrem vielfältiges Siedlungszentrum, das sich schließlich in ein technisches Rettungsschiff für nicht-menschliche Daseinsformen verwandelt.
Warum wird die Stadt Anagrom Ataf als gescheiterte Utopie bezeichnet?
Sie gilt als gescheitert, da sie sich bei näherer Betrachtung als "halbstabile Fata Morgana" entpuppt, die für reale Lebewesen unbewohnbar ist und die hohen Erwartungen ihrer Suchenden aufgrund ihrer materiellen Unwirklichkeit nicht erfüllen kann.
Welche Rolle spielt die Zeit in der Tornadostadt?
In der Tornadostadt herrscht durch ein Zeitvakuum eine fast absolute Unsterblichkeit, was den Ort für Bewohner erstrebenswert macht, sie aber gleichzeitig in einer ewigen, ausweglosen Gefangenschaft hält.
- Quote paper
- Erik Fischer (Author), 2004, Utopien bei Walter Moers - Überlegungen zu ausgewählten Städten des Romans 'Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär' - Eine Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33162