Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - General and Theoretical Directions

Jesus als charismatische Führerpersönlichkeit

Title: Jesus als charismatische Führerpersönlichkeit

Term Paper , 2004 , 16 Pages , Grade: 2

Autor:in: Mark Thumann (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um die Ausarbeitung des Referats, welches ich zusammen mit Maja Schmitz im Sommersemester 2004 im Seminar „Charisma und Stigma“ bei Prof. Günter Albrecht gehalten habe. Ich folge dabei weitgehend dem inhaltlichen Aufbau des Referats, welches sich um eine Darstellung der historischen Rahmenbedingungen, des Lebensweges des und um eine Erklärung seines spezifischen Charisma bemühte. Lediglich ein Kapitel zum Charismabegriff Max Webers und dem Konzept der Selbststigmatisierung charismatischer Bewegungen habe ich hinzugefügt.

In der Literatur lassen sich meines Erachtens zwei Gegenpositionen bei der Erklärung von Charisma ausmachen, die sich, idealtypisch getrennt, folgendermaßen darstellen lassen: Eine Sichtweise ist darum bemüht Charisma als Zuschreibung von außen festzumachen. D.h. weniger die außergewöhnlichen Begabungen des Charismatikers sind relevant, z.T. wird ihr Vorhandensein ganz in Abrede gestellt, sondern die Projektion der Anhänger macht aus einem gewöhnlichen Menschen erst den z.B. von Gott gesegneten Propheten. Eine solche Sichtweise wird sich eher den historischen Rahmenbedingungen und den mentalen Strukturen der Anhänger zuwenden, die eigentliche Botschaft des Charismatikers und die ihr eventuell innewohnende Kraft aber übergehen. Oder sie wird seine Botschaft und die Art ihrer Vermittlung als letztlich betrügerische Manipulationstechnik zu analysieren suchen.

Die andere Sichtweise erkennt den Charismatiker als vom historischen Kontext und der psychologischen Befindlichkeit der Masse zumindest z.T. unabhängigen außergewöhnlichen Charakter an. Sie versucht darzustellen, welche Überzeugungen der Charismatiker vertritt und lebt, und warum er eine so außergewöhnliche Wirkung auf die Menschen seiner Umgebung hat. Sei es, weil er tatsächlich in Resonanz mit einer tieferen „göttlichen“ Weisheit steht, sei es, weil er die negativen, zerstörerischen Impulse der Menschen repräsentativ in reiner Form vertritt. Auf jeden Fall billigt man dem Charismatiker zu, dass er von seiner Botschaft selbst zutiefst durchdrungen ist, und daraus einen Großteil seiner Kraft ziehen kann. In der Praxis sind beide Positionen selten so strikt geschieden, und kommen beispielsweise bei Weber durchaus nebeneinander bzw. miteinander verbunden vor.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.0. Einleitung

2.0. Die historischen Rahmenbedingungen

3.0. Das Leben des Jesus von Nazareth

4.0. Einführung in den Forschungsstand

5.0. Die Botschaft des Propheten

6.0. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Person Jesus von Nazareth als charismatische Führerpersönlichkeit. Das primäre Ziel besteht darin, den Erfolg seiner Botschaft durch die soziologische Analyse des Charismabegriffs nach Max Weber sowie des Konzepts der Selbststigmatisierung zu beleuchten, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen historischen Rahmenbedingungen und den psychologischen Bedürfnissen der Anhängerschaft analysiert wird.

  • Soziologische Analyse von Charisma nach Max Weber
  • Konzept der Selbststigmatisierung bei charismatischen Bewegungen
  • Einfluss sozio-politischer Rahmenbedingungen im Palästina des 1. Jahrhunderts
  • Inhaltliche Untersuchung der jesuanischen Lehre und ihrer Anziehungskraft
  • Bedeutung der sozialen Marginalität für die Entstehung religiöser Erneuerungsbewegungen

Auszug aus dem Buch

Die historischen Rahmenbedingungen

Nach langen Jahrhunderten assyrischer, babylonischer, persischer und schließlich hellenistischer Fremdherrschaft, und einer weniger als hundert Jahre währenden Unabhängigkeit unter den Hasmonäern (142 v.u.Z – 63 v.u.Z.), befand sich Palästina zur Zeit der Geburt des Jesus als römischer Vasallenstaat unter der Herrschaft des „volksfremden“ Tyrannen Herodes. Im Jahre 6 u.Z. wurde das jüdische Kernland zur römischen Provinz Judäa, während Galiläa, die Heimat des Jesus, dem hellenistisch orientierten Herodessohn Antipas unterstellt wurde.

Nach der hoffnungsvollen Zeit der Hasmonäer, die durch die Wiederherstellung der staatlichen Einheit und ein Zurückdrängen des hellenistischen Einflusses geprägt war, muss der erneute Rückfall unter fremde Herrschaft als große Enttäuschung und als krasser Widerspruch zur göttlichen Verheißung empfunden worden sein. Etliche Autoren beschreiben diese Zeit als „Zeit von Blut und Tränen“.

Wenn auch der jüdischen Religion als „religio licita“ weitgehende Autonomie eingeräumt wurde, brachte die römische Präsenz doch eine starke Einschränkung der Souveränität mit sich. So wurde das ursprünglich höchste und lebenslange Amt des Hohenpriesters der Willkür des römischen Statthalters unterworfen, welcher es nach Belieben gegen Geldzahlungen neu besetzte. Auch die „hellenistische Überfremdung“ schnitt erneut, z.B. durch die Gründung neuer Städte, energisch voran.

Zusammenfassung der Kapitel

1.0. Einleitung: Der Autor erläutert den Entstehungskontext der Arbeit als Ausarbeitung eines Seminars und grenzt seine methodische Herangehensweise, insbesondere die Fokussierung auf Max Weber und Michael N. Ebertz, ab.

2.0. Die historischen Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel analysiert die prekäre politische Lage im römisch besetzten Palästina sowie die soziokulturelle Situation in Galiläa als Nährboden für Aufstandsbewegungen.

3.0. Das Leben des Jesus von Nazareth: Es wird der Lebensweg Jesu nachgezeichnet, wobei besonders seine Konversion zur Bewegung des Johannes des Täufers und sein Wirken in Galiläa hervorgehoben werden.

4.0. Einführung in den Forschungsstand: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung des Charismabegriffs nach Weber sowie die Einführung des Konzepts der Selbststigmatisierung zur Erklärung der Dynamik innerhalb der Jesusbewegung.

5.0. Die Botschaft des Propheten: Dieses Kapitel untersucht die ethischen Forderungen Jesu wie die Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit und deren Funktion als Antwort auf menschliche Sehnsüchte nach Sicherheit.

6.0. Schluss: Der Autor zieht Bilanz über die Wirksamkeit des Charismas, die Grenzen der Jesusbewegung zu Lebzeiten Jesu und deren historische Leistung des Fortbestehens nach seinem Tod.

Schlüsselwörter

Charisma, Max Weber, Jesus von Nazareth, Selbststigmatisierung, Religionssoziologie, Jesusbewegung, Palästina, historische Rahmenbedingungen, Macht, Gewaltlosigkeit, Nächstenliebe, Marginalität, religiöse Bewegung, Machtstrukturen, Gesellschaftsanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Jesus von Nazareth soziologisch als charismatische Führerpersönlichkeit und untersucht, wie seine Botschaft unter den gegebenen historischen Bedingungen und menschlichen Bedürfnissen nach Sicherheit Wirkung entfalten konnte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der soziologischen Charisma-Theorie nach Max Weber, der sozialen Stigmatisierung von Minderheiten in Palästina sowie der inhaltlichen Analyse der jesuanischen Lehre und ihrer psychologischen Anschlussfähigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Erfolg der Jesusbewegung nicht nur durch äußere Rahmenbedingungen zu erklären, sondern den Kern ihres Erfolges in der spezifischen, auf elementare Bedürfnisse ausgerichteten Botschaft Jesu selbst zu identifizieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewandt?

Es handelt sich um eine theoretisch-soziologische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen (Matthäus-Evangelium) und fachwissenschaftlicher Literatur zu Max Weber, Michael N. Ebertz und Wolfgang Lipp basiert.

Welche zentralen Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den politischen Rahmenbedingungen im römisch besetzten Palästina, dem Lebenslauf Jesu, dem soziologischen Charismabegriff, dem Konzept der Selbststigmatisierung und der Analyse zentraler Lehren wie der Nächstenliebe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Schlagworte sind Charisma, Selbststigmatisierung, Jesusbewegung, Religionssoziologie, Macht, Marginalität sowie historische und soziale Rahmenbedingungen.

Wie wird das Konzept der Selbststigmatisierung im Zusammenhang mit Jesus interpretiert?

Der Autor führt das Konzept von Wolfgang Lipp ein, welches besagt, dass Menschen in einer marginalisierten Position ihr erfahrenes Stigma nicht bekämpfen, sondern in ein neues Bewusstsein der Auserwähltheit umdeuten, was den Kern der Anziehungskraft der Jesusbewegung ausmacht.

Welchen Stellenwert räumt der Autor der "gewaltigen Rede" Jesu ein?

Der Autor argumentiert, dass Jesu Erfolg maßgeblich auf seiner Fähigkeit beruhte, existenzielle Menschheitsfragen mit einer neuen, konsequenten Perspektive zu verknüpfen, die über das jüdische Recht hinausging und eine neue Realitätsebene schuf.

Excerpt out of 16 pages  - scroll top

Details

Title
Jesus als charismatische Führerpersönlichkeit
College
Bielefeld University
Course
Charisma und Stigma
Grade
2
Author
Mark Thumann (Author)
Publication Year
2004
Pages
16
Catalog Number
V33165
ISBN (eBook)
9783638337052
Language
German
Tags
Jesus Führerpersönlichkeit Charisma Stigma
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mark Thumann (Author), 2004, Jesus als charismatische Führerpersönlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33165
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  16  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint