Einführung
1.1 Problemabgrenzung:
Warum kommt es immer wieder zu extremen Übertreibungen an der Börse, die dann zu Zusammenbrüchen führen?
Das Thema Börsenpsychologie ist momentan an Aktualität kaum zu übertreffen. Es ist gerade mal etwas länger als ein Jahr her: Am Freitag, den 10. März 2000, erreichten Nemax-All-Share (8.583 Punkte) und Nasdaq Composite (5.132 Zähler) neue historische Höchststände. Viele Börsenexperten hatten keine Probleme, die vorangegangenen irrsinnigen Kurssteigerungen und die extrem hohen Notierungen zu erklären. Optimisten prognostizierten gar einen Jahresendstand von über 10.000 Stellen für den Nemax-All-Share. Die tatsächliche Entwicklung verlief völlig anders. Der Nasdaq brach seit dem Märzhoch um über 60 Prozent auf teilweise unter 2.000 Punkte ein, der Nemax verlor unglaubliche 75 Prozent. Die Wegstrecke wurde von den Kommentatoren meist mit Durchhalteparolen begleitet.1
[...]
____
1 vgl. http://www.stockworld-report.de, 20.03.2001
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
1.1 Problemabgrenzung:
Warum kommt es immer wieder zu extremen Übertreibungen an der Börse, die dann zu Zusammenbrüchen führen?
1.2 Zielsetzung der Arbeit: Erklärung menschlichen Verhaltens
2. GRUNDSÄTZLICHE ERLÄUTERUNG DER VERSCHIEDENEN BÖRSEN UND DES VERHALTENS DER MARKTTEILNEHMER
2.1 Der Rentenmarkt
2.2 Rohstoffe – Warenterminbörse
2.3 Der Devisenmarkt
2.4 Der Aktienmarkt
2.5 Zusammenfassung
3. EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE BÖRSENKURSE
3.1 Langfristige Einflußfaktoren
3.1.1 Krieg oder Frieden?
3.1.2 Der langfristige wirtschaftliche Trend
3.2 Mittelfristige Einflußfaktoren
3.2.1 Die Zinsen
3.2.2 Die Konjunktur
3.3 Kurzfristige Einflußfaktoren
3.3.1 Analystenempfehlungen
3.3.2 Unternehmensgewinne
3.3.3 Politik
4. DIE PSYCHOLOGIE DER MÄRKTE
4.1 Die Stimmung der Marktteilnehmer – Massenverhalten
4.2 Unterschiedliche Reaktionen auf Nachrichten
4.3 Geduld
5. MENSCHEN, DIE KURSE BEEINFLUSSEN
5.1 Analysten
5.2 Unternehmer – Unternehmensprognosen
5.3 Börsengurus
5.4 Medien, Broker, Berater
6. BEHAVIORAL FINANCE
6.1 Heuristisches Entscheiden
6.1.1 Repräsentativheuristik
6.1.2 Verfügbarkeitsheuristik
6.2 Fehlerhafte Wahrnehmung und Interpretation von Informationen
6.3 Keine Fehler eingestehen
6.4 Projektbewertung auf der Basis von Einstandspreisen
6.5 Ein falsches Maß an Risiko
6.6 Selbstüberschätzung
7. SUCHTGEFAHR
8. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Hintergründe von Kursübertreibungen an den Kapitalmärkten. Das Ziel ist es zu ergründen, warum Anleger trotz zahlreicher Warnsignale und historischer Erfahrungen immer wieder in dieselben Verhaltensmuster verfallen, die in Börsenabstürzen enden, und wie diese irrationalen Prozesse durch die Perspektive der "Behavioral Finance" analysiert werden können.
- Analyse der Einflussfaktoren auf Börsenkurse (lang-, mittel- und kurzfristig)
- Untersuchung des Massenverhaltens und psychologischer Stimmungsindikatoren
- Kritische Betrachtung der Rolle von Analysten, Unternehmern und Medien als Kursbeeinflusser
- Darstellung der "Behavioral Finance" zur Erklärung systematischer Fehlentscheidungen
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemabgrenzung: Warum kommt es immer wieder zu extremen Übertreibungen an der Börse, die dann zu Zusammenbrüchen führen?
Das Thema Börsenpsychologie ist momentan an Aktualität kaum zu übertreffen. Es ist gerade mal etwas länger als ein Jahr her: Am Freitag, den 10. März 2000, erreichten Nemax-All-Share (8.583 Punkte) und Nasdaq Composite (5.132 Zähler) neue historische Höchststände. Viele Börsenexperten hatten keine Probleme, die vorangegangenen irrsinnigen Kurssteigerungen und die extrem hohen Notierungen zu erklären. Optimisten prognostizierten gar einen Jahresendstand von über 10.000 Stellen für den Nemax-All-Share. Die tatsächliche Entwicklung verlief völlig anders. Der Nasdaq brach seit dem Märzhoch um über 60 Prozent auf teilweise unter 2.000 Punkte ein, der Nemax verlor unglaubliche 75 Prozent. Die Wegstrecke wurde von den Kommentatoren meist mit Durchhalteparolen begleitet.
Und heute? Urplötzlich hat sich Bescheidenheit breit gemacht, kaum jemand traut sich noch mit optimistischen Einschätzungen an die Öffentlichkeit. Pessimismus hat sich überall breit gemacht, Analysten greifen wieder auf zeitweilig als veraltet geltende Indikatoren wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis zurück, um Hightech-Aktien zu bewerten. Danach notierten die Kurse noch immer viel zu hoch, sagen Kritiker. Suchten die Kommentatoren im letzten Frühjahr nach Argumenten, um eine anhaltende Hausse zu erklären, so bedienen sie sich jetzt anderer Maßstäbe, um eine anhaltende Korrektur zu begründen. Der Pessimismus ist dermaßen groß, daß kaum noch eine Steigerung vorstellbar ist. Auch wenn sich die konjunkturellen Aussichten in den letzten zwölf Monaten verschlechtert haben, geht die Finanzwelt schließlich nicht gänzlich unter und es wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch wieder zu einem Aufschwung an den Finanzmärkten kommen, an den aber momentan kaum jemand zu glauben scheint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Börsensituation und den historischen Kontext, um die zyklische Natur von Börsenbooms und Crashs einzuführen.
2. GRUNDSÄTZLICHE ERLÄUTERUNG DER VERSCHIEDENEN BÖRSEN UND DES VERHALTENS DER MARKTTEILNEHMER: Dieses Kapitel definiert die verschiedenen Anlageklassen und erklärt das grundlegende Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage als Treiber der Märkte.
3. EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE BÖRSENKURSE: Es wird analysiert, wie langfristige, mittelfristige und kurzfristige Faktoren wie Zinsen, Konjunktur und Nachrichten das Kursgeschehen steuern.
4. DIE PSYCHOLOGIE DER MÄRKTE: Das Kapitel behandelt den Einfluss der Marktstimmung, das Massenverhalten und die Bedeutung von Geduld bei der Anlage.
5. MENSCHEN, DIE KURSE BEEINFLUSSEN: Hier werden die Akteure beleuchtet, die durch Prognosen und Empfehlungen – wie Analysten, Unternehmer oder Medien – das Verhalten der breiten Masse beeinflussen.
6. BEHAVIORAL FINANCE: Diese Sektion stellt den wissenschaftlichen Ansatz vor, der systematische psychologische Fehler des Anlegers, wie Heuristiken und Selbstüberschätzung, untersucht.
7. SUCHTGEFAHR: Das Kapitel warnt vor spielsuchtähnlichem Verhalten an der Börse, das bei Privatanlegern wie Profis gleichermaßen auftreten kann.
8. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die Börse ein Spiegelbild der menschlichen Psyche bleibt und Erfolg davon abhängt, sich den irrationalen Massenbewegungen zu entziehen.
Schlüsselwörter
Börsenpsychologie, Behavioral Finance, Kursübertreibungen, Spekulationsblase, Marktstimmung, Anlegerverhalten, Analysten, Massenpsychologie, Rationalitätsfalle, Aktienmarkt, Investment, Aktien, Crash, Rendite, Psychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie psychologische Faktoren das Geschehen an den Finanzmärkten bestimmen und warum Anleger systematisch zu irrationalem Verhalten neigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Einflussfaktoren für Börsenkurse, der Bedeutung von Marktpsychologie, der Rolle von Meinungsführern und der wissenschaftlichen Einordnung durch Behavioral Finance.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung, warum es wiederkehrend zu maßlosen Übertreibungen kommt und warum Marktteilnehmer trotz vorliegender Informationen und historischer Präzedenzfälle nicht aus der Vergangenheit lernen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse auf die klassischen Finanzmarkttheorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Markteinflüssen, die Psychologie der Akteure (Analysten, Medien), die Darstellung von psychologischen "Rationalitätsfallen" sowie die Suchtgefahr bei Spekulationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Behavioral Finance, Marktstimmung, Anlegerpsychologie, Kursübertreibungen, Börsencrash und Massenverhalten.
Was besagt die "Analysten-Trägheit" im Kontext des Dokuments?
Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass Analysten dazu neigen, an einmal getroffenen Bewertungen festzuhalten und nur ungern Fehler eingestehen, was zu mangelnden Revisionen bei veränderten Rahmenbedingungen führt.
Warum wird das Prinzip "Sell on good news" in der Arbeit erwähnt?
Es dient als Beispiel für das Verhalten von Marktteilnehmern, die bei Bekanntgabe positiver Unternehmenszahlen dennoch verkaufen, weil diese Zahlen bereits erwartet wurden und somit kein Überraschungspotenzial für Kurssteigerungen mehr bieten.
- Quote paper
- Jochen Bloß (Author), 2001, Börsenpsychologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3323