Computereinsatz in der Grundschule


Seminararbeit, 2002

20 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung in die Diskussion

2. Allgemeine Argumente zum Computereinsatz in der Schule
2.1 Pro Computereinsatz
2.2 Contra Computereinsatz
2.3 Kontroverse: Vereinsamt die Arbeit am PC?

3. Vorkenntnisse
3.1 Medienkompetenz des Lehrers
3.2 Vorkenntnisse der Schüler

4. Einsatzmöglichkeiten im Unterricht
4.1 Tutorielle Lern- und Übungsprogramme
4.2 Datenbestände
4.3 Dynamische Werkzeuge
4.4 Telekommunikation

5. Einsatzmöglichkeiten für Lehrer
5.1 Eigenes Erstellen von Aufgaben (am Beispiel „Hot Potatoes“)
5.2 Unterrichtsvorbereitung mit Hilfe des Internets

6. Einsatzmöglichkeiten im Fach Englisch
6.1 Praxisbeispiele
6.2 Software

7. Zusammenfassender Kommentar

8. Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Diskussion

Ich beschäftige mich in dieser Hausarbeit mit der Diskussion um den Einsatz der neuen Medien rund um den Computer in Schulen, speziell in Grundschulen. Dies ist ein sehr aktuelles Thema, da neue Medien eine zunehmend größere Rolle in unserer Gesellschaft einnehmen. Die Zahl der in Familien vorhandenen PCs steigt, auch immer mehr Kinder und Jugendliche besitzen einen eigenen PC und nutzen Computerspiele und/oder Lernsoftware. Gerade diese von zu Hause aus geförderte Motivation sollte auch in der Schule genutzt werden. Sofern die benutzte Software didaktisch durchdacht ist, kann es sinnvoll sein, den Unterricht mit Hilfe von Lernprogrammen abwechslungsreich zu gestalten.

Auch in Hinblick auf die (vor allem berufliche) Zukunft der Heranwachsenden ist es wichtig, dass sie in der Arbeit mit einem PC geschult werden. Es werden ständig wachsende Erwartungen an Arbeiter gestellt, worauf man in der Schule vorbereitet werden sollte. Schließlich stellt die Vorbereitung auf die Zukunft eine wichtige erzieherische Aufgabe der Schule dar.

Aus diesen Gründen muss auch die Schule bzw. der Unterricht darauf eingehen. Die Aufgabe, Computer als Arbeitsmittel einzuführen, liegt auf Seiten der Lehrer. Natürlich bildet dies eine neue Schwierigkeit für Lehrkräfte, deren gewohnte Rolle sich ändert. Zunächst müssen Lehrer ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse erweitern. Sie müssen sich Fachkenntnisse bezüglich der Arbeit am Computer aneignen. Dazu gehören Wissen über den Umgang mit dem Computer an sich und den verschiedenen Programmen (auch Internet), die Qualifikation geeignete Lernsoftware auszuwählen und die Idee, wie sie das Lernen am PC didaktisch aufbereiten können, also mit welchen Methoden und Mitteln man den Computer im Unterricht einsetzt. Das ist eine große Forderung, vor der viele Lehrer Angst haben. Es ist jedoch ein wachsendes Engagement innerhalb der Kollegien zu verzeichnen.

Die Gliederung meiner Arbeit orientiert sich an keinem vorgegebenem Muster. Ich gehe zunächst auf die allgemeinen Argumente für bzw. gegen den Einsatz des PCs in der Schule ein. Daran schließe ich eine kurze Kontroverse an, in der ich mich mit der Befürchtung beschäftige, dass die Arbeit am PC zur Vereinsamung der Nutzer führen könne. Das dritte Kapitel behandelt zum einen die von Lehrern benötigte Medienkompetenz, zum anderen welche Vorkenntnisse die Schüler mitbringen. Weiter stelle ich die Einsatzmöglichkeiten des Computers erstens im Unterricht, zweitens für den Lehrer dar. Ich schließe meine Arbeit mit dem Blick auf das Fach Englisch, wozu es allerdings leider weder viel Software, noch eine große Auswahl an wissenschaftlichen Beiträgen gibt.

2. Allgemeine Argumente zum Computereinsatz in der Schule

Ich stelle hier einige Argumente für und gegen den Computereinsatz dar, welche in der gängigen Literatur diskutiert werden. Dabei stellen sich diese Vor- oder Nachteile nicht automatisch ein, sondern hängen davon ab, wie der Computer letztendlich in der Realität eingesetzt wird.

2.1 Pro Computereinsatz

Da die Literatur, die sich mit dem Einsatz des Computers in Schulen auseinandersetzt, meist die Benutzung neuer Medien anregen möchte, werden viele positive Eigenschaften aufgeführt. Das Lernen am Computer kann folgendes fördern:

- Individualisiertes Lernen:

- Schüler lernen auf unterschiedliche Weise, haben Schwierigkeiten in verschiedenen Fächern und Inhalten, verschiedene Interessenmuster und Motivationshöhe. „Unterricht muß daher individualisiert werden, was über gängigen Frontalunterricht auch bei annehmbarer Klassengröße und selbst über Gruppenunterricht kaum erreicht werden kann.“ (Krauthausen/Herrmann 1994, S. 25) Dabei kann sich der Begriff Individualisierung auf Lerntempo (und Wiederholbarkeit), Lerntypen (mehrkanaliges Lernen) oder inhaltliche Schwierigkeit beziehen.

- Adaptive Wissensbereitstellung:

- „Ein Programm ist adaptiv, wenn es versteht, was der Benutzer will, wenn es sich seinem Niveau anpaßt und ihm Informationen nur dann gibt, wenn er sie braucht.“ (Kleinschroth 1996, S. 27) Solche Programme stellen zwei Formen von Hilfen zur Verfügung:

- 1. Hilfen durch zusätzliche Beispiele (induktive Hilfen)
- 2. Hilfe durch Bereitstellung von Regeln (deduktive Hilfen)

- Interaktives Lernen:

- Der Lerner kann am Computer interaktiv lernen, da er in eine Art Dialog mit dem Programm tritt. Bei der Arbeit am Computer hat der Lerner weitaus mehr direkten Kontakt als mit dem Lehrer im Frontalunterricht. Dabei sollte das Programm nicht nur Fragen stellen, sondern auch Fragen des Lerners beantworten können.

- Entdeckendes Lernen:

- Lernen wird nicht mehr nur als Prozess der Wissensaufnahme gesehen, sondern als „Konstruktion geistiger Modelle“ (Krauthausen/Herrmann 1994, S. 27), wobei die Rolle des Schülers „als notwendig aktiv angesehen“ (Krauthausen/Herrmann 1994, S. 27) wird. Neu aufgenommenes Wissen muß mit existierendem Wissen kombiniert werden. Dies bezeichnet entdeckendes Lernen.

- Anschaulichkeit/Motivation:

- Durch graphische, akustische Gestaltung und Bewegungseffekte (z.B. blinkende Wortbausteine, schrittweiser Wortaufbau) wird der Lehrstoff anschaulicher dargeboten. Zusätzlich wird die Motivation durch Erfolgserlebnisse und Loben erhöht.

- Sofortige Korrektur:

- „Entsprechende Programme bieten die sofortige Rückmeldung (Feedback) über Erfolg und Misserfolg.“ (Mitzlaff 1997, S. 57) Dadurch wird dem Einprägen einer fehlerhaften Lösung vorgebeugt. Im normalen Unterricht werden Hausaufgaben im Plenum besprochen, so dass in den Schülerheften oft Fehler stehenbleiben.

- Erziehung zur Exaktheit:

- Übungsprogramme akzeptieren nur Antworten, die exakt richtig sind. Dies ist ein Vorteil in den Fächern Mathematik und Orthographie.

- Angstabbau durch Anonymität:

- Beim Üben am Computer fällt der Lehrer als „subjektiver Zensor weg“. (Kleinschroth 1996, S. 25) Jeder Schüler wird somit objektiv und gleich beurteilt. Das Programm motiviert, lobt, korrigiert oder bewertet. Außerdem muß kein Schüler Angst vor dem Spott der Klasse haben, falls er eine falsche Antwort gibt. Davon „profitieren vor allem schwache, mißerfolgsgewohnte Lerner.“ (Kleinschroth 1996, S. 25)

- Zeitersparnis:

- Durch den Einsatz von Übungsprogrammen kann man Arbeitszeit einsparen. Das Programm bewertet in Bruchteilen von Sekunden und legt gleich die nächste Aufgabe vor. Durch akustische und visuelle Signale wird die Aufmerksamkeit des Schülers immer wieder auf das Programm gelenkt. Der Lernende wird ständig motorisch und geistig beschäftigt, wodurch die Konzentrationszeit erhöht wird.

- Förderung der Selbständigkeit:

- „Lernen wird durch den Einsatz neuer Medien selbstbestimmter, kommunikativer, kreativer und eigenverantwortlicher.“ (Heyden/Lorenz 1999, S. 78) Der Einsatz von Computern fördert also das selbständige Arbeiten.

2.2 Contra Computereinsatz

Natürlich kann kein Medium nur Vorteile aufweisen, gerade der Computer wirft einige Probleme auf, die im Zusammenhang mit Technik stehen:

- Technischer Aufwand:

- Es sind viele technische Voraussetzungen notwendig. Es sollten für jedes Kind ein Computer mit Drucker- und Internetanschluss zur Verfügung stehen. Das ist sehr teuer, man muss sich also um Sponsoren kümmern.

- Medienkompetenz:

- Oft sind die Schüler mehr mit dem Medium Computer vertraut als die Lehrer, welche erst noch in Fortbildungen geschult werden müssen. Es gibt jedoch einige Lehrer, die sich dem Benutzen neuer Medien noch widersetzen.

- Doch auch Schüler (meist Mädchen) müssen oft erst die Grundlagen im Umgang mit dem PC erlernen.

- Fehleranalyse:

- Ein Übungsprogramm leistet nur die Fehlererkennung, doch keine Fehleranalyse, d.h. erstens der Schüler kann durch Probieren auf die richtige Lösung kommen, und zweitens kann er keine zuverlässige Information darüber geben, in welchem Bereich der Lerner Schwierigkeiten hat. „Produktive Fehler fallen durch das ‚Richtig/Falsch‘-Sieb“. (Krauthausen/Herrmann 1994, S. 130)

- Monotonie:

- Auch die Arbeit am PC birgt die Gefahr der Monotonie, wenn er öfter benutzt wird. Alles Neue motiviert zunächst, findet ein Kind erst mal heraus, dass das „Spiel“ immer nach dem selben Schema aufgebaut ist, wird das auch sehr schnell langweilig.

- Überflüssige Lehrerrolle?

- Der Lehrer verliert im Unterricht mit dem Computer seine zentrale Rolle. Er sagt, welches Programm verwendet werden soll und fungiert dann nur noch als außenstehende Person, die Hilfestellung leisten kann. Bei der Verwendung von Übungsprogrammen hat der Lehrer kaum noch Filter- und Anreicherungsmöglichkeiten.

- Andererseits können sich bequeme Lehrer dann einfacher „ausruhen“ und den Computer als „Babysitter“ genießen.

2.3 Vereinsamt der PC?

Die Kontroverse um den Computereinsatz wird besonders heftig ausgetragen, wenn es um die Grundschule geht. Einerseits wird darauf hingewiesen, dass der Alltag vieler Kinder ohnehin durch einen Mangel an Primärerfahrungen gekennzeichnet ist. Nötig seien mehr konkrete sinnliche Alltagserfahrungen, nicht ein Einsatz von Computern, der den Kindern nur noch mehr Entfremdung bringen würde. Andererseits gibt es die Hoffnung, der Einsatz von Computern im Unterricht werde sozusagen zwangsläufig zur Demokratisierung von Unterricht führen, da eine sinnvolle Computernutzung im Frontalunterricht gar nicht durchführbar sei.

Mögliche Auswirkungen dieser „digitalen Revolution“ auf den sozialen Umgang machen sich besonders in der zwischenmenschlichen Kommunikation bemerkbar. Die unmittelbare Kommunikation („face-to-face“-Kommunikation) tritt weit hinter die mittelbare Kommunikation (medienvermittelt). Ein nicht bestreitbarer Vorteil des Computers ist die Möglichkeit mit einzelnen oder mehreren Personen, die viele Kilometer entfernt sind, online zu kommunizieren.

Ein Nachteil der Computergeneration ist die Abnahme der unmittelbaren Kommunikation, z.B. durch sogenannte Heimarbeit, bei der ein Arbeiter aus der Dienstleistungsbranche durch einen Telefonanschluss Zugriff auf sämtliche Programme seines Unternehmens hat. Somit schwindet der Kontakt unter Kollegen, welcher funktionale, soziale und emotionale Bedürfnisse befriedigen sollte. Der Mensch benötigt unmittelbare Kommunikation , um sein Bedürfnis nach körperlicher Nähe, emotionaler Sicherheit und geistiger Orientierung zu befriedigen. Werden diese nicht erfüllt, führt dies zu einer eventuellen Vereinsamung des Individuums.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Computereinsatz in der Grundschule
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Seminar: Computer als Werkzeug und Medium im Fremdsprachenunterricht
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V33263
ISBN (eBook)
9783638337830
ISBN (Buch)
9783640712892
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Computereinsatz, Grundschule, Seminar, Computer, Werkzeug, Medium, Fremdsprachenunterricht
Arbeit zitieren
Fee Krausse (Autor), 2002, Computereinsatz in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33263

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