Funktionen des Webs für Presseverlage und Rundfunkanstalten: Nur PR oder Beitrag zur publizistischen Vielfalt?


Seminararbeit, 2004

21 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffsklärung: Online und Multimedia

2 Die Entwicklung der Internetauftritte der Verlage und des Rundfunk

3 Gegenwärtige Situation der Online Angebote
3.1 Web Auftritte der Printmedien
3.2 Web Auftritte der Rundfunkanstalten

4 Strategien der „Alten“ Medien im Netz
4.1 Strategien der Printmedien
4.2 Ziele der Rundfunkanstalten

5 Wie werden die technischen Möglichkeiten des Internet genutzt?
5.1 Überblick über die Möglichkeiten des Webs
5.2 Beispiele verschiedener Websites
5.2.1 Nachrichten Magazine
5.2.2 Fernsehanstalten
5.2.3 Tageszeitungen

6 Fazit und Bewertung, Ausblick in die Zukunft

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Seit der Geburtstunde des Internet Mitte der neunziger Jahre ist dessen Nutzung in Deutschland stark angestiegen.2003 ist entgegen den Erwartungen der Experten das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gestiegen. Vor allem für Jugendliche ist das Internet aus dem Alltag kaum noch wegzudenken, aber auch die ältere Generation zeigt sich weiterhin aufgeschlossen[1]. Nicht zuletzt aufgrund sinkender Preise für den Zugang und die Anschaffung der technischen Ausrüstung hat sich das „WWW“[2] derart stark verbreitet und ist zu einem ernsthaften Massenmedium geworden. Es liegt auf der Hand, dass nicht nur die Nutzung sondern auch das Angebot stark gestiegen ist, was die deutschen Verlage eine neue Konkurrenzsituation bringt, und es diesen unmöglich macht sich der Entwicklung zu verweigern. Die Arbeit soll sich der Frage, inwieweit deutsche Zeitungsverlage und Rundfunkanstalten die technischen Möglichkeiten des Internet nutzen, welche Strategien dabei verfolgt werden und ob dies zu einer erhöhten publizistischen Vielfalt führt. Hierbei muss anfänglich ein Augenmerk auf den Anstieg der zu betrachtenden Internetpräsenzen gelegt werden, sowie auf deren Entwicklung. Was ursprünglich mit der Freigabe des http Protokolls[3] begonnen hat, wurde verständlicherweise nicht von Anfang an von allen Verlagen ausgeschöpft. Gerade zu den Hochzeiten des Internetboom sind zudem die technischen Möglichkeiten die das Medium anbietet beträchtlich gestiegen. Mittlerweile existieren zahlreiche Multimedia[4] Formate, welche die Darstellung und Strukturierung von Inhalten erleichtern und verbessern. Weiterhin sind zahlreiche interaktiv nutzbare Techniken im entstanden. Für die Medienanstalten geht es daher nicht mehr um die Frage ob, sondern wie ein Internetauftritt realisiert wird. Ein großes Augenmerk dieser Arbeit liegt darauf, wie die neuen Chancen auf den betrachteten Internetseiten umgesetzt werden, oder ob noch Verbesserungen möglich sind. Hierzu werden einige repräsentative Beispiele herangezogen. Nicht nur das Online Produkt selbst soll Gegenstand der Betrachtungen bleiben, sondern auch die Strategien der Verlage, welche durch den Online Auftritt verwirklicht werden. Denn es haben sich verschiedene Funktionen des Webs für Verlage gezeigt. Dies liegt zum einen an den verschieden Muttermedien, und zum anderen an den technischen Vorraussetzungen des Webs, sowie an der bestehenden Konkurrenz zu nicht kommerziellen WWW Inhalten. Abschließend soll eine Bewertung der aktuellen Online Bemühungen stattfinden, und ein kurzer Ausblick in die zukünftige Entwicklung gegeben werden.

1 Begriffsklärung: Online und Multimedia

Durch technologische Innovationen gibt es in den letzten zwei Jahrzehnten einen Umbruch in der Kommunikationsgeschichte der Menschheit, vor allem in hoch entwickelten Ländern. Es kommt zu einer Verschmelzung von bisher unabhängigen Medien wie Ton, Bild, Text und gesprochener Sprache[5]. Für dieses Phänomen hat sich inzwischen der Begriff Multimedia eingebürgert. Der Ausdruck Online wird gerne im Zusammenhang mit Multimedia gebraucht, jedoch darf er nicht mit diesem verwechselt werden, da er nur den Übertragungsweg eines Mediums meint, nämlich den Abruf von einem Computer über das Internet. Multimedia hingegen bezeichnet die Art des Mediums an sich, welches autark ist, also nicht ausschließlich im Internet verfügbar sein muss, sondern auf jedem digitalen Datenträger vorhanden sein kann[6]. Eine wichtige Vorraussetzung für diese Entwicklung ist die Digitalisierung, also die Umwandlung von analogen Signalen in eine für den Computer verständliche, jederzeit verlustfrei wiederzugebende Folge aus Binärzeichen (0 und 1)[7]. Hierdurch entsteht der Vorteil, dass man den Speicher bedarf dieser Art von Daten durch Kompression zu reduzieren vermag, beispielsweise durch das Weglassen unwichtiger Teile, oder die Codierung mittels mathematischer Algorithmen.

2 Die Entwicklung der Internetauftritte der Verlage und des Rundfunk

Schon in den frühen achtziger Jahren gab es Bestrebungen, Zeitungsangebote über den Bildschirm anzubieten, das Medium war der Bildschirmtext, der es ermöglichte eine Bildschirmzeitung, sowie Anzeigenmärkte und Serviceleistungen zu veröffentlichen. Die technischen Vorraussetzungen waren konnten den Bedürfnissen damals jedoch noch nicht gerecht werden, und so kam es nicht zu nennenswerten Auswirkungen auf das Mediensystem[8]. Es lies sich jedoch bereits erkennen, dass bei entsprechender Verbreitung und einer sinnvollen Nutzung durch die Anbieter Elektronische Medien eine attraktive Kommunikationsmöglichkeit darstellen können. Mit der Geburt des World Wide Web und dem Aufkommen der ersten großen Internetprovider wie AOL und Compuserve[9], waren diese Bedingungen endgültig erfüllt und die Zahl der verfügbaren Websites stieg rasch an[10]. Wie bereits gesagt konnten sich die Zeitungen dieser Entwicklung nicht verweigern. So gab es im Jahr 1995 die ersten fünf Webseiten von deutschen Verlagen, die „Schweriner Volkszeitung“ und „Die Welt“ waren zwei der Ersten. Zwischen 1996 und 2000 stieg die Zahl solcher Internetauftritte rasant an[11]. Ein Problem bei dem Rückblick auf die anfänglichen Bemühungen besteht darin, dass sich alte Versionen der Internetseiten schlecht konservieren ließen[12], oder vielmehr in zahleichen Online Redaktionen einfach nicht aufbewahrt wurden. Erwähnenswert ist hierzu die Seite „Spiegel Online“, welche 1996 erstmals eingestellt wurde. Der Spiegel begeht in diesem Jahr sein 10 Jähriges Online-Jubiläum und hat daher eine der ersten Versionen noch einmal zur Ansicht ins Netz gestellt[13], was ein gutes Beispiel über das anfängliche Web-Engagement abgibt. Die Online-Redaktion bestand aus drei Journalisten, die eine Seite mit circa fünf zugehörigen Unterseiten produzierten und nebenbei noch für das Muttermedium schrieben. Es gab keine fortlaufenden Updates sondern es wurde in Ausgaben wie bei einem Printmagazin produziert. Bilder und multimediale Elemente fehlten gänzlich und die Artikel kamen denen der Printausgabe sehr nahe, in der Anfangszeit bestanden Existenzprobleme, wahrscheinlich wegen geringer Ausnutzung und dem spärlichen Angebot. Der gezeigt Fall ist durchaus repräsentativ für die anfänglichen Internet Ambitionen der Zeitungsverleger, hinsichtlich der Tagespresse zeichnete sich ein wesentlich schlechteres Bild ab, was Christoph Neuberger in einer im Jahr 2000 veröffentlichten Studie festzustellen meint. Er kommt zu dem Ergebnis, dass eine „Vielzahl der Angebote nicht mit publizistischer Vielfalt gleichzusetzen“[14] ist.

In der Tat gingen lediglich ausgewählte Artikel der Printausgabe online, eine weiterführende redaktionelle Arbeit fand nicht statt. Die Journalistischen Leistungen der Online-Redakteure waren nicht sehr gut, unter anderem deshalb weil es eine ungeliebte Arbeit war, die innerhalb des Verlages einer Strafe gleichzukommen schien. Häufig schlichen sich auf den Webseiten Fehler ein, sowohl inhaltlich als auch was die Rechtschreibung betrifft, denn aufgrund des hohen Zeitdrucks und des Aktualitätsanspruchs den das neue Medium hatte fand eine Korrektur der Artikel nicht immer statt. Aus demselben Grund landeten zahlreiche Falschmeldungen auf den Webservern, weil seitens der Journalisten nicht auf eine Bestätigung gewartet wurde, beziehungsweise nicht gewartet werden konnte. Rundfunkanstalten sind mit dem Jahr 1999 auch sehr stark im Internet vertreten[15]. Teilweise werden aktuelle Sendungen im Internet angeboten, sowie aktuelle Informationen geliefert. Derartige Onlineangebote sollen im nächsten Teil der Arbeit erstmalig betrachtet werden, wenn es um eine Bestandsaufnahme der verschienen Internetpräsenzen geht.

3 Gegenwärtige Situation der Online Angebote

3.1 Web Auftritte der Printmedien

Bis heute ist die Zahl der Zeitungen, welche im Internet vertreten sind auf 631 angestiegen[16]. Einhergehend mit der hohen Nutzungshäufigkeit ist es unabdingbar geworden einen Online Ableger zu unterhalten. Ab 2002 beginnen die Verlage zunehmend die technischen Vorteile des Internet zu nutzen[17]. Das Internet Engagement ist innerhalb der großen Verlage stark gestiegen, was sich auch in Zahlen Ausdrücken lässt. So wird Spiegel Online[18] heute von einer ca. 40 köpfigen Voll-Redaktion betreut, die täglich mehrere hundert Aktualisierungen vornimmt. Ein Rekord von 35 Millionen Visits[19] im März 2003 machen die Seite zu einem der führenden Journalisten Angebote im Netz[20]. Im Bereich der

Tageszeitungen hat sich weniger verändert, die Redaktionen sind bei einigen Anbietern zwar gewachsen, beim Online-Bruder der Süddeutschen Zeitungen beispielsweise sind ca. zehn Journalisten beschäftigt, die sich sieben verschiedene Ressorts teilen[21]. Jedoch arbeiten zwei fünftel aller Online-Redakteure arbeiten gelegentlich noch für die Printausgabe, was keinen großen Fortschritt darstellt[22]. Durchschnittlich arbeiten in den Onlineredaktionen nur drei Journalisten. Kleinere Zeitungen führen sogar nach Chr. Neuberger immer noch keine eigenständige Online Abteilung und beschränken sich ganz auf Artikel der Printausgabe, was er als schlechte Entwicklung betrachtet[23]. Die Anforderungen an den Journalisten selbst haben sich im Online-Geschäft verändert, es sind neue, vor allem technische Aufgaben hinzugekommen, und der Kontakt zum Leser wurde verstärkt, es ist klar das viele dies erst einmal lernen müssen. Eine Auflistung der neuen Aufgaben findet sich im Anhang[24].

3.2 Web Auftritte der Rundfunkanstalten

Die Web Präsenzen der Fernsehanstalten können nach mehreren Kriterien unterschieden werden. Zum einen sind Sendergemeinschaften wie die ARD im Internet vertreten, zum anderen gibt es Auftritte einzelner Sender[25], sowie ganze Internetseiten zu einzelnen Sendungen[26]. Natürlich muss bedacht werden, dass auch der Unterschied zwischen öffentlich rechtlichem und privatem Anbieter eine große Rolle spielt. 1999 waren alle öffentlich rechtlichen Anstalten im Web präsent, weiterhin zwei drittel der privaten Anbieter. Oft werden Teile des Programms im Internet angeboten, sowie aktuelle Informationen[27]. Einige Sender arbeiten auch mit Internetportalen zusammen, das ZDF kooperiert beispielsweise mit dem Portal T-Online. Einige Sender weiten ihr Internetangebot derart aus, dass sie Internetservices anbieten indem sie beispielsweise als Provider fungieren[28]. Während sich die öffentlich rechtlichen Programme aus den Gebühren finanzieren, investieren die Privatsender Millionenbeträge in die Entwicklung ihrer Internet Auftritte und müssen daher sehr gewinnorientiert agieren. Abhängig von dieser Tatsache haben sich verschiedene Strategien gezeigt, die von Verlagen und Rundfunkanstalten durch eine Webseite umgesetzt werden können. Diesen sollen im Folgenden dargestellt werden.

4 Strategien der „Alten“ Medien im Netz

Während es am Anfang des Internetzeitalters vor allem darum ging dabei zu sein und Erfahrung mit dem neuen Medium zu sammeln, reicht dies nun als einzige Intention für ein Engagement im Web auch aufgrund der hohen Kosten nicht mehr aus. Nun werden einzelne Strategien beschreiben, welche von den Medienanstalten durch ihre Internetauftritte verfolgt werden, diese sind selbstverständlich abhängig vom jeweiligen Muttermedium und kommen weiterhin selten in „Reinform“ vor, viel mehr vermischen sich unterschiedliche Zielsetzungen[29]. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die Zielgruppe, die im Internet vor allem erreicht wird, waren dies in den ersten Jahren vor allem Jugendliche, so hat sich mittlerweile die Internetnutzung wie bereits gezeigt auch in anderen Altersstufen stark erhöht. Eines der zentralen Probleme stellt die Finanzierung des Onlineangebots dar, dies soll vor im Bereich der Tageszeitungen vor allem durch die Gewinnung neuer Anzeige und Werbekunden gelöst werden, was aber in der Anfangszeit aufgrund einer hohen Skepsis der Wirtschaft gegenüber dem Web schwierig zu bewerkstelligen war.

[...]


[1] 92,1% der 14-19 Jährigen nutzen das Internet zumindest gelegentlich, bei der Altersgruppe der 50-59 Jährigen immerhin 48,8%.Quelle: ARD/ZDF-Online-Studie2003, in Media Perspektiven 8/2003

[2] Abkürzung für World Wide Web, die Graphische Benutzeroberfläche des Internet.

[3] H yper t ext T ransfer P rotocol: Das Übertragungsprotokoll des WWW

[4] Der Begriff wird im nächsten Abschnitt geklärt

[5] Vgl. Noelle-Neumann/Schulz/Wilke, S.304

[6] z.B.: CD, DVD, Festplatte

[7] Vgl. Noelle-Neumann/Schulz/Wilke, S.304

[8] Vgl. Neuberger/Tonnemacher/Duck/Andre, Die deutschen Tageszeitungen im Web

[9] AOL (America Online) 1985, Compuserve 1979

[10] Anfänglich ca. 500 nach 10 Jahren über 12 Milliarden, Quelle: ARD/ZDF online Studie 2003

[11] von 39 auf 230, siehe auch dazu Abb. 1 im Anhang

[12] Damals war der Speicherplatz noch nicht in dem Maße verfügbar wie heute

[13] Screenshot siehe Abb. 2 im Anhang

[14] Christoph Neuberger, „Massenmedien im Internet“ in Media Perspektiven 3/2000 S.103

[15] Vgl. Abb. 3 im Anhang

[16] Vgl. Abb. 1im Anhang

[17] Weiteres dazu an späterer Stelle

[18] www.spiegel.de

[19] Anzahl der Aufrufe der Startseite

[20] Quelle: www.spiegel.de

[21] Politik, Wirtschaft, Kultur, München, Sport, Job&Karriere, Immobilien

[22] Quelle: Projekt Journalismus und Internet von Ch. Neuberger an der Universität Eichstätt

[23] Interview bei www.onlinejournalismus.de vom 30.06.2002

[24] Vgl. Abb. 4 im Anhang

[25] PRO7, Kabel 1, RTL u.a.

[26] Bsp. Gute Zeiten Schlechte Zeiten

[27] Vor allem bei den öffentlich rechtlichen, Eine kurze Übersicht gibt Abb. 3 im Anhang

[28] RTL.net

[29] Vgl. Chr. Neuberger 2002 S.115

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Funktionen des Webs für Presseverlage und Rundfunkanstalten: Nur PR oder Beitrag zur publizistischen Vielfalt?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Proseminar Medienlehre
Note
1.7
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V33274
ISBN (eBook)
9783638337939
ISBN (Buch)
9783638789837
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionen, Webs, Presseverlage, Rundfunkanstalten, Beitrag, Vielfalt, Proseminar, Medienlehre
Arbeit zitieren
Anton Bühl (Autor), 2004, Funktionen des Webs für Presseverlage und Rundfunkanstalten: Nur PR oder Beitrag zur publizistischen Vielfalt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33274

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