Das Baskenland und die ETA. Geschichte, Identität, Unterdrückung und Terror eines Volkes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

25 Seiten, Note: 1-


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Sonderfall Baskenland

2. Das Baskenland: Ein geschichtlicher Rückblick
2.1 Von den Anfängen bis ins 19.Jhr
2.1.1 Die Gründung des ersten eigenständigen Baskenstaates
2.1.2 Die Eingliederung in den zentralistisch-spanischen Nationalstaat
2.1.3 Die national-baskische Renaissance
2.2 Die Zweite Republik 1931-1936
2.3 Der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939

3. Die Basken unter der Diktatur Francos 1939-1975
3.1 Die Unterdrückung auf wirtschaftlich-politischer Ebene
3.2 Die Unterdrückung auf sprachlich-kultureller Ebene
3.3 Das Gefälle innerhalb der Bevölkerung
3.4 Die Folgen der Unterdrückung durch Franco
3.5 Die Hoffnung auf die Alliierten
3.6 Die Zeit der Mobilisierung

4. Die ETA
4.1 Die Geschichte der ETA in 4 Phasen
4.1.1 Die Vorgeschichte der ETA 1952-1959
4.1.2 Die Frühgeschichte der ETA 1960-1969
4.1.3 Der Höhepunkt der Geschichte der ETA 1967-1970
4.1.4 Die Spätphase der ETA
4.2 Die Ideologie der ETA
4.2.1 Die ETA und die Jugend
4.2.2 Die sprachlich-kulturelle Entwicklung

5. Ende des Franco Regimes, Monarchie und Transición 1975-1982
5.1 Der Tod Francos 1975
5.2 Der Franquismus bleibt
5.3 Die ETA bleibt
5.4 Die neue Verfassung
5.4.1 Ein Statut für das Baskenland

6. Das Baskenproblem während der sozialistischen Ära 1982-1996
6.1 Die Regierung unter González
6.2 Der Kampf gegen den ETA-Terror

7. Das Baskenproblem während der konservativen Ära 1996-heute
7.1 Die Regierung unter Aznar
7.2 Die Verfolgung der ETA
7.2.1 Der Umgang mit Herri Batasuna
7.3 Der Protest des Volkes

8. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Fehler und Lösungen
8.1 Historische Fehler im Umgang mit dem Baskenland
8.2 Fragwürdiges Vorgehen der Sozialisten und der Konservativen
8.3 Problemlösung intern

9. Heute

1. Einleitung

1.1 Sonderfall Baskenland

Die Entwicklung des Baskenlandes von einer ruhigen zu der aufständigsten Zone Spaniens fing 1937 an, erreichte 1970 ihren Höhepunkt und dauert bis heute an.[1]

Das Baskenland, von dem Josef Lang behauptet, es sei „eine der höchst industrialisierten und am dichtesten bevölkerten Zonen Europas“[2], ist in 7 Provinzen eingeteilt, von denen vier in Spanien liegen: Viskaya, Guipuzcoa und Alava, die die Autonome Region Baskenland bilden, und Navarra, welches eine eigene autonome Region bildet. In Frankreich liegen drei Provinzen: Soule, Basse-Navarre und Labourd. Im Folgenden werde ich mich auf die Entwicklung des spanischen Teils des Baskenlandes beschränken, da die Provinzen Spaniens in den letzten Jahrzehnten besonders im Kreuzverhör standen. Mit deren geographischen Isolation am Rande Spaniens verfestigte sich über die Jahre auch ihre markante „soziale, kulturelle und politische Sonderentwicklung“.[3]

Die Regionen im Norden Spaniens litten alle lange Zeit stark unter der Vormachtstellung des Zentrums Madrid. Das Baskenland trat jedoch als Sonderfall hervor, da es seinen Wunsch nach Unabhängigkeit bis heute nie aufgab. Der aufkommende baskische Nationalismus hat zwei Hauptgründe: Der erste Grund liegt in den kulturellen und sprachlichen Eigenheiten der Region. Der zweite liegt in der wirtschaftlichen Entwicklung des Baskenlandes. Die Region verfügt aufgrund ihres Eisenerzes über eine wirtschaftlich große Bedeutung und der Hafen macht sie zu einem wichtigen Handelszentrum. Im Gegensatz dazu stand, dass das Baskenland politisch lange Zeit keinen Einfluss gewinnen konnte, was als den Ursprung der konfliktreichen und langen Zeit des Blutvergießens einzuschätzen ist.

In dieser Arbeit soll anhand der Geschichte Spaniens die Sonderentwicklung des Baskenlandes aufgezeigt, und die „baskische Problematik“ von den ersten Anfängen bis zum heutigen Tage nachvollzogen werden. Die Ausführungen lehnen sich insgesamt im Wesentlichen an die 1983 publizierte Dissertation von Josef Lang. Zur Einbeziehung der aktuellen Geschehnisse, wurden u.a. die Texte zur spanischen Geschichte von Walther Bernecker hinzugezogen.

Im Zentrum der Fragestellung der vorliegenden Arbeit stehen die Forderungen eines Volkes, dessen nationalen Bestrebungen sich bis heute zu extremen Formen des Terrorismus zugespitzt und radikalisiert haben. Wie konnte es zu einer solchen Radikalisierung der endemischen Nationalbedürfnisse kommen? Und wie wird mit nationalistischen Bestrebungen in einem westeuropäischen Land umgegangen? Es ist selbstverständlich, dass der kulturell-sprachliche Aspekt hierbei eine, die politischen Entwicklungen tragende, Rolle spielt. Die baskische Sprache, die sieben verschiedene Dialekte umfasst, darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Das Baskische weist keinerlei Verwandtschaft mit dem Spanischen auf; es ist eine einzigartige Sprache, deren Herkunft nicht genau ermittelt werden kann. Es handelt sich um die ,,einzige überlebende vor-indoeuropäische Sprache Europas“, die aufgrund ihrer komplexen Struktur für Nicht-Muttersprachler extrem schwierig zu erlernen ist.[4]

2. Das Baskenland: Ein geschichtlicher Rückblick

2.1 Von den Anfängen bis ins 19.Jhr.

2.1.1 Die Gründung des ersten eigenständigen Baskenstaates

Das römische Besatzungsinteresse für das wegen seiner Wildheit und Stammeszersplitterung unregierbare Baskenland war gering. Die arabische Besetzung befreite die Basken vom Germanischen Druck, welche die auf der Iberischen Halbinsel bestehenden Konflikte nutzten, um ihre Eigenständigkeit zu behaupten. Die Kämpfe gegen die Goten schufen dann die Notwendigkeit eines militärischen Zusammenschlusses der zersplitterten Stämme. Mit der Gründung des Fürstentums Pamplona entstand der erste eigenständige Baskenstaat. Die baskischen Grafschaften, die sich der maurischen und fränkischen Herrschaft widersetzten, bildeten 905 das Königreich Navarra.[5]

2.1.2 Die Eingliederung in den zentralistisch-spanischen Nationalstaat

„Die neuen Königshäuser von Aragón und Kastilien erhoben sich bald gegen die Souveränität Navarras.“ Damit legten sie den Grundstein für die Königreiche von Kastilien und Aragonien, die vereinigt die Welt beherrschen sollten.[6] Die Basken waren dadurch, dass sie sich keine eigenständige politische Macht aufbauten, gezwungen, sich mit dem Herzogtum und späteren Königreich Kastilien zu arrangieren. Die gegenseitigen Rechte und Pflichten zwischen der Krone und den Baskenprovinzen regelte sich über die sog. fueros – eine allgemeine rechtliche Einrichtung im mittelalterlichen Spanien. „Dank diesen fueros war die Souveränität der Basken über ihre Provinzen fast unbeschränkt.“[7] Diese institutionellen Privilegien waren es, (die nach den Bürgerkriegen 1834-40 und 1873-76 im Wesentlichen aufgehoben wurden) auf die sich bis heute noch der ethnische Nationalismus beruft: „El nacionalismo vasco fue principalmente caracterizado por una reacción de una identidad cultural tradicionalista amenazada por la abolición de los fueros.”[8]

Nach der missglückten Eroberung Madrids, der Karlistenkriege des 19.Jhr., wurde ein Kapitulationsfriede geschlossen, der die baskischen fueros einschränkte, die national-spanische Souveränität über das Baskenland beschloss, und die Grenzen zum Norden hin verschob, so dass Navarra seine Stellung als eigenständiges Königreich verlor.

Im Zuge der militärischen Eroberung des Baskenlandes durch Diktator Primo de Rivera wurden die fueros gänzlich aufgehoben. Die endgültige Eingliederung in den zentralistisch-spanischen Nationalstaat brachte antiliberale und antizentralistische Massenbewegungen im Baskenland mit sich. Die Unterdrückung aller baskischer Eigengesetzte und Eigenarten, um den seit Jahrhunderten schwelenden Regionalismus auszurotten, lies den baskischen Nationalismus reifen.[9]

„Parece ser que la transformación de la sencilla idea de una identidad entre los vascos en la ideología d un movimiento nacionalista encuntra sus orígenes en los profundos cambios sociales y económicos que experimentó Vizvaya a lo largo de la década de 1880-1890.“[10]

1895 wurde die Baskisch Nationalistische Partei, el Partido Nacionalista Vasco, kurz PNV, gegründet. Der Gründer, Sabino Arana (1865-1903), gilt heute als der Gründer der Bewegung, die man später den baskischen Nationalismus nannte:

„La definición de los rasgos diferenciados de la identidad vasca (lengua, fueros) con la nacionalidad vasca fueron prácticamente elaborados por Sabino Arana. (...) Su discurso dominaba el nacionalismo vasco hasta la Guerra Civil.“[11]

Um die einheimische Arbeiterschaft politisch binden zu können, gründete die PNV im Zuge der um sich greifenden Industrialisierung mit deren ambivalenten Folgen eine Gewerkschaft. Bilbao verzeichnete damals neben Petersburg die höchste Sterblichkeitsrate aller damaliger Großstädte.[12]

2.1.3 Die national-baskische Renaissance

Gegen Ende des 19.Jhr. setzte die baskische Erneuerung ein. Das heißt eine Rückbesinnung auf die angeblich ethnisch-rassische Einzigartigkeit und die Wiederbelebung und Vereinheitlichung der baskischen Sprache, die Schaffung verschiedener baskischer Symbole, wie auch der baskischen Flagge und einer Nationalhymne. Die Wortschöpfung Euskadi für Baskenland geht ebenfalls auf diese national-baskische Renaissance zurück.

2.2 Die Zweite Republik 1931-1936

Die Zweite Republik bezeichnet die Zeitspanne von der Ausrufung der Republik am 14. April 1931 bis zum Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges im Juli 1936. Die Republik löste die von 1923 bis Januar 1930 andauernde Diktatur von Primo di Rivera ab.[13]

Als 1931 die republikanisch-sozialistische Koalition die spanischen Gemeindewahlen gewann, initiierte die PNV die Ausarbeitung eines baskischen Autonomiestatuts, um ihre, der Republik gegenüber offenen Gesinnung, zu unterstreichen. Das Statut sprach ausdrücklich von einem „baskischen Staat“.[14] Das von den Basken demokratisch beschlossene Autonomiestatut wurde abgelehnt, die spanische Regierung verstieß damit gegen das Selbstbestimmungsrecht. Zusätzlich sperrte die Zentralregierung dutzende von nationalistischen Basken aus politischen Gründen ein. Die Linke erlitt daraufhin 1933 eine schwere Wahlniederlage, begleitet von einem revolutionären Generalstreik, der zum ersten Mal die Parole „Es lebe die baskische Revolution“ lancierte.[15]

2.3 Der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939

„Euskadi war der einzige Ort Spaniens, wo ein Teil des Bürgertums Franco bekämpfte.“ Schnell wurden die baskischen Provinzen aufgrund ihrer antifranquistischen und prorepublikanischen Haltung zu „Verräterprovinzen“ erklärt.[16] Die gegebenen Steuervergünstigungen wurden aufgehoben und alle noch vorhandenen Autonomie- und Regionalregelungen aus der Zeit der Zweiten Republik wurden während des Bürgerkrieges außer Kraft gesetzt.[17]

3. Die Basken unter der Diktatur Francos 1939-1975

Der Sieger des Bürgerkriegs war das Regime Francos, welches im Folgenden eine Politik der puren Unterdrückung ausübte, mit dem Ziel Spaniens als einen zentralistischen Einheitsstaat. So wurde das Baskenland dem rigiden Zentralismus unterworfen.

Man kann sagen, dass die Entwicklung des Baskenlandes unter dem Franquismus drei wesentliche Faktoren prägte: die sozioökonomischen Umwälzungen, die extrem antibaskische Haltung der Francodiktatur, und die Unfähigkeit der historischen Partei PNV eine operable Strategie zu entwickeln um ihre politische Hegemonie zu halten.

3.1 Die Unterdrückung auf wirtschaftlich-politischer Ebene

Bilbao (Hauptstadt Vizcayas) und die Region Navarra sind große Wirtschafts- und Industriezentren. Deshalb gehört das Baskenland mit Madrid und Katalonien zu den „drei großen Einwandererzonen Spaniens“. Unter Franco wurde der wirtschaftliche Einfluss so weit wie möglich eingedämmt. Das Baskenland musste z.B. an das restliche, weniger industrialisierte Spanien hohe finanzielle Unterstützungszahlungen leisten. Doch trotz massiver Behinderungen entwickelten sich die betroffenen Regionen ökonomisch erfolgreich. 1975 waren 53% der aktiven Bevölkerung des Baskenlandes in der Industrie tätig. Die Bevölkerung litt in Folge dessen unter den entsprechend starken ökologischen Folgen.[18]

3.2 Die Unterdrückung auf sprachlich-kultureller Ebene

Unter Franco setzte die sog. „Säuberung“ des Baskenlandes ein: „Alle Zeugnisse der Regionalkultur wurden zerstört oder verboten.“[19] Von Anfang an betrieb das Franco-Regime eine systematische und brutale Unterdrückung des Baskischen. Die Parole war: „Hablad cristiano!“[20]. Alles war auf die Auslöschung der baskischen Sprache ausgerichtet, der Gebrauch der Regionalsprache wurde mit Strafen belegt, was zur Folge hatte, dass sich das Kastilische als Sprache des Aufstiegs der baskischen Bourgeoisie etablierte. Die baskische Sprache erhielt im eigenen Land ein geringes Prestige und wurde von da an als die Sprache der Kleinbauern und Fischer abgewertet.

[...]


[1] Lang, Josef: Das baskische Labyrinth. Frankfurt a..M., 1983. S.11.

[2] Ebenda. S.255.

[3] Ebenda. S.19.

[4] Mahlau in Wandler, 1999. S.138f.

[5] Lang, 1983. S.19 f.

[6] Ebenda. S.21.

[7] Ebenda.

[8] Fox, Inman: La invención de España. Madrid, 1997. S.93.

[9] Lang, 1983. S.25.

[10] Ebenda. S.91.

[11] Ebenda. S.93.

[12] Ebenda.

[13] Bernecker, Walther L.: Spanische Geschichte. München, 1999. S.82.

[14] Lang, 1983. S.28.

[15] Ebenda.

[16] Ebenda. S.30.

[17] Bernecker, 1999. S.11.

[18] Lang, 1983. S.62 f.

[19] Bernecker in Wandler, 1999. S.12.

[20] Ebenda.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das Baskenland und die ETA. Geschichte, Identität, Unterdrückung und Terror eines Volkes
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1-
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V33282
ISBN (eBook)
9783638338011
ISBN (Buch)
9783638901949
Dateigröße
2733 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Baskenland, Geschichte, Identität, Unterdrückung, Terror, Volkes
Arbeit zitieren
Ann-Katrin Kutzner (Autor), 2003, Das Baskenland und die ETA. Geschichte, Identität, Unterdrückung und Terror eines Volkes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33282

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