Indien, allgemein als relativ armes Land bekannt, hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Kraft in der globalen Software Industrie entwickelt. 1998 gab es 558 Softwarefirmen mit 250.000 – 280.000 Software-Ingenieuren. Im Jahr 2000 ist die Zahl schon auf ca.1000 Firmen angestiegen. Die indische Software Industrie wird von der Weltbank als eine der dynamischsten der Welt bezeichnet, mit Umsätzen von ca. 6 Milliarden US-Dollar im Jahre 2000. In den letzten fünf Jahren lag die jährliche Wachstumsrate jeweils über 50 Prozent, wobei Exporte wesentlich schneller zunahmen als der Absatz im Inland. Indische Softwareunternehmen beliefern Kunden in 91 Ländern, wobei 61 Prozent der Exporte in die USA und weitere 20 Prozent (580 Millionen US-Dollar) nach Europa gehen. Die Exporteinnahmen lagen 1985 noch unter 10 Millionen US-Dollar und nahmen im Jahr 2000 schon einen Wert von 4 Milliarden US-Dollar an.
Der Wachstumstrend in diesem Sektor spiegelt sich in dem wachsenden Volumen der Investitionen in die indischen Software Entwicklungsgeschäfte von ausländischen Firmen wider. Große Softwarefirmen wie Microsoft und SAP unterhalten in Indien Tochterunternehmen, die an ihren Programmpaketen mitarbeiten oder in der Anpassung an die speziellen Bedürfnisse der Region eingesetzt werden. 200 der 1000 weltweit größten Firmen decken ihren Softwarebedarf in Indien. Was hat zu dieser überraschenden Entwicklung eines besonders modernen Exportsektors in einem Land geführt, das in vielen Regionen noch immer von tiefer Armut, sozialer Ungerechtigkeit und Rückständigkeit geprägt ist? Anhand der Theorien von Ricardo, Heckscher-Ohlin und Porter wird im Folgenden der Aufstieg der Software-Industrie in Indien näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Modell des komparativen Vorteils
2.1 Anwendung des Modells auf die Indische Software-Industrie
3 Das Heckscher-Ohlin-Modell
3.1 Anwendung des Modells auf die Indische Software-Industrie
4 Porters Modell des nationalen Wettbewerbsvorteils
4.1 Anwendung des Modells auf die Indische Software-Industrie
5 Vergleich der Theorien
6 Anhang
6.1 Quellenangaben
6.2 Datenmaterial
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den rasanten Aufstieg der indischen Software-Industrie unter Anwendung dreier klassischer und moderner ökonomischer Außenhandelstheorien, um zu ergründen, welche Faktoren diesen Erfolg in einem wirtschaftlich heterogenen Umfeld ermöglicht haben.
- Analyse des Modells des komparativen Vorteils nach David Ricardo im Kontext der indischen Softwarebranche.
- Anwendung des Heckscher-Ohlin-Modells zur Erklärung der indischen Wettbewerbsposition durch Faktorausstattung.
- Untersuchung des Erfolgs durch das Diamantenmodell des nationalen Wettbewerbsvorteils von Michael Porter.
- Kritischer Vergleich der theoretischen Erklärungsansätze hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf die indische Realität.
Auszug aus dem Buch
4.1 Anwendung des Modells auf die Indische Software-Industrie
Kommen wir nun zur Analyse der indischen Softwarebranche. Dazu betrachten wir die einzelnen Bestimmungsfaktoren und die indischen Gegebenheiten genauer.
Faktorbedingungen.
Die Ausstattung eines Landes mit Produktionsfaktoren bildet die Grundlage jeglicher wirtschaftlichen Tätigkeit. Zur Faktorausstattung zählen Humanvermögen, materielle Ressourcen, Wissensressourcen, Kapitalressourcen und Infrastruktur. Um den Einfluss einzelner Faktoren auf den nationalen Wettbewerbsvorteil Indiens zu verstehen, werden im Diamantenmodell zwei wichtige Unterscheidungen der Faktoren hervorgehoben. Einmal Grund-/fortschrittliche Faktoren und allgemeine/spezielle Faktoren.
Zu den Grundfaktoren gehören z.B. natürliche Ressourcen, Klima, geographische Lage, ungelernte und angelernt Arbeitskräfte. Als fortschrittliche Faktoren gelten z.B. die Infrastruktur der modernen digitalen Datenkommunikation, hochqualifizierte Arbeitskräfte wie Diplomingenieure und Computerfachleute und universitäre Forschungsinstitute für spezielle Disziplinen.
Indien ist mit günstigen Grund- und fortschrittlichen Faktoren für die Softwarebranche ausgestattet. Denn nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 wurde die Modernisierung des Landes zum obersten Ziel, um eine industrielle und technologische Abhängigkeit von Industrieländern zu beenden. Dies führte zur Gründung sehr leistungsfähiger technischer Universitäten und weltweit hervorragenden Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die rasante Entwicklung der indischen Software-Industrie ein und definiert die Fragestellung zur theoretischen Begründung dieses Aufstiegs.
2 Das Modell des komparativen Vorteils: Hier werden die Grundlagen der Ricardianischen Theorie erläutert und auf die Lohnkostenvorteile und Produktivitätsunterschiede der indischen Software-Industrie angewendet.
3 Das Heckscher-Ohlin-Modell: Dieses Kapitel analysiert die indische Wettbewerbsposition basierend auf der Faktorausstattung mit Arbeit und Kapital.
4 Porters Modell des nationalen Wettbewerbsvorteils: Es wird untersucht, wie die vier Bestimmungsfaktoren des Diamantenmodells den nationalen Wettbewerbsvorteil der indischen Softwarebranche beeinflussen.
5 Vergleich der Theorien: Eine kritische Gegenüberstellung bewertet, welcher der drei Erklärungsansätze am besten geeignet ist, den Aufstieg der indischen Industrie zu begründen.
6 Anhang: Enthält die Quellenangaben sowie ergänzendes Datenmaterial und mathematische Modelle zur Veranschaulichung der Theorien.
Schlüsselwörter
Indien, Software-Industrie, Ricardo, komparativer Vorteil, Heckscher-Ohlin-Modell, Faktorausstattung, Porter, Diamantenmodell, Wettbewerbsvorteil, Außenhandel, Globalisierung, Produktivität, Humankapital, Direktinvestitionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert den Aufstieg Indiens zu einer globalen Kraft in der Software-Industrie auf Basis ökonomischer Außenhandelstheorien.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Theorien des komparativen Vorteils nach Ricardo, das Heckscher-Ohlin-Modell und Porters Diamantenmodell sowie deren praktische Anwendung auf die indische Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erklären, welche ökonomischen Faktoren den Erfolg des modernen indischen Exportsektors begründen, obwohl das Land teilweise noch von Armut und Rückständigkeit geprägt ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden drei etablierte ökonomische Modelle herangezogen, deren Annahmen und Erklärungsgehalt in Bezug auf das spezifische Fallbeispiel der indischen Softwarebranche geprüft und verglichen werden.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Darstellung der drei Modelle und deren unmittelbare Übertragung auf den indischen Sektor, inklusive der Analyse von Faktoren wie Ausbildung, Infrastruktur und staatlicher Politik.
Welche Schlüsselbegriffe prägen diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind komparativer Vorteil, Faktorausstattung, Diamantenmodell, internationale Wettbewerbsfähigkeit und Humankapital.
Wie bewertet die Arbeit die Anwendbarkeit des Modells von Ricardo?
Das Modell wird aufgrund seiner realitätsfernen Annahmen, wie etwa der Annahme von Freihandel, als einseitig und wenig umfassend für die moderne Globalisierung bewertet.
Warum schneidet das Modell von Porter am besten ab?
Das Porter-Modell ist ein offenes System, das eine Vielzahl von Bestimmungsfaktoren wie staatliche Rolle und Zufall einbezieht und somit komplexere Realitäten besser erklären kann als die eher statischen klassischen Modelle.
- Arbeit zitieren
- Sinja Müller (Autor:in), 2004, Das Modell des komparativen Vorteils (Ricardo), das Heckscher-Ohlin-Modell und das Modell des nationalen Wettbewerbsvorteils (Porter): Eine Analyse der Indischen Software-Industrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33287