Kriegsbräuche der Plains- und Prärieindianer


Hausarbeit, 2004

16 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Waffen
2.1. Offensivwaffen
2.2. Defensivausrüstung

3. Kriegsmotive

4. Status, Abzeichen und Trophäen
4.1. Coups-Zählen
4.2. Die Skalptrophäe
4.2.1. Die Geschichte des Skalpierens
4.2.2. Technik und Bedeutung des Skalpierens
4.3. Ehrenabzeichen
4.4. Kriegerbünde

5. Planung und Durchführung eines Kriegszugs

6. Schluss

Bibliographie

1. Einleitung

Nur in wenigen Gegenden der Welt war das Kriegswesen von so hoher Bedeutung wie auf den Plains und Prärien Nordamerikas. In den Ethnographien und Berichten des 17. bis 19. Jahrhunderts beherrscht der Krieg die Beschreibungen der Indianer, und auch vor dem Einfluss der europäischen Kolonialisten war er ein zentrales Element der indianischen Kultur. Hauptsächlich im Kampf konnte man Ruhm und Ansehen erwerben, und schon die Kinder spielten die Kriege der Erwachsenen nach, sie lernten früh und intensiv das Reiten, Abhärtungsübungen gehörten zu ihrem Alltag. Zwölfjährige bettelten ihre Väter an, mit auf einen Kriegszug zu gehen und das erste getötete Tier wurde vom Vater mit einem Festmahl gefeiert (Spencer, Jennings 1965: 369).

Diese Dominanz des Kriegswesens schlug sich in den Bräuchen und der Kultur nieder, worauf in dieser Arbeit eingegangen wird. Erst werden die Waffen und Ausrüstung der Plains- und Prärie-Indianer beschrieben, um dann auf die Motivation und die Bräuche beim Kriegszug einzugehen und auf die Planung und Durchführung eines Kriegszuges zu kommen.

Die meisten Quellen beziehen sich auf den Zeitraum Mitte des 17. bis Ende des 19. Jahrhunderts, da von dieser Zeit die meisten Informationen vorliegen.

2. Waffen

2.1. Offensivwaffen

Zu den Offensivwaffen gehörten traditionell Pfeil und Bogen, Lanzen und Keulen. Der Bogen war bei den Gesellschaften der Prärien ein einfacher kurzer Flachbogen, auf den Plains wurde er aus überwiegend einzelnen Knochen- und Hornstücken zusammengesetzt und mit Leder bezogen. Bespannt wurde er meist mit Tiersehnen, die Spitzen der Pfeile wurden aus Stein, Knochen, Horn und später Eisen hergestellt (Lindig, Münzel 1976: 152), manchmal hatten sie auch Widerhaken. Die Herstellung der Pfeile war so aufwändig, dass oft nach verschossenen Exemplaren gesucht wurde. Die Comanche und Wichita sollen ihre Pfeilspitzen manchmal vergiftet haben.

Das Gewehr konnte Pfeil und Bogen nie ganz ersetzen, besonders den Vorderladern war der Bogen oft überlegen: Er war auf kurze Distanz durchschlagsstärker als ein Gewehr, man konnte schneller mit ihm schießen und ihn auch vom Pferd aus benutzen. Nicht zuletzt hatten die Indianer auch die Möglichkeit, ihn zu reparieren und neue Pfeile herzustellen, wohingegen sie beim Gewehr immer auf Munition angewiesen waren (Hartmann 1973: 93-94).

Die zentralen Plainsvölker hatten oft auch Säbel oder Schwerter als Offensivwaffen und Statussymbole, sei stellten auch wichtige Handelsgüter dar und wurden zum Vermerken von Coups benutzt (Taylor 2000: 49-50). Lanzen wurden auch eher als Abzeichen von Kriegerbünden auf den Plains verwendet (Hartmann 1973: 94).

Als Nahkampfwaffen dienten Hammer- beziehungsweise Totschlägerkeulen, wobei die Hammerkeule aus einem spitzeiförmigen Stein in einer Lederschlaufe bestand, die an einem biegsamen Stiel befestigt war, während bei der Totschlägerkeule ein kugelförmiger Stein in Leder eingenäht und beweglich mit dem Schaft verbunden war.

Auch die Gewehrkolbenkeule wurde benutzt, sie hatte eine stählerne Klinge an der Schlagseite (Lindig, Münzel 1976: 153).

Der Tomahawk, eine Stahlaxt und eine der charakteristischsten Waffen der Indianer, wurde in der Kolonialzeit von den Europäern eingeführt und hatte verschiedene Klingenformen. Er wurde meist am Gürtel getragen und konnte auch geworfen werden (Hartmann 1973: 94). Das Schlagteil wog bis zu drei Kilo und hatte – besonders von einem Pferd geworfen – eine verheerende Wirkung. Eine beliebte Modifikation war der Pfeifentomahawk, der gleichzeitig Waffe und Pfeife war und somit für Kriegszüge sehr praktisch, da er Platz sparte (Taylor 2000: 59).

2.2. Defensivausrüstung

Meist wurde eine leichte, mehrschichtige Körperrüstung getragen, die teilweise Ärmel bis zum Ellbogen hatte und mit verschiedenen Farben bemalt war. Pferde und Menschen hatten auch Lederrüstungen, die Schutz vor Pfeilen boten, nicht aber vor Gewehrkugeln (Taylor 2000: 62).

Des Weiteren hatte ein Krieger ein rundes Schild aus Bisonleder. Wichtig waren dabei vor allem die Malerei und die Verzierungen, die nur von einem Mann, der eine Vision hatte, angefertigt werden durfte. Die Verzierungen waren bei einigen Stämmen Unikate, zum Beispiel bei den Crow, bei anderen, wie den Kiowa, gab es verschiedene wiederkehrende Muster. Die Schilde waren so mächtig, dass sie geschützt werden mussten: So musste es im Freien aufgehängt werden, wenn eine menstruierende Frau das Zelt betrat, andere Schilder mussten ständig außerhalb des Lagers gelagert werden, da eine Verunreinigung die Potenz des Schildes zerstören konnte (Hartmann 1973: 95-96).

Vor allem die zentralen und nördlichen Stämme der Plains tauschten den bei Kriegszügen und Pferderauben hinderlichen Schild später aber gegen schützende Amulette, die den Erfolg des Unternehmens garantieren sollten. Solche Amulette konnten verzierte Mokassins, Pfeifenbeutel oder eine Haarsträhne sein (Taylor 2000: 65).

3. Kriegsmotive

Frühe ethnologische Untersuchungen gingen vom „Spielerischen“ der indianischen Kriegsführung aus, wofür bei ihnen das Coups-Zählen (siehe Punkt 4.1.) der wichtigste Hinweis war. Daneben gab es materialistische Ansätze, bei denen das Individuelle sekundär betrachtet wurde: Krieg war das Ergebnis des Strebens nach Ressourcen oder entstand aus dem Einfluss des Kolonialismus, was im Gegensatz zu den frühen Untersuchungen Kriege auf den Plains und Prärien zum Resultat eines historischen Prozesses macht. Seit den 80ern des letzten Jahrhunderts sieht man Krieg auf den Plains und Prärien als ein Zusammenspiel von materiellen und kulturellen Faktoren (Schröder 1999: 195-198).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kriegsbräuche der Plains- und Prärieindianer
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Veranstaltung
Plains- und Prärieindianer Nordamerikas
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V33324
ISBN (eBook)
9783638338257
ISBN (Buch)
9783656723226
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegsbräuche, Plains-, Prärieindianer, Plains-, Prärieindianer, Nordamerikas, Skalpieren
Arbeit zitieren
Andreas Keller (Autor), 2004, Kriegsbräuche der Plains- und Prärieindianer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33324

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