Deutschland verfügt europaweit über das größte Immobilienvermögen. Mit fast 9.000 Mrd. Euro ist dieses Vermögen viermal so groß wie das Bruttoinlandsprodukt. Diese Spitzenposition soll sich nach Meinung der Finanzbranche auch im Immobilienfinanzmarkt niederschlagen. Deutschland besitzt mit den geschlossenen und offenen Immobilienfonds zwei Finanzprodukte, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Gerade die Mittelzuflüsse bei den offenen Immobilienfonds sind in ihrer Geschichte noch nie höher gewesen. Dabei profitierten die offenen Immobilienfonds von ihrem Nimbus als sichere Anlage mit ansprechenden Renditen. Dass sich diese Renditen in den letzten Jahren verringert haben, störte die Anleger wegen niedriger Geldmarktzinsen überhaupt nicht. Aus Sicht des Anlegers genießt der offene Fonds zwei entscheidende Vorteile: Steuertransparenz und gesetzlich verankerter Anlegerschutz im Form des Investmentgesetzes.
Davon kann die Immobilien-AG derzeit nur träumen, wobei die starke Regulierung der Immobilienfonds den Immobilien-AGs doch eigentlich entgegen kommen sollte. Sie könnten sich somit als freie und fungible Anlageform am Kapitalmarkt klar von den offenen Immobilienfonds abgrenzen. Doch so wirklich scheint sich kaum ein Anleger für die Immobilien-AGs zu interessieren. Mit einer Marktkapitalisierung von lediglich 6,7 Mrd. Euro – sogar einzelne Immobilienfonds besitzen ein größeres Fondsvolumen – fristen sie derzeit ein Nischendasein am deutschen Kapitalmarkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Ausgewählte Investmentvehikel am Finanzstandort Deutschland
2.1 Offene Immobilienfonds
2.1.1 Definition
2.1.2 Gesetzliche Grundlagen
2.1.2.1 Kapitalanlagegesellschaft
2.1.2.2 Sondervermögen
2.1.2.3 Depotbank
2.1.2.4 Sachverständigenausschuss
2.1.3 Marktüberblick
2.1.3.1 Publikumsfonds
2.1.3.2 Spezialfonds
2.1.4 Performancemessung
2.1.5 Besteuerung
2.1.6 Offene Immobilienfonds aus Sicht des Anlegers
2.1.7 Offene Immobilienfonds: Pro und Contra
2.1.7.1 Pro
2.1.7.2 Contra
2.2 Deutsche Immobilienaktien
2.2.1 Bewertung
2.2.2 Besteuerung
2.2.3 Markt
2.2.4 Immobilien-AGs: Pro und Contra
2.2.4.1 Pro
2.2.4.2 Contra
3. Real Estate Investment Trusts
3.1 Definition
3.2 Gesetzliche Anforderungen
3.3 Historie und Gesetzgebung
3.4 REIT-Typen
3.5 Struktur
3.6 Bewertung
3.7 Marktüberblick
3.7.1 Gesamtmarkt
3.7.1.1 Größe und Wachstum
3.7.1.2 Performance
3.7.2 Sektoren
3.7.2.1 Büro
3.7.2.2 Wohnen
3.7.2.3 Einzelhandel
3.7.3 Benchmarks
3.8 Der REIT aus Anlegersicht
3.8.1 Dividendenrendite
3.8.2 Steuervorteil
3.8.3 Diversifikation
3.8.3.1 Risiken
3.9 REITs: Pro und Contra
3.9.1 Pro
3.9.2 Contra
4. Vergleich der Anlageformen
4.1 Diversifikationspotenziale
4.2 Synopse der Anlageformen
5. REITs im Ausland
5.1 Japan
5.1.1 Hintergrund
5.1.2 Anforderungen
5.1.3 Einflussfaktoren und Bedenken
5.1.4 Markt – Überblick und Ausblick
5.2 Frankreich
5.2.1 Hintergrund
5.2.2 Anforderungen und Eigenschaften
5.2.3 Markt
5.3 Vereinigtes Königreich
5.3.1 Status Quo
5.3.2 Ziele
5.3.3 Gestaltung eines UK REIT noch offen
5.3.4 Markt
6. Aktuelle Tendenzen in Deutschland
6.1 Konstruktion
6.1.1 Rechtliche Aspekte
6.1.2 Finanzierung
6.1.2.1 Eigenkapital
6.1.2.2 Fremdkapital
6.1.3 Ausschüttung
6.1.3.1 Ausschüttungsquote
6.1.3.2 Bemessungsgrundlage
6.2 Marktpotenzial
6.2.1 Anbieter
6.2.2 Anleger
6.3 Problemfelder
6.3.1 Steuern
6.3.1.1 Steuergesetze
6.3.1.2 Steueraufkommen
6.3.2 Anlegerschutz
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen einer Einführung von Real Estate Investment Trusts (REITs) in den deutschen Kapitalmarkt. Das Ziel ist zu klären, inwieweit das US-amerikanische REIT-Modell auf Deutschland übertragen werden kann, um eine neue, kapitalmarktfähige Immobilienfinanzierungsform zu etablieren und damit bestehende Ineffizienzen zu überwinden.
- Analyse bestehender Immobilieninvestmentvehikel in Deutschland (offene Immobilienfonds, Immobilien-AGs)
- Untersuchung der Struktur und Charakteristika US-amerikanischer REITs
- Vergleich der verschiedenen Anlageformen hinsichtlich Diversifikation und Performance
- Betrachtung internationaler Erfahrungen mit REIT-Einführungen (Japan, Frankreich, UK)
- Beurteilung aktueller Tendenzen und notwendiger Rahmenbedingungen für REITs in Deutschland
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition
In den USA werden die Interessen von Real Estate Investment Trusts (REITs) von der National Association of Real Estate Investment Trusts (NAREIT) wahrgenommen. Als Unternehmerverband vertritt er außer den REITs auch andere börsennotierte Immobiliengesellschaften. Neben der politischen Interessenvertretung fungiert er als Sprachrohr insbesondere zu den Finanzmedien und sieht sich selbst als Netzwerk der Immobilienindustrie. Diese Organisation definiert den REIT folgendermaßen:
Ein Real Estate Investment Trust ist eine Gesellschaft, die Eigentümer und – in den meisten Fällen – auch Betreiber von Ertrag bringenden Immobilien ist. Einige REITs finanzieren Immobilien. Um ein REIT zu sein, muss eine Gesellschaft jährlich mindestens 90 Prozent ihres zu versteuernden Einkommens an die Anteilseigner in Form von Dividenden ausschütten.
Die hohe Ausschüttungsquote ist gleichzeitig Voraussetzung dafür, dass ein REIT auf Gesellschaftsebene keine Körperschaftssteuer an die amerikanische Finanzbehörde (Internal Revenue Service, IRS) zu zahlen braucht. Daneben muss ein REIT weitere Anforderungen erfüllen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt die aktuelle Situation der Immobilienfinanzierung in Deutschland dar und führt in die Thematik der Einführung von REITs als alternative, steuertransparente Anlageform ein.
2. Ausgewählte Investmentvehikel am Finanzstandort Deutschland: Dieses Kapitel analysiert detailliert die bestehenden indirekten Anlageformen offene Immobilienfonds und Immobilien-AGs, deren Vor- und Nachteile sowie ihre jeweilige Marktposition.
3. Real Estate Investment Trusts: Hier werden die Struktur, die gesetzlichen Anforderungen und das Funktionsprinzip des US-amerikanischen REIT-Modells als Referenzobjekt detailliert untersucht.
4. Vergleich der Anlageformen: Dieses Kapitel führt eine Synopse der drei Anlagetypen durch und vergleicht insbesondere deren Diversifikationspotenziale für Investoren.
5. REITs im Ausland: Anhand der Beispiele Japan, Frankreich und Großbritannien wird aufgezeigt, wie andere Länder das REIT-Konzept zur Stärkung ihrer Immobilienmärkte implementiert haben oder diskutieren.
6. Aktuelle Tendenzen in Deutschland: Es werden die konkreten Bedingungen und Hürden für eine Einführung von REITs in Deutschland erörtert, inklusive steuerlicher Aspekte und notwendiger gesetzlicher Konstruktionen.
7. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten sowie die Hindernisse für die Etablierung eines deutschen REITs.
Schlüsselwörter
Immobilienfinanzierung, REITs, Offene Immobilienfonds, Immobilien-AG, Kapitalmarkt, Diversifikation, Rendite, Steuertransparenz, Anlegerschutz, Investmentgesetz, Immobilienmarkt, Performance, Fondsmanagement, Asset Management, Anlagevehikel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Eignung und die potenziellen Rahmenbedingungen für die Einführung von Real Estate Investment Trusts (REITs) als neue Anlageform auf dem deutschen Kapitalmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Analyse der bestehenden deutschen Anlageformen (Immobilienfonds, Immobilien-AGs), die Untersuchung des US-amerikanischen REIT-Modells sowie der Vergleich dieser Instrumente hinsichtlich ihrer Eignung für Investoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit das US-amerikanische REIT-Modell als Vorbild für eine erfolgreiche Einführung in den deutschen Markt dienen kann und welche regulatorischen Voraussetzungen dafür notwendig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine umfassende Literatur- und Datenanalyse, um die Charakteristika der untersuchten Finanzprodukte (REITs, offene Fonds, Immobilien-AGs) sowie deren Performance- und Risikoprofile zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der deutschen Situation, eine detaillierte Ausarbeitung des REIT-Modells, einen internationalen Vergleich sowie eine kritische Prüfung aktueller Tendenzen für Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie REITs, Immobilienfinanzierung, Kapitalmarkt, Diversifikation, steuerliche Transparenz und Anlagevehikel definieren.
Wie unterscheidet sich der REIT von offenen Immobilienfonds?
Während offene Immobilienfonds in Deutschland streng nach dem Investmentgesetz reguliert werden und konservative Anlageprofile aufweisen, zielen REITs auf eine höhere Börsenliquidität und steuerliche Effizienz durch die Ausschüttung von mindestens 90 Prozent der Gewinne ab.
Welche Rolle spielt die Besteuerung bei der REIT-Diskussion?
Die Besteuerung ist ein kritischer Erfolgsfaktor: REITs benötigen einen Sonderstatus, um Körperschafts- und Gewerbesteuern auf Gesellschaftsebene zu vermeiden, wobei der Übertrag von Immobilienbeständen in diese Struktur steuerneutral gestaltet werden muss, um für Unternehmen attraktiv zu sein.
- Quote paper
- Matthias Huesmann (Author), 2004, German REITs - Einführung von Real Estate Investment Trusts in den deutschen Kapitalmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33356