Meldungen über fremdenfeindliche, rassistische bzw. antisemitische Taten sind inzwischen nahezu täglicher Bestandteil der Medienberichterstattung. Dies betrifft vor allem rechtsextremistische Taten, bei denen Personen verletzt wurden bzw. starben. Die Zahl der rechtextremistisch motivierten Straf- und Gewalttaten hat bis 2000 zugenommen.Die meisten Gewalttaten richteten sich zu diesem Zeitpunkt gegen Fremde. Damit waren rund 64% aller Gewalttaten fremdenfeindlich orientiert.
Nicht selten wird Rechtsextremismus als ein Problem von Jugendlichen dargestellt, welches in den Medien eine Diskussion über die Ursachen und Möglichkeiten der Bekämpfung von rechtsextremistischen Taten auslöst. Und die Zahlen des Verfassungsschutzberichtes scheinen das Bild der Öffentlichkeit zu bestätigen : Nach VERFASSUNGSSCHUTZBERICHT wurden gut 2/3 der Straftaten mit erwiesenem oder vermutetem rechtsextremistischen Hintergrund von Jugendlichen und Heranwachsenden begangen.
Als Ursachen werden hierbei eine Verschärfung der sozialen der psychischen Deprivation im unteren Drittel unserer Gesellschaft angeführt, die zum Entstehen von Rechtsextremismus beitragen; die logische Schlussfolgerung hieraus wäre, Rechtsextremismus als eine Reaktion der unteren Schichten zu deuten.
Daher möchte ich im folgenden Verlauf meiner Arbeit der Frage nachgehen, welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen sowie individuellen Bedingungen rechtsextreme Einstellungen und rechtsextrem motivierte Gewalt begünstigen können. Hierbei werde ich im allgemeinen auf die Zielgruppe Jugendliche und im speziellen auf Skinheads eingehen. Rechtsextreme Einstellungen lassen sich nicht auf ein bestimmtes Milieu reduzieren; vielmehr stellten HELD u.a. fest, dass rechtsextreme Einstellungen von benachteiligten Jugendlichen offener als von nicht-benachteiligten Jugendlichen geäußert werden.Abschließend befasse ich mich mit der bedeutsamsten sozialarbeiterischen Methode in der Arbeit mit Rechtsextremen, nämlich der „Akzeptierenden Jugendarbeit“ und diskutiere die Vor- und Nachteile des Konzeptes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problematisierung
1.2 Rassismus-Nationalismus-Rechtsextremismus-Fremdenfeindlichkeit
2. Erklärungsansätze
2.1 Wirtschaftliche und soziale Entstehungsbedingungen
2.1.1 Deprivations- und Desintegrationstheorie
2.1.2 Milieustudie
2.1.3 Soziale Ungleichheit
2.1.4 Wohlstandschauvinismus
2.2 Psychologischer Erklärungsversuch
2.2.1 Ähnlichkeits- und Unähnlichkeitstheorie bzw. Identitätstheorie
2.2.2 Aggressions-Verschiebungs-Theorie oder Sündenbocktheorie
2.2.3 Gegner der modernen Reflexive
3. Schlußfolgerungen
3.1 Akzeptierende Sozialarbeit
3.2 Politische Lösungsperspektiven
4. Literatur
5. Anlage
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftlichen Bedingungen, die zur Entstehung und Verbreitung rechtsextremer Einstellungen in Deutschland beitragen. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit klassische Erklärungsmodelle wie die Deprivationstheorie ausreichen oder ob modernere Ansätze notwendig sind, um Rechtsextremismus als ein in allen gesellschaftlichen Schichten latentes Phänomen zu begreifen.
- Analyse sozioökonomischer und psychologischer Erklärungsmodelle
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Zusammenhang von Deprivation und Rechtsextremismus
- Untersuchung der Rolle von Milieus und Modernisierungsprozessen
- Diskussion sozialarbeiterischer und politischer Gegenstrategien
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Deprivations- und Desintegrationstheorie
Eine der populärsten Erklärungen zum Rechtsextremismus ist die aus der Soziologie stammende Deprivations- und Desintegrationstheorie.
Der gesellschftliche Hintergrund hierbei ist die gesellschaftliche Individualisierung ( BECK ), welche die Grundlage für Heitmeyers Forschungen zu jugendlichen Rechtsextremsimus und Gewalt ( HEITMEYER 1998 ) ist.
Deprivation bedeutet im soziologischen Verständnis, eine Unterversorgung bestimmter Individuen oder Gruppen einer Gesellschaft mit lebenswichtigen oder für unbedingt notwendig gehaltenen Gütern, Dienstleistungen oder Einkommen, so daß das soziale Existenzminimum unterschritten wird ( LEXIKON DER SOZIOLOGIE 1994, S. 134 ).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Rechtsextremismus in Deutschland, verweist auf die wachsende Gewaltbereitschaft und diskutiert die Unzulänglichkeit einfacher Erklärungsmodelle.
2. Erklärungsansätze: Dieses Hauptkapitel bietet eine detaillierte Übersicht über soziologische und psychologische Theorien, die den Rechtsextremismus sowohl durch wirtschaftliche Faktoren als auch durch Modernisierungsprozesse und psychische Dispositionen zu erklären versuchen.
3. Schlußfolgerungen: Hier werden aus der theoretischen Analyse Konsequenzen für die Praxis abgeleitet, wobei insbesondere akzeptierende sozialarbeiterische Methoden und politische Lösungsansätze kritisch bewertet werden.
4. Literatur: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und wissenschaftliche Fachliteratur auf, die als Grundlage für die Untersuchung dienten.
5. Anlage: Der Anhang enthält das Lernbereichsreferat zum Thema der Arbeit.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Rassismus, Nationalismus, Deprivation, Desintegration, Soziale Ungleichheit, Wohlstandschauvinismus, Moderne Reflexivität, Autoritäre Persönlichkeit, Sozialarbeit, Fremdenfeindlichkeit, Modernisierung, Politische Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Ursachen, die rechtsextreme Einstellungen und Verhaltensweisen in Deutschland begünstigen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen wirtschaftliche und soziale Erklärungsansätze, psychologische Theorien zur Gruppenidentität sowie Ansätze zur Prävention und Intervention durch Sozialarbeit und Politik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Rechtsextremismus kein reines Randgruppenphänomen ist, sondern tief in der modernen Gesellschaft verwurzelt ist, und dabei gängige, oft vereinfachende Erklärungsmodelle zu hinterfragen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener soziologischer und psychologischer Studien und Konzepte, die diese kritisch miteinander in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit Theorien wie der Deprivations- und Desintegrationstheorie, Milieustudien, Ansätzen der sozialen Ungleichheit sowie psychologischen Erklärungsversuchen wie der Aggressions-Verschiebungs-Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Rechtsextremismus, Deprivation, Desintegration, Rassismus, Soziale Identität und moderne Reflexivität.
Inwiefern hinterfragt die Autorin die klassische Deprivationstheorie?
Die Autorin weist darauf hin, dass empirische Befunde zeigen, dass rechtsextreme Tendenzen nicht automatisch mit ökonomischer Benachteiligung korrelieren, weshalb der Fokus stärker auf kulturelle und psychologische Faktoren gelegt werden sollte.
Welche Rolle spielt die soziale Identität bei der Entstehung von Rechtsextremismus?
Die soziale Identität dient laut den angeführten Theorien als Mechanismus, um durch die Abwertung von Fremden die eigene Gruppe aufzuwerten und somit ein psychologisches Bedürfnis nach Sicherheit und Zugehörigkeit zu befriedigen.
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- Katrin Klemme (Author), 2001, Gesellschaftliche Bedingungen des Rechtsextremismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3336