Die seit der Wiedervereinigung Deutschlands stark angestiegene Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern hat auch in Brandenburg ihre Spuren hinterlassen. Das Bundesland hat in den 1990er Jahren eine äußerst unerfreuliche Entwicklung erfahren. Während der Speckgürtel um Berlin herum (Berliner Umland) zunehmend von der Hauptstadt in Form von Zuzügen sozial höherer Schichten profitierte, sind die so genannten Berlin-fernen Regionen in immer stärkerem Maße strukturschwach geworden, was einen überproportional hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Im Landtagswahlkampf 1999 sprach die damals noch oppositionelle brandenburgische CDU gar von einer Zweiteilung des Landes in Speckgürtel und Außenregionen.
Nicht nur, aber insbesondere in diesen so genannten Außenregionen sah die Politik die Notwendigkeit, durch aktive Arbeitsmarktpolitik zu einer Reduzierung der Arbeitslosigkeit beizutragen. Das Prinzip „Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren“ hatte vor allem das Ziel, Arbeitssuchenden eine Beschäftigung im so genannten zweiten Arbeitsmarkt zu ermöglichen, um die Chancen, einen Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt zu finden, zu erhöhen. Die Praxis hat allerdings gerade in den 1990er Jahren gezeigt, dass diese aktive Arbeitsmarktpolitik nicht dazu beigetragen hat, die Arbeitslosigkeit zu senken und ihre Teilnehmer in nennenswertem Umfang langfristig wieder den Weg in den Arbeitsmarkt zurück zu ebnen. Viel mehr hat beispielsweise die Teilnahme an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) in vielen Fällen sogar dazu beigetragen, die Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden, zu verschlechtern. Diese Arbeit soll nun erörtern, weswegen die aktive Arbeitsmarktpolitik im Land zwischen Oder und Havel von lediglich recht bescheidenem Erfolg gekrönt war. Hierzu wird zunächst die aktuelle Arbeitsmarktsituation des Landes Brandenburg, sowie in der Stadt Brandenburg an der Havel in aller Kürze mit den wichtigsten Statistiken dargestellt. Anschließend folgt eine ausführliche Vorstellung der Arbeitsmarktpolitik in Brandenburg/Havel. Anfangs wird die Rolle der wichtigsten politischen Akteure (Treuhandanstalt und Bundesagentur für Arbeit) untersucht. Dabei handelt es sich um Akteure des Bundes, die erfahrungsgemäß die größten finanziellen Mittel zur Durchführung beabsichtigter Projekte haben. Die Darstellung wird aber auch zeigen, dass es neben Land und Kommune noch gewichtige Akteure außerhalb der Politik gibt (Arbeitgeber, Gewerkschaften usw.).
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. AKTUELLE ARBEITSMARKTSITUATION
2.1 Land Brandenburg
2.2 Stadt Brandenburg an der Havel
3. ARBEITSMARKTPOLITIK DER BETEILIGTEN AKTEURE
3.1 Die Treuhandanstalt: Ungewöhnlich hohes arbeitsmarktpolitisches Engagement und ungewöhnlich hoher Einfluss
3.2 Die Bundesagentur für Arbeit als zentraler Akteur
3.3 Die IG Metall als einflussreicher gesellschaftlicher Gegenspieler
4. FAZIT: WARUM SIND DIE MAßNAHMEN NICHT ERFOLGREICH?
5. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Effektivität aktiver Arbeitsmarktpolitik in Brandenburg an der Havel nach der Wiedervereinigung, insbesondere im Kontext des Strukturwandels und der Privatisierung großer Industriebetriebe. Ziel ist es zu erörtern, warum die implementierten Maßnahmen, wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, trotz erheblichen finanziellen Aufwands nur einen bescheidenen Erfolg zeigten und die Teilnehmer oft nicht nachhaltig in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden konnten.
- Analyse der Arbeitsmarktsituation im Land Brandenburg und in Brandenburg an der Havel.
- Untersuchung der Rollen und des Einflusses zentraler Akteure wie der Treuhandanstalt und der Bundesagentur für Arbeit.
- Evaluierung des Einflusses der IG Metall als gesellschaftlicher Akteur auf die Beschäftigungsgesellschaften.
- Kritische Bewertung der Wirksamkeit von Beschäftigungsmaßnahmen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.
- Diskussion über alternative Ansätze durch strukturpolitische Maßnahmen und regionale Standortpolitik.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Treuhandanstalt: Ungewöhnlich hohes arbeitsmarktpolitisches Engagement und ungewöhnlich hoher Einfluss
(1) Saeed sieht die Treuhandanstalt als einen entscheidenden Akteur des Bundes bei der Gestaltung der Arbeitsmarktpolitik in der Beispielstadt. Dies überrascht auf den ersten Blick, da man diese allgemein in erster Linie mit den Privatisierungen der zahlreichen ehemaligen DDR-Staatsbetriebe nach der deutschen Einheit in Verbindung bringt, die eine hohe Zahl an Arbeitsverlusten mit sich brachte. Doch eine genauere Betrachtung der Entwicklung, die die Treuhandanstalt mitzuverantworten hat, zeigt, dass die Rolle dieser Behörde bei der Gestaltung aktiver Arbeitsmarktpolitik in Brandenburg/Havel weit größer als angenommen war, wenngleich sie "ihre Rolle als arbeitsmarktpolitischer Akteur [...] hauptsächlich im Zusammenhang mit der Teilprivatisierung des Stahl- und Walzwerkes (zum Zeitpunkt der Wende beschäftigte das Werk 10.000 Arbeitnehmer und war damit der mit Abstand größte Arbeitgeber der Stadt, Anm. des Autors) [wahrnahm]."
In der ersten Hälfte der 90er Jahre zählte die Mitfinanzierung von ABM, sowie deren Koordination mit zu ihrem Aufgabenbereich. Mit der Privatisierung des Stahl- und Walzwerkes (SWB) alleine war es allerdings nicht getan, es folgten hieraus weitere Aufgaben, wie u. a. die finanzielle Unterstützung der GABS, womit ein eher kommunalpolitischer Akteur getragen wurde. Es gab demnach schon recht früh eine Vernetzung der Akteure unterschiedlicher Ebenen. In der aktiven Arbeitsmarktpolitik wurde die Treuhandanstalt aber insbesondere bei der Revitalisierung der abgebauten Flächen des Stahlwerks tätig. Diese wurde nämlich zum größten Teil mit Teilnehmern arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen bewerkstelligt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Situation in Brandenburg nach der Wiedervereinigung und stellt die Forschungsfrage nach den Gründen für den ausbleibenden Erfolg der aktiven Arbeitsmarktpolitik.
2. AKTUELLE ARBEITSMARKTSITUATION: Dieses Kapitel analysiert die statistischen Daten der Arbeitslosigkeit im Land Brandenburg und in der Stadt Brandenburg an der Havel, wobei der Strukturwandel besonders hervorgehoben wird.
3. ARBEITSMARKTPOLITIK DER BETEILIGTEN AKTEURE: Der Hauptteil untersucht das komplexe Netzwerk und die unterschiedlichen Einflussnahmen von Treuhandanstalt, Bundesagentur für Arbeit und der IG Metall auf die lokale Arbeitsmarktpolitik.
4. FAZIT: WARUM SIND DIE MAßNAHMEN NICHT ERFOLGREICH?: Die Schlussbetrachtung bewertet die Maßnahmen kritisch und führt die mangelnde Effektivität auf strukturelle Probleme, mangelnde Koordination und Fehlsteuerungen zurück.
5. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Aktive Arbeitsmarktpolitik, Brandenburg an der Havel, Treuhandanstalt, Arbeitslosigkeit, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, ABM, IG Metall, Strukturwandel, Beschäftigungsgesellschaften, GABS, Privatisierung, Stahlwerk, Arbeitsmarkt, Politikwissenschaft, Wirtschaftsregion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Effektivität von Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik in der Stadt Brandenburg an der Havel nach der deutschen Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der strukturelle Wandel der regionalen Wirtschaft, die Auswirkungen von Privatisierungen auf den Arbeitsmarkt und die Rolle verschiedener politischer und gesellschaftlicher Akteure bei der Beschäftigungsförderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, warum die ergriffenen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in Brandenburg an der Havel trotz intensiven Engagements nur geringe Erfolge bei der langfristigen Integration von Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt erzielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse von Statistiken, Fachliteratur und Fallbeispielen zur Arbeitsmarktpolitik in der Region basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt detailliert die spezifischen Rollen und Strategien der Treuhandanstalt, der Bundesagentur für Arbeit sowie der IG Metall in Bezug auf den Stellenabbau und die Beschäftigungsgesellschaften in Brandenburg an der Havel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie aktive Arbeitsmarktpolitik, Strukturwandel, Beschäftigungsgesellschaften, Treuhandanstalt und regionale Wirtschaftsförderung charakterisiert.
Warum war das Engagement der Treuhandanstalt in Brandenburg an der Havel so besonders?
Die Treuhandanstalt übernahm in Brandenburg an der Havel eine ungewöhnlich aktive Rolle bei der Revitalisierung von Flächen und der Finanzierung von Beschäftigungsgesellschaften, um soziale Folgen der Privatisierung des Stahlwerkes abzufedern.
Welchen Einfluss hatte der Strukturwandel auf die Rolle der IG Metall?
Der Strukturwandel und der enorme Stellenabbau in der Stahlindustrie zwangen die IG Metall dazu, sich stark in Beschäftigungsgesellschaften zu engagieren, was jedoch durch schwindende Mitgliederzahlen und Finanzierungsprobleme zunehmend unter Druck geriet.
- Quote paper
- Dominique Sévin (Author), 2004, Bundespolitische Akteure in der aktiven Arbeitsmarktpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33371