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Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft als individuelle Leistung. Was können wir von hochqualifizierten Alleinselbständigen lernen?

Title: Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft als individuelle Leistung. Was können wir von hochqualifizierten Alleinselbständigen lernen?

Bachelor Thesis , 2016 , 84 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Florian Horstmann (Author)

Sociology - Economy and Industry
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Summary Excerpt Details

Knapp 45 Millionen Erwerbspersonen werden in Deutschland 2014 gezählt. Sie haben mit der Einbringung ihrer Arbeitskraft 2014 einen großen Anteil an der Erzeugung eines Bruttoinlandsproduktes in der Höhe von fast drei Billionen Euro. Was würde es für die deutsche Gesellschaft bedeuten, wenn diese Arbeitskraft nach und nach verfällt?

Der hohe Lebensstandard der deutschen Gesellschaft, den einschlägige Indizes immer wieder attestieren, hängt, je nach Messansatz teils mehr teils weniger, aber immer auch von der wirtschaftlichen Leistung ab. In Ländern, in denen das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner vergleichsweise hoch ist, sind auch andere das subjektiv empfundene Wohlbefinden positiv beeinflussende Faktoren höher. Nimmt die Wirtschaftsleistung eines Landes eben durch den Verfall der Arbeitskraft ab, ist also zu erwarten, dass auch das subjektiv empfundene Wohlbefinden abnimmt. In diesem Zusammenhang darf beispielsweise allein die starke Zunahme der Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland seit 2006 als alarmierend gelten.

Ursache dieser Entwicklung scheint ein tiefgreifender Wandel der Arbeits- und Lebenswelt zu sein. Dieser ist vor allem durch weitreichende Veränderungen in der Arbeitsorganisation geprägt, wodurch sich konstitutive Bedingungen von Arbeit verändern. Erwerbstätige werden heute vor neue Anforderungen gestellt, denen sie nicht gewachsen scheinen.

Doch wie lässt sich Wissen darüber generieren, wie mit diesen neuen Anforderungen vor allem in arbeitspolitischer Hinsicht zukünftig umzugehen ist? Die Gruppe der hochqualifizierten Alleinselbständigen stellt in diesem Zusammenhang ein Laboratorium für mögliche zukünftige Verhältnisse dar. Denn diese Gruppe ist diesen neuen Anforderungen umfassend ausgesetzt. Für sie griffen die Strukturierungen der durch das Normalarbeitsverhältnis geprägten Arbeitswelt noch nie, weshalb sie per Definition einer extremen Entgrenzung von Arbeit und Leben ausgesetzt sind. Zudem wird dieser Umstand durch die fortschreitende Digitalisierung noch verstärkt, wie auch in den Massenmedien bereits reflektiert wird. „Das Internet verändert unsere Arbeitswelt. Immer weniger Menschen sind fest angestellt, immer mehr arbeiten als Freiberufler oder Soloselbständige on demand. Das schafft mehr Flexibilität, aber auch das Risiko, zum digitalen Tagelöhner zu werden“. Deshalb sollen Alleinselbständige, die in der Internetbranche tätig sind, untersucht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Das Erkenntnispotenzial der Untersuchung der individuellen Reproduktionsleistung hochqualifizierter Alleinselbständiger

2. Arbeit und Leben als theoretischer Bezugsrahmen

2.1 Die Konstitution von Arbeit und Leben

2.2 Die neuen Anforderungen der deutschen Arbeitsgesellschaft

2.2.1 Die Entgrenzung von Arbeit

2.2.2 Die Herleitung einer subjektorientierten Perspektive

2.3 Das Zwischenfazit

3. Die Reproduktion als individuelle Leistung

3.1 Verfall von Arbeitskraft?

3.2 Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft

3.3 Die Erkenntnis der Studie: Existenz bestimmter Handlungsmuster

4. Das Untersuchungsfeld und Hypothesen: Hochqualifizierte Alleinselbständige im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien

4.1 Die Internetbranche: Ein weites Feld

5. Das Forschungsdesign

5.1 Das Untersuchungsziel

5.2 Die Erhebung

5.3 Die Auswertung

6. Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft bei hochqualifizierten Alleinselbständigen

6.1 Die Entgrenzung von Arbeit bei Alleinselbständigen

6.2 Kurzvorstellung der Fälle und Überprüfung der stabilisierenden Fluchtpunkte

6.2.1 Fall A

6.2.2 Fall B

6.2.3 Fall C

6.2.4 Fall D

6.2.5 Fall E

6.3 Die Zusammenfassung

7. Der Vergleich und die Interpretation der Ergebnisse

7.1 Der Vergleich mit den Ergebnissen der Basisstudie

7.2 Die Schlussfolgerungen

8. Das Fazit: Guter Ansatz mit leichter Unschärfe

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die individuelle Reproduktionsleistung hochqualifizierter Alleinselbständiger unter den Bedingungen einer zunehmend entgrenzten Arbeitswelt. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie diese Gruppe ihre Arbeits- und Lebenskraft regeneriert und welche stabilisierenden Handlungsmuster dabei identifiziert werden können, um daraus arbeitsmarktpolitische Schlussfolgerungen für eine neue Arbeitsgesellschaft abzuleiten.

  • Analyse der theoretischen Konzepte von "Entgrenzung" und "Subjektivierung" von Arbeit.
  • Untersuchung der spezifischen Arbeits- und Lebensbedingungen hochqualifizierter Alleinselbständiger, insbesondere in der Internetbranche.
  • Einsatz qualitativer Methoden zur Identifikation von Reproduktionsmustern und Bewältigungsstrategien.
  • Diskussion des Potenzials dieser neuen Arbeitsform für die zukünftige Gestaltung von Arbeitsverhältnissen.

Auszug aus dem Buch

1. Das Erkenntnispotenzial der Untersuchung der individuellen Reproduktionsleistung hochqualifizierter Alleinselbständiger

Knapp 45 Millionen Erwerbspersonen werden in Deutschland 2014 gezählt (destatis.de a, 29.02.2016). Sie haben mit der Einbringung ihrer Arbeitskraft 2014 einen großen Anteil an der Erzeugung eines Bruttoinlandsproduktes in der Höhe von fast drei Billionen Euro (destatis.de b, 29.02.2016). Was würde es für die deutsche Gesellschaft bedeuten, wenn diese Arbeitskraft nach und nach verfällt?

Der hohe Lebensstandard der deutschen Gesellschaft, den einschlägige Indizes immer wieder attestieren, hängt, je nach Messansatz teils mehr teils weniger, aber immer auch von der wirtschaftlichen Leistung ab. Auch beim Index der OECD-Studie „How’s Life 2015?“ geht dieser Faktor mit in die Analyse ein. Mit einem ganzheitlichen Ansatz soll sie Erkenntnisse über das subjektiv empfundene Wohlbefinden von Menschen liefern. Sie zeigt, dass in Ländern, in denen das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner vergleichsweise hoch ist, auch andere das subjektiv empfundene Wohlbefinden positiv beeinflussende Faktoren höher sind (OECD 2015: 28). Nimmt die Wirtschaftsleistung eines Landes eben durch den Verfall der Arbeitskraft ab, ist also zu erwarten, dass auch das subjektiv empfundene Wohlbefinden abnimmt. In diesem Zusammenhang darf beispielsweise allein die starke Zunahme der Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland seit 2006, die eine Statistik von AOK-Versicherten aufzeigt, als alarmierend gelten (Graphik 1).

Ursache dieser Entwicklung scheint ein tiefgreifender Wandel der Arbeits- und Lebenswelt zu sein. Dieser ist vor allem durch weitreichende Veränderungen in der Arbeitsorganisation geprägt, wodurch sich konstitutive Bedingungen von Arbeit verändern. Erwerbstätige werden heute vor neue Anforderungen gestellt, denen sie nicht gewachsen scheinen. Dieser Prozess, der unter anderem Flexibilisierungsprozesse bedingte Veränderungen in der Strukturierung von Arbeit zusammengeheißt (vgl. Voß 1998: 473). Bisher war in dieser Hinsicht das Normalarbeitsverhältnis strukturbend für die deutsche Arbeitsgesellschaft. Mit über 24 Millionen Personen, die in dieser Beschäftigungsart angestellt sind, bildet diese Gruppe nach wie vor die größte unter den deutschen Erwerbstätigen (destatis.de c, 29.02.2016). Jedoch gerät eines, dies für die gesamte Gesellschaft prägende Konstrukt, gerade durch den arbeitsorganisatorischen Wandel ins Wanken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Erkenntnispotenzial der Untersuchung der individuellen Reproduktionsleistung hochqualifizierter Alleinselbständiger: Einleitung in die Relevanz der Reproduktion von Arbeitskraft für die Gesellschaft und Definition der Problemstellung.

2. Arbeit und Leben als theoretischer Bezugsrahmen: Theoretische Fundierung durch die Begriffe Entgrenzung und Subjektivierung von Arbeit unter historischer Perspektive.

3. Die Reproduktion als individuelle Leistung: Untersuchung der Belastungsfaktoren von Arbeitskraft und die theoretische Herleitung der Reproduktion als Fähigkeit zur Selbstorganisation.

4. Das Untersuchungsfeld und Hypothesen: Hochqualifizierte Alleinselbständige im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien: Definition der Zielgruppe und Charakterisierung der spezifischen Arbeitsbedingungen in der Internetbranche.

5. Das Forschungsdesign: Vorstellung des qualitativen methodischen Vorgehens anhand von Interviews und Inhaltsanalyse.

6. Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft bei hochqualifizierten Alleinselbständigen: Empirische Darstellung der Ergebnisse anhand von fünf Fallstudien.

7. Der Vergleich und die Interpretation der Ergebnisse: Zusammenführung der Ergebnisse und Abgleich mit den Erkenntnissen der Basisstudie von Heiden und Jürgens.

8. Das Fazit: Guter Ansatz mit leichter Unschärfe: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf arbeitsmarktpolitische Implikationen.

Schlüsselwörter

Alleinselbständige, Reproduktionsleistung, Entgrenzung von Arbeit, Subjektivierung, Arbeitskraftunternehmer, Selbstorganisation, Lebenskraft, Internetbranche, Qualitative Inhaltsanalyse, Arbeitsweltwandel, Work-Life-Balance, Selbststeuerung, Arbeitsorganisation, Salutogenese, Flexibilisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie hochqualifizierte Alleinselbständige unter den Bedingungen der entgrenzten Arbeitswelt ihre Arbeitskraft und Lebenskraft durch individuelle Reproduktionsleistungen erhalten und stabilisieren.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretischen Konzepte der Entgrenzung und Subjektivierung von Arbeit, der Wandel der Arbeitsgesellschaft sowie die spezifischen Bewältigungs- und Reproduktionsstrategien von Soloselbständigen.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Ziel ist es zu ergründen, welche stabilisierenden Handlungsmuster Alleinselbständige entwickeln, um den Anforderungen ihrer Tätigkeit gerecht zu werden und daraus Schlussfolgerungen für zukünftige arbeitsmarktpolitische Maßnahmen abzuleiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen explorativen, qualitativen Forschungsansatz. Es wurden leitfadengestützte Interviews mit Alleinselbständigen geführt, die anschließend mittels einer typisierenden Strukturierung nach Philipp Mayring inhaltsanalytisch ausgewertet wurden.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung schwerpunktmäßig behandelt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der empirischen Analyse von fünf Fallbeispielen aus der Internetbranche, deren individuelle Strategien zur Grenziehung und Selbstorganisation systematisch untersucht und mit existierenden theoretischen Mustern abgeglichen werden.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die theoretische Basis?

Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf Begriffe wie "Entgrenzung von Arbeit", "Arbeitskraftunternehmer", "Subjektivierung" und das Konzept des "stabilisierenden Fluchtpunktes" nach Heiden und Jürgens.

Wie unterscheidet sich die Situation der untersuchten Selbständigen von abhängigen Beschäftigten?

Während abhängige Beschäftigte oft durch betriebliche Strukturen fremdgesteuert sind, müssen Alleinselbständige ihre Arbeitsabläufe und die Regenerationsphasen vollständig eigenverantwortlich strukturieren, was neue Anforderungen an die Selbstorganisation stellt.

Welche Rolle spielt die Technik bei der Reproduktion der Arbeitskraft in dieser Studie?

Technik wird sowohl als Ermöglicher für flexible Arbeitsformen (Homeoffice, ortsunabhängiges Arbeiten) als auch als Faktor für die ständige Verfügbarkeit diskutiert, wobei die Affinität zur Technik bei den Befragten eine bedeutende Rolle spielt.

Zu welchem Fazit kommt der Autor bezüglich der Arbeitsgesellschaft?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass für den Erhalt der Arbeitskraft in der Zukunft mehr Freiräume für die subjektive Gestaltung der Arbeitsbedingungen geschaffen werden müssen und das Bildungssystem Kompetenzen zur Selbstreflexion und Selbststeuerung stärker fördern sollte.

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Details

Title
Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft als individuelle Leistung. Was können wir von hochqualifizierten Alleinselbständigen lernen?
College
Technical University of Braunschweig  (Institut für Sozialwissenschaften)
Grade
1,0
Author
Florian Horstmann (Author)
Publication Year
2016
Pages
84
Catalog Number
V333728
ISBN (eBook)
9783668235526
ISBN (Book)
9783668235533
Language
German
Tags
Arbeitswelt Lebenswelt Regenaration Reproduktion Interview Soloselbstständig Unternehmer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Horstmann (Author), 2016, Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft als individuelle Leistung. Was können wir von hochqualifizierten Alleinselbständigen lernen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333728
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