Jüdische Gruppierungen zur Zeit Jesu. Pharisäer, Sadduzäer und Schriftgelehrte aus Sicht des Flavius Josephus


Seminararbeit, 2001

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Die sprachliche Entfremdung des Begriffs »Pharisäer«

B. Pharisäer, Sadduzäer, Schriftgelehrte – der historische Hintergrund
I. Flavius Josephus – Historiker des Judentums
1. Biographie des Flavius Josephus
2. Die Schriften des Josephus
II. Die Lehren der Gruppierungen und ihre Rolle in der
jüdischen Geschichte (nach Josephus)
1. Die Pharisäer
a) Ihre Lehre
b) Die jüdische Geschichte unter dem Einfluss der Pharisäer
2. Die Sadduzäer
a) Ihre religiösen Vorstellungen
b) Die Rolle der Sadduzäer im Judentum
3. Die fehlende Kontinuität des Josephus in beiden Werken
4. Die jüdischen Schriftgelehrten

C. Die Unterscheidung zwischen NT und Flavius Josephus

D. Anhang

E. Literaturverzeichnis

A. Die sprachliche Entfremdung des Begriffs »Pharisäer«

Der Begriff Pharisäer erfährt v.a. in der Umgangssprache eine Mehrdeutung. Zum einen steht er für die Gesellschaftsgruppierung des Judentums zur Zeit Jesu. Zum anderen steht in Lexika oft „heuchlerischer Mensch“[1] o.ä. Im Norden Deutschlands ist »Pharisäer« sogar ein alkoholisches Getränk, bei dem der Rum durch die Zugabe von Kaffee und Sahne verdeckt wird. Es wird sozusagen Alkohol-Freiheit »vorgeheuchelt«.

Dies wurde an den christlichen Glauben angelehnt, in dem die Pharisäer – gemäß der Überlieferung des NT – als Heuchler und Feinde Jesu dargestellt werden. Wie sie - ebenso wie die Sadduzäer und Schriftgelehrten – bei außerbiblischen Autoren dargestellt werden, soll in dieser Arbeit am Beispiel der Überlieferungen des Flavius Josephus gezeigt werden.

B. Pharisäer, Sadduzäer, Schriftgelehrte – der historische Hintergrund

I. Flavius Josephus – Historiker des Judentums

1 Biographie des Flavius Josephus

Als Sohn des Priesters Matthias wurde Josephus im Jahre 37 oder 38 v. Chr. in Jerusalem geboren. Mütterlicherseits war er mit dem Königsgeschlecht der Hasmonäer verwandt[2]. In seiner Jugend galt er als sehr gebildet und besuchte die jüdischen Schulen der Pharisäer, Sadduzäer und Essener. Von diesen drei Schulen schien ihm die der Pharisäer am besten, so dass er sich schließlich dieser Richtung anschloss.

„In seinem 26. Lebensjahre unternahm Josephus eine Reise nach Rom, wo er zu hochstehenden Personen in Beziehungen trat und namentlich auch Poppaea, der Gemahlin des Cäsars Nero, vorgestellt wurde.“[3] Nach dieser Reise hat Josephus wohl die Laufbahn der öffentlichen Ämter eingeschlagen. Am Aufstand der Juden gegen die römischen Besatzer im Land (66 – 70) nahm er als Feldherr und Oberbefehlshaber teil. Ein Jahr nach Beginn des Aufstands geriet er jedoch beim Fall von Jostapata in die Hände der Römer. Nur seine Weissagung an Vespasian, er werde Kaiser, hinderte diesen daran, Josephus zu töten. Als diese Weissagung sich im Jahr 69 als wahr herausstellt, wird Josephus von Vespasian freigelassen. Er wird »civis Romanus« und gibt sich aus Dankbarkeit den römischen Beinamen „Flavius“, was eindeutig als Ehrung des Vespasian gedacht ist, der der Flavischen Dynastie angehört.

Als Begleiter des Titus nach Judäa erlebt er im Jahre 70 die Zerstörung seiner Vaterstadt mit; es gelingt ihm jedoch nicht, seine Landsleute von der Unsinnigkeit bzw. Hoffnungslosigkeit ihres Aufstandes zu überzeugen, sondern er wird zum Verräter erklärt.

Zurück in Rom verfasst Josephus seine bekanntesten Werke. Diese sollen im nächsten Abschnitt einer genaueren Betrachtung unterzogen werden.

Das Todesjahr des Flavius Josephus ist unbekannt. Im Jahre 93 war er noch am Leben, die Regierungszeit des Kaisers Trajan (bis 117) scheint er jedoch nicht überlebt zu haben.

2. Die Schriften des Josephus

Wie bereits oben erwähnt, verfasst er nach seiner Rückkehr aus Judäa dann

von 75 – 79 „De Bello Iudaico“, also den Verlauf des Jüdischen Aufstandes
(66 – 73, Fall von Massada). Da er sich hierbei jedoch überwiegend auf die Aufzeichnungen des Vespasian und des Titus stützt, bekommt das Werk eine überwiegend prorömische Tendenz: Flavius Josephus kommt nämlich zu dem Entschluss, die Zeloten seien letztlich am Scheitern des Aufstandes schuld.

Historisch ist dieses Buch also mit äußerster Vorsicht zu benutzen, worauf ich im Punkt II.3 noch genauer eingehen werde.

Sein Werk „Antiquitates Iudaicae“, das in der Zeit von 93 – 94 entstand, ist jedoch eine wichtige Zusammenfassung der Ereignisse des Alten Testamentes. Flavius Josephus ordnet die Geschehnisse chronologisch, schließt Lücken und gibt Einblicke in die dunklen Seiten der jüdischen Geschichte. Er beginnt bei der Erschaffung der Erde (Buch Genesis) und berichtet bis zu den Begebenheiten in Judäa in der Regierungszeit des Nero.

Des Weiteren verfasste er unter anderem noch eine Autobiographie sowie Schriften über die Makkabäer etc.[4]

II. Die Lehren der Gruppierungen und ihre Rolle in der jüdischen Geschichte (nach Josephus)

1 Die Pharisäer

a) Ihre Lehre

Für das außerbiblische Bild der Pharisäer gilt Josephus als der wichtigste Zeuge. In seinen Schriften – v.a. in „De bello Iudaico“ und in „Antiquitates Iudaicae“ –

gibt er ein genaues Bild der damaligen Gruppierungen wieder und charakterisiert diese. So schreibt er in „De bello Iudaico“ über die Pharisäer: „(...) sie stellen die erste Sekte dar (...).“[5] Ob Josephus die Pharisäer damit nun als die älteste oder die ranghöchste Sekte meint, ist allerdings unklar.

Weiter formuliert er nun die grundlegenden Aussagen ihrer Lehre[6]: „Sie schreiben dem Schicksal und Gott alles zu; Rechtes zu tun oder nicht hänge zwar vor allem von den Menschen selbst ab, es helfe aber auch zu jedem Handeln das Schicksal mit.“[7] Der Mensch ist demnach nicht völlig vorherbestimmt, aber er wirkt auch nicht völlig allein. Er wirkt mit der göttlichen Vorsehung zusammen. Die Verantwortung für das Ziel seiner Seele nach dem Tod wird somit dem Menschen übertragen. Ein Sprichwort aus unserer Zeit – wenn auch in abgewandelter Form – bringt diesen Aspekt der Lehre auf den Punkt: »Der Mensch denkt, das Schicksal lenkt.«

Die Pharisäer glauben an eine Unsterblichkeit der Seele, allerdings nur der guten, die nach dem Tod in einen neuen Leib übergeht, während die schlechte Seele durch ewige Bestrafung gezüchtigt werden[8]. Deshalb gaben sie dem Volk die Gesetze des Mose und fügen noch weitere hinzu. So bekamen sie das Volk auf ihre Seite, d.h. sie waren eine Partei für die niederen Schichten und machten sich so deren Unterstützung nutzbar.

„Josephus hat mehrfach die drei wichtigsten „Religionsparteien“ der Juden verglichen: (...) Er stellt sie für seine hellenistisch gebildeten Leser als Analogien zu den Philosophieschulen der Griechen dar: (...), die Pharisäer als Stoiker (Vita 12), (...)“.[9]

Die Pharisäer erwarteten auch den Messias. Im Gegensatz zu anderen Gruppen waren sie jedoch weniger optimistisch im Hinblick auf die Naherwartung, weshalb sie auch das Ausbleiben der Heilsbotschaft nie erklären mussten. Unter diesem Aspekt ist wohl auch ihre kritische Haltung gegenüber Jesus von Nazareth zu sehen, dessen Verkündigungen eindeutig eschatologisch geprägt waren.

Sie sahen eine politische Herrschaft insofern als uninteressant an, solange sie nicht in die religiösen Belange eingriff. Da für sie jedoch die Alleinherrschaft Jahwes entscheidend war, schloss dies jegliche Kooperation ihrerseits mit einer fremden Macht aus. So sind sie also nicht als Kollaborateure der römischen Besatzungsmacht anzusehen.

In der Geschichte des Judentums wirkte die Lehre der Pharisäer, gerade weil sie offen war für alle Bevölkerungsschichten, entscheidend ein.

b) Die jüdische Geschichte unter dem Einfluss der Pharisäer

Unter der Herrschaft der Hasmonäer – also in ihrer Entstehungszeit – bildeten die Pharisäer zunächst die politische Opposition.[10] Hierin sieht man auch den Ursprung ihrer Bezeichnung Pharisäer, die vermutlich aus dem hebräischen Wort für „Spalter“ entstanden ist.

[...]


[1] So z.B. in Duden-Rechtschreibung der deutschen Sprache.

[2] Vgl. Clementz H., Jüdische Altertümer, 3.

[3] Clementz, H., Jüdische Altertümer, 4

[4] Clementz, H., Jüdische Altertümer, 7f.

[5] Michel O./Bauernfeind O. (Hg.), De bello Iudaico, II, 162.

[6] Vgl. TheiSSen, G./Merz, A., Der historische Jesus, 136.

[7] Michel O./Bauernfeind O. (Hg.), De bello Iudaico, II, 162.

[8] A.a.O.

[9] Theissen, G./Merz, A., Der historische Jesus, 135

[10] Vgl. D. Anhang.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Jüdische Gruppierungen zur Zeit Jesu. Pharisäer, Sadduzäer und Schriftgelehrte aus Sicht des Flavius Josephus
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Fachbereich Katholische Theologie)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Methoden der neutestamentlichen Exegese
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V3338
ISBN (eBook)
9783638120425
ISBN (Buch)
9783656456872
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pharisäer Sadduzäer Schriftgelehrte Flavius Josephus
Arbeit zitieren
Andreas Schraut (Autor), 2001, Jüdische Gruppierungen zur Zeit Jesu. Pharisäer, Sadduzäer und Schriftgelehrte aus Sicht des Flavius Josephus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3338

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