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Ritzen als Problem selbstverletzenden Verhaltens bei Mädchen in der Adoleszenz. Grenzen und Möglichkeiten schulischer Intervention

Title: Ritzen als Problem selbstverletzenden Verhaltens bei Mädchen in der Adoleszenz. Grenzen und Möglichkeiten schulischer Intervention

Examination Thesis , 2004 , 136 Pages , Grade: 1

Autor:in: Kathleen Seifert (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

Selbstverletzendes Verhalten (im Folgenden SVV) ist längst kein unbekanntes Problem für Psychologen und Psychotherapeuten. Auch in den öffentlichen Medien liest oder hört man gelegentlich etwas über bestimmte Formen SVVs. Die Verletzung der Haut mit scharfen oder spitzen Gegenständen, auch Ritzen genannt, scheint aber immer noch ein Tabuthema zu sein, auch wenn dieses Verhalten keinesfalls ein seltenes Problem darstellt. Bei den Vorbereitungen zu dieser Arbeit ist mir aufgefallen, dass fast jeder meiner Bekannten, der mich nach meinem Thema fragte, meinte: „Oh, da kenne ich auch jemanden.“ oder „Ja, damals in der Schule hatten wir auch eine, die das tat.“ Nahezu jeder scheint, mit dem Wort „Ritzen“ etwas anfangen zu können und zu wissen, worum es sich handelt: Eben um Leute, die Narben an Handgelenken oder Unterarmen haben, vermutlich von Schnitten, die sie sich selbst zufügten, vielleicht um Aufmerksamkeit zu erregen. Vielleicht! Fragt man aber genauer nach, merkt man schnell, dass sich kaum jemand ernsthafte Gedanken darüber macht, warum diese Personen so etwas tun. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass jemand sich selbst Verletzungen zufügt. Mein Eindruck in Gesprächen mit einigen Lehrern aus meinem Bekanntenkreis war, dass auch sie, selbst wenn sie eine Schülerin, die sich ritzte in der Klasse haben, sich wenig Gedanken um die Gründe des Verhaltens machen und sich eher unverantwortlich oder überfordert fühlen und nicht eingreifen.

Ich selbst habe eine Ritzerin getroffen als ich nach meinem Abitur aushilfsweise in einem Kindergarten arbeitete. Sie war dort für einige Wochen meine Kollegin. Wir verstanden uns recht gut, und sie machte sich keine Mühe, ihre verschorften Einschnitte am Unterarm mir gegenüber zu verbergen. Auch ich habe damals nicht viel darüber nachgedacht. Für mich war klar, dass ihr Verhalten etwas mit der Suche nach Aufmerksamkeit zu tun haben muss. Ich habe dies aber nicht ernst genommen und nicht gesehen, dass vielleicht ein größeres Problem hinter der Selbstverletzung steht. Viele Pädagogen sind meiner Meinung nach zu wenig über das Thema SVV aufgeklärt, sie wissen zu wenig über psychische Probleme und Belastungen ihrer Schüler, und so denken sie vielleicht oft genauso wie ich damals.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Adoleszenz – eine notwendige Krise der Entwicklung

1.1. Definition Adoleszenz

1.2. Funktion der Adoleszenz

1.3. Die Probleme einer Generation

1.4. Veränderungen in der Adoleszenz

1.5. Psychische Störungen im Jugendalter

1.5.1. Identitätsstörung

1.5.2. Essstörungen

1.5.3. Depression

1.5.4. Suizid

1.6. Von den Schwierigkeiten ein Mädchen zu sein und eine Frau zu werden

1.6.1. Unterschiede in der Entwicklung von Jungen und Mädchen

1.6.2. Der weibliche Körper in unserer Gesellschaft

1.6.3. Die Bedeutung der Menstruation in der Entwicklung

1.6.4. Konflikte und Psychische Störungen junger Mädchen und Frauen

2 Was bedeutet selbstverletzendes Verhalten?

2.1. Begriffsbestimmung

2.2. Definition „selbstverletzenden Verhaltens“, „Selbstbeschädigung“ bzw. „Autoaggression“

2.3. Theorien selbstverletzenden Verhaltens – verschiedene Erklärungsansätze

2.3.1. Homöostatische Funktion oder Selbststimulationshypothese

2.3.2. Tiefenpsychologische Erklärungsversuche

2.3.3. Lernpsychologischer Ansatz nach Dollard

2.3.4. Narzissmus- und Objektbeziehungstheorie bzw. psychodynamische Modellvorstellung

2.3.5. Entwicklungspsychologische Interpretation

2.3.6. Lerntheoretische Hypothesen

2.3.6.1. Selbstverletzendes Verhalten als reaktives Verhalten

2.3.6.2. Selbstverletzendes Verhalten als operantes Verhalten

2.3.6.3. Modelllernen

2.3.7. Hypothese der biochemischen Verursachung – SVV als Suchtverhalten

2.3.8. Bindungstheorie

2.4. Formen selbstverletzenden Verhaltens

2.4.1. „Erlaubte“ Formen selbstverletzenden Verhaltens

2.4.1.1. Religiöse und rituelle Selbstverletzung

2.4.1.2. Schönheitsideale

2.4.1.3. Schönheitsoperationen

2.4.1.4. Extremsportarten

2.4.1.5. Äußerungsformen moderner Jugendkultur

2.4.2. „Krankhafte“ Formen selbstverletzenden Verhaltens

2.4.2.1. Formen heimlicher Selbstverletzung

2.4.2.2. Formen offener Selbstverletzung

2.4.2.3. Essstörungen

2.4.2.4. Stereotype Bewegungsstörungen mit selbstverletzendem Verhalten bzw. autoaggressive Stereotypien

2.5. Ursachen – die Wurzeln des selbstverletzenden Verhaltens

2.5.1. Deprivation/Isolation

2.5.2. Traumatisierung

2.5.2.1. Körperliche, sexuelle und seelische Gewalt

2.5.2.2. Unfälle und Krankheiten

2.5.3. Fallbeispiele

2.6. Prävalenz

3 Ritzen – eine besondere Form selbstverletzenden Verhaltens in der Adoleszenz

3.1. Begriffsbestimmung

3.2. Beschreibung des Phänomens „Ritzen“

3.2.1. Definition Ritzen

3.2.2. Der Akt des Schneidens

3.2.3. Der Teufelskreislauf „Ritzen“

3.3. Beschreibung der Betroffenen

3.3.1. Die Ritzerin und ihr Verhältnis zum eigenen Körper

3.3.2. Die Ritzerin mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

3.4. Funktionen des Ritzens

3.4.1. Ritzen als Antidepressivum – Funktion der Suizid- und der Psychoseprophylaxe

3.4.2. Ritzen als Selbstbestrafungsmechanismus

3.4.3. Funktion des seelischen Gewinns

3.4.4. Funktion der sexuellen Befriedigung

3.4.5. Ritzen als Kotrollmechanismus

3.4.6. Ritzen als Signal (Kommunikative Funktion)

3.4.7. Ritzen als Problemlöseversuch (Zusammenfassung)

3.5. Ritzen als Form aggressiven Verhaltens in der Jugend

3.6. Ritzen als geschlechtsspezifisches Verhalten

3.7. Ritzen versus Suizidalität

3.8. Der Zusammenhang von Ritzen und Essstörungen

3.9. Die Adoleszenz als Auslöser selbstverletzenden Verhaltens in Form von Ritzen

3.10. Folgen des Ritzens

3.11. Therapie

3.11.1. Anforderungen an den Therapeuten

3.11.2. Die therapeutische Arbeit

4 Schulische Intervention

4.1. Mögliche Veränderungen in der Schule

4.2. Probleme wahrnehmen und richtig handeln

4.2.1. Gründe zur Besorgnis – eine Checkliste für Lehrer

4.2.2. Was tun, wenn ein Schüler psychisch leidet?

4.2.2.1. Der Schulpsychologische Dienst

4.2.2.2. Beratungsstellen

4.2.3. Maßnahmen bei sexuellem Missbrauch von Schülerinnen

4.3. Zum Umgang mit Ritzerinnen in der Schule

4.3.1. Vorschläge von Betroffenen aus dem Internet

4.3.2. Rückschlüsse aus der Therapie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des selbstverletzenden Verhaltens (SVV), insbesondere des Ritzens, bei Mädchen im Jugendalter. Ziel ist es, Lehrern und Pädagogen ein tieferes Verständnis für die Hintergründe dieses Verhaltens zu vermitteln und konkrete Handlungsstrategien für den schulischen Kontext aufzuzeigen, um betroffenen Schülerinnen frühzeitig Unterstützung anbieten zu können.

  • Adoleszenz als krisenhafte Entwicklungsphase und Auslöser für psychische Belastungen.
  • Differenzierung verschiedener Formen von SVV und deren Funktionen.
  • Psychodynamische und lerntheoretische Erklärungsansätze für autoaggressives Verhalten.
  • Die Rolle der Schule und Handlungsmöglichkeiten für Lehrer bei der Entdeckung von SVV.

Auszug aus dem Buch

Die Adoleszenz als Auslöser selbstverletzenden Verhaltens in Form von Ritzen

Die erste Selbstverletzung in Form von Ritzen geschieht fast ausschließlich irgendwann während der Pubertät und wird später chronisch (vgl. ECKHARDT 1994, 44). Jugendliche in der Adoleszenz sind besonders anfällig für Störungen, in denen sie sich unmittelbar körperlichen Schaden zufügen oder in denen sie in ihrer Vorstellung ihr Körperbild verändern (vgl. LAUFER/LAUFER 1989, 9). Warum ist dies so?

Zu den äußeren Einflussgrößen, die SVV begünstigen, gehören immer wichtige Veränderungen, Wendepunkte im Leben oder belastende Situationen. Auch die Pubertät mit ihren starken und zahlreichen Veränderungen, kann zu SVV beitragen (vgl. MÜLLER-SCHLOTMANN 2003, 229).

Ritzen und andere Formen offenen SVVs können z.B. durch „Fortschritte in der Entwicklung, d.h. Aktualisierungen des Autonomie-Abhängigkeitskonfliktes“, wie er bei den meisten Adoleszenten besteht, ausgelöst werden (HEINEMANN/HOPF 2001, 137).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Adoleszenz – eine notwendige Krise der Entwicklung: Erläutert die Adoleszenz als lebensgeschichtliche Übergangsphase, die mit körperlichen, psychischen und sozialen Umbrüchen einhergeht und Identitätskrisen provozieren kann.

2 Was bedeutet selbstverletzendes Verhalten?: Definiert SVV und Autoaggression und diskutiert verschiedene wissenschaftliche Theorien und Ursachenkomplexe, die das Entstehen dieses Verhaltens zu erklären versuchen.

3 Ritzen – eine besondere Form selbstverletzenden Verhaltens in der Adoleszenz: Konzentriert sich spezifisch auf das Ritzen, beschreibt das Phänomen, die betroffenen Personen sowie die vielfältigen Funktionen, die das Verhalten für die Jugendlichen erfüllt.

4 Schulische Intervention: Behandelt die Rolle der Schule und der Lehrkräfte, bietet Hilfestellungen zur Problemerkennung und konkrete Empfehlungen für das Handeln im pädagogischen Alltag bei Verdacht auf SVV.

Schlüsselwörter

Adoleszenz, Selbstverletzendes Verhalten, Ritzen, Autoaggression, Essstörungen, Pubertät, Identitätsfindung, Schulische Intervention, Traumatisierung, Bindungstheorie, Borderline, Psychische Störungen, Pädagogik, Körperbild, Suizidalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von selbstverletzendem Verhalten (SVV), insbesondere dem Ritzen, bei Mädchen in der Adoleszenz und leitet daraus notwendige Handlungsempfehlungen für den schulischen Alltag ab.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Entwicklungsphase der Adoleszenz, die psychodynamischen Hintergründe von SVV, die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Sozialisation sowie die Möglichkeiten und Grenzen schulischer Intervention.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Pädagogen für das Thema SVV zu sensibilisieren, damit sie Anzeichen rechtzeitig wahrnehmen und professionell agieren können, ohne dabei die Grenzen ihrer eigenen Rolle als Lehrer zu überschreiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert und zusätzlich Fallbeispiele sowie Erfahrungsberichte Betroffener einbezieht, um die theoretischen Aspekte zu verdeutlichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Entwicklung der Adoleszenz, Theorien zu SVV, Formen und Ursachen) und einen praktischen Teil, der das Phänomen „Ritzen“ sowie den Umgang damit im schulischen Umfeld detailliert betrachtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Adoleszenz, Ritzen, Autoaggression, Identitätsfindung, Schulische Intervention und Traumatisierung geprägt.

Welche Rolle spielt die Bindungstheorie bei der Entstehung von SVV?

Die Bindungstheorie dient dazu, unsichere Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit als Risikofaktoren für die spätere Entstehung von SVV zu identifizieren, da Betroffene oft nicht gelernt haben, auf gesunde Weise mit Stress und zwischenmenschlichen Beziehungen umzugehen.

Warum sind Mädchen häufiger von Ritzen betroffen?

Der Autor führt dies auf geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse zurück, bei denen Mädchen eher dazu angehalten werden, Aggressionen nach innen zu richten, während Jungen häufigere Möglichkeiten haben, diese durch expansives oder delinquentes Verhalten auszudrücken.

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Details

Title
Ritzen als Problem selbstverletzenden Verhaltens bei Mädchen in der Adoleszenz. Grenzen und Möglichkeiten schulischer Intervention
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Heil- und Sonderpädagogik)
Grade
1
Author
Kathleen Seifert (Author)
Publication Year
2004
Pages
136
Catalog Number
V33380
ISBN (eBook)
9783638338721
Language
German
Tags
Ritzen Problem Verhaltens Mädchen Adoleszenz Grenzen Möglichkeiten Intervention
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kathleen Seifert (Author), 2004, Ritzen als Problem selbstverletzenden Verhaltens bei Mädchen in der Adoleszenz. Grenzen und Möglichkeiten schulischer Intervention, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33380
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