Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) ist nach E.ON und RWE das drittgrößte Energieunternehmen in Deutschland mit Sitz in Karlsruhe. Der umstrittene Rückkauf eines Aktienpaketes von 45,01% der Anteile der EnBW durch das Land Baden-Württemberg, gekauft aus dem Eigentum des französischen Elektrizitätskonzerns Électricité de France im Jahr 2010, beschäftigt die Politik und Gesellschaft bis heute.
Der damalige CDU-Ministerpräsident Mappus schloss den sogenannten EnBW-Deal ab und überraschte damit nicht nur seinen Finanzminister, sein Kabinett und das Parlament, sondern auch das ganze Land.
Nach dem Bekanntwerden des Deals war die Resonanz zweigeteilt. Einerseits Begeisterung, denn ein strategisch wichtiger Konzern ist in die sicheren Hände des Landes zurückgekehrt und sogar Gewinne für den Landeshaushalt können erwirtschaftet werden. Kritisiert wurde der Deal, da er am Gesetz vorbei, ohne das Mandat des Parlaments und ohne Notwendigkeit durchgeführt wurde.
Die vorliegende Fallstudie beruht auf einem Gutachten des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) der Technischen Universität zu Berlin. Dieses Gutachten beschäftigt sich auch mit der Rationalität des Erwerbs von Eigentum durch die öffentliche Hand. Anhand von Kriterien dieses Gutachtens wird in dieser Fallstudie geprüft, ob der EnBW-Deal zu recht kritisch beäugt wird, oder ob der Deal als plausibel eingestuft werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Chronologie des EnBW-Deals
2.1 Verkauf der Anteile des Landes an die EDF
2.2 Wichtige Ereignisse rund um den Deal
2.3 Nach dem Deal
3 Rationalität des Erwerbs von Eigentum durch die öffentliche Hand
3.1 Grundlagen für die Vorteilhaftigkeit einer Transaktion
3.1.1 Beteiligung ist kein Selbstzweck
3.1.2 Rationalität für öffentliche Eigentümerschaft
3.2 Umsetzbarkeit eines Unternehmenserwerbs
3.3 Kaufpreisfindung
3.3.1 Verfahren zur Bestimmung des Marktwertes
3.3.2 Due Diligence, Fairness Opinion und die Rolle von Morgan Stanley
3.3.3 Kaufpreisfindung
3.3.4 Paketzuschlag
3.3.5 Dividendenrendite vs. Zinszahlungen
3.3.6 Gutachterstreit
3.3.7 Reservationspreis
3.3.8 Rolle des Value Reporting
3.4 Wissensstand seitens der öffentlichen Hand (Rolle von Beratern)
3.5 Regelrahmen
4 Fazit
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Fallstudie ist die institutionenökonomische Analyse des sogenannten "EnBW-Deals" aus dem Jahr 2010. Dabei wird anhand von Kriterien eines Fachgutachtens geprüft, ob der Rückkauf des Aktienpakets durch das Land Baden-Württemberg rational und plausibel war, wobei insbesondere die Interessen des Steuerzahlers im Vordergrund stehen.
- Chronologischer Ablauf des EnBW-Deals und dessen politische Einordnung
- Analyse der Rationalität öffentlicher Eigentümerschaft und Transaktionsbedingungen
- Kritische Untersuchung der Kaufpreisfindung und Bewertungsmethoden
- Bewertung der Rolle externer Berater und institutioneller Regelrahmen
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Due Diligence, Fairness Opinion und die Rolle von Morgan Stanley
Die Due Diligence dient dazu, den angemessenen Wert des Unternehmens und damit den angemessenen Preis zu finden. Demgegenüber zeigt eine Fairness Opinion, ob der gefundene Kaufpreis angemessen ist. Eine solche Fairness Opinion wurde beim EnBW-Deal durchgeführt. Diese Durchsuchung beinhaltet lediglich die Durchsicht öffentlich zugänglicher Dokumente des Unternehmens.
Das Erstellen einer Due Diligence ist für eine Transaktion solcher Größe absolut relevant und erforderlich. Ein weiteres Argument, das von Morgan Stanley vorgebracht wird, ist, dass die Due Diligence nicht durchzuführen gewesen sei, da sonst die Geheimhaltung der Kaufabsicht nicht gewährleistet worden wäre.
Die von Morgan Stanley erstellte Fairness Opinion basiert auf Bewertungsanalysen sowie umfassenden Hintergrundinformationen. Relevante Aspekte wie Makro- und Mikrothemen, Strompreis, und die CO2-Thematik seien in die Bewertungsanalysen miteingearbeitet worden. Morgan Stanley selbst gilt als führende Investmentbank in diesem Sektor. Mehr als 2000 Analysegespräche mit europäischen Energieversorgern und 250 Gespräche mit Marktteilnehmern aus Deutschland kann Morgan Stanley nachweisen. Es ist davon auszugehen, dass Morgan Stanley eine bedeutende Expertise hat und als Berater sich sehr gut eignet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in den EnBW-Deal und die methodische Herangehensweise der Fallstudie.
2 Chronologie des EnBW-Deals: Überblick über die historische Entwicklung der Anteilsverhältnisse und die Ereignisse rund um den Rückkauf im Jahr 2010.
3 Rationalität des Erwerbs von Eigentum durch die öffentliche Hand: Analyse der Bedingungen für staatliche Beteiligungen, die Kaufpreisfindung, die Rolle von Beratern und den notwendigen Regelrahmen.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rationalität und Plausibilität des Deals unter Berücksichtigung von Risiken und politischer Einflussnahme.
Schlüsselwörter
EnBW-Deal, Baden-Württemberg, Öffentliche Eigentümerschaft, Kaufpreisfindung, Fairness Opinion, Morgan Stanley, Kapitalkosten, Due Diligence, institutionenökonomischer Ansatz, Privatisierung, Dividendenrendite, Atompolitik, Fukushima, Transaktionskosten, Paketzuschlag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Fallstudie grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den umstrittenen Rückkauf von EnBW-Aktien durch das Land Baden-Württemberg im Jahr 2010 aus institutionenökonomischer Perspektive.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Rationalität öffentlicher Beteiligungen, die Bewertungsmethodik von Unternehmen, die Rolle von Investmentbanken und der Umgang mit politischer Verantwortung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Prüfung, ob der EnBW-Deal wirtschaftlich plausibel war oder ob Sorgfaltspflichten und wirtschaftliche Kriterien vernachlässigt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein institutionenökonomischer Ansatz gewählt, der die Effizienz von Transaktionen bewertet und dabei die Interessen des Steuerzahlers in den Vordergrund stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Kaufpreisfindung, der Due Diligence, der Fairness Opinion von Morgan Stanley und den institutionellen Rahmenbedingungen solcher Transaktionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind EnBW-Deal, Kaufpreisfindung, Kapitalkosten, institutionenökonomische Analyse und politische Steuerung.
Warum wird das Handeln von Morgan Stanley kritisch betrachtet?
Die Kritik entzündet sich an der Doppelrolle der Bank als Berater des Landes und Ersteller der Fairness Opinion sowie an den durch das Transaktionsvolumen motivierten Honorarstrukturen.
Welche Rolle spielten Umwelteinflüsse bei der Bewertung des Deals?
Die Arbeit verdeutlicht am Beispiel der Katastrophe von Fukushima, wie externe, unvorhersehbare Ereignisse die strategische Planung und die Rentabilität des Deals massiv negativ beeinflussen können.
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- Johannes Frey (Author), 2016, Der EnBW-Deal. Rationalität für den Erwerb von Eigentum durch die öffentliche Hand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333822