Ursachen, Ziele und Ablauf von Währungsreformen

Ein historischer Abriss und das aktuelle Beispiel Griechenland


Masterarbeit, 2016

89 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen und Einordnung in die Literatur
2.1 Definitionen
2.2 Ursachen von Währungskrisen.
2.2.1 Staatsbankrott
2.2.2 Hyperinflation
2.2.3 Kriege
2.2.4 Politische Gründe.

3 Ziele und Arten von Währungssystemen
3.1 Ziele und Zielkonflikte
3.2 Entwicklung von internationalen Währungssystemen
3.2.1 Goldstandard.
3.2.2 Bretton-Woods-System
3.2.3 Europäisches Währungssystem (EWS) - Vorläufer der EWWU
3.2.4 Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU)
3.3 Arten von aktuellen Währungssystemen
3.3.1 Feste Wechselkurse (Hard Pegs Regimes).
3.3.2 Flexible Wechselkurse (Floating exchange rate)
3.3.3 Mischformen

4 Währungssysteme: Ein historischer Abriss
4.1 Währungsreformen in Deutschland
4.1.1 Die Währungsreform 1923/24
4.1.2 Währungsreform 1948 - Analyse zweier Systeme.
4.1.2.1 Währungsreform in der westlichen Besatzungszone
4.1.2.2 Währungsreform im sowjetischen Block
4.1.3 Währungsunion anlässlich der deutschen Wiedervereinigung
4.2 Währungsreformen in Österreich
4.2.1 Die Währungsreform 1924/25
4.2.2 Der Währungsanschluss 1938
4.2.3 Die Währungsumstellung
4.3 Weitere bedeutende Währungskrisen jüngerer Zeit
4.3.1 „Tequila-Krise“ in Mexiko 1994/
4.3.2 Argentinien-Krise 1998-2002.
4.3.3 Asienkrise 1997/98 am Beispiel Thailand

5 Griechenland und die Eurozone: Quo vadis?
5.1 Der Weg in die Europäische Währungsunion 2001
5.2 Die Auswirkungen der globalen Finanzkrise ab 2008
5.3 Relevante Alternativszenarien und mögliche Folgen.
5.4 Zwischen Insolvenz und Schuldenerlass
5.5 Historische Erfahrungen: Eine Vergleichsanalyse
5.5.1 Argentiniens „Tango-Krise“ 2001/02.
5.5.2 Austritt Italiens aus dem EWS
5.5.3 Aufspaltung der Tschechoslowakei

6 Fazit & Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Das währungspolitische Trilemma

Abb.2: Die drei Stufen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion

Abb.3: Regimetypen von Wechselkurssystemen

Abb.4: Vor- und Nachteile fester Wechselkurse

Abb.5: Vor- und Nachteile flexibler Wechselkurse

Abb.6: Idealtypische Wirtschaftsordnungen

Abb.7: Der Ablauf der Spekulation

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Als unmittelbare Folge der beiden Weltkriege wurde Europa im 20. Jahrhundert von zwei großen Währungskrisen heimgesucht. Diese ließen nicht nur das europäische Währungsge- füge zusammenbrechen, sondern ebenso sämtliche unternommene Stabilisierungsbemühun- gen scheitern. In Anlehnung an den Goldstandard versuchte Europa nach dem Ersten Welt- krieg und auf Initiative der Vereinigten Staaten, die Großbritannien in der Führung der Welt- wirtschaft abgelöst hatten, eine neue internationale Währungsordnung aufzubauen. Nach- dem diese während der Weltwirtschaftskrise ihre erste Bewährungsprobe nicht überstand, funktionierte die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auf Grundlage eines freien Welt- handels und fester Wechselkurse errichtete internationale Währungsordnung, die eng an die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA geknüpft war, vergleichsweise gut. Als die Ver- einigten Staaten jedoch nicht mehr in der Lage waren, diese Rolle weiter auszufüllen, brach das Bretton-Woods-System zusammen. Infolgedessen arbeiteten die Europäer seit Beginn der 1970er Jahre an einem europäischen Währungssystem, das in der Etablierung der Ge- meinschaftswährung des Euro gipfelte.1

Mit vorliegender Masterarbeit soll daher die Wirkung von bedeutenden Währungsreformen des 20. Jahrhunderts untersucht werden. Nach Begriffsdefinitionen und einer Einordnung in die Literatur wird ferner auf Ursachen, Ziele und Mechanismen von Währungsreformen ein- gegangen. Im Anschluss daran beschäftigt sich Kapitel drei mit den Arten von Währungs- systemen. Dabei steht die Entwicklung des internationalen Währungssystems beginnend mit dem Goldstandard über das Bretton-Woods-System bis hin zur Gründung der Europäischen Währungsunion im Vordergrund, wobei aufbauend auf vergangene Systeme die Formen von aktuellen Währungssystemen, wie beispielsweise ein Currency Board (Festes Wechsel- kursarrangement) oder Floating exchange rates (flexibles Wechselkurssystem), näher be- leuchtet werden. Nach diesem theoretischen Teil versucht darauffolgender Abschnitt einen historischen Abriss über die Währungspolitik des 20. Jahrhunderts zu geben, wobei hier ins- besondere bedeutsame sowie aus unterschiedlichen Motiven heraus durchgeführte Wäh- rungsreformen näher untersucht werden. Dieser Rückblick erstreckt sich von den Deutschen Währungsreformen 1924 und 1948 (Westzone- und Sowjetische Besatzungszone) sowie der Einführung der Deutschen Mark in der Deutschen Demokratischen Republik 1990, über die in Österreich durchgeführten Währungsreformen 1924/25, 1938 und 1945. Im Anschluss daran werden weitere internationale Währungskrisen, darunter die spekulativen Attacken auf südostasiatische Währungen im Zuge der Asienkrise 1997/98, analysiert.

In einem zweiten Schwerpunkt soll vorliegende Arbeit mit den gegenwärtigen Herausforde- rungen und Problemstellungen hinsichtlich des Europäischen Wirtschafts- und Währungs- raumes abgerundet werden. Besonderes Augenmerk gilt dabei der aktuellen Rolle Griechen- lands und den noch nicht ausgestandenen Diskussionen um einen etwaigen Austritt Grie- chenlands aus der Eurozone („Grexit“). Auch wenn die Griechenland-Krise seit dem Som- mer 2015 bedingt durch das abgesegnete dritte Hilfspaket sowie den Neuwahlen im Septem- ber aber auch durch eine Serie von Terroranschlägen und der verstärkten Flüchtlingsbewe- gung in Richtung Europa medial stark in den Hintergrund geriet, ist diese für die Europäische Währungsunion noch längst nicht ausgestanden. Aus diesem Grunde versucht der Autor in Zusammenhang mit einem etwaigen künftigen Austritt eines EU-Mitgliedstaates zu eruie- ren, warum der Euroraum vor einer großen Bewährungsprobe steht. Aufbauend auf Ver- gleichsstudien werden im Rahmen dieser Arbeit bei historischen Währungskrisen Parallelen zur aktuellen Euro-Krise rund um Griechenland erhoben, analysiert und daraus notwendige Lehren und Schlussfolgerungen gezogen. Historische Beispiele zeigen, dass Länder ver- schiedener Kontinente immer wieder vor gravierenden Währungsproblemen stehen. Diese sind häufig (z.B. aufgrund mangelnder Wettbewerbsfähigkeit) einem derartigen Abwer- tungsdruck ausgesetzt (Bsp. bei einem Currency Board), dass die Notenbank schon bald an ihre Grenzen stößt und sich letztendlich gezwungen sieht, abzuwerten bzw. den festen Wechselkurs freizugeben. Mit Beitritt zur Europäischen Währungsunion und der Einführung des Euro hat auch Griechenland seine geldpolitische Autonomie verloren, weshalb man an- gesichts der seit 2009 andauernden griechischen Staatsschuldenkrise nun vor einem großen Dilemma steht.

Demnach versucht vorliegende wissenschaftliche Arbeit eine Antwort darauf zu geben, wel- che Phänomene historischer Währungskrisen einen Vergleich mit der gegenwärtigen Situa- tion in Griechenland zulassen. Ferner geht es darum zu eruieren, vor welchen möglichen Szenarien Griechenland aktuell steht und ob ein möglicher Austritt aus dem Euroraum über- haupt eine ökonomisch sinnvolle Variante darstellt. Darüber hinaus sollen auch Folgen eines möglichen Austritts aus der Eurozone für Griechenland und die Europäische Union abge- schätzt werden.

2 Begriffsdefinitionen und Einordnung in die Literatur

Vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Gebiet der Währungsreformen sowie deren Wirkungsweisen auf eine Volkswirtschaft. Zu den gedanklich verwandten Begriffen können weiters das Währungssystem, die Währungsverfassung als auch die Währungsunion gezählt werden. Da die Begriffe teilweise eng miteinander verbunden sind, erachtet der Autor eine Abgrenzung dieser als sinnvoll. Um einen guten Überblick darüber zu erhalten, was unter dem Oberbegriff Währungssystem verstanden werden kann, setzt sich dieser Abschnitt zunächst mit der Wichtigkeit einer geordneten Währung auseinander. Dem folgt jeweils eine Kurzdefinition der oben bereits genannten sich nahestehender Begriffe. Im Anschluss daran beschäftigt sich dieses Kapitel mit den verschiedenen Ursachen von Währungskrisen, die in letzter Konsequenz Währungsreformen auslösen können.

Jeder in unserer Volkswirtschaft tätige Akteur vollzieht im Laufe einer Wirtschaftsperiode Hunderte von Tauschaktionen durch das Tauschmittel Geld. Überall erscheint das Geld als Grundkategorie der Wirtschaft, da jeder Plan für die Volkswirtschaft wie für den einzelnen durch die Kalkulation in Geld errechnet wird. Diese Bedeutung des Geldes für die Volks- wirtschaft wird aus seiner Hauptfunktion, dem Tauschmittel, abgeleitet. Darüber hinaus wer- den auch sämtliche Preise und Werte in Geld gemessen, das auch zum Zwecke der Wer- taufspeicherung dient, weil es immer und überall Anspruch auf Leistungen verkörpert. Wer also Geld spart, sichert sich dadurch die Verfügungsgewalt über Güter. All diese Funktionen können dem Geld zugerechnet werden, da es Kaufkraft bedeutet und so über die Kraft ver- fügt, Güter kaufen zu können. Somit wird durch diese einhergehende Potenz das Geld zur Befehlsgewalt einer Volkswirtschaft. Geld kann aber nur dann all diese Eigenschaften auf- weisen, wenn die Währungsverhältnisse in der Volkswirtschaft in Ordnung sind. Dies ist nur bei einem soweit als möglich konstanten Verhältnis von Geldmenge und umsatzfähiger Gü- termenge der Fall, da infolgedessen die Preise verhältnismäßig gleich bleiben und die Wert- sicherheit des Geldes, ausgedrückt in der Kaufkraft der Geldeinheit, auf die Dauer sicherge- stellt ist.2

2.1 Definitionen

Die Währung, die das durch Gesetz erlassene Geld eines bestimmten zeitlich und räumlich begrenzten Gebietes ist, wird durch die für die Volkswirtschaft zuständige Legislative in der Währungsverfassung definiert.3 Eine Währung bezieht sich im engeren Sinne auf die in ei- nem Währungsgebiet gültigen Zahlungsmittel, in Österreich auf den Euro. Unter einem Währungssystem, auch Währungsordnung genannt, bezeichnet man sämtliche, meist staat- lich gesetzte Regelungen, die sich auf das Geldwesen beziehen. Entsprechend der Reich- weite und Regelungskompetenz wird dabei zwischen dem nationalen und internationalen Währungssystem unterschieden. Eng verbunden mit dem Währungssystem ist die Wäh- rungspolitik, die sich einerseits auf die Gestaltung der Währungsordnung, andererseits auf das Handeln innerhalb der Rahmenbedingungen des nationalen und internationalen Wäh- rungssystems bezieht. Im weiteren Sinne wird Währungspolitik teilweise synonym für Geld- politik verwendet, teilweise jedoch auch in einem engeren Verständnis für politische Maß- nahmen, die auf die Geldseite außenwirtschaftlicher Beziehungen, also grenzüberschreiten- der Transaktionen, gerichtet ist.4 Unter Geldpolitik (auch Geldmarktpolitik) werden die wirt- schaftspolitischen Maßnahmen verstanden, die eine Zentralbank (EZB für die EWU) ergrei- fen kann, um ihre gesetzten Ziele zu erreichen, z.B. Geldwertstabilität, Wachstumsförde- rung, Förderung der Beschäftigung. Dabei wird die Zielerreichung der Geldpolitik entweder durch Verknappung der Geldmenge (Verteuerung der Kredite durch höhere Zinsen, restrik- tive Geldpolitik) oder durch Ausdehnung der Geldmenge (Verbilligung von Krediten durch niedrige Zinsen, expansive Geldpolitik) ermöglicht.5

Ursprünglich wird der Begriff der Verfassung vom lateinischen „constitutio“ (Kon- stitution) abgeleitet und bezeichnete lediglich den real vorgefundenen Zustand eines Ge- meinwesens und seiner politischen Organisation.6 Bereits im Jahre 1758 hatte der Schweizer Völkerrechtler Vattel den Begriff der Verfassung eines Staates wie folgt definiert:

„[d]as grundlegende Reglement, welches die Art und Weise der Ausübung der öf- fentlichen Gewalt bestimmt […]. In ihr zeigt sich die Form, unter der eine Nation in ihrer Eigenschaft als politischer Körper handelt, wie und durch wen das Volk regiert werden soll, welches die Rechte und Pflichten der Regierenden sind. Diese Verfassung ist im Grunde nichts anderes als die Aufstellung der Ordnung, nach der eine Nation sich vornimmt, gemeinschaftlich für die Erlangung der Vorteile arbeiten zu wollen, deretwegen die politische Gemeinschaft errichtet ist.“7

Das heutige normative Verständnis der Verfassung als „der rechtlichen Grundordnung des Gemeinwesens“ kann als Ergebnis eines Bedeutungswandels über Jahrhunderte gesehen werden, der angesichts der anhaltenden Europäisierung und Internationalisierung von Ho- heitsgewaltausübung seinen Zielpunkt - sofern es einen solchen überhaupt gibt - noch nicht erreicht hat.8 In Zusammenhang mit der Verfassung sollte man zwei Dinge voneinander un- terscheiden. Zum einen existieren Texte diverser Verfassungsurkunden, sogenannte kodifi- zierte Rechtsnormen. Zum anderen gibt es die jeweils tatsächlich herrschende Verfassung. Darunter wird der Inbegriff all jener Normen und Spielregeln verstanden, die einerseits eine so große Verlässlichkeit aufweisen, dass sich die Bürger in ihren Entscheidungen und Hand- lungen darauf einrichten können und andererseits die Art des menschlichen Zusammenle- bens in wesentlichen Zügen bestimmen.9 Ähnliches gilt nun auch für die Währungsverfas- sung, die im engeren Sinne die höherrangingen Normen, die die Geldordnung konstituieren, bezeichnet. Diese sieht nur Kompetenzen (enthält kein Grundgesetz) vor, richtet eine Zent- ralbank ein und liefert eine Finanzverfassung. Die Gültigkeit einer Währungsverfassung be- zieht sich nur auf die nationale Seite des inter- und transnationalen Geldwesens. Die Gesetz- gebungskompetenz reicht u.a. vom Währungs-, Geld- und Münzwesen bis hin zum Recht der Wirtschaft, insbesondere des Bank- und Börsenwesens. Hinzu kommen Normen, die Einfluss auf Geldschulden sowie Preise und Löhne (z.B. Anpassungsvorschriften im Bereich der Wertsicherung) ausüben.10

Werden relevante Merkmale der Währungsverfassung geändert, so kann von einer Währungsreform gesprochen werden. Unter einer Währungsreform wird die gesetzliche Neuordnung des Geldwesens zur Überwindung offener oder verdeckter (zurückgestauter) Inflation verstanden.11

Während bei der Währungsreform eine meist sehr stark wertmindernde Währung durch eine andere ersetzt wird, erfolgt bei der Währungsunion die werterhaltende Zusammenlegung mehrerer Währungen zu einer neuen, gemeinsamen Währung. Obwohl eine Währungsunion hinsichtlich ihrer Entstehung von einer klassischen Währungsreform zu unterscheiden ist, so offenbart sich diese ebenso als Währungsreform, da auch in diesem Falle staatliche Eingriffe in die Währungsverfassung vorgenommen werden.

Als Währungsunion wird jene Vereinigung bezeichnet, die darin besteht, dass in einem bestimmten Gebiet eine einheitliche Währung gilt oder eine einheitliche Geld- und Wäh- rungspolitik betrieben wird.12 Demzufolge können Währungsunionen mit der Bildung eines größeren Staates verbunden sein. Beispielsweise hatte die Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 eine rein deutsche Währungsunion zur Folge, bei der die Vorgängerwährun- gen der Mark auf diese fusioniert wurden. In anderen Fällen - wie etwa bei der Europäischen Währungsunion - bleiben die Einzelstaaten bestehen.13 In einer weiteren Definition wird un- ter einer Währungsunion auch die unwiderrufliche Fixierung des Wechselkurses zwischen zwei oder mehreren Währungen (z.B. durch die Übernahme einer (neuen) gemeinsamen Währung) verstanden. Während in einer Wechselkursunion die Teilnehmerländer noch ei- gene Währungen und unabhängige Zentralbanken besitzen, so verbleiben in einer Wäh- rungsunion, wie am Beispiel der Europäischen Währungsunion mit dem Euro ersichtlich, nur noch eine gemeinsame Zentralbank und eine Einheitswährung.14

2.2 Ursachen von Währungskrisen

Folgender Teilabschnitt beschreibt mögliche Ursachen, die eine Währungsreform notwendig machen können. Als am häufigsten auftretende Vorboten einer Währungsreform können dabei der Staatsbankrott, eine Hyperinflation, Kriege und politische Gründe genannt werden. Wichtig ist dabei jedoch zu betonen, dass der Auslöser einer Währungsreform - wie die Historie gezeigt hat - oft auch eine Folge mehrerer soeben beschriebener Gründe, z.B. Staatsverschuldung und politische Gründe, sein kann.

2.2.1 Staatsbankrott

Der Staatsbankrott gilt als eine häufige Ursache für eine beschlossene Währungsreform. Ein Staatsbankrott liegt vor, wenn der Staat sich derart stark verschuldet, dass er seinen fälligen Zins- und Tilgungszahlungen nicht mehr nachkommen kann bzw. will. Dabei wird von der Regierung verlautbart, in welchem Ausmaß die Verbindlichkeiten nicht mehr zurückgezahlt werden können. Es besteht jedoch noch die Möglichkeit die fälligen Zahlungen zu einem späteren Zeitpunkt rückzuführen. Sofern das Schuldenausmaß jedoch außerordentlich groß ist, besteht die Gefahr, dass es nur zu einer teilweisen Erfüllung der Verbindlichkeiten oder gar zu einem Totalausfall kommen kann. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass derartige Not- situationen häufig auf Kriege folgten, welche durch Kredite finanziert wurden. Weitere Aus- löser für eine Zahlungsunfähigkeit bzw. einem Staatsbankrott können politische Misswirt- schaft und innerpolitische Krisen sein. Unternimmt der Staat nun den Versuch, den Bankrott noch abzuwenden, so begibt er sich gewissermaßen in einen Teufelskreis, da er sich für eine ordnungsgemäße Bedienung fälliger Zahlungen weiterhin - über Aufnahme von Krediten - neu verschulden wird müssen. Darüber hinaus steigen die Kosten, nachdem sich das Rating der Kreditwürdigkeit des Staates verschlechtert hat und höhere Refinanzierungssätze fällig werden. Dies hat wiederum zur Folge, dass für jene Kreditverbindlichkeiten mehr Kapital aufgewendet werden muss. Können diese zusätzlichen Belastungen für den Staatshaushalt nicht anderwärtig eingespart werden, so wird das Staatsdefizit bzw. die Neuverschuldung weiter anwachsen. Bekommt der Staat ab einem gewissen Zeitpunkt keine Kredite mehr vergeben, so wird er doch wieder in die Zahlungsunfähigkeit schlittern. Um einen Bankrott entgehen zu können, sind Staaten oft gezwungen, sich für empfindliche Einsparungen bei diversen Staatsausgaben zu entschließen, die häufig mit spürbaren Einschnitten innerhalb der Bevölkerung verbunden sind. Dabei wird nicht selten in das Sozialsystem eingegriffen und beispielsweise Ausgaben für Arbeitslosengeld, Kinderbeihilfe, Pensionen oder andere Sozialleistungen gekürzt. Abgesehen davon kann der Staat auch einnahmenseitig über Steu- ererhöhungen intervenieren. All diese unpopulären Maßnahmen lösen jedoch oft Reaktionen in der Bevölkerung aus.15 Gerade in hoch entwickelten Industriestaaten, in denen Demokra- tie und Rechtsstaatlichkeit zu den Grundlagen der jeweiligen Verfassung zählen, kann und darf ein Widerstand in der Bevölkerung nicht ignoriert werden.

2.2.2 Hyperinflation

Als ein weiterer möglicher Vorbote einer Währungsreform gilt die Hyperinflation. Sie tritt als besonders starke Form der Inflation in Erscheinung, die sich in einem außergewöhnlich starken und kontinuierlichen Ansteigen der Preise widerspiegelt (unaufhaltsame Geldent- wertung). Ab welcher Steigerungsrate man von Hyperinflation spricht ist unterschiedlich definiert, dies kann jedoch zum Beispiel ab einer Preissteigerung von zehn Prozent pro Mo- nat der Fall sein, was einer jährlichen Steigerung von knapp 214 Prozent entspricht. Für Hyperinflation kann grundsätzlich eine immer stärker anwachsende Geldmenge verantwort- lich gemacht werden, wobei der Staat den Markt ungehemmt mit frisch gedrucktem Geld überschüttet, wodurch das bestehende Geld durch die zunehmende Menge an Wert verliert. Liegt das Geldangebotsmonopol beim Staat, so hat dieser die Möglichkeit, die Geldmenge zu jeder Zeit und in beliebiger Höhe auszuweiten und dabei Inflation zu produzieren. Zu dieser Maßnahme greift er in der Regel jedoch nur in Notsituationen, z.B. in einer lang an- haltenden Rezession mit folgender Massenarbeitslosigkeit, wenn einzuleitende Gegenmaß- nahmen keine Wirkung mehr erzielen und alternative Instrumente wie Steuererhöhungen, weitere Verschuldung durch Kredite oder Verkauf von Staatseigentum keine Trendumkehr mehr herbeiführen können. Um sich gegen die Entwertung des Geldes zu schützen, flüchten jene, die diese prekäre Situation antizipieren, häufig in Sachwerte. Demnach wird Geld bei- spielweise in Häuser, Grund und Boden oder auch in Gold, was besonders zu Krisenzeiten beliebt ist, investiert.16

Die massive Geldentwertung kann als Spirale gesehen werden, in der sich das Prob- lem über die Zeit immer weiter verstärkt. Durch die ständige Veränderung der Geldmenge kommt es auch bei der Preisbildung zu immensen Problemen, da ein neu gebildeter Markt- preis auch schon wieder obsolet ist. Dadurch, dass man nicht mehr weiß, wieviel man nun für ein Produkt bezahlen muss oder ob man es sich überhaupt noch leisten kann, löst dieser Zustand in der Bevölkerung meist starke Verunsicherung aus. Darüber hinaus werden ebenso die Ersparnisse der Bevölkerung entwertet, wodurch es auch immer schwieriger wird, Grundbedürfnisse zu befriedigen. Die Bevölkerung steuert schließlich in Richtung Ar- mut zu, welche durch den Staat allerdings wieder aufgefangen werden muss. Zu guter Letzt sieht sich der Staat, der sich bereits längst in einer akuten finanziellen Notlage befindet, wiederum gezwungen, die Ausgaben weiter zu erhöhen. Ob dieser Kreislauf nun auch tat- sächlich in eine Währungsreform mündet, ist zum einen vom Verhalten des Staates und zum anderen vom Vertrauen der Bevölkerung abhängig. Bleibt die Steigerung der Geldmengen unverändert oder verstärkt sie sich sogar, so werden die Menschen aus dem Geld flüchten und in Sachwerte investieren. Die Geldnachfrage würde daraufhin zusammenbrechen und der Tauschwert des Geldes wäre praktisch nicht mehr vorhanden. In der Folge wäre eine Währungsreform notwendig. Doch Hyperinflation muss nicht zwingend in eine Währungs- reform führen. Sofern die Bürger dem Staat weiterhin vertrauen, dass die Ausweitung der Geldmenge nur eine vorübergehende Maßnahme darstelle und in Zukunft wieder gewöhnli- che Formen annehme, werden die Menschen das Geld als Zahlungsmittel weiterhin akzep- tieren, weshalb die Geldnachfrage stabil bleibt. Dadurch kann schließlich ein vollkommener Verfall der Währung abgewendet und somit eine Währungsreform vermieden werden.17

2.2.3 Kriege

Kriegsfinanzierung und verloren gegangene Kriege gelten als weitere Ursachen für eine Währungsreform. Kriege können meist nur durch das verstärkte Drucken von Geld finanziert werden. Wie bereits erläutert führt eine erhöhte Geldmenge allerdings zu Inflation oder bei besonders vehementer und langanhaltender Geldmengenausweitung sogar zu Hyperinfla- tion. Nach Kriegsende insbesondere mit verlorenem Ausgang, steht eine große Geldmenge einem sehr knappen Güterangebot gegenüber. Dabei wird in den meisten Fällen das Wirt- schaftssystem stark in Mitleidenschaft gezogen, sodass es seine Funktion verliert. Da das Geld faktisch seinen Wert verloren hat, wird der Schwarzmarkthandel stark forciert, durch welchen die Grundbedürfnisse erst gedeckt werden können. Auf diesem illegalen Markt der Schattenwirtschaft gerät die alte Form des Tauschhandels wieder zur Anwendung. Wie die Geschichte immer wieder gezeigt hat, werden dabei vor allem Waren aus zweiter Hand wie Pelzmäntel, Kochtöpfe, Zigaretten, Schokolade und dergleichen gehandelt. Um die vom Krieg stark geschädigte Wirtschaft jedoch wieder auf geordnete Bahnen zu lenken und vor allem wieder wettbewerbsfähig zu machen, ist eine Währungsreform oft unvermeidlich.18

2.2.4 Politische Gründe

Nicht nur durch Kriege sondern auch aus rein politischen Gründen kann eine Währungsre- form ausgelöst werden. Es gibt eine Vielzahl an Beispielen für Währungsreformen, die aus politischen Gründen zu Stande kamen. Im Zusammenhang mit dieser Arbeit ist dabei vor allem die Aufspaltung der Tschechoslowakei in die Staaten Tschechien und Slowakei im Jahre 1992 zu nennen sowie die deutsche Wiedervereinigung im Jahre 1990. Beide Ereig- nisse hatten eine Währungsreform zur Folge. Ebenso relevant für diese Arbeit ist die Grün- dung der Europäischen Währungsunion, die ebenfalls in eine Währungsreform mündete.19

Aufbauend auf soeben beschriebene Ausführungen für das Entstehen von Währungs- reformen befasst sich diese Arbeit im Kern noch mit einigen historischen Beispielen, in de- nen aus unterschiedlichen Motiven heraus, entstandene Währungskrisen näher beschrieben werden.

3 Ziele und Arten von Währungssystemen

Währungskrisen erfordern häufig sehr schmerzhafte Anpassungen in der jeweiligen Wirt- schaftspolitik der betroffenen Länder. Im Idealfall strebt ein Staat danach, ein auf Dauer ungefähres Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz zu erreichen.20 In der Praxis gestaltet sich dieses Vorhaben allerdings oft als schwierig. Dieses Kapitel beschäftigt sich daher eingangs mit grundlegenden Zielen einer Volkswirtschaft, innerhalb diesen auch das jeweilige Wäh- rungssystem seine Aufgaben erfüllen muss. Da gerade währungspolitische Ziele auch kon- fliktär zueinander in Beziehung stehen, werden Regierungen oft mit einem sogenannten Trilemma konfrontiert, auf das später noch näher eingegangen wird. Der zweite Teil dieses Abschnitts behandelt die Entwicklungsphasen internationaler Währungssysteme beginnend mit dem Goldstandard über das Bretton-Woods-System bis hin zur Gründung eines Europä- ischen Währungsraumes. Abschließend setzt sich dieses Kapitel mit aktuellen und gängigen Formen von unterschiedlichen Währungssystemen auseinander, wobei hier insbesondere fixe Wechselkurse von flexiblen in unterschiedlichen Ausprägungen zu unterscheiden sind.

3.1 Ziele und Zielkonflikte

Das Anstreben eines binnen- sowie außenwirtschaftlichen Gleichgewichts zählt zu den mak- roökonomischen Hauptzielen einer Volkswirtschaft. Ersteres kann durch Vollbeschäftigung und innere Preisniveaustabilität erreicht werden. Um ein stabiles Preisniveau garantieren zu können, sollte eine Volkswirtschaft die gesamtwirtschaftliche Nachfrage an das Angebot bei Vollbeschäftigung annähern. Lässt sich das nicht umsetzen, so ist eine Unter- bzw. Überbe- schäftigung zu vermerken, was letztendlich zu einem instabilen Preisniveau führen kann. Im Falle einer ausgeglichenen Leistungsbilanz, also der Gegenüberstellung von Exporten und Importen, befindet sich eine Volkswirtschaft im außenwirtschaftlichen Gleichgewicht. Re- gierungen streben einen Gleichgewichtszustand an, da Abweichungen massive Probleme verursachen können. Das Auftreten von zu großen Leistungsbilanzüberschüssen nennt sich „nationales Sparen“. Als Folge dessen lassen sich meist rückläufige Investitionen in inlän- dische Projekte verzeichnen. Ein weiteres Problem könnte sich durch zu hohe Kreditverga- ben an ausländische Schuldner ergeben, die nicht mehr in der Lage sind, den Kreditverbind- lichkeiten vereinbarungsgemäß nachzukommen. Im Falle eines Leistungsbilanzdefizits könnte ein Staat, der seine Auslandschulden nicht mehr bedienen kann, vor ernsthaften Problemen stehen. Auslöser dafür sind häufig ein vorübergehend zu hoher Konsum oder eine fehlgeleitete Regierungspolitik.21

„Die internationale Währungsordnung hat die Aufgabe, die aus dem freien internati- onalen Handels- und Kapitalverkehr resultierenden Zahlungsströme zu sichern. Hierzu ist es erforderlich, dass kein Land längerfristig mehr Zahlungen an das Aus- land leisten muss, als es Zahlungen vom Ausland empfängt, da auch die größten Re- serven an internationalen Zahlungsmitteln durch ständige Abflüsse zusammen- schrumpfen.“22

Dabei zählen das Wechselkurssystem, die Reserveversorgung, die Konvertibilitätsregeln sowie die Anpassungsregeln bzw. -wirkungen zu den Grundelementen der internationalen Währungsordnung.23

Das sogenannte währungspolitische Trilemma beschreibt einen Zielkonflikt, dem ein Staat bei seinen wechselkurspolitischen Entscheidungen ausgesetzt ist. Vereinfacht lässt sich die- ses Modell als Dreieck zusammenfassen, wobei die Eckpunkte des Dreiecks die drei wech- selkurspolitischen Ziele, nämlich Wechselkursstabilität, geldpolitische Autonomie und Ka- pitalverkehrsfreiheit, darstellen. Versucht eine offene Volkswirtschaft nun ihre binnen- und außenwirtschaftlichen Ziele mittels Währungspolitik zu realisieren, so stehen die Entschei- dungsträger vor einem unumgänglichen Problem, da eine Volkswirtschaft im Trilemma höchstens zwei der drei währungspolitischen Ziele anstreben kann. Alle drei Ziele gleich- zeitig zu erreichen, gilt demnach als unmöglich.24 Aus dem bekannten währungspolitischen Trilemma resultiert insbesondere das Konstruktionsproblem jeder Währungsunion, so auch der Europäischen Währungsunion seit 1999. Auch innerhalb der Währungsunion sind in der Währungspolitik nur zwei von drei anstrebenswerten Zielen zu erreichen. Der Zusammen- hang wird in Abbildung 1 verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Das währungspolitische Trilemma

Quelle: ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (2010)

In den letzten Jahrzehnten wurde der Trend hin zur Kapitalverkehrsfreiheit bestätigt, was zu einer bi-polaren Entscheidungssituation zwischen autonomer Geldpolitik oder stabilen Wechselkursen führt.25 Wenn in dieser Situation die Geldpolitik alleine durch die binnen- wirtschaftlichen Ziele wie Preisstabilität oder angemessenes Wirtschaftswachstum bestimmt wird, so bleibt demzufolge kein wirksames Instrument übrig, um ein Wechselkursziel zu verfolgen. Im Gegensatz dazu gibt es in einem System stabiler Wechselkurse ein geldpoliti- sches Wechselkursziel, das im Zweifel Vorrang gegenüber anderen Zielen haben muss, um die Wechselkursparität zu halten. Darüber hinaus sind auch Mischformen wie das Peg-Re- gime im Europäischen Währungssystem (EWS) möglich. Am Beispiel der Europäischen Währungsunion ist das Ziel der Wechselkursstabilität unverrückbar festgelegt. Weiters ist innerhalb der Europäischen Union nach Beschluss der Einheitlichen Europäischen Akte 1987 ebenso der freie Kapitalverkehr fest und unumstößlich verankert. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass es in der Europäischen Geld- und Währungspolitik keine nationale Au- tonomie geben kann. Die verloren gegangene nationale Kompetenz auf europäischer Ebene birgt einige Schwierigkeiten in sich, die mit dem Wegfall dieses wirtschaftspolitischen In- struments entstehen können.26 Im Laufe dieser wissenschaftlichen Arbeit wird folglich noch auf die Probleme im Zusammenhang mit dem Autonomieverlust europäischer Mitgliedsstaa- ten Stellung genommen.

3.2 Entwicklung von internationalen Währungssystemen

Im Rahmen internationaler Währungssysteme wird der Handel, der für die Finanzierung grenzüberschreitender Transaktionen unabdingbar ist, in nationalen Währungen geregelt. Dieser Prozess wird aus einer Vielzahl nationaler, supranationaler und internationaler Insti- tutionen und Regeln gesteuert. Für die Einfuhr von Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland benötigt jedes Land einen umfangreichen Devisenbestand (= internationale Liqui- dität), welchen es entweder durch Exporte oder durch Verschuldung bei anderen Staaten und internationalen Organisationen erwerben kann. Der Preis einer nationalen Währung ausge- drückt in einer anderen wird als nomineller Wechselkurs bezeichnet, der wiederum entschei- dend von der wirtschaftlichen Stärke und Solidität des die Währung ausgebenden Staates abhängig ist.27

3.2.1 Goldstandard

Als das erste wirklich als solches zu bezeichnende internationales Währungssystem gilt allgemein der sogenannte Goldstandard der Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg. Die Anfänge des Goldstandards erfolgten jedoch bereits im Altertum, da Goldmünzen bereits damals als Wertaufbewahrungsmittel, Tauschgegenstand und auch als Recheneinheit verwendet wurden. Der gesetzliche Ursprung geht hingegen nur ins 19. Jahrhundert zurück, nämlich auf den „Resumption Act“ des britischen Parlaments aus dem Jahre 1819.

„Der Name dieses Gesetzes rührt daher, dass es die Bank of England verpflichtete, den garantierten Umtausch von Banknoten in Gold wieder einzuführen (to resume), den sie nach den napoleonischen Kriegen (1793-1815) vier Jahre lang eingestellt hatte. Der Resumption Act stellt die erste Einführung eines echten Goldstandards dar, weil er zugleich langjährige Exportbeschränkungen für Goldmünzen und -bar- ren aus Großbritannien aufhob.“28

Kurze Zeit später führten auch Länder wie Deutschland, Japan und die USA den Goldstan- dard in hoffnungsvoller Erwartung wirtschaftlicher Erfolge ein. Für das Management des Systems sorgte - als Hauptquelle internationalen Kapitals - weiterhin Großbritannien und wurde damit zur informellen Führungsmacht. Die Politik der Länder mit Goldstandard zielte darauf ab, einen Goldvorrat in Höhe der gesamten Geldmenge zu sichern. Dabei wurde versucht ein Gleichgewicht zu halten, damit weder der Goldabgang ins Ausland noch ein Goldzufluss aus dem Ausland zu groß werden konnte.29 Die Besonderheit des Goldstandards liegt darin, dass zwischen den Währungen zweier Staaten mit Goldstandard ein fester Wechselkurs entsteht. Demnach stellt der Golddevisenstandard, bei dem die Reserven der Zentralbank neben Gold auch aus den Fremdwährungen anderer Goldstandard-Staaten bestehen, eine erweiterte Version des Goldstandards dar.30

Nach dem Zusammenbruch des Goldstandards durch den Ersten Weltkrieg wurde in der Nachkriegszeit abermals versucht, über die Ausgestaltung der internationalen Wäh- rungsbeziehungen zu einer internationalen Vereinbarung zu gelangen. Diese Bemühungen sind jedoch aufgrund mangelnder Bereitschaft zur Unterordnung nationaler Prioritäten (Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit etc.) unter die Spielregeln des Systems gescheitert. Stattdes- sen wurden Manipulationen an den Wechselkursen als politische Waffen instrumentalisiert, was entscheidend zur katastrophalen Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre beitrug.31

3.2.2 Bretton-Woods-System

Da die Weltwirtschaftskrise von den Alliierten mit dem Aufstieg des Faschismus in Verbin- dung gebracht wurde, beriefen diese schon während des Zweiten Weltkrieges (1944) im amerikanischen Bretton Woods eine internationale Konferenz ein, auf der das internationale Währungssystem neu geregelt werden sollte. Dabei wurde auf der Grundlage amerikanischer und britischer Vorstellungen das sogenannte Bretton-Woods-System ins Leben gerufen, de- ren entscheidendes Kennzeichen feste Wechselkurse waren, die nur im Falle fundamentaler Ungleichgewichte verändert werden sollten. Mittels diesem System sollte vorrangig die Pla- nungssicherheit für den internationalen Handel gewährleistet und eine Wiederholung der Ereignisse vor dem Krieg vermieden werden.32 Nach dem Zweiten Weltkrieg sind verschie- dene „Mischwährungssysteme“ entstanden, darunter auch das Bretton-Woods-System, ein stufenflexibles Wechselkurssystem, das eingeführt wurde, um die Vorteile flexibler Wech- selkurssysteme zu nutzen und gleichzeitig aber deren Unzukömmlichkeiten zu umgehen.

Kernpunkte des Bretton-Woods Abkommens waren die Aufrechterhaltung fester Wechsel- kurse sowie die Wiederherstellung der freien Konvertibilität der Währungen.33 Neben konzertierten Interventionen der beteiligten Staaten (die Länder des kommu-nistischen Blocks blieben dem System fern) in Devisenmärkte, die die Wechselkurse stabi-lisierten, wurde das Bretton-Woods-System weiters durch internationale Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) unterstützt. Dieser sorgte für eine ständige Über-wachung sowie der Bereitstellung von Liquidität. Diese relativ intensive Steuerung hatte die Aufgabe den beteiligten 47 Staaten eine weitgehende Autonomie in Bezug auf binnenwirt-schaftliche Prioritäten, wie den Aufbau eines Wohlfahrtsstaates, zu sichern, ohne dass diese durch spekulative Entwicklungen gefährdet werden sollten. Bedingt durch die - nach Ende des Zweiten Weltkrieges - überragende wirtschaftliche Stellung der USA war der US-Dollar schnell zur Leitwährung in diesem System aufgestiegen und löste damit das Britische Pfund ab. Währungsrelationen wurden im Verhältnis zum US-Dollar ausgedrückt, der bevorzugt für internationale Transaktionen verwendet und als Devisenreserve gehalten wurde. Durch eine feste Bindung an den Goldpreis wurde die Stabilität der amerikanischen Währung ga-rantiert. Aufgrund anhaltender Zahlungsbilanzdefizite der USA, verursacht durch den Wie-deraufstieg der europäischen und japanischen Volkswirtschaften sowie den hohen amerika-nischen Auslandsausgaben, schlitterte das Bretton-Woods-System in den 1960er Jahren in eine Krise. Und so kam es, dass die schrittweise Freigabe der nach dem Krieg streng regu-lierten Finanzmärkte dazu führte, dass zunehmend gegen den festen Kurs des US-Dollars und anderer schwacher Währungen spekuliert wurde, worunter im Jahre 1973 schließlich das System fester Wechselkurse endgültig zusammenbrach. In den darauffolgenden Jahren bestimmten freie Wechselkurse (Angebot und Nachfrage) das Geschehen, wobei der US-Dollar seine zentrale Rolle behielt, da keine alternative Reservewährung in Sicht war. Diese Stellung des Dollars ließ die USA weiterhin die wichtigste Position im internationalen Wäh-rungssystem innehaben. Dies erlaubt der USA - trotz chronischer Zahlungsbilanzdefizite - die Beibehaltung der entsprechend hohen Auslandsverschuldung, ohne dadurch zu drasti- schen Anpassungsmaßnahmen gezwungen zu sein.34

3.2.3 Europäisches Währungssystem (EWS) - Vorläufer der EWWU

Der Ursprung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion geht auf den sogenannten Werner-Plan von 1970 zurück. Dem sich abzeichnenden Kollaps von Bretton Woods folgte im Jahre 1972 der Europäische Wechselkursverbund, welcher eine feste Wechselkurs- schwankung von ± 2,25 Prozent vorsah. Schließlich wurde mit dem Europäischen Wäh- rungssystem (EWS) 1979 die Europäische Währungseinheit (ECU) eingeführt. Dabei waren die Nationalbanken zur Einhaltung der Schwankungsmarken von ± 2,25 Prozent verpflich- tet. Hauptziel des EWS war es, eine Zone der Währungsstabilität zwischen den Währungen der teilnehmenden Staaten zu schaffen und somit eine Verbesserung der Stellung Europas im internationalen Währungssystem zu erreichen. Als weiteres Ziel strebte das EWS nach größerer innerer Stabilität der entsprechenden Länder und bereitete die Ebnung des Weges zu einer Europäischen Währungsunion vor. Das System der EWS definierte sich als System fester aber anpassungsfähiger Leitkurse, die fallweise und im gegenseitigen Einverständnis geändert werden konnten. Eine Besonderheit stellte dar, dass die Leitkurse gegenüber einem Währungskorb ermittelt wurden, der aus Währungen der Teilnehmerstaaten bestand. Damit sollte verhindert werden, dass eine Währung die Rolle der Leitwährung einnimmt. Da Schwankungen in größeren Bandbreiten als in einem reinen Festkurssystem zulässig waren, wird das EWS auch als Zielzonensystem bezeichnet. Zwischenzeitlich sind Italien (1992- 1996) und Großbritannien (1992 Pfundkrise) aus diesem Wechselkursmechanismus der EWS ausgetreten, was den Beginn einer langandauernden europäischen Währungskrise ein- leitete. Zu guter Letzt bildeten die Einheitliche Europäische Akte (1986) und der Vertrag über die Europäische Union (Vertrag von Maastricht 1992) das Fundament für die Wirt- schafts- und Währungsunion (WWU).35

3.2.4 Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU)

Wie schon eingangs erläutert kann eine Währungsunion als ein Zusammenschluss mehrerer Länder, die durch einen einheitlichen Währungsraum mit einer gemeinsamen Zentralbank miteinander verbunden sind, beschrieben werden, wobei vollkommene Kapitalmobilität vor- liegt. Die Europäische Währungsunion besteht derzeit aus 19 Mitgliedsstaaten. Diese verfü- gen über den Euro als Einheitswährung, die EZB als gemeinsame Zentralbank und weisen mit dem Euro einen gemeinsamen flexiblen Wechselkurs gegenüber anderen Währungen außerhalb der Eurozone auf.

Als wesentlicher Bestandteil der Europäischen Union hat die Europäische Wirt- schafts- und Währungsunion, der alle EU-Länder angehören, auch die Einführung des Euro ermöglicht.36 Unter der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU), inoffizi- ell auch Europäische Währungsunion (EWU), wird die Vereinbarung zwischen den Mit- gliedstaaten der Europäischen Union verstanden, sich ab dem 01. Juli 1990 durch die Um- setzung bestimmter wirtschafts- und währungspolitischer Regelungen in einem dreistufigen Prozess (siehe Abb. 2) enger aneinander zu binden. Das Hauptziel dieser Regelungen ist dabei die Ergänzung des europäischen Binnenmarktes durch eine gemeinsame Währung mit hoher Preisniveaustabilität.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Die drei Stufen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion

Quelle: Deutsche Bundesbank 2008

Die 28 EU-Staaten haben die EWWU-Vereinbarung bisher in unterschiedlichem Maße umgesetzt. Seit Ausbrechen der griechischen Staatsschuldenkrise im Herbst 2009 gilt es eher als unwahrscheinlich, dass alle EU-Staaten am Ende des Umsetzungsprozesses voll in diese Regelungen integriert sein werden.

3.3 Arten von aktuellen Währungssystemen

In Bezug auf die verschiedenen Formen von Währungssystemen wird grundsätzlich zwi- schen Systemen fixer Wechselkurse, deren geldpolitische Ausrichtung dem festgelegten Wechselkursziel untergeordnet ist, und Systemen mit flexiblen Wechselkursen, die eine binnenwirtschaftlich orientierte Geldpolitik zulassen, unterschieden. Nach einer Übersicht über verschiedene Regimetypen von Wechselkurssysteme beschreibt dieser Teilabschnitt die Charakteristika fester- und flexibler Wechselkurse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Regimetypen von Wechselkurssystemen

Quelle: eigene Darstellung (2016) in Anlehnung an Fischer (2001)

3.3.1 Feste Wechselkurse (Hard Pegs Regimes)

Wird bei einem Regime fester Wechselkurse vollständig auf ein eigenes gesetzliches Zah- lungsmittel verzichtet und die Währung des Ankerlandes übernommen, so spricht man von der striktesten Form eines Regimes fester Wechselkurse. Bleibt hingegen ein eigenes gesetz- liches Zahlungsmittel erhalten, so ist die Festkursbindung in der Regel besonders strikt in Form eines Currency Boards geregelt. Hier wird per Gesetz festgelegt, dass erstens das Aus- tauschverhältnis zur Ankerwährung unwiderruflich fixiert ist und zweitens die monetäre Ba- sis nur im Gleichlauf mit den Devisenreserven variieren kann.37 Bei einem Currency Board, das im praktischen Teil der Arbeit noch mit einigen Beispielen belegt wird, handelt es sich um eine Wechselkursvereinbarung, bei der eine Volkswirtschaft eine eigene Währung aus- gibt und diese fest an eine ausländische Reservewährung (Ankerwährung) bindet.

[...]


1 Vgl. North (2009), S. 181.

2 Vgl. Tautscher (1945), S. 1f.

3 Vgl. Pfleiderer (1963), S. 406f.

4 Vgl. Schubert (2005), S. 421.

5 Vgl. EU-Parlament (Online)

6 Vgl. Grimm (1995), S. 633f.

7 Vattel (1758)

8 Vgl. Herrmann (2010), S. 122.

9 Vgl. Stützel (1975), S. 3.

10 Vgl. Starbatty (1982), S. 91ff.

11 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon

12 Vgl. Duden - Bibliographisches Institut (1991)

13 Vgl. Theurl (1992)

14 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon

15 Vgl. Polleit/von Prollius (2010), S. 141-148.

16 Vgl. Polleit/von Prollius (2010), S. 149-158.

17 Vgl. Polleit/von Prollius (2010), S. 149-158.

18 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (o.J.), S. 1-5.

19 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (o.J.), S. 1-5.

20 Vgl. Schubert (2005), S. 241.

21 Vgl. Krugman/Melitz/Obstfeld (2012), S.672-682.

22 Dürr (1978), S. 143.

23 Vgl. Gröner et al. (1978), S. 8.

24 Vgl. Krugman/Melitz/Obstfeld (2012), S. 682-683.

25 Vgl. Gloede/Menkhoff (2010), S. 173.

26 Vgl. ebenda, S. 173.

27 Vgl. Schubert (2005), S. 241.

28 Krugman/Obstfeld (2004), S. 684.

29 Vgl. Krugman/Melitz/Obstfeld (2012), S. 684-686.

30 Vgl. Ethier/Schittko (1991), S. 484-485.

31 Vgl. Schubert (2005), S. 242.

32 Vgl. Schubert (2005), S. 242.

33 Vgl. auch North (2009), S. 203f.

34 Vgl. Schubert (2005), S. 242.

35 Vgl. Jura-Forum

36 Vgl. Jura-Forum

37 Vgl. Dt. Bundesbank (2012), S. 16.

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Ursachen, Ziele und Ablauf von Währungsreformen
Untertitel
Ein historischer Abriss und das aktuelle Beispiel Griechenland
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Finanzwirtschaft)
Veranstaltung
Finance: Alternative Investments
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
89
Katalognummer
V333854
ISBN (eBook)
9783668238961
ISBN (Buch)
9783668238978
Dateigröße
875 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Griechenland, Währungskrise, Europäische Union, Euro, Währungssystem, Währungsreform, spekulative Attacken, Währungen
Arbeit zitieren
MA MSc Armin Kienreich (Autor), 2016, Ursachen, Ziele und Ablauf von Währungsreformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333854

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