Die Entwicklung der Figur der Musen seit der Antike


Referat (Ausarbeitung), 2001

21 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Allgemeines
1.2 Zuständigkeiten und Attribute
1.3 Aufgaben der Musen

2 Die Entwicklung der Parnassvorstellung
2.1 Der Helikon
2.2 Der Parnass bei den Griechen
2.3 Der Parnass nach Servius (4.Jh.n.Chr.)

3 Geschichtliche Entwicklung des Mythos
3.1 Antike
3.2 Mittelalter
3.3 Renaissance
3.4 Barock
3.5 Klassizismus
3.6 Romantik
3.7 20.Jahrhundert

4 Bildbeispiele
4.1 Praxiteles
4.1.1 Leben und Werk
4.1.2 Die Musenbasis von Mantinea
4.2 Andrea Mantegna
4.2.1 Leben und Werk
4.2.2 Der Parnass
4.3 Eustache Lesueur
4.3.1 Leben und Werk
4.3.2 Melpomene, Erato und Polyhymnia

5 Schlussbemerkung

Anhang Literatur

Abbildungen der behandelten Werke

Anmerkungen

1. Einleitung

1.1 Allgemeines

Die Musen sind die neun Töchter des Zeus und der Titanin Mnemosyne, der Göttin des Gedächtnisses (Memory!).Sie sind Göttinen der Dichtung, Literatur, Musik, Tanz, Astronomie, Philosophie und allem Streben des Geistes. Angeführt werden sie von ihrem Halbbruder Apoll, der in dieser Funktion auch Apollon Musagetes genannt wird. Ihre Namen, Funktionen, Attribute und sogar die Anzahl variierten im Lauf der Zeit. Homer spricht schon von neun Musen, Hesiod gibt ihnen schließlich Namen. Ihre sehr uneinheitliche Individualisierung wurde erst in späthellenistischer Zeit Vorgenommen:

1.2 Zuständigkeiten und Attribute

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.3 Aufgaben der Musen

Ihre Aufgaben bestanden in der Verleihung von Allwissenheit an Sänger und Dichter und der Fähigkeit, große Stoffmengen zu erinnern, was in schriftlosen Zeiten sehr wichtig war. Sie verschafften Menschen Zugang zum kollektiven Gedächtnis.

Außerdem führten sie Dichterweihen durch, waren bei Götterhochzeiten anwesend und fungierten als Schiedsrichterinnen bei musikalischen Wettstreiten.

2. Die Entwicklung der Parnassvorstellung

Ursprünglich wurden[i] die Musen, wie alle anderen Götter auch, am Olymp angesiedelt. Als ihre Heimat galt die Landschaft Pieria östlich des Olymps, weswegen sie auch oft die Pieriden genannt werden.

Erst Hesiod versetzte sie in seiner Theogonie in seine Heimat, auf den böotischen Helikon, wo sie ihn zum Dichter weihten. Dies verlieh Hesiod Allwissenheit, woraus er seinen Anspruch als Dichterprophet herleitete[ii]. Er hatte also ein ernsthaftes Interesse daran, die Musen in seiner Nähe zu beheimaten. Die eigentliche Herkunft der Musen geriet daraufhin in Vergessenheit.

2.1 Der Helikon

Der Helikon ist ein sanfter und lieblicher Berg. Die Quelle Hippokrene entspringt an seinem Gipfel. Sie wurde von Pegasus, dem geflügelten, ruhmbringenden Pferd geschlagen. Es gibt kühle Grotten, wo die Musen sich aufhalten. Lorbeerbäume, deren Blätter bei Dichterweihen zu Kränzen gewunden werden, wachsen dort. Apollon weilt als Dichtergott auf dem Helikon.

2.2 Der Parnass bei den Griechen

Bei den Griechen der Antike ist der Parnass ein doppelgipfliger Berg, der „Parnassus biceps“. Ein Gipfel wird von Dionysos beherrscht, der andere (nach Euripides) von Apoll, der seit dem Sieg über den Phyton Herr über das am Fuße des Parnass liegende Delphi ist; da Apoll oft zusammen mit den Musen erscheint, sind also auch diese ab und zu am Parnass. Im 2. Jh. v.u.Z. wusste man noch, dass die Musen für ein Apollonfest in Delphi erst vom Helikon zum bei Delphi gelegenen Parnass gerufen werden mussten.

2.3 Der Parnass nach Servius (4.Jh.n.Chr.)

Er vermengt in seiner[iii] Parnassvorstellung 3 Berge, die geographisch weit auseinander liegen. Der eine Gipfel des Parnass heißt bei ihm Helikon, der andere Cithaeron (Dies ist ein anderer Berg der Musenverehrung der Griechen und Römer). Servius fasst hier fälschlicherweise 3 den Musen zugeschriebene Berge in einem zusammen. Diese Auffassung des Parnass war von schlagender Durchsetzungskraft, da Vergil, der Lieblingsautor der Antike im Mittelalter und in der Renaissance, zusammen mit Servius gelesen wurde.

Boccacio (1313-1375) erkannte nach Rückgriff auf antike Quellen den weitreichenden Fehler des Servius und versuchte mit vielen anderen Gelehrten seiner Zeit dagegen anzukämpfen. Auch im 15. Jahrhundert kämpften Philologen und Altertumswissenschaftler des Humanismus gegen die falsche Parnassvorstellung an. Sie beriefen sich auf Quellen wie Strabon und Herodot und bewiesen, dass Parnass und Helikon zwei völlig verschiedene Berge sind und die Musen zum Helikon gehören. Doch war die Vorstellung des Parnass als Ort der Musen, des Apoll, als Seelenheimat der Dichter, so außerordentlich attraktiv, dass sie sich in der Dichtung und der bildenden Kunst endgültig etablierte.

3. Geschichtliche Entwicklung des Mythos

3.1 Antike

Nachdem Hesiod den[iv] Helikon in seinem Proömium ( = Einleitung) der Theogonie zu einem heiligen Berg gemacht hatte, wo er zum Dichter geweiht wurde und ihm von den Musen das rechte Denken eingegeben wurde, avancierte der Berg zum Berg der Dichter. Der alexandrinische Dichter Kallimachos sah sich im Traum aus seiner lybischen Heimat zum Helikon entrückt, eine Innovation, durch die die geographische Nähe zum Helikon nicht mehr nötig war, um zum Dichter geweiht zu werden. Bei seiner Dichterweihe ist auch Apoll anwesend und der Trunk aus der Quelle Hippokrene wird zum festen Bestandteil der Dichterweihe[v]. Von nun an träumt jeder Dichter, der etwas auf sich hält, vom Helikon. Die Traumvariante bringt es mit sich, dass unmöglich ein Lorbeerkranz von dort mitgenommen werden kann, weswegen auch das Trinken aus der Quelle des Pegasus, dem ruhmbringenden geflügelten Pferd, an Bedeutung gewinnt, da dies eben auch im Traum möglich ist.

3.2 Mittelalter

Hier findet eine Abkehr von den heidnischen Gottheiten statt. In seinem sehr einflussreichen Buch „De consolatione philosophia“ (um 523 n. Chr.) stellt Boethius die Musen als Theaterhuren dar, denen die Philosophia, eine allegorische Figur, lieber ihre eigenen „Musen“ gegenüberstellen möchte.

Die Musen wurden durch die sieben freien Künste ersetzt. Diese gehen auf Varro zurück (116-27 v.Chr.). Varro, Cicero und Vitruv nennen zwischen vier und elf Einzeldisziplinen. An den mittelalterlichen Universitäten bildet sich dann ein fester Kanon von sieben Disziplinen heraus, unterteilt in das Trivium (Grammatik, Dialektik, Rhetorik) und das Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik), Grundlage des damaligen Lehrplans[vi]. Die Musen bleiben jedoch Teil der Antikenrezeption. In der Musik ordnet z.B. der Theoretiker Gaffurius acht Musen acht Tönen und acht Planeten zu, ihnen bleibt also eine kosmologisch - zahlensymbolische Bedeutung. Bei Martianus Capella säuseln die Bäume des Parnass in Oktaven, Quinten und Quarten, die Apollon durch sein Saitenspiel hervorgerufen hatte, worauf wiederum die Harmonie des Weltalls abgestimmt ist[vii].

Die Musenabsage des Mittelalters brachte auch einige Satiren auf Dichterweihen mit sich, wo z.B. die Quelle Hippokrene als Rossquell bezeichnet wird, von der einem schlecht wird, wenn man zu viel davon trinkt.

Der Parnass diente dazu, heidnische Vorstellungen zu verwerfen und christlichen Glauben zu beteuern und wurde dadurch zum Negativbegriff. Die Wende zu einer positiven Auffassung trat mit Dante und Petrarca ein, die sich gegen die scholastische Degradierung der Dichtung („minimum veritatis“) wandten und dadurch der Renaissance den Boden bereiteten.

3.3 Renaissance

Durch Dante und Petrarca wurde der Parnass zum Symbol der Abkehr vom düsteren Mittelalter und zur Hinwendung zu einer neuen Zeit.

Das wichtigste Götterhandbuch der Frührenaissance war das „Libellus de imaginationibus deorum“ , wahrscheinlich um 1400 anonym entstanden[viii]. Durch dieses Buch findet der Parnass Eingang in die bildende Kunst. Er wird als Sitz des Apoll beschrieben, der zwischen den beiden Gipfeln residiert. Daraufhin wird der Parnass Motiv für Gemälde berühmter Maler wie Mantegna, Lesueur, Raffael, Tintoretto, Tiepolo. Diese Bilder sind eine Fundgrube für Instrumentenikonographie, da den Musen zeitgenössische Instrumente als Attribute beigefügt wurden.

Im 16. Jh. ist die Traumreise zum Parnass ein wichtiges Thema der Literatur, die für die weitere Parnassvorstellung bestimmend wird. Dort führen lebende und verstorbene Berühmtheiten ein Leben wie im Paradies, man kann vor der Realität des Krieges in die Vorstellungswelt flüchten auf eine Insel der Seligen...

[...]


[i] Schröter, 1977, SS. 5 - 157

[ii] MGG, 1994, Bd. 6, Sp. 636

[iii] Schröter, 1977, SS. 39/40

[iv] MGG, 1994, Art. Musen V, Bd. 6, Sp. 638-643; Schröter, 1977, SS. 5 - 157

[v] Schröter, 1977, S. 14

[vi] Schnaus, 1990, S. 37

[vii] Schröter, 1977, S. 53

[viii] ebd. SS. 100 ff

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Figur der Musen seit der Antike
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Kunstwissenschaft und bildende Kunst)
Veranstaltung
Mythologie
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V33386
ISBN (eBook)
9783638338769
Dateigröße
2137 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musen, Mythologie
Arbeit zitieren
Anne-Barbara Knerr (Autor), 2001, Die Entwicklung der Figur der Musen seit der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33386

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