Die Musen sind die neun Töchter des Zeus und der Titanin Mnemosyne, der Göttin des Gedächtnisses (Memory!).Sie sind Göttinen der Dichtung, Literatur, Musik, Tanz, Astronomie, Philosophie und allem Streben des Geistes. Angeführt werden sie von ihrem Halbbruder Apoll, der in dieser Funktion auch Apollon Musagetes genannt wird. Ihre Namen, Funktionen, Attribute und sogar die Anzahl variierten im Lauf der Zeit. Homer spricht schon von neun Musen, Hesiod gibt ihnen schließlich Namen. Ihre sehr uneinheitliche Individualisierung wurde erst in späthellenistischer Zeit Vorgenommen: [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Allgemeines
1.2 Zuständigkeiten und Attribute
1.3 Aufgaben der Musen
2 Die Entwicklung der Parnassvorstellung
2.1 Der Helikon
2.2 Der Parnass bei den Griechen
2.3 Der Parnass nach Servius (4.Jh.n.Chr.)
3 Geschichtliche Entwicklung des Mythos
3.1 Antike
3.2 Mittelalter
3.3 Renaissance
3.4 Barock
3.5 Klassizismus
3.6 Romantik
3.7 20.Jahrhundert
4 Bildbeispiele
4.1 Praxiteles
4.1.1 Leben und Werk
4.1.2 Die Musenbasis von Mantinea
4.2 Andrea Mantegna
4.2.1 Leben und Werk
4.2.2 Der Parnass
4.3 Eustache Lesueur
4.3.1 Leben und Werk
4.3.2 Melpomene, Erato und Polyhymnia
5 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und künstlerische Entwicklung der Parnassvorstellung und die damit verbundene Darstellung der Musen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Interpretation des antiken Mythos von der Antike bis ins 20. Jahrhundert veränderte und wie verschiedene Epochen die Musen sowohl als eigenständige Gottheiten als auch als allegorische Symbole in ihre jeweilige Zeit und Kultur integrierten.
- Wandel der Parnass- und Musenvorstellung im Zeitverlauf
- Religiöse und allegorische Bedeutung der Musen in der Kunst
- Instrumentenikonographie als Mittel zur Modernisierung mythologischer Darstellungen
- Künstlerische Fallstudien: Praxiteles, Andrea Mantegna und Eustache Lesueur
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Der Parnass
Den Mittelpunkt des Bildes bildet ein Felsbogen, auf dem Venus und Mars in enger Umschlingung vor einem mit Kissen und Tüchern bedeckten Thron, hinter dem sich Zitronenbüsche und Myrtensträucher befinden, stehen. Am Fuße dieses Felsbogens tanzen die neun Musen. Links von ihnen sitzt Apollon und spielt auf seiner Kithara. Der Felsbogen ist links mit einem schroffen Gebirgsmassiv verwachsen, in dem oberhalb Apolls und unterhalb von Mars und Venus eine Grotte zu sehen ist. Am Eingang dieser Grotte steht Vulkan, der Gott des Feuers, der von dem über ihm, auf dem Felsbogen zu Füßen des Mars stehenden Amor mit einem lanzenartigen Pfeil auf Abstand gehalten wird. Vulkan ist emotional in völligem Aufruhr, seine Körperhaltung ist angespannt, sein linker Arm halb drohend, halb abwehrend erhoben. Dies liegt daran, dass er der Ehemann der Venus ist und gerade von ihr mit Mars betrogen wird. Hinter ihm, in der Grotte, ist ein Herd mit brennendem Feuer zu sehen, was auf seine Funktion als Feuergott hinweist (er ist Schmied).
Rechts vom Felsbogen sehen wir im Vordergrund Merkur, den Götterboten, mit stark verlängertem Heroldsstab, der in Richtung obere Bildmitte auf Mars und Venus zeigt, und Pegasus, das geflügelte Pferd, das ewigen Ruhm bringt und das außerdem die Quelle Hippokrene auf dem Parnass mit einem Hufschlag erzeugte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die mythologischen Grundlagen der Musen, ihrer Herkunft, Zuständigkeiten und ihrer Bedeutung als Göttinnen der Künste und Wissenschaften.
2 Die Entwicklung der Parnassvorstellung: Analyse der geographischen und mythologischen Verlagerung des Wohnsitzes der Musen vom Olymp zum Helikon und der späteren Vermischung mit dem Parnass.
3 Geschichtliche Entwicklung des Mythos: Überblick über die Wahrnehmung und Interpretation der Musen und des Parnass-Mythos von der Antike über das Mittelalter bis zur Moderne.
4 Bildbeispiele: Detaillierte ikonographische Analyse der Musendarstellungen anhand der Werke von Praxiteles, Andrea Mantegna und Eustache Lesueur.
5 Schlussbemerkung: Zusammenfassende Betrachtung der wechselhaften Darstellungstraditionen und der sich verändernden spirituellen bzw. allegorischen Bedeutung der Musen in der Kunstgeschichte.
Schlüsselwörter
Musen, Parnass, Apollon, griechische Mythologie, Kunstgeschichte, Ikonographie, Praxiteles, Andrea Mantegna, Eustache Lesueur, Renaissance, Antikenrezeption, Musikinstrumente, Allegorie, Dichterweihe, Kulturbotschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Mythos vom Parnass als Wohnort der Musen und dessen Darstellung in der Kunst im Laufe der Jahrhunderte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die mythologische Herkunft der Musen, der Wandel ihrer symbolischen Bedeutung und die Analyse ihrer bildlichen Darstellung in verschiedenen historischen Epochen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Interpretation des Musen-Mythos gewandelt hat und welche ästhetischen und inhaltlichen Kriterien die Darstellung der Musen in der Kunst beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine kulturhistorische und ikonographische Analysemethode verwendet, um die Veränderungen in den bildnerischen Darstellungen der Musen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die mythologische Entwicklung der Parnassvorstellung in verschiedenen Epochen als auch konkrete Fallbeispiele aus der Kunstgeschichte (Praxiteles, Mantegna, Lesueur) analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Musen, Parnass, Ikonographie, Antikenrezeption und die jeweiligen Künstlernamen, da sie den Kern der kunsthistorischen Untersuchung bilden.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Mantegna von der bei Lesueur?
Während Mantegna den Parnass als allegorisches Herrschaftsprogramm zur Legitimierung politischer Macht nutzt, rückt Lesueur die Gottheiten wieder als eigenständige Figuren in den Fokus und strebt eine spirituelle Rückbesinnung an.
Warum spielt die Instrumentenikonographie eine so wichtige Rolle?
Die abgebildeten Instrumente dienen als zeitgenössische Attribute, die den Musen zugeschrieben wurden, und erlauben so Rückschlüsse auf die jeweilige Epoche und das kulturelle Verständnis der Künste zur Entstehungszeit des Kunstwerks.
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- Anne-Barbara Knerr (Author), 2001, Die Entwicklung der Figur der Musen seit der Antike, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33386