Gentrifizierung als soziales Problem von Großstädten


Hausarbeit, 2015

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Gentrifizierungsprozess
2.1 Definition
2.2 Thesen zur Entstehung von Gentrifizierung
2.3 Akteure des Gentrifizierungsprozesses
2.4 Ablauf der Gentrifizierung

3 Konsequenzen der Gentrifizierung
3.1 Soziale Segregation
3.2 Fehlender Wohnraum
3.3 Lösungsansätze

4 Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Doppelter Invasions-Sukzessions-Zyklus

Abbildung 2: Anzahl der fehlenden Mietwohnungen nach Städten in Deutschland im Jahr 2012

1 Einleitung

Eines der größten und aktuellsten sozialökonomischen Probleme in deutschen Metropolen ist die Wohnungsnot. Gründe für diese finden sich viele. Zum einen die immer weiter steigenden, horrenden Mietpreise, die bedingt durch die jetzt gel- tende Mietpreisbremse der aktuellen Großen Koalition zwar als kosmetisch berei- nigt gilt, aber doch viel schwächer in ihrer Wirkung ausfällt als gedacht. Zum ande- ren die Sparmaßnahmen des Staates und das daraus resultierende nicht investie- ren in neuen, dringend benötigten Wohnungsbau. Auch, dass die Großstädte den Zuwanderungsdrang nicht nachkommen können, da es schlicht weg an Kapazitä- ten fehlt, um jeden Wohnungssuchenden einen bezahlbaren und geeigneten Wohnraum bereit zu stellen, stellt ein Problem da. Wenn man sich tiefer mit dieser Materie auseinander setzt, dann kommt man zum Schluss, dass auch andere Fak- toren eine große Rolle spielen, denn: Der Wohnraum ist nicht nur zu knapp, son- dern viele der derzeit noch erschwinglichen Wohnung werden saniert, zusammen- gelegt und danach mit erhöhten Miet- oder Kaufpreisen neu vermittelt.

Dieser Ablauf und die daraus hervorgehenden Konsequenzen, werden im soziolo- gischen Sinne als Gentrifizierung bezeichnet. Bei diesem Gentrifizierungsprozess werden oftmals heruntergekommene und günstige innenstadtnahe Bereiche, durch Renovierungsarbeiten und das Ansiedeln von Gastronomie, Geschäften und Kulturstätten aufgewertet. Nach dieser Aufwertung steigen die Mietpreise in die- sen Quartieren, durch Investoren und Besitzern. Daraus folgen ein Wegzug der angestammten Bevölkerung und ein Zuzug von finanziell bessergestellten. Ein schwerwiegender Nebeneffekt der Gentrifizierung ist der Verlust der Sozialstruktu- ren und des Gesichts der Wohnquartiere. Es kommt in den Großstädten zur sozia- len Segregation, die zu verschiedenen negativen Konsequenzen und daraus zur Stadtentwicklungskritik führt.

Diese Problematik eines schwer erschwinglichen Wohnraums betrifft uns alle, denn Wohnraum ist eine der Grundbedürfnisse des Menschen. Ziel dieser Haus- arbeit ist daher einen relativ genauen Einblick in das Thema Gentrifizierung zu geben, so dass der Leser die Zusammenhänge zwischen marktwirtschaftlichen handeln und die daraus resultierenden Folgen besser nachzuvollziehen kann. Zunächst wird über die genaue Definition und die grundlegenden Thesen dieses Prozesses ein Überblick verschafft. Darauf anschließend gehe ich auf den geläufigsten Ablauf der Gentrifizierung ein, werde die Folgen und Konsequenzen darstellen und einen leistungsfähigen Lösungsansatz vorstellen.

2 Der Gentrifizierungsprozess

Um den Gentrifizierungsprozess später besser darstellen zu können, wird im diesen Kapitel zuerst auf die Herkunft des Begriffes eingegangen. Anschließend werden grundsätzliche Voraussetzungen zu Entstehung von Gentrifizierung geklärt und gegen Ende mit den Akteuren und dem eigentlichen Ablauf einer Gentrifizierung zusammengeführt.

2.1 Definition

Das Phänomen der Gentrification ist in der sozialgeographischen Stadtforschung ein relativ junges Thema. "Mit dem Begriff 'Gentrification' wird ein Phänomen um- schrieben, das zum einen die Aufwertung des Wohnraums innerstädtischer Viertel bedeutet und zum anderen den sukzessiven Austausch der Wohnbevölkerung zugunsten besserverdienender Gruppen zum Inhalt hat" (Alisch/Dangschat 1996, S. 95). Abzugrenzen ist der Begriff von einer Art umgekehrten Suburbanisierung, da es nicht die Familien mit Kindern sind, die wieder zurück in die Städte ziehen, sondern eher statushöhere, meistens kinderlose Schichten, die bereits in der innenstadtnahen Umgebung leben (Vgl. Kecskes 1997, S. 25).

Der Begriff Gentrification wurde von der britischen Stadtsoziologin Ruth Glass ge- prägt, die beobachtete, dass Mittelschichtfamilien, die ursprüngliche Bevölkerung bestehend aus Arbeiterfamilien im Londoner Stadtteil Islington, verdrängten und dadurch die soziale Struktur des Stadtteils wesentlich veränderten (Vgl. Glass, 1964). Gentrification oder Gentrifizierung leitet sich somit vom englischen Wort „gentry“ für niederer Adel ab (Vgl. Friedrichs/ Kecskes 2002, S.140). Da das Wort aber oft im Zusammenhang mit einer Stadtquartierveränderung benutzt wird, lässt sich auch „Aufwertung“ (Vgl. Friedrich 2000, S. 34) als Begriff nutzen. Der eingedeutschte Begriff beschränkt sich allerdings auf „Gentrifizierung“, der auch im Laufe dieser Hausarbeit weiter Verwendung findet.

2.2 Thesen zur Entstehung von Gentrifizierung

Nach Dangschat und Blasius (1990) gibt es zwei verschiedene Thesen, die als Ursachen für Gentrifizierung gelten. Die eine These geht davon aus, dass die Gentrifizierung durch eine Verschiebung der Wohnungsnachfrage, bedingt durch verschiedene Einflüsse, entsteht. Zu den Einflüssen gehören zum einen die neu entwickelten Lebensstile der 80ger Jahre, die gekennzeichnet sind durch ein übermäßiges Konsumverhalten und dem Streben nach einer erfolgreichen Karrie- re, so dass das private Leben zurück gefahren wird und z.B. Kinderwünsche vor- erst nicht erfüllt werden können, um den neuen Selbstverwirklichungsdrang ausle- ben. Hinzukommt, dass durch die neuen Lebensstile die Scheidungsraten steigen und dadurch mehr Ein- oder Zweipersonenwohnungen gemietet oder gekauft wer- den. Ein weiterer Einfluss ist die Änderung der eigenen Wohnungspräferenzen z.B. der Wunsch vieler Bürger einen kürzeren Arbeitsweg zu haben und daher Innenstadtnah wohnen zu wollen (Vgl. Dangschat/Blasius 1990, S. 20 ff.).

Die andere These bezieht sich auf die „Rent-Gap-Theorie“, die auf einen rein ökonomischen Grundsatz beruht. Sie beschreibt die ausnutzbare Differenz zwischen den derzeitigen Mieteinnahmen und den potenziell erreichbaren Mieteinnahmen, die für eine Verschiebung auf der Angebotsseite sorgt. Diese Differenz ist gerade für Investoren von großer Bedeutung um viel Profit aus den betroffenen Wohnungen oder Stadtteilen herauszuholen. (Vgl. Friedrichs 1998, S. 64 ff.)

Beide Thesen für sich alleine reichen aber nicht aus um die Gentrifizierung zu erklären. Daher geht Kecskes davon aus, dass erst das Zusammenspiel beider, auf der Angebots- und auf der Nachfrageseite, für die Gentrifizierung verantwortlich ist. (Vgl. Kecskes 1997, S. 51). Ohne das veränderte Wohnungsangebot bleiben besser betuchte Mieter bzw. Spekulanten aus und ohne veränderte Wohnungsnachfrage würden Grund- und Immobilienwerte nicht steigen. So oder so, in den betroffenen Stadtteilen und Quartieren kommt es zu einem Umstrukturierungsprozess, welcher im folgenden Absatz genauer erklärt wird.

2.3 Akteure des Gentrifizierungsprozesses

Der Gentrifizierungsprozess wird durch verschiedene Akteure hervor gerufen. Die- se wirken in fünf Phasen auf das jeweilige Quartier oder Viertel, bis der Prozess vollzogen ist (siehe Abb. 1). Gentrifizierungsprozesse finden vornehmlich in Vier- teln statt, die Innenstadtnah angesiedelt sind, sich an Flüssen befinden, und in denen es an renovierungsbedürftiger Altbausubstanz nicht mangelt. Das generelle Erscheinungsbild wird vor dem Einzug der jeweiligen Akteure allgemein als sozial schwach bezeichnet. Nach dem Durchlauf eines Prozesses hat sich das komplette Stadtbild geändert. Es lässt sich nun als aufgewertet bezeichnen. In diesem Sta- dium leben kaum noch Bewohner in dem Viertel, die auch schon vor dem Gentrifi- zierungsprozess in diesem lebten. Nach Dangschat (1988) und seinem „doppelten Invasions-Sukzessions-Zyklus“ haben folgende drei Akteure einen direkten Ein- fluss auf die Gentrifizierung:

Die Gruppe der Alteingesessenen verbindet, dass sie schon lange in dem jeweiligen Viertel leben. Sie werden als Arme, Alte, Arbeitslose oder Migranten beschrieben und verfügen über wenig finanzielle Mittel, sowie wenige soziale Kontakte. Das führt zu einer geringen Flexibilität, die sie nicht konkurrenzfähig gegenüber den Pionieren und Gentrifiern macht. Am Ende verlieren sie als schwächste beteiligte Gruppe ihren Wohnraum und müssen sich einen neuen bezahlbaren Wohnraum suchen.

Die Pioniere verfügen in der Regel über eine hohe Schulbildung, sind kinderlos, haben keinen geregelten oder sicheren beruflichen Stand, sind selten verheiratet, aber besitzen ein großes soziales Netzwerk. Die Attribute ermöglichen ihnen eine große Flexibilität, die sie in Bezug auf die Alteingesessenen überlegen machen. Als typische Mitglieder dieser Gruppe gelten Studenten oder Künstler. Durch die von ihnen mitgebrachte Kreativität und Lebensart machen die Pioniere das Viertel erst so attraktiv, dass es zu einem Gentrifizierungsprozess kommt.

Die Gruppe der Gentrifier wird als einkommensstark, mit guter beruflicher Position, kinderlos und unverheiratet, aber in Partnerschaft lebend beschrieben. Ihre gute fi- nanzielle Situation macht sie zu der durchsetzungsstärkeren der drei Hauptakteure.

[...]

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Details

Titel
Gentrifizierung als soziales Problem von Großstädten
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V333881
ISBN (eBook)
9783668235960
ISBN (Buch)
9783668235977
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gentrifizierung, Wohnungsnot, Marktwirtschaft, Gentrifizierungsprozess, Einkommen, Segregation, sozial
Arbeit zitieren
Christopher Maximilian Krull (Autor), 2015, Gentrifizierung als soziales Problem von Großstädten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333881

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