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Migrantenselbstorganisationen und die Erfolgschancen ihrer Mitglieder

Potentiale der Nutzung von Sozialkapital und transnationalen Ressourcen. Lateinamerikanische Migranten in Deutschland

Title: Migrantenselbstorganisationen und die Erfolgschancen ihrer Mitglieder

Thesis (M.A.) , 2013 , 109 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Robert Stockton (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Summary Excerpt Details

Migrantenorganisationen sind in Deutschland im wissenschaftlichen wie im öffentlichen Diskurs bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Erfolgschancen ihrer Mitglieder im Aufnahmeland umstritten. Trotz mehrerer empirischer Studien, die in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden, wurde bislang kein Konsens darüber erzielt, ob die negativen oder die positiven Wirkungen, die von der Mitgliedschaft in einer MSO ausgehen, überwiegen. Als gängigstes Argument stellen ihre Befürworter die Ermöglichung der Selbsthilfe unter Migranten in den Vordergrund, in deren Rahmen die Organisationen als Interessenvertretung, Vermittler von Alltagswissen und interkulturellen Kompetenzen fungieren. Von Seiten der Kritiker werden die MSOs dagegen eher als Integrationshürde und Wegbereiter von sogenannten Parallelgesellschaften betrachtet. Die Einbindung in eine eigene ethnische Gemeinschaft – so viele Kritiker – habe einen mangelnden Kontakt zur Aufnahmegesellschaft zur Folge und leite Segregationsprozesse in die Wege, die wiederum geringere Erfolgschancen nach sich zögen.
In jüngerer Vergangenheit kam jedoch Bewegung in den Diskurs. Migrationsprozesse werden neuerdings verstärkt als mehrdimensionale Phänomene verstanden, in deren Rahmen die Integration eine von vielen Facetten darstellt, die eine erfolgreiche Migrationsbiographie bedingen können. Eines dieser neueren und umfassenderen Konzepte spiegelt sich in Begriffen wie dem der Transnationalität wider. Die Perspektive hinter diesem Begriff beinhaltet den Versuch, neuartigen Formen von Migration, die fortschreitende Globalisierungsprozesse und technologischer Fortschritt mit sich gebracht haben, gerecht zu werden. Maßgeblich erscheint hierbei eine neu vorgenommene Bewertung von Fremdheit, die nicht mehr als bloßes Hindernis angesehen wird, welches es zu überwinden gilt, sondern auch als Quelle neuer Möglichkeiten.
Ein weiterer interessanter Ansatz zur Bewertung der Erfolgschancen von Migranten stammt aus der Netzwerkforschung. Hier wird die Frage nach dem Sozialkapital von Migranten gestellt, welches die Ressourcen beschreibt, die aus den sozialen Verbindungen einer Person hervorgehen.
Im Vorfeld der Arbeit wurden zwei Organisationen lateinamerikanischer Migranten für die Überprüfung der theoretischen Überlegungen ausgewählt. Lateinamerikanern konnte in den USA bereits starke transnationale Strukturen und Orientierungen nachgewiesen werden, so dass sie als geeignete Untersuchungsgruppe für die Thematik gelten können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Stand der Migrationsforschung

2.1 Der Eingliederungsdiskurs in der Migrationsforschung

2.1.1 Erste Assimilationstheorien

2.1.2 Abkehr vom klassischen Assimilationsgedanken

2.1.3 Der deutsche Integrationsdiskurs

2.1.4 Neuere Ansätze

2.2 Der Sozialkapitalansatz in der Netzwerktheorie

2.2.1 Handlungen im Netzwerk

2.2.2 Der Sozialkapitalbegriff

2.2.3 Generierung von Sozialkapital

2.2.4 Negative Effekte von Sozialkapital

2.3 Transnationalismus

2.3.1 Das Konzept des Transnationalismus

2.3.2 Transnationale Identität

2.3.3 Transnationale Akteure und Strukturen

2.4 Probleme seitens der Aufnahmegesellschaft

2.4.1 Fremdenfeindlichkeit als gesamtgesellschaftliche Problematik

2.4.2 Die Konstruktion des Fremden

2.4.3 Ethnozentrismus

2.4.4 Nationale Identität und deutsche Besonderheiten

3 Migrantenselbstorganisationen in Deutschland

3.1 Typen und grundlegende Informationen

3.2 Die Debatte um die Migrantenselbstorganisationen

3.3 Migrantenselbstorganisationen und die deutsche Öffentlichkeit

3.3.1 Wechselwirkungen

3.3.2 Zur Unterscheidung von Privatem und Öffentlichem

3.3.3 Die ethnische Öffentlichkeit

4 Potentiale der Migrantenselbstorganisationen

4.1 Aufstiegschancen durch Interessenvertretung

4.2 Förderung von Transnationalität

4.3 Migrantenselbstorganisationen als Brückenbauer

5 Lateinamerikanische Migrantenselbstorganisationen in Deutschland

5.1 Lateinamerikanische Migration

5.1.1 Lateinamerika: Von der Einwanderungs- zur Auswanderungsregion

5.1.2 Die lateinamerikanische Migration nach Deutschland

5.1.3 Die lateinamerikanische Gemeinde in Deutschland

5.2 Forschungsdesign

5.2.1 Untersuchungsmethodik

5.2.2 Auswertungsverfahren

5.2.3 Auswahl der Interviewpartner

5.2.4 Durchführung der Interviews

5.3 CAARNE und Xochicuicatl: Zwei lateinamerikanische Migrantenorganisationen in Berlin

5.3.1 Grundlegende Daten

5.3.2 Zusammenarbeit mit anderen Organisationen

5.3.3 Grenzen der Arbeit

5.3.4 Netzwerke und Sozialkapital

5.3.5 Transnationalität

5.3.6 Abschließende Bewertung

6 Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern die Mitgliedschaft in einer Migrantenselbstorganisation (MSO) die Erfolgschancen von Migranten in Deutschland beeinflusst. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie MSOs als Ressourcenquelle für Sozialkapital und transnationale Aktivitäten fungieren können, anstatt lediglich als Hindernisse für eine gesellschaftliche Integration wahrgenommen zu werden.

  • Bewertung von MSOs unter Einbeziehung der Konzepte Transnationalität und Sozialkapital.
  • Analyse der Rolle von MSOs als Interessenvertretungen und Brückenbauer zwischen Migranten und der Aufnahmegesellschaft.
  • Explorative Untersuchung lateinamerikanischer MSOs in Berlin anhand von Experteninterviews.
  • Diskussion des Spannungsfeldes zwischen privater ethnischer Binnenintegration und öffentlicher gesellschaftlicher Teilhabe.

Auszug aus dem Buch

2.2.2 Der Sozialkapitalbegriff

Es existieren zurzeit mehrere anerkannte Definitionen für den Begriff des Sozialkapitals. Bourdieu legt in seiner Definition den Fokus auf das Potential zur Generierung von Ressourcen, weshalb sich seine Definition mit Blick auf die Thematik dieser Arbeit zur genaueren Betrachtung anbietet. Bourdieu beschreibt Sozialkapital als:

„die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind; oder, anders ausgedrückt, es handelt sich um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen“ (Bourdieu 1983: 190f).

In Bourdieus Definition werden erneut die Parallelen zwischen dem Sozialkapitalbegriff und der Netzwerktheorie offensichtlich. Der Fokus richtet sich weg vom Individuum, hin zu den Beziehungen zwischen den einzelnen Akteuren und den Ressourcen, die aus diesen Beziehungen erwachsen. Zwar kann Sozialkapital von einem einzelnen Akteur eingesetzt werden und ihm damit persönlich individuellen Nutzen bringen. Entsprechend dem netzwerktheoretischen Grundgedanken ist das soziale Kapital allerdings, im Gegensatz zum ökonomischen Kapital, nicht als Besitz eines Einzelnen zu verstehen. Es existiert einzig in den sozialen Beziehungen, die das Individuum unterhält, als eine Art Kollektivgut (vgl. Marx 2010: 97). Anders ausgedrückt kann eine Person alleine kein Sozialkapital generieren. Sie braucht dafür immer mindestens eine zweite Person, zu der sie in einer Beziehung steht. Genau wie der netzwerktheoretische Ansatz fragt der Sozialkapitalansatz also nach den Inhalten und Potentialen von Beziehungen. Die Netzwerktheorie und der Sozialkapitalansatz können sich somit dahingehend ergänzen, dass sie mit unterschiedlichen Werkzeugen und theoretischem Hintergrund einen Blick auf dieselben zwischenmenschlichen bzw. institutionellen Beziehungen erlauben (vgl. ebenda: 96).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die kontroverse Debatte um die Rolle von MSOs für die Erfolgschancen von Migranten und führt in die zentralen Konzepte Sozialkapital und Transnationalität ein.

2 Stand der Migrationsforschung: Dieses Kapitel gibt einen theoretischen Überblick über verschiedene Ansätze der Migrationssoziologie, von klassischen Assimilationstheorien über Netzwerktheorien bis hin zu modernen transnationalen Perspektiven.

3 Migrantenselbstorganisationen in Deutschland: Es wird die Heterogenität von MSOs beleuchtet und ihre Rolle in der deutschen Öffentlichkeit sowie die Debatte um ihre integrative oder desintegrative Wirkung dargestellt.

4 Potentiale der Migrantenselbstorganisationen: Das Kapitel untersucht die Chancen, die von MSOs ausgehen, insbesondere durch Interessenvertretung, die Förderung transnationaler Aktivitäten und ihre Rolle als Brückenbauer.

5 Lateinamerikanische Migrantenselbstorganisationen in Deutschland: Dieser Teil präsentiert ein exploratives Forschungsdesign und stellt zwei untersuchte MSOs in Berlin exemplarisch vor, um die theoretischen Überlegungen in der Praxis zu prüfen.

6 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach MSOs als wichtige Ressourcenquelle und Vermittler dienen, und betont, dass keine generelle segregierende Wirkung festgestellt werden konnte.

Schlüsselwörter

Migrantenselbstorganisationen, MSOs, Sozialkapital, Transnationalität, Migrationsforschung, Integration, Assimilation, Netzwerktheorie, Erfolgschancen, Interessenvertretung, Ethnozentrismus, Identität, Ressourcen, Lateinamerikanische Migration, Partizipation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss Migrantenselbstorganisationen (MSOs) auf die Erfolgschancen und die soziale Mobilität ihrer Mitglieder haben und ob sie eher integrationsfördernd oder -hemmend wirken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die soziologische Migrationsforschung, die Bedeutung von Sozialkapital in Netzwerken, das Konzept des Transnationalismus sowie die öffentliche Debatte um Integration und Parallelgesellschaften.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Rolle von MSOs als Ressourcenquelle und Vermittlungsinstanz zu bewerten und ein differenzierteres Verständnis ihrer Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse von Migranten zu gewinnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Neben einer theoretischen Literaturanalyse nutzt die Arbeit einen qualitativen Ansatz in Form von Experteninterviews mit Vertreterinnen zweier lateinamerikanischer Organisationen in Berlin.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt sowohl theoretische Grundlagen (Eingliederungsdiskurs, Netzwerktheorie, Transnationalismus) als auch die praktische Analyse der Strukturen, Arbeitsweisen und Erfolgschancen von MSOs, spezifisch am Beispiel lateinamerikanischer Organisationen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Migrantenselbstorganisationen (MSOs), Sozialkapital, Transnationalität, Integrationsdiskurs sowie Netzwerkanalysen.

Warum wurden lateinamerikanische MSOs als Untersuchungsobjekt gewählt?

Sie dienen als explorative Untersuchungsgruppe, da sie in Deutschland bisher kaum wissenschaftlich erforscht sind und aufgrund ihrer kulturellen Prägung eine hohe Relevanz für netzwerktheoretische Analysen aufweisen.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die segregierende Wirkung von MSOs?

Der Autor stellt fest, dass keine segregierende Wirkung durch die Organisationen selbst nachgewiesen werden kann. MSOs agieren meist aufgeschlossen gegenüber der Aufnahmegesellschaft und fungieren eher als Brückenbauer denn als Integrationshürde.

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Details

Title
Migrantenselbstorganisationen und die Erfolgschancen ihrer Mitglieder
Subtitle
Potentiale der Nutzung von Sozialkapital und transnationalen Ressourcen. Lateinamerikanische Migranten in Deutschland
College
University of Trier
Grade
1,0
Author
Robert Stockton (Author)
Publication Year
2013
Pages
109
Catalog Number
V333961
ISBN (eBook)
9783668246423
ISBN (Book)
9783668246430
Language
German
Tags
Migration Migrationssoziologie Migrantenselbstorganisationen MSO Transnationalität Netzwerke Netzwerkanalyse Erfolg Arbeit Sozialkapital Integration Organisation Transnationalismus Fremdheit Ressourcen Identität ethnische Öffentlichkeit Latinos Lateinamerikaner Qualitative Forschung Qualitative Daten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robert Stockton (Author), 2013, Migrantenselbstorganisationen und die Erfolgschancen ihrer Mitglieder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333961
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