China hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden und einflussreichen Akteur auf dem afrikanischen Kontinent entwickelt. Wie sehr sich Peking mittlerweile in Afrika engagiert, wurde spätestens im chinesischen „Afrika-Jahr“ 2006 deutlich, als mehr als 40 Staats- und Regierungschefs zum China-Afrika-Gipfel in Peking eintrafen. Die rasante Zunahme der sino-afrikanischen Zusammenarbeit hat bei traditionellen Geberländern große Aufmerksamkeit erfahren und überwiegend negative Reaktionen hervorgerufen. Dabei wird China vorgeworfen, sich nur für seine Rohstoffsicherung und nicht für die Entwicklung Afrikas zu interessieren. Niedrige Sozial- und Umweltstandards, Unterstützung autokratischer Regierungen und Neo-Kolonialismus werden in diesem Zusammenhang genannt. „Kooperation auf Augenhöhe“, „gemeinsamer Nutzen“ und „Win-Win“ lauten hingegen die Prinzipien, die auf chinesischer Seite betont werden.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, über die herrschende Meinung in den Medien hinauszugehen und ein umfassenderes Verständnis über Chinas Rolle und Auswirkungen in den genannten Bereichen zu erlangen. Diese Seminararbeit wird die Frage, ob die sino-afrikanische Kooperation eine Win-Win-Situation ist, exemplarisch durch Analyse der Beziehungen Chinas zu dem wichtigen ölexportierenden Land Angola beantworten. Angola ist insofern interessant, als es zu Chinas wichtigsten afrikanischen Handelspartnern gehört, sehr hohe Wachstumsraten vorweisen kann und autokratisch regiert wird. Die sino-angolanische Kooperation passt somit gut zum westlichen Vorwurf der chinesischen Zusammenarbeit mit „Schurkenstaaten“.
Um Chinas Vorgehensweise und Interessen zu analysieren, wirft diese Arbeit zunächst einen Blick auf den Verlauf des chinesischen Wirtschaftswunders und untersucht das daraus resultierende Problem des chinesischen Ressourcenmangels. Anschließend wird auf angolanische Perspektiven und Interessen bei der Kooperation mit China eingegangen. Dabei ist es wichtig auf den Bürgerkrieg und dessen Folgen einzugehen. Der anschließende Teil behandelt chine-sische Motive für das Engagement in Afrika und eine besondere Form der Kooperation, das so genannte „Angola-Modell“. Die Arbeit wird unterschiedliche Aspekte dieses Modells wie „Infrastruktur“ und „Angola als Absatzmarkt“ darstellen und untersuchen, inwiefern Chinas Engagement Auswirkungen auf die angolanische Wirtschaft, Gesellschaft und Regierung hat.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Kurzer Überblick über die aktuellen sino-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen
- Ressourcenhunger
- Verlauf des Wirtschaftsbooms
- Ressourcenmangel Chinas
- Kooperation zwischen China und Angola
- Angolanische Perspektiven
- Hintergrund: 27 Jahre Bürgerkrieg
- Länderprofil, Ölreichtum und wachsende Wirtschaft
- Angolanische Interessen an einer Zusammenarbeit mit China
- Kooperation
- Chinesische Interessen und Prinzipien der Afrikapolitik
- Angola-Modell
- Auswirkungen in Angola
- Infrastrukturelle und wirtschaftliche Auswirkungen
- Auswirkungen auf die Regierung
- Gesellschaftliche Auswirkungen
- Veränderung der Beziehungen zum Westen
- Angolanische Perspektiven
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit analysiert die Beziehungen zwischen China und Angola im Kontext der chinesischen Ressourcenpolitik in Afrika. Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob die sino-angolanische Kooperation eine „Win-Win-Situation“ für beide Seiten darstellt. Die Arbeit untersucht dabei die Ursachen des chinesischen Ressourcenhungers, die angolanischen Perspektiven auf die Zusammenarbeit mit China, die chinesischen Interessen und das „Angola-Modell“ der Kooperation sowie die Auswirkungen des chinesischen Engagements auf die angolanische Wirtschaft, Gesellschaft und Regierung.
- Chinas Ressourcenhunger als Folge des Wirtschaftsbooms
- Angolas Interessen an einer Zusammenarbeit mit China im Kontext des Bürgerkriegs und des Ölreichtums
- Chinas Afrikapolitik und die Prinzipien der „Kooperation auf Augenhöhe“ und „gemeinsamer Nutzen“
- Das „Angola-Modell“ als Beispiel für chinesische Investitionen und Infrastrukturprojekte in Afrika
- Die Auswirkungen des chinesischen Engagements auf die angolanische Wirtschaft, Gesellschaft und Regierung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema der sino-afrikanischen Beziehungen und die Rolle Chinas in Afrika ein. Sie stellt die Forschungsfrage nach der „Win-Win-Situation“ und erläutert die Relevanz Angolas als Fallbeispiel. Das zweite Kapitel gibt einen kurzen Überblick über die aktuellen sino-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen und die Bedeutung Chinas als Handelspartner Afrikas. Das dritte Kapitel beleuchtet den chinesischen Ressourcenhunger, der durch den Wirtschaftsboom entstanden ist und die Suche nach Rohstoffen in Afrika vorantreibt. Das vierte Kapitel analysiert die Kooperation zwischen China und Angola, wobei sowohl angolanische Perspektiven als auch chinesische Interessen und das „Angola-Modell“ der Kooperation im Fokus stehen. Der letzte Teil dieses Kapitels widmet sich den Auswirkungen des chinesischen Engagements auf die angolanische Wirtschaft, Gesellschaft und Regierung.
Schlüsselwörter
Sino-afrikanische Beziehungen, Ressourcenpolitik, China, Angola, Wirtschaftsboom, Ressourcenmangel, „Win-Win-Situation“, Kooperation, Angola-Modell, Infrastruktur, Wirtschaft, Gesellschaft, Regierung, Bürgerkrieg, Ölreichtum, Entwicklungshilfe, „Kooperation auf Augenhöhe“, „gemeinsamer Nutzen“.
Häufig gestellte Fragen
Ist Chinas Ressourcenpolitik in Angola eine Win-Win-Situation?
Während China Rohstoffe sichert und Angola wichtige Infrastruktur erhält, gibt es Kritik an niedrigen Sozialstandards und der Unterstützung autokratischer Strukturen. Die Bewertung als „Win-Win“ ist daher umstritten.
Was ist das „Angola-Modell“?
Es beschreibt ein Kooperationsmodell, bei dem China Kredite für Infrastrukturprojekte gewährt, die direkt durch angolanische Öllieferungen zurückgezahlt werden („Resources for Infrastructure“).
Warum ist Angola für China so bedeutend?
Angola ist einer der wichtigsten Ölexporteure Afrikas. Chinas rasanter Wirtschaftsboom erzeugt einen enormen Ressourcenmangel, den das Land durch Partnerschaften mit ölreichen Staaten wie Angola deckt.
Welche Interessen verfolgt Angola bei der Zusammenarbeit?
Nach 27 Jahren Bürgerkrieg benötigt Angola dringend Kapital für den Wiederaufbau. China bietet Kredite ohne die vom Westen oft geforderten politischen Auflagen (Good Governance).
Wie wirkt sich Chinas Engagement auf die angolanische Gesellschaft aus?
Es entstehen zwar Straßen und Brücken, doch oft werden chinesische Arbeiter statt Einheimische eingesetzt, was den lokalen Arbeitsmarkt nur begrenzt stärkt und soziale Spannungen erzeugen kann.
Verändert die Kooperation Angolas Beziehung zum Westen?
Ja, durch die chinesische Alternative sinkt die Abhängigkeit von westlichen Gebern und dem IWF, was den Handlungsspielraum der angolanischen Regierung vergrößert, aber auch Kritik am Neokolonialismus hervorruft.
- Quote paper
- Lilly Wolff (Author), 2015, Die chinesische Ressourcenpolitik in Angola. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333962