Digitalisierung im Automobilvertrieb. E-Commerce als Direktvertrieb für private Neuwagenverkäufe

Handlungsempfehlungen für deutsche Automobilhersteller


Diplomarbeit, 2016

96 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis ...V

Abbildungsverzeichnis ...VI

1 Einleitung ...7
1.1 Problemstellung ...7
1.2 Ziel dieser Arbeit ...8
1.3 Angewandte Methodik und Aufbau der Arbeit ...8

2 Begriffserklärungen und Zusammenhänge ...10
2.1 Deutscher Automobilmarkt ...10
2.2 Automobildistribution ...16
2.3 Onlinehandel der Automobilwirtschaft ...17
2.4 Electronic-Commerce ...19
2.5 Social-Commerce ...20
2.6 Mobil-Commerce ...21

3 Bestandsaufnahme des E-Commerce der deutschen Automobilhersteller ...23
3.1 Auswertung der Onlineshops der dt. Automobilhersteller ...23
3.2 Internationaler Vergleich des automobilen Onlinehandels ...27
3.3 Chancen und Risiken des Onlineverkaufs von Neuwagen ...29
3.3.1. Marktanalyse ...29
3.3.2. Konkurrenz ...30
3.3.3. Ökonomisches Umfeld ...32
3.3.4. Soziokulturelles Umfeld ...33
3.3.5. Zielgruppen ...34
3.3.6. Technologisches Umfeld ...37
3.3.7. Politisches Umfeld ...39
3.3.8. Rechtliche Rahmenbedingungen ...41
3.4 Zusammenfassung des Kapitels ...44

4 Perspektive des Elektronik-Commerce für den Neuwagenverkauf ...47
4.1 Ziel von E-Commerce im Automobilmarketing ...47
4.2 Indikatoren zur Einschätzung des Potenzials ...47
4.2.1. Vergleich zu verwandten Branchen nach Umsatz, Steigerungsrate und Prognosen ...47
4.2.2. Gebrauchtwagen-Onlinehandel ...49
4.2.3. Neuwagen-Onlinehandel ...50
4.2.4. Vergleich der Preise und Rabatte des Online-Neuwagen-Handels zum stationären Handel ...51
4.2.5. Kaufverhalten beim digitalisierten automobilen Kaufprozess ...56
4.3 Zusammenfassung des Kapitels ...59

5 Eigene Erhebung „Autokauf im Internet“ ...61
5.1 Design und methodische Vorgehensweise ...61
5.2 Ergebnisse ...61
5.3 Zusammenfassung des Kapitels ...69

6 Fazit ...70

7 Literatur- und Quellenverzeichnis ...73

8 Anlagen ...79
Anlage 1: Untersuchte Webseiten und Online-Shops der Akteure ...79
Anlage 2: Fragebogen der eigenen Erhebung „Autokauf im Internet“ ...85

1 Einleitung

„Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Jede Zeit braucht die passenden Antworten. Das erfordert manchmal Weitsicht, immer unternehmerischen Mut und jederzeit die Fähigkeit, neue Trends zu antizipieren. Die Zukunft gehört immer der nachfolgenden Generation.“ [1]

1.1 Problemstellung

Die Automobilwirtschaft ist seit jeher im stationären Handel organisiert (in Kapitel 2.1 erläutert). [2]

Die Digitalisierung hat jedoch bereits im Automobilvertrieb ihren Einzug gefunden: Das Kaufverhalten der potentiellen Kunden hat sich in zunehmendem Maße digitalisiert (siehe Kap. 4.2.5).[3] Neue digitalisierte Vertriebsmöglichkeiten kommen bereits vereinzelt zum Einsatz (dazu Näheres in Kap. 3.3.6).[4] Automobilhersteller eröffnen zunehmend Showrooms mit digitalisierten Präsentationselementen in urbanen Regionen.[5] Mercedes-Benz vertreibt im Rahmen eines Pilotprojektes verschiedene vorkonfigurierte Modelle online (Der „Mercedes-Benz Online Store Hamburg“ wird in Kapitel 2.3 erläutert). [6]

BMW bietet zwei Elektro-Modelle direkt über die Herstellerwebseite zum Kauf an. [7] Neue Akteure drängen im Bereich des Online-Vertriebs in den Automobilmarkt. Dazu zählen die sogenannten Online-Vermittler und die Anbieter von Online-Plattformen, auf die in Kapitel 2.3 näher eingegangen wird. Die Wertschöpfungsstrukturen verändern sich dadurch und die konventionelle Struktur des automobilen Handels digitalisiert sich in zunehmendem Maße.

In vergleichbaren Branchen gewinnt der Online-Handel zu Lasten des stationären Handels an Bedeutung (siehe Kapitel 4.2.1). [8]

Ist es demnach haltbar, dass der Verkauf seitens der Hersteller über den Handel von Neuwagen stationär bleibt?

Weiterhin ergeben sich die folgenden Fragen, die anhand dieser Arbeit untersucht und beantwortet werden: Bietet sich E-Commerce für den Direktvertrieb der privaten Neuwagenverkäufe an? Wie können sich die Hersteller gegen neue Akteure auf dem Gebiet des Online-Handels durchsetzen?

1.2 Ziel dieser Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, die Notwendigkeit zur Implementierung des Elektronik-Commerce im Bereich des privaten Neuwagenverkaufs zu untersuchen, einhergehende Chancen und Risiken aufzuzeigen, ein mögliches Potential darzulegen, die Perspektive darzustellen und daraus entsprechende Handlungsempfehlungen für die deutschen Automobil­hersteller abzuleiten.

1.3 Angewandte Methodik und Aufbau der Arbeit

Die herangezogenen Primärtexte setzen sich aus der Fachliteratur zum Automobilmarketing und der Distributionspolitik sowie des Elektronik-Commerce, Social-Commerce und Mobil-Commerce zusammen. Aktuelle Statistiken und Studien der Automobilwirtschaft und der Automobilindustrie sowie des Onlinehandels wurden herangezogen.

Jahresberichte von Verbänden und Institutionen, Reden von Vorständen, Pressemitteilungen, wissenschaftliche Arbeiten, Daten aus Untersuchungen und Erhebungen von Statistischen Landesämtern sowie Artikel in Fachzeitschriften der IT-Branche, der Auto-mobilindustrie und des Marketings wurden eingesetzt. Die Erkenntnisse daraus wurden erfasst, verglichen und systematisch auf die Fragestellung dieser wissenschaftlichen Arbeit angewendet. Die Meinungen und Einstellungen zum Autokauf im Internet wurden von potentiellen Autokäufern in einer eigenen Online-Befragung erhoben. Die Korrelation zwischen den bereits vorliegenden Erkenntnissen aus dem zuvor genannten Material und der eigenen Untersuchung bilden die Entscheidungsgrundlage für die Formulierung der Handlungsempfehlungen an die deutschen Automobilhersteller.

Der Aufbau der Arbeit ist so gestaltet, dass zunächst die erforderlichen Begriffserklärungen und Bereiche zum Thema dargestellt werden. Eingangs werden die deutschen Automobilhersteller vorgestellt und der Markt skizziert. Die Strukturen des Onlinehandels des Automobilmarktes werden vorgestellt. Im Kapitel 3 werden die Herstellerwebseiten und die Onlineshops der Hersteller anhand von E-, S- und M-Commerce Kriterien bewertet. Ein internationaler Vergleich wird anschließend gezogen. Chancen und Risiken des E-Commerce in Bezug auf den Onlineverkauf von Neuwagen werden nach Umfeldkriterien geprüft. Die Ergebnisse bilden den IST-Zustand, die im darauffolgenden Kapitel 4 in einer Zielformulierung des E-Commerce für die deutschen Automobilhersteller mündet und die Perspektiven darauffolgend aufzeigen. Dazu wurden Vergleiche zu verwandten Branchen anhand von Entwicklung und Prognosen gezogen. Ein mögliches Potenzial des zu generierenden Umsatzes durch den Einsatz von E-Commerce für den privaten Neuwagenverkauf wurde in 4.2.3 berechnet. Die Preisstruktur aller Akteure und das Kaufverhalten im digitalen Bereich wurden abschließend in diesem Kapitel zur Bewertung herangezogen. Anhand der Ergebnisse aus einer eigenen Umfrage in Kapitel 5 wurden die Erkenntnisse der vorangegangenen Kapitel überprüft. Zum Schluss dieser Arbeit folgen die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen für die deutschen Automobilhersteller.

2 Begriffserklärungen und Zusammenhänge

2.1 Deutscher Automobilmarkt

Die Akteure des deutschen Automobilmarktes lassen sich anhand der Wertschöpfungskette erläutern. Auf der einen Seite stehen die Anbieter, Unternehmen die der Automobilwirtschaft zuzuordnen sind. Die Automobilwirtschaft umfasst alle Unternehmen, die überwiegend mit der Herstellung, der Vermarktung, der Instandhaltung sowie der Entsorgung von Automobilen, Automobilteilen und automobilen Dienstleistungen beschäftigt sind. [9]

Abbildung 1: Wertschöpfungskette der Automobilwirtschaft. [Hinweis: Dies ist eine Leseprobe. Abbildungen und Tabellen werden daher nicht angezeigt]

Die Automobilindustrie produziert den Pkw und bildet damit die erste Stufe der Wertschöpfungskette, die folgende stellt das Kraftfahrzeuggewerbe mit der Vermarktung und Instandhaltung dar. Die dritte Stufe der Wertschöpfungskette bilden die Abnehmer. [10]

Die Käufer stellen die nachfragende Seite des Marktes. Diese teilen sich in den privaten Endverbraucher und den gewerblichen Abnehmer (u. a. Flottenkunden, Polizei, Taxiunternehmen, Fahrschulen). Im Kapitel 3.3.2 werden die Zielgruppen näher beschrieben. Der gewerbliche Bereich wird in dieser Betrachtung außen vor gelassen, der Verkauf an den privaten Endverbraucher wird in Betracht gezogen.

Veräußert der Käufer nach einer gewissen Nutzungsdauer seinen Pkw, veräußert er diesen als Gebrauchtwagen. Der Automobilmarkt kann also in den Neuwagen- und Gebrauchtwagenmarkt weiterhin unterteilt werden.

Unter Neuzulassung wird die erstmalige Zulassung und Registrierung eines fabrikneuen Fahrzeugs mit einem Kennzeichen in Deutschland verstanden. Fahrzeuge, die bereits im In- oder Ausland zugelassen waren, fallen nicht darunter. [11]

Die Grundlage dieser Arbeit bildet der Neuwagenmarkt: auf der Abnehmerseite der private Endverbraucher und auf der Anbieterseite die deutschen Automobilhersteller in Deutschland. Die Hersteller gehören zur Wertschöpfungsstufe 1, wie zuvor erläutert, und demnach zur Automobilindustrie.

Die deutsche Automobilindustrie besteht aus Herstellern von Pkw, Lkw, Bussen und anderen Nutzfahrzeugen, aber auch aus den Unternehmen der Anhänger- und Aufbauten- und nicht zuletzt der Zuliefererindustrie. [12]

Die Zulieferer sind ein Teil der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie und liefern an die Automobilhersteller u. a. Produkte, Komponenten und Systeme.

Die Hersteller von Anhängern und Aufbauten produzieren unterschiedliche Produkt- und Transportlösungen. [13]

In der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) sind die Bestimmungen in § 32 der Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger näher erfasst. [14]

Der Schwerpunkt der deutschen Automobilindustrie liegt in der Herstellung von Personenkraftwagen (Pkw). In Deutschland wurden 2014 (2013) mehr als 5,6 (5,4) Mio. Pkw hergestellt. Das ist ein Zuwachs um 3 % gegenüber dem Vorjahr. Davon wurden 4,3 Mio. Pkw (76,8 %) ins Ausland exportiert. [15]

Die Anzahl der Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie (Kfz-Hersteller, Auto-mobilzulieferer und Hersteller von Anhängern und Aufbauten) betrug im Jahresdurchschnitt 2014 knapp 775 000. Das entspricht einem Zuwachs von rund 20 000 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Der Jahresumsatz der deutschen Automobilindustrie betrug 2014 rund 384 Mrd. Euro (gut 6 % mehr als in 2013). Nach China, den USA und Japan bleibt Deutschland die viertgrößte Automobile produzierende Nation. [16]

Es gibt sieben deutsche Automobilhersteller mit Hauptsitz in Deutschland. Dazu zählen: Adam Opel AG, AUDI AG, BMW AG, Daimler AG, Ford-Werke GmbH, Porsche AG und Volkswagen AG. [17]

Die Definition laut VDA lautet: „Hersteller ist eine Person oder Stelle, die gegenüber der Genehmigungsbehörde für alle Belange des Typgenehmigungsverfahrens sowie für die Sicherstellung der Übereinstimmung der Produktion verantwortlich ist. Es ist nicht die Bedeutung, dass sie direkt an allen Herstellungsphasen des Fahrzeugs, Systems, Bauteils oder der selbständigen technischen Einheit beteiligt ist, das bzw. sie Gegenstand des Genehmigungsverfahrens ist. Die Herstellerangabe befindet sich auf dem Fabrikschild des Fahrzeugs und in der dazugehörigen Fahrzeugbescheinigung.“ [18]

Die Firmennamen der Hersteller bilden gleichsam den jeweiligen Markennamen. Unter der Marke wird der handelsübliche Name, unter dem die Hersteller ihre Modellreihen auf dem Fahrzeugmarkt anbieten, verstanden.[19]

Zu den deutschen Konzernmarken gehören: AUDI, BMW, Ford, Mercedes-Benz, Mercedes-AMG, Mercedes-Maybach, Mini, Opel, Porsche, smart, Volkswagen.[20]

Aus der folgenden Abbildung gehen die Konzernmarken aus der Sparte Pkw der deutschen Automobilhersteller hervor.

Abbildung 2: Marken der deutschen Automobilhersteller. [Hinweis: Dies ist eine Leseprobe. Abbildungen und Tabellen werden daher nicht angezeigt]

Die Adam Opel AG gehört zur General Motors Company (GM). Die Opel Group GmbH ist für die europäischen Belange von GM zuständig. Als deutsche Marke gehört Opel und als internationale Marken gehören Cadillac, Chevrolet und Vauxhall dazu. Die AUDI AG hat als deutscher Automobilhersteller die Marke Lamborghini inne. Die Marke AUDI zählt zu Volkswagen. Die BMW AG gliedert sich für das Pkw-Segment in die BMW Group, zu der die Marken BMW, Mini und als internationale Marke Rolls-Royce gehören. Zu Mercedes-Benz Cars, also der Pkw-Sparte der Daimler AG, gehören die Marken Mercedes-Benz, -AMG, -Maybach und smart. Die Ford-Werke GmbH ist eine Tochterfirma der amerikanischen Ford Motor Company, der die Ford Marke gehört. Die Porsche AG gehört zur VW AG, demnach gehört die Marke Porsche sowie die Volkswagen Marke an sich, und wie zuvor benannt, AUDI als deutsche Marken zum Volkswagenkonzern. Zu den internationalen Marken von VW zählen neben Lamborghini (als Teil der Audi AG), Seat, Skoda, Bentley auch Bugatti.

Ergänzend zur Darstellung „Deutsche Automobilhersteller und ihre Marken aus dem Konzernbereich Pkw“ sei erwähnt, dass die Porsche Automobil Holding SE (deutsche Holdinggesellschaft) die Mehrheit der Stammaktien seit 9. November 2015 in Höhe von 52,2 % an der Volkswagen AG hält. [21]

Aus der Jahresbilanz 2014 der Neuzulassungen des Kraftfahrt-Bundesamts geht der Anteil der deutschen Marken hervor. Dieser erhöhte sich leicht (+2,4 %) auf 64,0 %. Der Marktführer VW konnte seine Position behaupten (21,6 %). Es folgen Mercedes (9,0 %) und Audi (8,5 %). Das höchste Wachstumsplus erzielte Porsche (+17,1 %). [22]

Die Vermarktung der Konzernmarken (Neuzulassungen) der Deutschen Automobilhersteller erfolgt in der Wertschöpfungskette 2 (siehe Abbildung Nr. 1, Wertschöpfungskette der Automobilwirtschaft) über Absatzmittler, die dem Kraftfahrzeuggewerbe angehören. Die Automobilhersteller sind im Verband der Automobilindustrie e. V. (VDA) und die Automobilhändler im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e. V. (ZDK) organisiert. Es zeigen sich also nicht nur an der Wertschöpfungskette, sondern auch insbesondere auf politisch organisierter Ebene, die voneinander getrennten Marktsegmente der Automobilwirtschaft.

2.2 Automobildistribution

Die direkte, die indirekte Distribution und eine Mischform zwischen den beiden charakterisieren die Vertriebsstrukturen des Automobilmarktes.

Der Direktvertrieb erfolgt vom Hersteller direkt an den Endkunden, ohne Einschaltung von Absatzmittlern, über zentrale Verkaufsabteilungen oder werkseigene Niederlassungen. Absatzmittler sind rechtliche und wirtschaftlich selbständige Vertragshändler. [23]

Der indirekte Vertriebsweg wird über Absatzmittler abgewickelt. [24]

Neben den Vertragshändlern bilden Mischformen aus direktem und indirektem Vertrieb den Handel: Das sind vornehmlich Agentur-Systeme. Rechtlich betrachtet handelt es sich um Handelsvertreter nach § 84 HGB. [25] „Handelsvertreter ist, wer als selbständiger Gewerbetreibender ständig damit betraut ist, für einen anderen Unternehmer Geschäfte zu vermitteln oder in dessen Namen abzuschließen.“ [26]

Für die Vermittlungstätigkeit, Vermittlung des Kaufvertrags zwischen dem Hersteller und dem Kunden, erhält der Handelsvertreter eine Provision. Weiterhin gelten als Mischformen die Betreibermodelle (der Hersteller ist Besitzer der Autohaus-Immobilie) und Joint-Ventures (Beteiligung des Herstellers an dem Unternehmen des Händlers). [27]

Der Vollständigkeitshalbe sei angeführt, dass die Automobildistribution auch den Bereich des Großhandels abdeckt, der hier aber in der Betrachtung nicht berücksichtigt wird. Der Vertrieb gestaltet sich auf dieser Ebene maßgeblich über rechtliche und wirtschaftlich selbständige Generalimporteure und über herstellereigene Tochtergesellschaften, nationale Vertriebsgesellschaften sowie eine Mischform, die des Joint Ventures-Vertriebs (Bildung zwischen dem Hersteller und einem nationalen Vertriebspartner).

Die Großhandelsebene (Wholesale) regelt die Lieferung an die nationalen Märkte zum Verkauf an den Handel. Die Einzelhandelsebene organisiert, wie diese Märkte bearbeitet werden – der Pkw an den Endkunden verkauft werden kann. [28]

Abbildung 3: Struktur der Automobildistribution. [Hinweis: Dies ist eine Leseprobe. Abbildungen und Tabellen werden daher nicht angezeigt]

Der Direktvertrieb an den privaten Endverbraucher aus Sicht der Hersteller erfolgt heutzutage ausschließlich über die eigenen Niederlassungen.

2.3 Onlinehandel der Automobilwirtschaft

Wenn ein Hersteller Online-Handel betreibt, spricht man vom vertikalen Online-Handel. [29] Der Hersteller nutzt den Internetkanal als vertikales Direktdistributionsinstrument an den Endkunden. [30]

Mercedes Benz bietet im Rahmen eines Pilotprojektes eine Auswahl an Pkw-Modellen auch direkt an den privaten Abnehmer über einen Onlineshop „Mercedes-Benz Online Store Hamburg“ an, dass im Kapitel 3.1 näher beschrieben wird. Der Kunde hat neben zahlreichen Serviceleistungen die Möglichkeit, den Pkw über den Onlineshop erwerben zu können. Der Online-Shop ist mit einem physischen Shop in Hamburg crossmedial kombiniert. Ein gleiches Projekt seitens Mercedes existiert in Warschau.[31] BMW zeigt ebenso erste digitale Direktvertriebsmaßnahmen und bietet die Elektro-Modelle, den BMWi3 und BMWi8, online zum Kauf an.[32]

Im Neuwagenmarkt finden sich zum einen Onlineportale, die Angebote der regionalen Handelspartner online publizieren. Die Anfrage bezüglich eines ausgewählten Modells wird an den Händler in der Nähe weitergeleitet (beispielsweise: mobile.de, autoscout24.de). [33] Weiterhin gibt es Onlineportale, die hauptsächlich redaktionelle Inhalte aus der Automobilwirtschaft, Foren zu automobilen Themen bieten und einen integrierten Online-Verkaufsbereich ergänzend zeigen. Dazu zählen Anbieter wie Motor-Talk (Angebote von Mitgliedern – eher Gebrauchtwagen und Teile und Zubehör), Autobild.de (Neuwagenmarkt; verlinkt zu autohaus24.de) und auto-motor-und-sport.de (Neuwagenmarkt in Kooperation mit MeinAuto.de). [34]

Mobile.de kaufte in 2015 Motor Talk, die Reichweite würde so (mit Stand Oktober 2015) von 10,8 auf 13,1 Millionen Nutzer im Monat steigen. [35]

Zum anderen existieren online Agentursysteme, die den privaten Endverbraucher an den Handel in Form eines Vermittlungsauftrags vermitteln. Anders als bei den oben beschriebenen Online-Portalen steht nicht das Angebot des Händlers im Vordergrund, sondern das Modell mit dem Ziel den höchstmöglichen individuellen Rabatt zu bieten. Bei Interesse des Endverbrauchers kommt ein Beratungsverhältnis zwischen dem Kunden und Vermittler zustande. Anbieter sind beispielweise autohaus24.de (Gemeinschaftsprojekt der Sixt AG und Axel Springer Auto Verlag GmbH), Carneoo Neuwagenvermittlung und MeinAuto.de. [36]

Die folgende Abbildung visualisiert zusammenfassend die zuvor beschriebenen Anbieterebene und die folgende Angebotskette.

Abbildung 4: Struktur Onlinehandel der Automobilwirtschaft. [Hinweis: Dies ist eine Leseprobe. Abbildungen und Tabellen werden daher nicht angezeigt]

Der Abnehmer hat die Option, beim Hersteller, bei den Online-Plattformen oder Online-Agentursystemen die Informationen, die er benötigt, zu beschaffen und ein entsprechendes Angebot einzuholen. Die Aushändigung des Pkws erfolgt dann entsprechend beim Hersteller im eigenen Store und bei den Onlineanbietern im Handel.

2.4 Electronic-Commerce

„Der aus dem elektronischen Datenaustausch (EDI) hervorgegangene Begriff Electronic-Commerce (E-Commerce) bezeichnet die Nutzung aller elektronischen Medien, um geschäftliche Transaktionen anzubahnen und abzuwickeln. […] E-Commerce umfasst alle geschäftlichen Aktivitäten von der Bestellung über die Buchung und Lieferung bis hin zur Zahlungsabwicklung mit E-Cash, mit realem Geld oder E-Geld.“ [37]

Die Kaufprozesse haben sich seit rund 20 Jahren gewandelt – von linearen zu multioptionalen Prozessen. [38] Das heißt, dass ein Kunde nicht mehr allein den stationären Handel aufsucht (linearer Prozess), sondern zusätzlich weitere Kanäle für den Kaufprozess nutzen kann (beispielsweise Internetplattformen der Hersteller, E-Mail-Newsletter; Online-Foren und so weiter – multioptionaler Prozess).

Die Hersteller der Automobilindustrie nutzen E-Commerce für den Verkauf, u. a. von Life-Style-Produkten (nicht für den Verkauf der Pkw-Modelle). Die bestehenden Onlineshops der Hersteller werden im Kapitel 3.1 anhand von E-Commerce-Kriterien ausgewertet und in einer Übersicht gegenübergestellt. Auch sind Merkmale für den Social- und Mobile-Commerce für die Auswertung in 3.1 von Bedeutung.

[...]


[1] BMW , Rede Dr. Norbert Reithofer, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG, 95. ordentliche Hauptversammlung der BMW AG am 13. Mai 2015, https://www.press.bmwgroup.com/deutschland/pressDetail.html?title=rede-dr-norbert-reithofer-vorsitzender-des-vorstands-der-bmw-ag-95-ordentliche-hauptversammlung-der&outputChannelId=7&id=T0217622DE&left_menu_item=node__807, abgerufen am 10.11.2015.

[2] vgl. Diez, W.; Reindl, St.; Brachat, H. (Hrsg.), Grundlagen der Automobilwirtschaft, 2005, S. 129.

[3] vgl. DAT, 2015, DAT Report, 2014, S. 38, 39.

[4] vgl. Volvo, Pressemitteilung: Volvo is first automotive brand to use Google Cardboard, https://www.media.volvocars.com/us/en-us/media/pressreleases/154381/volvo-is-first-automotive-brand-to-use-google-cardboard, abgerufen am 18. 12. 2015.

[5] vgl. Knauer, M., Direktvertrieb wird zur Option beim Autokauf, zitiert nach: Automobilwoche Nr. 14, 19.10.2015, S. 14.

[6] vgl. Mercedes-Benz Online Store Hamburg, https://www.online-store.mercedes-benz.de, abgerufen am 06.12.2015.

[7] vgl. BMW, Ihr Weg zum eigenen BMWi, http://www.bmw.de/de/neufahrzeuge/bmw-i/i3/2015/erleben.html, abgerufen am 06.12.2015.

[8] vgl. Graf, A.; Schneider H., Das E-Commerce Buch, 2015, S. 116.

[9] vgl. Diez, W.; Reindl, St.; Brachat H. (Hrsg.), Grundlagen der Automobilwirtschaft, 2005, S. 19.

[10] vgl. Diez, W.; Reindl, St.; Brachat, H.(Hrsg.), Grundlagen der Automobilwirtschaft. 2005, S. 61.

[11] vgl. Kraftfahrtbundesamt, Methodische Erläuterungen zu Statistiken über Fahrzeugzulassungen, http://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/fz_methodische_erlaueterungen_201206_pdf.pdf?__blob=publicationFile&v=6, abgerufen am 19. 12. 2015.

[12] vgl. VDA, der VDA und seine Anhänger- und Aufbautenhersteller, 2014, S. 10.

[13] vgl. VDA, Automatisierung, Glossar, September 2015, S. 17.

[14] vgl. Moravia Druck + Verlag GmbH, Kraftfahrzeuge und ihr Anhänger, http://www.stvzo.de/stvzo/b3.htm, abgerufen am 19.12.2015.

[15] vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Branchenfokus Automobilindustrie, https://www.bmwi.de/DE/Themen/Wirtschaft/branchenfokus,did=195924.html, abgerufen am 19. 12. 2015.

[16] vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Branchenfokus Automobilindustrie, https://www.bmwi.de/DE/Themen/Wirtschaft/branchenfokus,did=195924.html, abgerufen am 19. 12. 2015.

[17] vgl. VDA, Tatsachen und Zahlen, 2015, S. 28.

[18] vgl. VDA, Tatsachen und Zahlen, 2015, S. 10.

[19] vgl. VDA, Tatsachen und Zahlen, 2015, S. 10.

[20] vgl. VDA, Zahlen aus der Automobilindustrie, Neuzulassungen von Personenkraftwagen nach Marken, 2015, ohne Seitenanzahl.

[21] vgl. boerse.ARD.de, Porsche kauft bei VW zu, http://boerse.ard.de/aktien/porsche-kauft-bei-vw-zu100.html, abgerufen am 11. 11.2015.

[22] vgl. Kraftfahrtbundesamt, Jahresbilanz der Neuzulassungen 2014, http://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Neuzulassungen/2014_n_jahresbilanz.html?nn=644522, abgerufen am 19. 12. 2015.

[23] vgl. Diez, W., Automobilmarketing, 2015, S. 214.

[24] vgl. Diez, W., Automobilmarketing, 2015, S. 214.

[25] vgl. Diez, W., Automobilmarketing, 2015, S. 214.

[26] HGB § 84 (1), S. 1.

[27] vgl. Diez, W., Automobilmarketing, 2015, S. 215.

[28] vgl. Diez, W., Automobilmarketing, 2015, S. 212–213.

[29] vgl. Heinemann, G., Der neue Onlinehandel, 2015, S. 109.

[30] vgl. Heinemann, G., Der neue Onlinehandel, 2015, S. 110.

[31] vgl. Mercedes-Benz Online Store Hamburg, https://www.online-store.mercedes-benz.de, abgerufen am 06. 12. 2015.

[32] vgl. BMW, Ihr Weg zum eigenen BMWi, http://www.bmw.de/de/neufahrzeuge/bmw-i/i3/2015/erleben.html, abgerufen am 06. 12. 2015.

[33] vgl. Mobile.de, Wir haben Deinen Neuwagen, http://www.mobile.de/neuwagen/?mga_d186=CPH_clickout_NCLP, abgerufen am 06. 12. 2015, AutoScout24, Neuwagen gefällig?, http://neuwagen.autoscout24.de/?intcidosp=NCNav, abgerufen
am 06. 12. 2015.

[34] vgl. Motor-Talk, Motor Basar – Nur Fahrzeuge, http://www.motorbasar.de/biete, abgerufen am 06. 12. 2015; vgl. autobild.de, Neuwagen suchen, http://neuwagen.autobild.de, abgerufen am 06. 12. 2015; vgl. auto-motor-und-sport.de, Automarkt - Neuwagenkonfigurator von MeinAuto.de, vgl. http://auto-motor-sport.meinauto.de, abgerufen am 06. 12. 2015.

[35] vgl. Rührmair, C., Mobile kauft Motor-Talk, zitiert nach: Automobilwoche Nr. 21, Oktober 2015, S. 37.

[36] vgl. autohaus24 GmbH, AGB, https://www.autohaus24.de, abgerufen am 06. 12. 2015; vgl. Carneoo GmbH, AGB, http://www.carneoo.de/allgemeine-geschaeftsbedingungen, abgerufen am 06. 12. 2015; vgl. MeinAuto GmbH, AGB, http://www.meinauto.de/agb/#vermittlungsauftrag, abgerufen am 06.12.2015.

[37] Seifert, D., Electronic-Commerce Mobile-Commerce Social-Commerce Guide, 2013, S.135.

[38] vgl. Graf, A.; Schneider H., das E-Commerce Buch, 2015, S. 86.

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Details

Titel
Digitalisierung im Automobilvertrieb. E-Commerce als Direktvertrieb für private Neuwagenverkäufe
Untertitel
Handlungsempfehlungen für deutsche Automobilhersteller
Hochschule
Institut für Marketing Kommunikation GmbH Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
96
Katalognummer
V334230
ISBN (eBook)
9783668238992
ISBN (Buch)
9783668239005
Dateigröße
12920 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Automobilindustrie, E-Commerce, M-Commerce, S-Commerce, Automobilvertrieb, Direktvertrieb, Automobilwirtschaft
Arbeit zitieren
Nina Wendorff (Autor), 2016, Digitalisierung im Automobilvertrieb. E-Commerce als Direktvertrieb für private Neuwagenverkäufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334230

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