In der vorliegenden Arbeit wird mit Hilfe der vorliegenden Daten ermittelt, welches Bild die deutsche Mehrheitsgesellschaft von dem Islam und seinen Glaubensanhängern hat. Es soll herausgestellt werden, wie sich die Wahrnehmung der deutschen Mehrheitsgesellschaft von Muslimen und dem Islam zeigt, wie das Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen bewertet und wie die zunehmende Gegenwart des Islams in Deutschland konnotiert wird. Dies Befunde werden in den theoretischen Rahmen der Stereotype und Vorurteile eingebettet und Ursachen erörtert.
In Kapitel 2 werden theoretische Grundlagen vorgestellt und der Begriff des Stereotyps formuliert. Es werden sozialpsychologisch und sozialwissenschaftlich definitorische Aspekte eingeführt und anschließend der Begriff des Vorurteils erläutert. Bevor im weiteren Verlauf der Arbeit unter Berücksichtigung der theoretischen Konstruktion von Stereotypen und Vorurteilen darauf eingegangen wird, wie die Wahrnehmung der deutschen Mehrheitsgesellschaft von Muslimen und dem Islam ist, soll ein kurzer Überblick über den Islam in der deutschen Aufnahmegesellschaft in Kapitel 3 gegeben werden. Im folgenden Kapitel 4 wird die Empfindung des Islams in Deutschland beschrieben. Unter Einbezug diverser Studien und der Mediendarstellungen soll eruiert werden, wie der Islam und Muslime in Deutschland wahrgenommen und bewertet werden. In Kapitel 5 werden Erklärungsansätze vorgestellt, um einen Versuch zu unternehmen die in Kapitel 4 vorgestellten Phänomene zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen: Stereotyp und Vorurteil
2.1 Stereotyp
2.1.1 Stereotype als Erklärungshilfe
2.1.2 Stereotype zum Sichern von Kapazitäten
2.1.3 Stereotype als gemeinsame Überzeugung
2.2 Vorurteil
2.3 Gegenüberstellung Stereotyp und Vorurteil
3 Der Islam in Deutschland
4 Stereotype und Vorurteile gegenüber dem Islam
4.1 Die Studien
4.2 Das Islambild in den Medien
5 Mögliche Erklärungsansätze
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bild, das die deutsche Mehrheitsgesellschaft von Muslimen und dem Islam hat, sowie die Bewertung des Zusammenlebens von Muslimen und Nichtmuslimen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die zunehmende Gegenwart des Islams in Deutschland konnotiert wird und inwiefern sich diese Wahrnehmung durch Stereotype und Vorurteile sowie mediale Einflüsse erklären lässt.
- Analyse der Wahrnehmung des Islams in der deutschen Mehrheitsgesellschaft
- Untersuchung der Rolle von Stereotypen und Vorurteilen
- Einfluss der Medienberichterstattung auf die Konstruktion eines Islambildes
- Psychologische und soziologische Erklärungsansätze für die negative Wahrnehmung
- Reflexion des Zusammenlebens von Muslimen und Nichtmuslimen
Auszug aus dem Buch
2 Theoretische Grundlagen: Stereotype
Der Terminus Stereotyp ist griechischen Ursprungs und setzt sich aus den Worten stereos (=starr, hart, fest) und typos (=Entwurf, charakteristisch Geprägtes) zusammen (Petersen & Six 2008). Der starre, feste Charakter eines Stereotyps bezieht sich beispielsweise auf Segmente des menschlichen Denkens, Sprechens und Verhaltens. Das heutige Verständnis des Begriffes Stereotyp leitet sich von dem Terminus Stereotypie ab, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Buchdruck verwendet wurde und den Druck mit feststehender Schrift bezeichnete. Dieser Prozess war mechanisch und wiederholbar (Meyers Konversations-Lexikon 1885–1892). Im wissenschaftlichen Kontext wurde der Begriff des Stereotyps in den 20er Jahren von dem Sozialwissenschaftler Walter Lippmann geprägt (Quasthoff 1973), welcher später in verschiedenen Forschungsfeldern, beispielsweise der Linguistik und Literaturwissenschaft sowie der Sozialpsychologie und Soziologie, Einzug fand. Eine eindeutige Definition bleibt der Begriff des Stereotyps schuldig.
Walter Lippmann nutzte den Begriff Stereotyp im Rahmen der Sozialwissenschaft und führte ihn in seinem Buch ‚Public Opinion‘ ein, mit dem Versuch einen kognitiven, theoretischen Rahmen für die Abgrenzung der Begrifflichkeit im wissenschaftlichen Kontext zu schaffen. Lilli (1982) merkt Lippmanns richtungsweisenden Gedanken der Divergenz zwischen unserer gedanklichen Wahrnehmung und den in der Umwelt stattfindenden Phänomenen an. Darauf basierend schlussfolgert sie, dass unsere Vorstellungen von der Wirklichkeit nicht gezwungenermaßen mit der wirklichen Welt übereinstimmen müssen (Lilli 1982). Deutlich wird dies an einem Zitat von Lippmann aus seinem Buch ‚Puplic Opinion‘: „We are told about the world before we see it. We imagine things before we experience them and those preconceptions […] govern deeply the whole process of perception“ (Lippmann 1922. Zit. nach Lilli 1982, S. 3).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Wahrnehmung des Islams in Deutschland ein und verknüpft sie mit den Themen Migration und der Rolle von Religion in einer globalisierten Gesellschaft.
2 Theoretische Grundlagen: Stereotyp und Vorurteil: Dieses Kapitel erläutert die sozialpsychologischen Konzepte von Stereotypen und Vorurteilen, deren Funktionen sowie deren Entstehung und Verfestigung im sozialen Kontext.
3 Der Islam in Deutschland: Es wird der historische Hintergrund der Präsenz von Muslimen in Deutschland aufgearbeitet und die soziologische Entwicklung der Debatte über Migration und Islam beleuchtet.
4 Stereotype und Vorurteile gegenüber dem Islam: Dieses Kapitel analysiert konkrete Studien zur Einstellung der deutschen Bevölkerung gegenüber dem Islam und untersucht die Darstellung des Islams in den Medien.
5 Mögliche Erklärungsansätze: Hier werden theoretische Ansätze, wie die Kontakthypothese und die Theorie der sozialen Identität, herangezogen, um das Phänomen der Wahrnehmung des Islams zu erklären.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Deutschland zwar ein ambivalentes Bild vom Islam aufweist, aber nicht pauschal als islamfeindlich bezeichnet werden kann.
Schlüsselwörter
Islam, Deutschland, Stereotype, Vorurteile, Mehrheitsgesellschaft, Muslime, Wahrnehmung, Medienberichterstattung, Integration, Kontakthypothese, soziale Identität, Migration, Religionsmonitor, Einstellungsdaten, gesellschaftliche Wahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Wahrnehmung des Islams in der deutschen Mehrheitsgesellschaft und analysiert, wie diese Wahrnehmung von Stereotypen und Vorurteilen geprägt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Definition und Funktion von Stereotypen und Vorurteilen, die historische und aktuelle Situation von Muslimen in Deutschland sowie die Rolle der Medien bei der Konstruktion eines Islambildes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob die deutsche Mehrheitsgesellschaft eine durchgehend negative Einstellung zum Islam hat und welche Faktoren – wie Medienberichterstattung oder mangelnder persönlicher Kontakt – diese Einstellung beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse und wertet bestehende empirische Studien aus, wie den Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung und die Allensbach-Studie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine historische Einordnung, die Analyse von Einstellungsdaten aus Studien sowie die Darstellung der Rolle der Medien und psychologische Erklärungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Islam, Deutschland, Stereotype, Vorurteile, Wahrnehmung, Medienberichterstattung, Integration und Kontakthypothese.
Welche Rolle spielen die Medien laut der Untersuchung?
Medien spielen eine entscheidende Rolle, da sie durch einseitige, negativ konnotierte Berichterstattung und die Verknüpfung des Islams mit Konflikten maßgeblich zur Entstehung und Verstetigung von Stereotypen beitragen.
Was besagt die Kontakthypothese im Kontext dieser Arbeit?
Die Kontakthypothese nach Gordon Allport besagt, dass persönlicher Kontakt zu Muslimen dazu beitragen kann, Vorurteile abzubauen und den Islam differenzierter wahrzunehmen, was besonders dann relevant ist, wenn dieser Kontakt fehlt.
Kann Deutschland als "islamfeindlich" bezeichnet werden?
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland zwar ein ambivalentes Bild vom Islam zeigt, das von Bedrohungsgefühlen und negativen Assoziationen geprägt ist, eine pauschale Bezeichnung als "islamfeindlich" jedoch nicht zutreffend ist.
Welche Bedeutung hat der "Religionsmonitor" für die Arbeit?
Der Religionsmonitor liefert wichtige empirische Daten über die Einstellungen der Deutschen zum Islam im Vergleich zu anderen Religionen und belegt die verbreitete Wahrnehmung des Islams als bedrohlich.
- Quote paper
- Iris Klüger (Author), 2015, Die Wahrnehmung des Islams in Deutschland. Leben wir in einem islamfeindlichen Land?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334249