Nachhaltigkeitskonzepte - Ein oekonomischer Ansatz zur schwachen Nachhaltigkeit


Seminararbeit, 2004
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Ansätze zur Konzeptualisierung des Gedankens der Nachhaltigkeit

2 Ein ökonomischer Ansatz – Grundlegende Modellannahmen

3 Nicht erneuerbare Ressourcen als Produktionsfaktor
3.1 Die Bedeutung der Ressourcensubstitution
3.1.a Kapital und Ressource als perfekte Substitute
3.1.b Kapital und Ressource als perfekte Komplemente
3.1.c Cobb-Douglas-Produktionsfunktion

4 Ein Modell konstanter Konsummöglichkeiten
4.1 Die Hartwick-Regel
4.2 Modellbeschreibung
4.3 Konstanter Konsum
4.3.a Herleitung eines konstanten Konsumniveaus
4.3.b Kurze Erläuterung der Hotelling-Regel
4.4 Zusammenfassung

5 Kritik

Literaturverzeichnis

Einleitung

Vorgestellt werden ökonomische und ökologische Ansätze das Problem einer langfristig trag­baren Entwicklung des Verhältnisses zwischen Mensch und Umwelt anzugehen (Abschnitt 1). Das Prob­lem, welches sich dahinter verbirgt, lässt sich einleitend damit umreißen, dass der Mensch als abhängiger Bestandteil der irdischen Biosphäre in Wechselwirkung mit und in dieser lebt, grundlegend von dem langfristigen Bestand des Metasystems „Umwelt“ abhängt und mit all seinen Aktivitäten (im Besonderen mit wirtschaftlichen Aktivitäten) auf dieses System ein­wirkt. Um dieses Verhältnis langfristig tragbar (oder anders ausgedrückt:nachhal­tig) zu gestalten, gibt es diverse Ansätze unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, die – aus­gehend vomstatus quo– in normativer Weise verschiedene Vorstellungen über eine zu errei­chende ökonomisch-ökologische Nachhaltigkeit konzeptualisieren.

Besonderes Augenmerk wird auf modellhafte Vorstellungen der ökonomischen Theorie zu einer langfristig tragbaren Entwicklung des Verhältnisses Mensch-Umwelt gelegt; grundle­gende Modelleigenschaften werden in Abschnitt 2 und 4 behandelt. Bei den ökonomischen Ansätzen geht es letztlich darum, die Konsummöglichkeiten für die Zukunft aufrecht zu er­halten und die Bedingungen, an welche dies geknüpft ist, zu untersuchen. Dies geschieht in Abschnitt 3 und 4.

Der Schwerpunkt dieser Ausarbeitung liegt in der Auseinandersetzung mit dem Problem kon­stanten Konsums gemäß des Solow’schen Ansatzes einerschwachen Nachhaltigkeitunter Einbezug der Hartwick-Regel. Die Kernaussagen dieses Ansatzes werden insbe­sondere in Abschnitt 4 behandelt.

1 Ansätze zur Konzeptualisierung des Gedankens der Nachhaltigkeit

Wie einleitend angemerkt, lässt sich keine allgemeingültige Definition und kein allumfassen­des Verständnis des Nachhaltigkeitsbegriffes anführen. Vielmehr muss dieser Begriff kon­textgebunden und in einem definierten Rahmen hergeleitet und entsprechend konzeptualisiert werden.

Grundlegend wird angenommen, dass Nachhaltigkeit im Sinne einer Rücksichtnahme auf die Interessen und Belange zukünftiger Generationen verstanden wird, wobei es gilt, diese Inte­ressen zu benennen und entsprechende Verhaltensweisen in der Gegenwart zu implementie­ren. Dies ist dort von Bedeutung, wo gegenwärtiges Verhalten in evidenter Form Auswirkun­gen auf die Möglichkeiten in der Zukunft hat. Die gegenwärtige Nutzung von erneuerbaren Ressourcen und der Abbau von Bestandsressourcen entfalten eine derartigeintertemporale Wirkung, so dass zwischen den Generationen eine Konkurrenzbeziehung entsteht, wie man sie inintratemporaler Form bspw. zwischen Marktakteuren identifiziert, welche bezüglich ihres Anteils am Sozialprodukt konkurrieren (die Nachfrage, welche beim An­bieter A befrie­digt wird, kann Anbieter B auf dem selben Markt nicht mehr für sich beanspru­chen). Die intertemporale Konkurrenzbeziehung lässt sich entsprechend wie folgt umschrei­ben: Konsum heute bedeutet Konsumverzicht morgen.

Das zukünftige Interesse aus ökonomischer Sicht kann als einlangfristig konstantes Konsum­niveaubeschrieben werden, so dass sich entsprechende Konzepte der Nachhaltigkeit in die­sem Kontext damit befassen, wie Ressourcen – und damit Produktions- und Konsummöglich­keiten – über die Zeit eingesetzt und erhalten werden können.

Ein anderer Blickwinkel, welcher keinen (offensichtlich) anthropozentrischen Fokus aufweist, bezieht sich auf die ökologischen Aspekte, welche bedingen, dass das Gesamtökosys­tem (und entsprechend die Subsysteme) vor tiefgreifenden Veränderungen oder gar einem Kollaps be­wahrt werden muss – um weiterhin als Lebensraum für die menschliche Spezies geeignet zu sein.[1]Bevor im nachfolgenden Abschnitt explizit auf den Grundgedanken ökonomischer Nach­haltigkeit einge­gangen wird, werden in Anlehnung an Perman et al. einige ausgiebig diskutierte Nach­haltigkeitskonzepte stichwortartig vorgestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Übersicht 1: ‚Six concepts of sustainability’.
Aus Perman et al. 2003, S. 86; eigene Übersetzung.

Perman et al. weisen ausdrücklich daraufhin, dass keinem der Ansätze alleinige Gültigkeit zugesprochen werden könne und solle - vielmehr handele es sich um komplementäre Per­spektiven und Herangehensweisen (vgl. Perman et al. 2003, S.86). An den unter Nummern eins und zwei aufgeführten Beispielen wird dies deutlich: Sollen die Konsummöglichkeiten (pro Kopf) auf Dauer konstant bleiben, so sind konstante Produktionsmöglichkeiten eine grundlegende Voraussetzung dafür; Ansatz vier kann als spezifische Variante des Zweiten verstanden werden. Der letzte Ansatz entstammt der politischen und soziologischen Wissen­schaftsrichtung und soll hier nicht näher erläutert werden; bemerkenswert ist lediglich die Mehrperspektivität, welche der Nachhaltigkeitsbegriff hervorruft, so dass die verschiedensten Konzepte aus den unterschiedlichsten Wissenschaften angeführt werden können.

2 Ein ökonomischer Ansatz – Grundlegende Modellannahmen

Im Folgenden wird skizziert, inwiefern sich die Ökonomie (genauer: die Teilgebiete der Wachstums- und Ressourcentheorie) dem Thema einer nachhaltigen Ent­wicklung annimmt. Obige Ansätze unter Nummer eins und zwei bilden den gedanklichen Rahmen, innerhalb des­sen modellhaft die Prämissen der ökonomischen Nachhaltigkeit unter­sucht werden. Die spezi­fischen Themen, welche sich aus diesen Ansätzen ergeben, beinhalten zum einen die Idee eines für alle Generationenkonstanten Konsumssowie die Erfordernisse über die Zeitkon­stanter Produktionsmöglichkeiten. Der normative Aspekt dieser Ansätze zielt auf die Not­wendigkeit ökonomischer Verhaltensweisen, welche in ihrer Gegenwärtigkeit die Zukunft „unbeschadet“ lassen.

Grundlegende Modellannahmen

Betrachtet wird der Fall, in dem lediglich eine Rohstoffart (einenicht erneuerbare Ressource) abgebaut und indirekt über einen Produktionsprozess in Verbindung mit Kapital zur Nutzen­stiftung eingesetzt wird; die Produktionsfunktion kann allgemein alsQt = f(Kt, Rt)beschrie­ben werden.[2]Weiterhin wird eine über die Zeit konstante Population unterstellt, so dass bei der Untersuchung der Bedingungen konstanten Nutzens (Konsums) kein Unterschied zwi­schen aggregiertem Nutzen (Konsum) und jenem pro Kopf auftritt, wenn auf eventuelle Än­derungs­raten Bezug genommen wird. Technischer Fortschritt bleibt unberücksichtigt.

Den Individuen aller Generationen lässt sich die gleiche Nutzenfunktion der Form

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

zuordnen.[3]Die Wohlfahrtsfuntion lässt sich wie folgt beschreiben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sie soll unter folgenden Nebenbedingungen maximiert werden[4]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Der Ressourcenverbrauch (Rt) wird durch den Gesamtbestand begrenzt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1]Vgl. Perman, R., Ma, Y., McGilvray, J., Common, M.: Natural Resource and Enviromental Economics. 3rd ed., Harlow, Financial Times Prentice Hall, 2003, S. 94. Perman et al. weisen daraufhin, dass ausschließlich „umweltbezogene“ ökologische Ansätze letzten Endes ebenfalls anthropozentrische Tendenzen aufweisen, da der Erhalt der Umwelt stets mit dem Erhalt der Lebensräume für den Menschen gleichgesetzt werden kann.

[2]Vgl. Perman et al. 2003, S. 88. Qtsteht für ein Outputniveau im Zeitpunktt, welches unter Einsatz von KapitalKtund RessourcenRt(eine spezifische nicht erneuerbare Ressource) erzielt wird. Zur besseren Veranschaulichung wird folgend auf die Berücksichtigung des Faktors Arbeit verzichtet.

[3]Vgl. Ströbele, W.: Rohstoffökonomik. München, Vahlen, 1987, S.16. Der Nutzen hängt ausschließlich vom Konsum ab; mehr Konsum bedeutet größerer Nutzen bei abnehmendem Grenznutzen.

[4]K*gibt die Veränderung des Kapitalbestandes an; diese ergibt sich als Anteil am OutputQ, der nicht konsumiert wird. S*steht für die Bestandsveränderung der Ressource und wird durch den RessourceneinsatzRtzur Erzielung des OutputQdeterminiert.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Nachhaltigkeitskonzepte - Ein oekonomischer Ansatz zur schwachen Nachhaltigkeit
Hochschule
Universität Lüneburg  (Institut für Volkswirtschaftslehre, Abteilung Innovation und Wachstum)
Veranstaltung
Ressourcen und Wachstum
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V33426
ISBN (eBook)
9783638339100
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeitskonzepte, Ansatz, Ressourcen, Wachstum, schwach, stark, Nachhaltigkeit, Sustainability, sustainable, development, sustainable development, Nachhaltigkeitskonzept, Natürliches, Human, Kapital, Kapitalbegriff, Solow, Hartwick, Cobb-Douglas, konstant, Konsum, Daly
Arbeit zitieren
Florian Lüdeke (Autor), 2004, Nachhaltigkeitskonzepte - Ein oekonomischer Ansatz zur schwachen Nachhaltigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33426

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