In den letzten Jahren hat der Begriff Achtsamkeit immer mehr an Popularität gewonnen. Ursprünglich aus dem Buddhismus stammend, beschreibt Achtsamkeit das Gewahrsein, welches durch die absichtliche Aufmerksamkeit des gegenwärtigen Moment in Erscheinung tritt – ohne Wertung der Erfahrung, die sich von Moment zu Moment entfaltet.
Achtsamkeit kann als die Lenkung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment, auf die momentane Erfahrung mittels bewussten Beobachtens verstanden werden. Das Beobachten erfolgt ohne Wertung, unvoreingenommen, offen und akzeptierend. Essenziell für Achtsamkeit ist die Bewusstheit über den Prozess des Beobachtens.
Diese Aufmerksamkeit kann man auf den eigenen Körper, auf Psyche und Physis, richten, um die Lebensbalance sinnvoll zu gestalten und die persönlichen Bedürfnisse in ausgeglichenem Maße zu befriedigen. Ebenso kann sie auf andere Menschen und die zu treffenden Entscheidungen gelenkt werden. Globaler betrachtet kann Aufmerksamkeit auf die Umwelt, die Erhaltung und Nutzung der natürlichen Ressourcen und den Klimaschutz gerichtet werden.
Nicht auf die Zukunft und nicht auf die Vergangenheit, die Aufmerksamkeit wird auf den gegenwärtigen Moment ausgerichtet. Je stärker man sich auf die Zeit konzentriert (auf Vergangenheit und Zukunft) umso mehr entgeht einem das Jetzt – das Kostbarste, was es gibt. Die achtsame Zuwendung zum gegenwärtigen Zeitpunkt und das nicht bewertende Beobachten sind für die Praxis der Achtsamkeit notwendig. Achtsamkeit setzt eine offene Geisteshaltung und eine gleichmütige Akzeptanz voraus. Nachfolgend wird auf die besonderen Aspekte der Achtsamkeit in der Wirtschaft eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Achtsamkeit – eine Begriffsdefinition
2. Achtsamkeit in der Wirtschaft
2.1 Wirtschaftsethik im Wandel
2.2 Achtsamkeit im Berufsleben
3. Achtsamkeit und Tiefenpsychologie
4. Annäherung der akademischen Wissenschaft an die Achtsamkeit
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Achtsamkeit im modernen Wirtschaftsleben und analysiert kritisch, inwieweit achtsamkeitsbasierte Ansätze eine nachhaltige und ethische Veränderung von Unternehmensstrukturen sowie individueller Arbeitseinstellungen ermöglichen können.
- Grundlagen und Definition von Achtsamkeit
- Wechselwirkungen zwischen Wirtschaftsethik, CSR und Achtsamkeit
- Prävention von arbeitsbedingter psychischer Belastung
- Tiefenpsychologische Perspektiven auf Schattenarbeit und Integration
- Akademische Befunde zur Verbindung von Konsum, Werten und Wohlergehen
Auszug aus dem Buch
Achtsamkeit in der Wirtschaft
Das Erlangen von Eigentum, Prestige und Macht gilt nicht nur auf individueller Ebene vielfach als Lebensziel, auch für die Gesellschaft insgesamt ist das Streben nach Gewinn und Wachstum ein Antrieb (Vgl. Folkers 2003:112 f.). Durch den Drang zu stetiger persönlicher Bereicherung ist eine Gesellschaftsordnung entstanden, die auf größtmögliche Gewinnmaximierung ausgelegt ist. Doch dieser Trend wird auf den Schultern sowohl von Umwelt als auch von Arbeitnehmern in Drittweltländern ausgelebt, welche für die Konsumgesellschaft der ersten Welt ausgebeutet werden.
Vielfach definieren sich Menschen derzeit über das neueste Mobiltelefon, Auto oder modische Kleidung, die Herstellungsweise ist hierbei zweitrangig und wird (so sie überhaupt bekannt ist) hintangestellt. Die Ausbeutung der Natur hinsichtlich der Ressourcenverknappung und Umweltverschmutzung sind zu beklagen, welche durch den gewinnoptimierten Herstellungsprozess stark ausgeprägt auftritt. Hier sind in zunehmendem Maße die Unternehmen gefordert, einen Paradigmenwechsel hinsichtlich schonender Ressourcennutzung und nachhaltiger Marktwirtschaft einzuleiten.
Die Corporate Social Responsibility (CSR) ist derzeit ein oft verwendetes Schlagwort, lässt sich über sie doch marketingwirksam berichten (Vgl. Dillerup & Stoi 2013:76f.). Jedoch sollten auf die guten Ansätze auch Taten folgen, um eine nachhaltige Wertschöpfung zu betreiben. Die Achtsamkeit der Wirtschaft wird hier in den kommenden Jahren stark gefordert, um die Umwelt für die kommenden Generationen zu erhalten und ein wirtschaftliches Gleichgewicht herzustellen. Hierfür wird auch der ethische Gesichtspunkt, der Orientierung bietet, stärker in den Fokus gerückt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Achtsamkeit – eine Begriffsdefinition: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Achtsamkeit als eine Form der bewussten, nicht-wertenden Lenkung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment.
2. Achtsamkeit in der Wirtschaft: Hier wird die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels von gewinnmaximierenden Modellen hin zu nachhaltiger Unternehmensführung und CSR thematisiert.
2.1 Wirtschaftsethik im Wandel: Dieser Abschnitt beschreibt die Bedeutung von Ethikkodizes und Werten für eine nachhaltige Unternehmensführung.
2.2 Achtsamkeit im Berufsleben: Hier werden die Auswirkungen hoher Arbeitsbelastungen und die Relevanz von Achtsamkeit für das psychische Wohlbefinden von Arbeitnehmern untersucht.
3. Achtsamkeit und Tiefenpsychologie: Dieses Kapitel betrachtet die Integration von „Schattenanteilen“ und diskutiert kritisch die Methoden der analytischen Psychologie im Vergleich zu achtsamkeitsbasierten Ansätzen.
4. Annäherung der akademischen Wissenschaft an die Achtsamkeit: Hier werden empirische Studien zur Kompatibilität von psychologischem Wohlergehen und nachhaltigem Lebensstil präsentiert.
5. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel plädiert für eine Integration von Achtsamkeit in den westlichen Wertekanon, um eine gelebte Praxis des Wandels zu fördern.
Schlüsselwörter
Achtsamkeit, Wirtschaftsethik, Unternehmensführung, Burnoutprävention, CSR, Nachhaltigkeit, Tiefenpsychologie, Schattenarbeit, Konsumverhalten, Wertewandel, psychische Gesundheit, Arbeitsbelastung, Ressourcenmanagement, Paradigmenwechsel, bewusste Lebensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kritische Bedeutung von Achtsamkeit in der heutigen Wirtschaftswelt und deren Potenzial, gesellschaftliche und unternehmerische Strukturen nachhaltig zu verbessern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit verbindet Aspekte der Wirtschaftsethik, Arbeitspsychologie, Tiefenpsychologie und empirische Forschung zum nachhaltigen Konsum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Achtsamkeit dazu beitragen kann, den Fokus von einseitiger Gewinnmaximierung hin zu ethischem Handeln und ökologischer Verantwortung zu verschieben.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretisch-kritische Auseinandersetzung, die auf bestehender Fachliteratur und psychologischen Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition von Achtsamkeit, deren Anwendung im Berufsleben, die tiefenpsychologische Analyse von Schattenanteilen sowie die wissenschaftliche Evidenz für nachhaltiges Handeln.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Achtsamkeit, Wirtschaftsethik, Burnoutprävention, Wertewandel und ökologische Verantwortung.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Verfasserin zur Schattenarbeit von der von C. G. Jung?
Die Verfasserin kritisiert die "schonungslos kritische" Methode von Jung als potenziell verletzend und plädiert stattdessen für einen achtsamen Umgang mit Schattenanteilen durch Akzeptanz und Mitgefühl.
Warum ist Achtsamkeit für die moderne Unternehmensführung relevant?
Aufgrund steigender Belastungen und notwendiger ökologischer Paradigmenwechsel bietet Achtsamkeit eine Basis, um Werte in der Unternehmenskultur effektiv zu verankern und die Resilienz der Mitarbeiter zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Silke Katharina Brell (Autor:in), 2014, Achtsamkeit in der Wirtschaft. Eine kritische Betrachtung des Konzepts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334351