Kierkegaards Kritik der romantischen Psychologie nach Karl Gustav Carus


Hausarbeit, 2012

28 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die romantische Psychologie nach Carus
2.1. Spannungsfeld zwischen Physik und Morphologie
2.2. Methode der Erforschung
2.3. Fundamentale Prinzipien des Bewusstseins
2.4. Empirie statt Spekulation
2.5. Kritik an den Idealisten
2.6. Metaphysische Selbstdeutungsmodelle
2.7. Tendenz zum Prozessualen

3. Kierkegaards Kritik
3.1. Qualitative Dialektik
3.1.1. Mensch und Tier
3.1.2. Das Werden
3.2. Das Wunder oder das Unerklärliche
3.3. Das Primat der Ethik

4. Fazit und Ausblick

5. Quellen

1. Einleitung

Die Geschichte der Psychologie lässt sich nach methodologischen Gesichtspunkten verschieden datieren. Jemand, der die Psychologie als empirische Wissenschaft begreift, wird sie auf das Jahr 1879 datieren, in dem das erste psychologische Universitätsinstitut gegründet wurde, und sie damit zu einer relativ jungen Wissenschaft machen. Wenn jedoch berücksichtigt wird, dass es innerhalb der Philosophie eine lange Tradition geisteswissenschaftlicher Psychologie gibt, aus welcher die empirische Psychologie entstanden ist, so kann man die Anfänge psychologischen Denkens schon bei den Vorsokratikern verorten.1

Im 19. Jahrhundert ringt die Psychologie mit der Philosophie: verschiedene Fragen des philosophischen Denkens geraten unter dem spekulativen Eindruck des Deutschen Idealismus in den Fokus der Psychologie. Die Psychologie möchte erfolgreich die Gegenstände bearbeiten, welche durch philosophische Spekulationen vernebelt wurden. Die wissenschaftliche Disziplin Psychologie gerät durch ihre emanzipatorischen Bemühungen in einen Methodenstreit. Welche Methoden sind zielführend, wenn ein Gegenstand psychologisch erforscht wird? SachsHombach stellt in seinem Buch Philosophische Psychologie im 19. Jahrhundert zwei wesentliche Strömungen psychologischer Methoden im 19. Jahrhundert vor bevor die Psychologie eine empirische Wissenschaft wurde.

Dass die Philosophie Kierkegaards auch unter dem Eindruck dieser Debatte steht, zeigt sich an verschiedenen Untertiteln seiner Werke. So bezeichnet Kierkegaard Die Krankheit zum Tode als "christlich-psychologische Entwicklung"2, Die Wiederholung als einen "Versuch in der Experimentalpsychologie"3 oder Der Begriff Angst als eine "psychologisch-hinweisende Überlegung in Richtung auf das dogmatische Problem der Erbsünde"4.

In den letzten Monaten des Jahres 1846 finden sich im Tagebuch Kierkegaards verschiedene Bemerkungen, die auch unter dem Eindruck seiner Lektüre der deutschen Neuerscheinung Psyche des Physiologen und Arztes Karl Gustav Carus entstanden sind. Innerhalb dieser fragmentarischen Reflexionen, die unter dem Titel Reflexionen über Christentum und Naturwissenschaft bekannt sind, grenzt sich Kierkegaard auch gegen die bestehenden Modelle der Psychologie ab.

Dass Kierkegaard ein eigenes psychologisches Konzept vor Augen hat legen die bereits genannten Untertitel nahe. Ziel dieser Arbeit ist es, die abgrenzende Kritik Kierkegaards an der romantischen Psychologie Carus' möglichst systematisch darzustellen. Wenn dies geschehen ist, ist die Grundlage dafür geschaffen, um überprüfen zu können, ob Kierkegaards Werk möglicherweise durch die Auseinandersetzung mit Carus beeinflusst ist. Nach der Lektüre Carus' sind 1848 Christliche Reden von Kierkegaard erscheinen, 1849 Zwei kleine ethischreligiöse Abhandlungen, Die Krankheit zum Tode, und Reden. 1850 erscheint Einübung ins Christentum und 1851 Zur Selbstprüfung der Ggegenwart empfohlen.5

Einen Hinweis rund um das Psychologieverständnis von Kierkegaard ist in der Stanford Encyclopedia of Philosophy6 zu finden. Hier wird auf Melancholy and the Critique of Modernity: Søren Kierkegaard's Religious Psychology von Ferguson Harvie aus dem Jahr 1995 verwiesen. Im Namensregister des Buches findet sich kein Verweis auf Carus wieder. Außerdem verweist die Encyclopedia auf Kierkegaard's Psychology von Kresten Nordentoft aus dem Jahr 1978, welches einen sehr ausführlichen Überblick über das Psychologieverständnis Kierkegaards liefert. Auch hier wird Kierkegaards Auseinandersetzung mit Carus unkommentiert gelassen.

2. Die romantische Psychologie nach Carus

Klaus Sachs-Hombach stellt in seinem Buch "Philosophische Psychologie im 19. Jahrhundert – Entstehung und Problemgeschichte" zwei Entwicklungsstränge der Psychologie vor. Auf der einen Seite wird die mechanistische Psychologie durch das Werk eines ihrer prominentesten Vertreter, Johann Friedrich Herbart (1776 – 1841), skizziert.7 Auf der anderen Seite wird die romantische Psychologie dargestellt, ebenfalls anhand des Werkes eines ihrer wichtigsten Vertreter, Carl Gustav Carus (1798 – 1869).8 Obwohl sich beide psychologischen Konzeptionen als Konkurrenten gegenüberstehen teilen sie beide gemeinsame Charakteristika, die Klaus-Hombach ausführt und sie als wesentlich für die psychologischen Konzeptionen der Philosophie im 19. Jahrhundert bezeichnet.9 Die folgenden Unterkapitel sind an eben diesen Merkmalen ausgerichtet, um die wichtigsten Grundzüge der Philosophie Carus' systematisch darzustellen. Leider stellt Klaus-Hombach die Philosophie Carus' nicht innerhalb dieser aufgeführten Punkte dar, was im Folgenden geleistet werden soll.

2.1. Spannungsfeld zwischen Physik und Morphologie

Der Siegeszug der Physik und ihrer quantifizierenden Methode lässt sich insbesondere an Newton festmachen. Newton gelang es mit seinem Werk Philosophiae Naturalis Principia Methematica planetarische Bewegungserscheinungen mit mathematischer Genauigkeit vorherzusagen und stellte damit einen realistischen Wahrheitsanspruch, der durch die (experimentelle) Empirie bestätigt wurde.10 Die Philosophie Kants ist stark von eben diesem realistischen Wahrheitsanspruch geprägt, was man leicht daran ablesen kann, dass Kant die Kausalität als Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung deduziert. Damit erhalten kausale

Urteile über die Natur einen objektiven Status, womit auch der Skepzis Humes gegen den Begriff der Kausalität entgegnet werden konnte. Insbesondere in der Romantik formiert sich ein zunehmender Widerstand gegen ein strikt mechanistisches Weltbild. Die Quantifizierung soll zugunsten eines phänomenologischen Vorgehns abgelöst werden, was sich in den morphologischen Bemühungen der Romantiker zeigt.11 Kant lieferte der Philosophie der Romantik dafür ideale Voraussetzungen, indem er in der Kritik der Urteilskraft darauf hinweist, dass die Natur sich niemals ausschließlich durch die Mechanik erklären lässt. Um Naturphänomene erklären zu können, sei es nötig, sich dem teleologischen Denken zu bedienen. Ein Organismus lässt sich demnach nur durch Zweckmäßigkeit erklären. Kant belässt dieses Denken jedoch, entgegen der Kausalität, innerhalb der Sphäre der Subjektivität. Zugleich stellt Kant jedoch fest, dass es sich auch beim Erkennen der Organismen durch Zweckmäßigkeit um adäquate Beschreibungen der Natur handelt.12 Kant spricht in diesem Zusammenhang von subjektiver Allgemeingültigkeit, um nicht den Begriff der Objektivität gebrauchen zu müssen.13 Damit eröffnet Kant einen alternativen Zugang zur Natur, der zwar nicht mechanistisch ist, sich jedoch als mögliche wissenschaftliche Methode herausstellt, denn die Ergebnisse der reflektierenden Urteilskraft sind "quasi objektiv". Genau an dieser Stelle kann die Methode der Morphologie andocken. Die Morphologie wurde insbesondere von Goethe entwickelt (siehe 6) und stellt einen Weg dar, allgemeine Sätze aus Einzelerfahrungen zu entwickeln, die der Ganzheitlichkeit von Phänomenen gerecht werden sollen. Carus schlägt sich innerhalb dieser Debatte klar auf die Seite der Morphologie.

Carus achtet die quantifizierenden Naturwissenschaften und gesteht ihnen den Status exakter und erfolgreicher Wissenschaften zu. Entscheidend ist jedoch, dass einzelne Disziplinen der Naturwissenschaften, wie der Physik oder Chemie, immer nur mit Teilaspekten zu tun haben können. Wenn die Ganzheitlichkeit des Bewusstseins erklärt werden soll, können die Naturwissenschaften methodologisch nicht das geforderte leisten.

Carus steht insofern auf zwei Arten in einem Spannungsverhältnis von Physik und Morphologie. Zum einen steht er einem erfolgreichen wissenschaftlichen Unternehmen kritisch gegenüber und muss sich vor Kritikern dieser Seite behaupten. Zum anderen tut sich für Carus die Frage auf, inwiefern die Erkenntnisse einer einzelnen naturwissenschaftlichen Disziplin für seine zugrunde liegende Methode nützlich sein können.

2.2. Methode der Erforschung

Der systematische Hintergrund, vor dem sich die Methode Carus' erschließt, lässt sich an Carus' folgenden Worten festmachen: "Der Schlüssel zur Erkenntnis vom Wesen des bewußten Seelenlebens liegt in der Region des Unbewußtseins"14. Alle Basis bewussten Denkens sieht Carus in einer zuvor bewusstlosen Tätigkeit. So stellt er die Entwicklung des Menschen in drei Stadien dar. Zunächst ist der Mensch bloße Zelle, mit der Befruchtung der Zelle beginnt die Entwicklung des Embryos, das Homogene differenziert sich. Als letztes Stadium führt Carus den individuellen Menschen an, welcher geboren der Welt gegenüber steht und langsam zu Bewusstsein kommt.15 Der Schlüssel zur Erklärung des Bewusstseins liegt nach Carus im "[...] Verständnis des Unbewußten durch das Bewußtsein"16.

Goethes naturwissenschaftliche Schriften haben der Morphologie entscheidende Impulse gegeben, an denen Carus, der sowohl Verehrer als auch Biograph Goethes war, nicht uninspiriert vorüber gehen konnte.17 Auch Goethe muss von einer Fülle verschiedener Beobachtungen zu einem allgemeinen Satz kommen können, wenn es sich um eine wissenschaftliche Methode handeln soll. Er hat jedoch einen ganz anderen Ansatz, um sich damit kritisch gegen die naturwissenschaftliche Methode seiner Zeit abzugrenzen. Verschiedene Naturbeobachtungen sollen insofern die Einzelerfahrungen überschreiten, als dass die betrachteten Entwicklungsstadien der Phänomene eine ideelle Grundform sichtbar machen. Diese Grundformen, die das Bleibende im Wechselnden bestimmen, nennt Goethe die Urphänomene. Ziel des Erkenntnisprozesses ist es, aus den Gesetzen der Entwicklung bestimmte Strukturgesetze sichtbar zu machen, die in jeder Entwicklungsstufe konstant bleiben. Das Auffinden der gesuchten allgemeinen Form in der werdenden Natur ist nur durch den forschenden Blick auf wechselnde Gestalten möglich. Das Vermögen der Veränderlichkeit mit seinen Gesetzen und nicht die Berechenbarkeit gelten für Goethe als das wissenschaftliche Erkenntnisziel.18

Carus geht davon aus, dass sich die komplexe Vielfalt der Natur aus einfachen Urphänomenen zusammensetzt. Sind diese Urphänomene erst einmal ausgemacht, kann auch die Komplexität verstanden werden. Wie Goethe sieht Carus das Ziel der Forschung darin, die gemeinsamen Strukturen beobachteter Gestalten zu erforschen. Daraus sollen sich allgemeine Gestaltungsgesetze ergeben, die allen beobachteten Gestalten zugrunde liegen. Die Gestalt eines Organismus liefert für den forschenden Betrachter Gesetzte der Komposition, die Carus auch als Gesetze des inneren harmonischen Zusammenhangs bezeichnet. Harmonie ist insofern ein wichtiger Begriff, als dass Carus, ganz im Sinne der Romantik, die Vereinigung von Kunst und Wissenschaft als höchst mögliche Rationalität betrachtet. Dem Naturforscher wird dementsprechend auch ein wenig Kunstfertigkeit abverlangt, um die Gestaltgesetze zu erkennen. Die Intuition bleibt daher bei Carus eine maßgebliche Grundlage der Analyse.19 20

Um eine Erklärung für ein Naturphänomen zu liefern, ist für Carus der Rückgang auf die entsprechende Ursache uninteressant. Wichtig scheint es für ihn zu sein, dass das Phänomen durch eine Idee innerhalb einer formalen Ordnung bestimmt werden kann. Dabei ist die Idee dasjenige, was am Ende eines Systems steht und woraufhin die Teilerkenntnisse geordnet werden können. Die gemeinsame Grundidee der verschiedenen Gestalten und das Zurückführen der Phänomene auf eben diese Idee, ist das, was Caraus als Erklärung verstanden wissen möchte. Eine ständige Rückführung von Phänomenen auf Ursachen muss Carus schon daher ablehnen, da es ihm ja gerade um die Erkenntnis von Urphänomenen geht, die logischerweise nicht verursacht seien dürfen.21

Statt den vorgefundenen Geist analytisch zu zergliedern, möchte Carus mit der Untersuchung dort beginnen, wo auch das Seelenleben beginnt, nämlich im Bewusstlosen. Dieser "UrAnfang" entzieht sich jedoch per Definition der Erfahrung, wenn man davon ausgeht, dass jede Erfahrung eine bewusste Erfahrung ist. Dieses Problem soll dadurch gelöst werden, dass durch Vergleich und Analyse der Entwicklungsstadien bei Tieren und Pflanzen die verschiedenen unvollkommenen Seelenzustände aufgeklärt werden. Tiere haben, so Caraus, eine Form von Bewusstsein, die der menschlichen gleich kommt. Das menschliche Bewusstsein besitzt eine deutlichere Differenzierung der Vermögen, die für Bewusstsein notwendig sind, nämlich Erkennen, Fühlen und Wollen. Dadurch kann der Mensch aus notwendigen Abläufen, die noch für viele Organismen gelten, ausbrechen und hat gegenüber kausaler Einwirkung Optionen an Gegenwirkungen.22

Aus dem Dargestellten wird deutlich, dass Carus biologische Betrachtungen zum Ausgangspunkt nimmt und seine teleologischen Überlegungen von der stufenweisen Entwicklung und deren strukturellen Gesetzen auf die Genese des Bewusstseins überträgt.

Gleichzeitig verneint er jedoch die mögliche Reduktion des Psychischen auf materielle Vorgänge. Der Natur liegt eine tätige Struktur zugrunde, sie ist selbstbewegt und das Einzelne in ihr ist immer bereits durch das Ganze bestimmt.23 Carus setzt insofern voraus, dass die unbewusste Natur eine intelligente Ich-Struktur besitzt, die im bewussten Ich nur eine besondere Form annimmt.24 Es ist in der Konzeption sichergestellt, dass die Strukturgesetze der Entwicklung der Natur auch für den Prozess der Bewusstwerdung gelten.

2.3. Fundamentale Prinzipien des Bewusstseins

Die Möglichkeit von Bewusstsein gründet nach Carus in vier Bedingungen25:

1. Der Organismus muss ein Nervensystem ausbilden, womit das unbewusste Leben die Bedingungen für bewusstes Leben schafft.
2. Es muss eine Außenwelt angenommen werden, durch welche Einwirkungen empfangen werden.
3. Das Nervensystem muss die Erinnerung möglich machen um verschiedene Einwirkungen der Außenwelt unterscheidbar machen zu können.
4. Das Nervensystem muss eine entsprechende Größe besitzen, um seinen Funktionen nach kommen zu können.

Was Tiere von Pflanzen unterscheidet sind die Vermögen Erkennen, Fühlen und Wollen. Der Mensch besitzt hiervon eine Weiterbildung und entwickelt dadurch ein Selbstgefühl, was die selbstbewußte Vernunft ermöglicht. Das Urphänomen des Bewusstseins liegt, nach Carus, in der Differenzierung von Erkennen, Fühlen und Wollen. Der Prozess der Selbstbewusstwerdung durchläuft verschiedene Phasen. So ist zunächst der Verstand entwickelt, der Vorstellungen unterscheiden kann. Anschließend bildet sich die Phantasie, die Vorstellungen selbstständig erzeugen kann und letztendlich die Vernunft, welche ein umfassendes Verständnis der Vorstellungen ermöglicht.26 Das Selbstbewusstsein realisiert sich prozessual, wenn durch das Selbstgefühl zwischen Wahrnehmen und Begehren vermittelt und das (mechanistische) ReizReaktions-Schema aufgehoben wird.27

Es lässt sich festhalten, dass die Existenz eines unbewussten Ichs, welches den realen Organismus ideell entwickelt, die notwendige Voraussetzung für das bewusste Ich darstellt. Das bewusste Ich ist insofern durch eine intelligente Struktur (und Tätigkeit) entwickelt worden. Carus spricht in diesem Zusammenhang von Ideen (siehe 2.6). Außerdem ist das Urphänomen, nämlich die Differenzierung von Erkennen, Fühlen und Wollen das Prinzip des Bewusstseins.28

2.4. Empirie statt Spekulation

Für Carus steht außer Frage, dass die Hauptaufgabe der Wissenschaft darin besteht, Begriffe und Theorien aus empirischer Verallgemeinerung zu gewinnen. Entgegen der populären Meinung, dass romantische Überlegungen fernab aller Empirie stattfinden, bezieht Carus verschiedenste Erkenntnisse der Wissenschaften seiner Zeit in seine Überlegungen mit ein. Was die romantische Wissenschaft von anderen deutlich unterscheidet, ist die Art und Weise, wie mit den empirischen Daten umgegangen wird. Es gibt die klare Tendenz metaphysische Modelle der Welt durch Fakten verifizieren zu wollen.29 Wesentlich für die spekulative Seite der Philosophie Carus' ist die Annahme, dass die Subjektivierung der Natur zeigt, dass biologische und physikalische Prozesse mit den Strukturen des Geistes und der menschlichen Entwicklungsgeschichte identisch seien.30

Das methodische Vorgehen, das Carus dem mechanistischem vorzieht (siehe 6), verlangt nach einer Fülle anschaulicher Daten. Diese sollen durch die morphologische Analyse die Entwicklungsgesetze des Unbewussten zeigen. Die eigene Entwicklung von unbewusst zu bewusst ist jedoch jedem Menschen empirisch verschlossen. Die Möglichkeit über diesen Prozess aufzuklären sieht Carus in vergleichenden Studien zu Tieren und Pflanzen. Als exemplarisch dafür kann das Werk Grundzüge der vergleichenden Anatomie und Physiologie gelten, in dem Carus alle Register der Biologie zieht, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Entwicklung verschiedener Lebensformen darzustellen. Für verschiedene Fragen der Enwicklung zieht Carus Gemeinsamkeiten von Eitieren (welche ihre Jungen in Eierstöcken hervor bringen), Weichtieren und Wirbeltieren heran. Anschließend werden Vergleiche zu Fischen, Lurchen, Vögeln und Säugetieren vorgenommen.31

[...]


1 Vgl. Scheerer, E.: Psychologie, In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Hsg.: Joachim Ritter, Karlfried Gründer, Band 7: P-Q, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Basel 1989, S.1599f.

2 Kierkegaard, Sören: Die Krankheit zum Tode, In: Sören Kierkegaard, Hsg.:Diem, Hermann, Rest, Walter, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2012, S.23.

3 Kierkegaard, Sören: Die Wiederholung, In: Sören Kierkegaard, Hsg.:Diem, Hermann, Rest, Walter, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2012, S.327.

4 Kierkegaard, Sören: Der Begriff Angst, In: Sören Kierkegaard, Hsg.:Diem, Hermann, Rest, Walter, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2012, S.441.

5 Vgl. Rohde, Peter P.: Sören Kierkegaard, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Hamburg 2006, S.165.

6 McDonald, William: Søren Kierkegaard, The Stanford Encyclopedia of Philosophy. http://plato.stanford.edu/archives/fall2012/entries/kierkegaard/ (abgerufen am 14.11.2012).

7 Vgl. Sachs-Hombach, Klaus: Philosophische Psychlogie im 19. Jahrhundert – Entstehung und Problemgeschichte, Verlag Karl Alber, Freiburg/München 1993, S.43.

8 Vgl. Sachs-Hombach, S.58.

9 Vgl. Sachs-Hombach, S.145

10 Vgl. Geier, Manfred: Kants Welt – Eine Biographie, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reibek 2005, S.41-44.

11 Vgl. Wanning, Berbeli: Die Fiktionalität der Natur – Studien zum Naturbegriff im Erzählenden der Romantik und des Realismus, 1. Aufl., Weidler Buchverlag, Berlin 2005, S.32. Vgl. Sachs-Hombach, S.157.

12 Vgl. Wanning, S.41-43.

13 Vgl. Römpp, Georg: Kant leicht gemacht – Eine Einführung in seine Philosophie, 2. Aufl, Böhlau Verlag, Köln 2007, S.282.

14 Carus, Carl Gustav: Psyche – Zur Entwicklungsgeschichte der Seele, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1941, S.1.

15 Vgl. Carus, Psyche, S.2ff.

16 Carus, Psyche, S.4.

17 Vgl. Sachs-Hombach, S.158.

18 Vgl. Sachs-Hombach, S.163-167.

19 Vgl. Sachs-Hombach, S.61-65.

20 Das Vorgehen Carus war für ihn nicht unerfolgreich, so gilt er beispielsweise als Entdecker des Blutkreislaufes netzflügligger Insekten. Vgl. Sachs-Hombach, S.56.

21 Vgl. Sachs-Hombach, S.103f.

22 Vgl. Sachs-Hombach, S.95ff.

23 Vgl. Sachs-Hombach, S.69.

24 Vgl. Sachs-Hombach, S.136.

25 Vgl. Carus, Psyche, S.98-109.

26 Vgl. Sachs-Hombach, S.97ff.

27 Vgl. Sachs-Hombach, S.138.

28 Es ist hierbei zu beachten, dass Carus an manchen Stellen davon spricht, dass verschiedene Urphänomene entdeckt werden sollen und an anderen Stellen, dass er das Urphänomen erkannt zu haben glaubt. Wie dieses Missverhältnis aufzuklären ist, kann hier nicht thematisiert werden.

29 Es lässt sich freilich darüber diskutieren, ob nicht die empirischen Daten gebraucht wurden um anschließend an diesen Eckpfeilern eine Metaphysik aufzubauen oder ob erst das metaphysische System vorausgesetzt wurde um es anschließend durch selektive empirische Beobachtungen zu bestätigen.

30 Vgl. Carus, Psyche, S.57.

31 Vgl. Carus, Carl Gustav: Grundzüge der vergleichenden Anatomie und Physiologie, 3. Band, P.G. Hilschersche Buchhandlung, Dresden 1828.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Kierkegaards Kritik der romantischen Psychologie nach Karl Gustav Carus
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Transformationen der Philosophie
Note
1.0
Autor
Jahr
2012
Seiten
28
Katalognummer
V334420
ISBN (eBook)
9783668241282
ISBN (Buch)
9783668241299
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kierkegaards, kritik, psychologie
Arbeit zitieren
Rene Baston (Autor), 2012, Kierkegaards Kritik der romantischen Psychologie nach Karl Gustav Carus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334420

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