Der Beginn des sogenannten "Römischen Imperialismus". Wie veränderte sich die römische Außenpolitik zwischen den Makedonischen Kriegen?


Hausarbeit, 2013

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Der 2. Makedonische Krieg: der Beginn römischer Ostpolitik

III. Entwicklung der römischen Ostpolitik nach dem 2. Makedonischen Krieg

IV. Zusammenfassung

V. Bibliographie

I. Einleitung

Die römische Außenpolitik des 2. Jahrhunderts v.Chr. zählt mitunter zu den spannendsten Feldern der römischen Geschichte. In diesen Zeitraum fallen die drei Makedonischen Kriege, einige mehr oder minder intensive Konflikte zwischen Römern und Seleukiden sowie die Zerstörung Korinths und Karthagos im Jahre 146 v.Chr. Für die außenpolitische Konzeption Roms in dieser Zeit hat sich inzwischen der Begriff des römischen Imperialismus etabliert. Aber wie in (fast) jeder Arbeit zu diesem Thema nachzulesen, muss man sich hier sinngemäß von dem Begriff des Imperialismus, wie wir ihn für das 19. Jahrhundert anwenden, distanzieren – der römische Imperialismus ist anderer Natur. Das Quellenangebot zu diesem Bereich ist vielfältig, wir haben viele Werke unterschiedlicher Autoren vorliegen, seien es allgemeine Geschichtswerke, wie die von DIODOR oder APPIAN, oder auch personenspezifische Werke, wie die Beschreibung des T. Quinctius Flamininus1 von PLUTARCH. Unsere Hauptquellen sind allerdings LIVIUS' ab urbe condita, vor allem aber POLYBIOS' Historiae. Bei der Benutzung von POLYBIOS muss man allerdings beachten, dass dieser nach dem 3. Makedonischen Krieg, der territorialen Übernahme Makedoniens durch die Römer und angesichts der römischen Weltherrschaft, sein Werk schreibt. Folglich ist es nicht verwunderlich, wenn er, bezogen auf die Freiheitserklärung2, schreibt3: „[...] die meisten aber [...] meinten, sie hätten geträumt, so unglaubhaft schienen ihnen diese Worte. [...] Es war wie ein Wunder, daß die Römer [...] jede Gefahr auf sich [genommen hatten], um den Griechen die Freiheit zu bringen".

Der römische Imperialismus gehört wohl zu den am besten erforschten Gebieten römischer Geschichte. Schon im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert beschäftigte man sich mit dem 2. Makedonischen Krieg als Scheidepunkt der römischen Außenpolitik. Nennenswert ist hier die Arbeit TENNEY FRANKS 4 zur Entwicklung des römischen Imperialismus. Die neuere Forschung ist sehr umfangreich. Um einige wichtige Autoren zu nennen, sei hier auf die Arbeiten von GREG WOOLF5 und CRAIGE CHAMPION6 verwiesen. Interessant ist auch der Ansatz von KARL-ERNST PETZOLD7, die Freiheitserklärung als Anfang römischer Hegemonialpolitik in Griechenland und gleichsam einer „neuen Epoche"8 römischer Außenpolitik zu sehen.

Die Behandlung der Frage nach der Intention der Freiheitserklärung von Isthmos ist zentral für das Verständnis der weiteren Entwicklung des römischen Imperialismus, da sie am Anfang dieses Prozesses stand. Aus diesem Zusammenhang heraus ergeben sich einige Fragen: Wenn diese Proklamation nicht phillhellenistisch inspiriert war, wieso wurde der Krieg dann mit der Freiheitserklärung beendet9 ? Inwiefern stellt der zweite Makedonische Krieg eine Zäsur in der römischen Außenpolitik dar? Waren die Interventionen der Römer in Griechenland von vornherein expansionistischer Natur oder ist möglicherweise eine Entwicklung der römischen Griechenlandpolitik zu erkennen? – Oder kurz: Wie ist die Entwicklung von der Freiheitserklärung für alle Griechen bis hin zur Annektierung Makedoniens in weniger als 50 Jahren zu erklären?

Insofern wird es Ziel dieser Arbeit sein, die Entwicklung des römischen Imperialismus zu Zeiten der makedonischen Kriege nachzuzeichnen und zentrale Ansätze der Forschung zur Natur des römischen Imperialismus zusammenzutragen.

II. Der 2. Makedonische Krieg: der Beginn römischer Ostpolitik

POLYBIOS datiert die erste bewusste römische Machtausübung auf Länder jenseits der Adria auf die Zeit der Illyrischen Kriege, in denen Rom die immer wieder zur Piraterie neigenden Illyrer bezwang und sich ein Protektorat auf dem Balkan mit Zentrum Apollonia etablierte10. THOMAS CORSTEN11 betont in seiner Arbeit zum Hilferuf des Arkanischen Bundes an Rom zur Zeit des 1. Punischen Krieges, dass eben dieser Hilferuf Zeugnis darüber ablege, dass die Bewohner der sich gegenüberliegenden Adriaküsten sehr wohl vor dem Zeitpunkt in Kontakt standen, den POLYBIOS benennt, zumal eben jener von "bewaffnetem Eingreifen" spreche und nicht vom ersten Kontakt überhaupt12. Schriftquellenevidenz sieht CORSTEN in einer Passage des antiken Historikers JUSTIN13, deren Historizität allerdings ebenso umstritten ist, wie frühere Überlieferungen von Kontakten der Römer zu Völkern in Griechenland, wie zum Beispiel zu Alexander dem Großen, den Rhodiern und anderen.14 Dieser frühe Kontakt soll das griechische Wissen um die steigende römischen Macht verdeutlichen.

Nach den Illyrischen Kriegen scheitern mehrere Versuche des Makedonenkönigs Philipp V., den römischen Stützpunkt um Apollonia einzunehmen, zuletzt im 1. makedonischen Krieg (215 - 205 v.Chr.), trotz eines Bündnisses mit Hannibal. Der Friedensschluss von Phoenice (205) erhielt im Wesentlichen den Status quo, womit sich wohl keine Seite zufrieden stellen ließ.

Fest steht, dass der römische Senat 201 v.Chr. Krieg gegen einen, wie G.T.GRIFFITH15 meint, auf absehbare Zeit ungefährlichen Gegner beschließt: Philipp V. von Makedonien. Ob die Römer einen Präventivkrieg führten oder aus purem Altruismus den Griechen gegenüber handelten, um sie von einem unliebsamen Tyrannen zu befreien, ist umstritten16. GRIFFITH betont die römische Passivität im adriatischen Raum bis 201 und die fehlende territoriale Ausbreitung und folgert daraus ein fehlendes Interesse an transadriatischen Beziehungen17. Erst die Gesandtschaften aus Rhodos und Pergamon hätten, von der Aggressivität Philipps berichtend, die Römer letztendlich zum Krieg bewogen18. Die eigentlichen Kriegsgründe sucht GRIFFITH aber nicht nur im makedonischen Angriff auf römische Freunde, sondern auch in den für die Römer beunruhigenden Nachrichten über ein Geheimbündnis zwischen Makedonen und Seleukiden, auf die Aufteilung des Ptolemäerreiches ausgerichtet, sowie in der makedonischen Flottenaufrüstung – plötzlich sei die Furcht in Rom vor einem neuen Pyrrhos (und das kurz nach der Invasion Hannibals!) wieder lebendig gewesen.19 Auch Philipp rechnete offensichtlich mit einer Intervention der Römer, wenn POLYBIOS 16,24 feststellt: "Er [Philipp] wußte auch genau [...] von dem Ende des Kriegs in Libyen [...]". Allerdings stellt nicht nur GRIFFITH eine Überreaktion der Römer angesichts der zu erwartenden Stärke Philipps, sowie der Standfestigkeit des Geheimpaktes fest, der eher eine geringe Bedrohung dargestellt habe20. Sogar Philipp selbst ist, obwohl er eine Intervention Roms vermeiden will, angesichts der in der Verhandlung mit Flamininus geforderten Flottenabrüstung und Räumung Griechenlands wütend über die zu hohen Forderungen21.

Auch E.J. BICKERMAN22 geht auf den präventiven Aspekt des 2. Makedonischen Krieges ein. Er stellt die Gesandtschaft Athens, das um Hilfe gegen Philipp ersuchte, als Kriegsauslöser dar und spitzt die römische Furcht vor der makedonischen Hegemonie in dem Satz zu: "Athens is another Saguntum".23 Außerdem interpretiert er die Überlieferungen LIVIUS' dahin gehend, dass der 2. Makedonische Krieg die Wiederaufnahme des Ersten sei, ein Bestrafungskrieg also für das makedonische Bündnis mit Hannibal24.

[...]


1 Dieser war zur Zeit des 2. Makedonischen Krieges und während des Antiochoskrieges danach Feldherr der römischen Truppen in Griechenland und eine wichtige Persönlichkeit für die römische Griechenlandpolitik bis Mitte der 180er Jahre des 2. Jahrhunderts v.Chr.

2 Diese markierte das Ende des 2. Makedonischen Krieges und wurde in Isthmos durch die Römer proklamiert. Sie garantierte den griechischen Staaten ihre Freiheit, ihre Bedeutung ist in der heutigen Forschung jedoch umstritten. Siehe dazu: PETZOLD, KARL-ERNST: Griechischer Einfluss auf die Anfänge römischer Ostpolitik. Überlegungen zum Kontinuitätsproblem, in: Historia, Bd. 41, H 2 (1992), pp. 205-245.

3 Pol. 18,46,1.

4 FRANK, TENNEY: A Chapter in the Story of Roman Imperialism, in: ClPhil, Vol. 4, No. 2 (1909), pp. 118-138. Frank setzt sich mit dem Bild eines von Griechenland überzeugten Flamininus auseinander und erörtert die Bedeutung des 2. Makedonischen Krieges als Expansionskrieg.

5 WOOLF, GREG: Beyond Romans and Natives, in: WorldA, Vol. 28, No. 3 (1997), pp. 339-350.

6 CHAMPION, CRAIGE: Empire by Invitation. Greek Political Strategies and Roman Imperial Interventions in the Second Century B.C.E., in: TransactAmPhilAss, Vol. 137, No. 2 (2007), pp. 255-275.

7 PETZOLD, KARL-ERNST: Griechischer Einfluss auf die Anfänge römischer Ostpolitik. Überlegungen zum Kontinuitätsproblem, in: Historia, Bd. 41, H 2 (1992), pp. 205-245.

8 Vgl. PETZOLD, Griechischer Einfluss auf die Anfänge römischer Ostpolitik, S. 269 f.

9 Vgl. PETZOLD, Griechischer Einfluss auf die Anfänge römischer Ostpolitik, S. 206 f.

10 Vgl. hierzu Pol. 2,2

11 CORSTEN, THOMAS: Der Hilferuf des Arkanischen Bundes an Rom: Zum Begin des römischen Eingreifens in Griechenland; in: ZPE, Bd. 94 (1992), pp. 195-210.

12 Vgl. CORSTEN: Der Hilferuf des Arkanischen Bundes, S. 204.

13 S. hierzu JUSTIN 28,1/2.

14 Vgl. CORSTEN: Der Hilferuf des Arkanischen Bundes, S. 206.

15 GRIFFITH, G.T.: An Early Motive of Roman Imperialism (201 B.C.); in: CHJ, Vol. 5, No. 1 (1935), pp. 1-14.

16 Vgl. GRIFFITH: An Early Motive for Roman Imperialism, S. 2ff.

17 Ebd.

18 Ebd., s. außerdem: Pol. 16,24,3u.27

19 Vgl. GRIFFITH: An Early Motive for Roman Imperialism, S.5-8. Ferner zum syromakedonischen Pakt: App.Mac. 4,1u.2.

20 Vgl. GRIFFITH: An Early Motive for Roman Imperialism, S.12ff.

21 Vgl. Diod. 28,11

22 BICKERMAN, ELIAS J.: Bellum Philippicum. Some Roman and Greek Views concerning the Causes of the Second Macedonian War; in: ClPhil, Vol. 40, No. 3 (1945), pp. 137-148.

23 BICKERMAN, ELIAS J.: Bellum Philippicum, S. 145. Für eine Übersicht über die Gesandschaften von und nach Rom siehe: MEADOWS, A. R.: Greek and Roman Diplomacy on the Eve of the Second Macedonian War; in: Historia, Bd. 42, H. 1 (1993), pp. 40-60, spez. 54.

24 Vgl. BICKERMAN, ELIAS J.: Bellum Philippicum, S.144f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Beginn des sogenannten "Römischen Imperialismus". Wie veränderte sich die römische Außenpolitik zwischen den Makedonischen Kriegen?
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Die Institutionen der Römischen Republik
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V334511
ISBN (eBook)
9783668241046
ISBN (Buch)
9783668241053
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Makedonien, Rom, Imperialismus, Korinth, Karthago, Griechenland, römischer Senat, Krieg
Arbeit zitieren
Ulrich Roschitsch (Autor), 2013, Der Beginn des sogenannten "Römischen Imperialismus". Wie veränderte sich die römische Außenpolitik zwischen den Makedonischen Kriegen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334511

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