Die vorliegende Arbeit vergleicht die QE Programme der vier großen Zentralbanken und analysiert die Effektivität dieser. Dazu wird aktuelle Forschungsliteratur zu diesem Thema herangezogen. Des Weiteren werden die Renditen langlaufender Staatsanleihen betrachtet, da diese im Fokus des QE stehen. Besonders die Wirkungsweise des QE und die Auswirkungen der Programme, die bereits lange durchgeführt werden, sind zentrale Themen dieser Arbeit. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Erfolgsaussichten das QE der EZB hat und ob die Kritik berechtigt ist.
Am 22. Januar 2015 beschloss die Europäische Zentralbank (EZB) das nicht unumstrittene Quantitative Easing (QE) Programm. Seit März 2015 werden Wertpapiere wie Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von insgesamt 1.140 Milliarden Euro bis mindestens September 2016 aufgekauft. Dadurch soll den deflationären Tendenzen in der Eurozone entgegen gewirkt werden, denn Anfang des Jahres 2015 waren sowohl die Inflationsrate als auch die Erwartungen für die zukünftige Entwicklung des Preisniveaus niedrig oder sogar negativ. Dies resultierte zum einen aus fallenden Energiepreisen, ist zum anderen aber immer noch eine Folge der Finanz- und Schuldenkrise. Für die Verbraucher scheinen sinkende Preise von Vorteil zu sein, aber diese können negative Folgen für eine Volkswirtschaft wie den Rückgang der Investitionstätigkeit mit einer damit einhergehenden Rezession haben. Das QE Programm soll dies durch Wertpapierkäufe verhindern. Es ist aber nicht unumstritten, weil unter anderem die Inflationsgefahr steigt. Besonders die Deutsche Bundesbank übt Kritik an diesem Programm.
Die folgenden Kapitel beschäftigen sich mit der Analyse dieser Thematik. Das zweite Kapitel befasst sich mit der Untersuchung der konventionellen Geldpolitik und erörtert, warum diese nicht mehr funktioniert und der Einsatz des QE daher seine Berechtigung hat. Im darauf folgenden dritten Kapitel wird das QE grundlegend erklärt. Die Funktionsweisen und Transmissionskanäle werden analysiert. Außerdem erfolgen die Betrachtung der Ausgestaltung in der Eurozone und ein erster Vergleich der QE Programme. In Kapitel 4 wird die Umsetzung des QE in Japan, den USA und Großbritannien detailliert untersucht und die Auswirkungen evaluiert. Des Weiteren werden die Erfolgsaussichten für die Eurozone überprüft. Mit der Kritik am QE beschäftigt sich Kapitel 5. Daneben setzt sich dieses Kapitel kritisch mit einer möglichen Exit-Strategie auseinander.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Versagen der traditionellen Geldpolitik
3. Was ist Quantitative Easing?
3.1 Transmissionskanäle der unkonventionellen Geldpolitik
3.2 Ausgestaltung in der Eurozone und erster Vergleich
4. Empirische Evidenz zum Quantitative Easing
4.1 Quantitative Easing am Beispiel großer Zentralbanken
4.1.1 Japan
4.1.2 USA
4.1.3 Großbritannien
4.2 Zusammenfassung und Ausblick für Europa
5. Kritik und Probleme
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Wirksamkeit und Erfolgsaussichten unkonventioneller geldpolitischer Maßnahmen (Quantitative Easing) durch einen Vergleich der Strategien großer Zentralbanken, um Handlungsempfehlungen für die aktuelle Politik der Europäischen Zentralbank abzuleiten.
- Grundlagen der konventionellen versus unkonventionellen Geldpolitik
- Analyse der Transmissionsmechanismen (Signaling-, Portfolio-Balance- und Kreditkanal)
- Empirischer Vergleich der QE-Programme in Japan, den USA und Großbritannien
- Kritische Würdigung der Inflationsrisiken und Exit-Strategien
- Implikationen der Programme für die Eurozone
Auszug aus dem Buch
3.1 Transmissionskanäle der unkonventionellen Geldpolitik
Es gibt diverse Arten möglicher Transmissionskanäle, die sich in ihrer Wirkung teilweise überschneiden oder unterschiedlich definiert werden. Eine Entwicklung in der Wirtschaft kann normalerweise nicht genau einem Transmissionskanal zugeordnet werden. Sie wirken oft gemeinsam auf mehrere Bereiche einer oder mehrerer Volkswirtschaften und über einen gewissen Zeitraum, der sich nicht genau definieren lässt (vgl. Krishnamurthy/Vissing-Jorgensen 2012: 2). Es lassen sich allerdings noch einige Unterschiede ausmachen, weshalb es sinnvoll ist, sich näher mit den Transmissionsmechanismen der unkonventionellen Geldpolitik zu befassen.
Im Folgenden werden drei Transmissionskanäle näher betrachtet: der Signaling Kanal, der Portfolio Balance Kanal und der Kreditkanal. Diese drei Kanäle stellen die Mechanismen, über die sich das QE auf die Wirtschaft auswirkt, gut dar. Zunächst wird der Signaling Kanal thematisiert. Dieser lässt sich allerdings nicht ausschließlich dem QE zuordnen und wirkt ebenfalls zu Zeiten konventioneller Geldpolitik.
Nicht erwartete Ankündigungen der Zentralbanken über ihre zukünftige Politik wirken sich auf die kurzfristigen Zinsen aus. Ebenso beeinflussen sie die Erwartungen für die langfristigen Zinsen und letztlich auch deren Höhe. Der Transmissionsmechanismus, durch den veränderte Erwartungen die Wirtschaft beeinflussen, ist der Signaling Kanal. Besonders Ankündigungen von großangelegten Wertpapierkäufen wirken sich in den meisten Fällen senkend auf die Zinsen aus. Das QE Programm wirkt somit indirekt über den Signaling Kanal (vgl. Bauer/Neely 2014: 9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das QE-Programm der EZB ein und stellt die Relevanz der Untersuchung durch den Vergleich mit internationalen Erfahrungen dar.
2. Versagen der traditionellen Geldpolitik: Es wird erörtert, warum klassische Zinssteuerung bei einer Liquiditätsfalle oder Zinssätzen nahe der Nullgrenze wirkungslos wird und unkonventionelle Maßnahmen notwendig macht.
3. Was ist Quantitative Easing?: Dieses Kapitel definiert QE, analysiert die theoretischen Transmissionskanäle und erläutert die Besonderheiten der Umsetzung in der Eurozone.
4. Empirische Evidenz zum Quantitative Easing: Anhand der Länderbeispiele Japan, USA und Großbritannien wird die praktische Wirksamkeit auf Renditen, Aktienmärkte und das Wirtschaftswachstum evaluiert.
5. Kritik und Probleme: Die Arbeit diskutiert Gefahren wie Inflation, ineffiziente Ressourcenallokation, finanzielle Instabilität und den Verlust der Unabhängigkeit von Zentralbanken.
6. Fazit: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengeführt, wobei die Komplexität und die eingeschränkte Übertragbarkeit der QE-Erfolge auf die Eurozone hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Quantitative Easing, Geldpolitik, Zentralbanken, EZB, Finanzkrise, Zinskanal, Signaling Kanal, Portfolio Balance Kanal, Kreditkanal, Deflation, Staatsanleihen, Inflation, Exit-Strategie, Wirtschaftswachstum, Finanzstabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen und Erfolgsaussichten von Quantitative Easing (QE) durch einen Vergleich der Geldpolitik führender Zentralbanken.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die Grenzen traditioneller Geldpolitik, die Wirkungsweise unkonventioneller Instrumente, empirische Analysen internationaler QE-Programme sowie kritische Aspekte wie Inflationsrisiken.
Was ist das Hauptziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Erfolgsaussichten des QE-Programms der EZB zu beurteilen, indem die Wirksamkeit vergangener und laufender QE-Maßnahmen in anderen Wirtschaftsräumen evaluiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie einen empirischen Vergleich unter Einbeziehung von Marktdaten, wie beispielsweise der Entwicklung von Renditen für Staatsanleihen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Transmissionskanäle, die detaillierte Analyse der QE-Umsetzung in Japan, den USA und Großbritannien sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Problemen der Geldmengenexpansion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Quantitative Easing, Zentralbankpolitik, Transmissionskanäle, Finanzstabilität und Exit-Strategien.
Warum wird Japan als Fallbeispiel gesondert untersucht?
Japan wird als Pionier des QE seit 2001 betrachtet, um zu zeigen, dass auch bei massivem Mitteleinsatz nachhaltige Erfolge ausbleiben können, wenn strukturelle Probleme bestehen.
Welche Rolle spielt der Signaling Kanal bei der Geldpolitik?
Er dient dazu, durch Ankündigungen der Zentralbank über zukünftige Zins- oder Kaufabsichten die Erwartungen der Marktteilnehmer zu steuern, was unmittelbare Auswirkungen auf Zinsen und Kurse hat.
Warum wird die Exit-Strategie als kritisch angesehen?
Eine zu schnelle Straffung könnte den Aufschwung bremsen, während ein zu langes Zuwarten das Risiko einer außer Kontrolle geratenen Inflation birgt.
- Arbeit zitieren
- Markus Engelmann (Autor:in), 2015, Die Politik der großen Zentralbanken im Vergleich. Auswirkungen und Erfolgsaussichten von Quantitative Easing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334520