Methoden der empirischen Sozialforschung. Das Interview


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
19 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Quantitative und qualitative Sozialforschung
2.1 Quantitative Forschungsmethoden
2.2 Qualitative Forschungsmethoden

3 Formen der Protokollierung
3.1 Narratives Interview
3.2 Experteninterview
3.3 Offenes Leitfadeninterview

4 Objektive Hermeneutik

5 Phasen des Forschungsprozesses

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werden Merkmale empirischer Sozialforschung sowie die Unterschiede zwischen den quantitativen und qualitativen Verfahren dargelegt.

Im Folgenden werden drei Formen der Protokollierung empirischer Daten wie narratives Interview, Experteninterview und offenes Leitfadeninterview sowie deren Merkmale erörtert. Darauf aufbauend werden die Auswertungsmethode Objektive Hermeneutik und deren Merkmale dargestellt.

Abschließend wird anhand eines selbst durchgeführten Experteninterviews der eigene Lernprozess beschrieben.

2 Quantitative und qualitative Sozialforschung

Gegenstand der empirischen Sozialforschung sind Phänomene aus der sozialen Wirklichkeit. Forscher/innen erfassen, analysieren und deuten diese systematisch mit dem Ziel, verallgemeinerbare Aussagen treffen zu können. Die quantitativen und qualitativen Methoden unterscheiden sich teilweise sehr stark in den Forschungsansätzen und theoretischen Hintergründen. Da beide Verfahren bestimmte Vor- und Nachteile haben, muss zu Beginn des Forschungsprozesses entschieden werden, welche Arten beziehungsweise welche Kombination von Methoden zur Verwirklichung der Forschungsziele geeignet sind (vgl. Gläser/Laudel 2010, S.27).

2.1 Quantitative Forschungsmethoden

Quantitative Forschung zeichnet sich durch die standardisierte Messung von empirischen Daten sowie deren Auswertung mittels statistischer Instrumente und Analyse statistischer Zusammenhänge aus. Mithilfe von Zahlen werden entweder die Merkmale sozialen Gegebenheiten oder die Häufigkeit des Auftretens dieser Merkmale beschrieben und interpretiert (ebd., S.27). Charakteristisch für eine quantitative Studie ist der lineare Verlauf. Zu Beginn jeder quantitativen Studie weiß man genau, wie sie ablaufen wird. Zunächst werden Vermutungen über den Gegenstand der Forschung aufgestellt und im weiteren Hergang der Untersuchung Stichproben geprüft, Daten erhoben und ausgewertet. Abschließend werden die Hypothesen, welche die Forscher/innen zuvor aufgestellt haben, überprüft (vgl. Schneider 2009, S. 53f)

Bei diesem Verfahren gewonnene Ergebnisse sollen für eine möglichst große Zahl an Fällen repräsentativ sein. Die befragten oder beobachteten Personen beziehungsweise Phänomene werden so ausgewählt, dass in Bezug auf die untersuchten Merkmale im Wesentlichen Rückschlüsse auf die Gesamtheit einer Forschung möglich sind. Die Ergebnisse einer quantitativen Studie lassen sich nur dann generalisieren, wenn die Stichproben eine größere Untersuchungseinheit hinsichtlich der relevanten Eigenschaften wiederspiegeln (vgl. Raithel 2008, S.54f).

2.2 Qualitative Forschungsmethoden

Qualitative Sozialforschung definiert sich durch ein relativ offenes und flexibles Vorgehen, sie verwendet keine statistische Auswertung und stellt meistens keinen Anspruch auf Repräsentativität. Qualitative Forschung hat es zum Ziel, die soziale Realität zu erfassen, ohne deren Komplexität zu verringern. Dies kann im Gegensatz zu quantitativen Methoden mit ihren zahlreichen Erhebungen und vielen Untersuchungspersonen, durch Einzelfallstudien und tief gehende Einzelfallanalysen erreicht werden (vgl. Lamnek/Krell 20120, S.3). Dabei steht das Verstehen von Sinnstrukturen im Vordergrund - subjektive Faktoren, persönliche Absichten, Handlungsmotive - die nicht gemessen, sondern interpretiert werden sollen.

Qualitative Forschung dient oft der Entwicklung neuer Hypothesen. Przyborski/Wohlrab-Sahr (2014) weisen darauf hin, dass das Erkenntnisinteresse und die erste vorläufige Fragestellung hinsichtlich des interessierenden Phänomens am Anfang jeder Forschung formuliert werden. Allerdings müssen diese im weiteren Verlauf der Forschung präzensiert und nachjustiert werden (vgl. Przyborski/Wohlrab-Sahr 2014, S.3).

Mayring (2002) fasste die Grundlagen des Einsatzes qualitativen Denkens in Forschungs- und Erkenntnisprozessen in fünf Postulate zusammen:

1. Subjektbezogenheit:

Der Gegenstand der Sozialforschung ist immer der Mensch als Subjekt. Der Ausgang und das eigentliche Ziel der Untersuchung sind die betroffenen Personen. Die Subjektorientierung ist eine wichtige Forderung qualitativen Denkens (vgl. Mayring 2002, S. 20).

2. Deskription:

Zu Beginn der Analyse sollte der Gegenstandsbereich zunächst genau und umfassend beschrieben werden. Auf diesem Wege wird auch der Kontext der Forschung dargestellt (vgl. ebd. S 21f).

3. Interpretation:

Ein Untersuchungsgegenstand ist nie völlig offengelegt, seine umfassende Bedeutung muss zuerst durch Interpretation erschlossen werden. Die Interpretation steht in einem engen Zusammenhang mit dem hermeneutischen

Sinnverstehen und gilt insbesondere für die Analyse von verbalen Daten, wie zum Beispiel schriftlichen Dokumentation oder Interviews (vgl. ebd. S 22).

4. Alltagsnähe:

Qualitative Forschung will Menschen als humanwissenschaftliche Gegenstände möglichst in ihren natürlichen, alltäglichen Lebenssituationen untersuchen. Eine natürliche Situation ist beispielweise dann gegeben, wenn ein Interview in der Wohnung der befragten Person stattfindet (vgl. ebd. S.22f).

5. Verallgemeinerbarkeit:

Die Verallgemeinerbarkeit der erarbeiteten Ergebnisse muss schrittweise argumentativ begründet werden. Es muss deutlich gemacht werden, in welchem Fall, für welche Situation und in welcher Zeit die Resultate Gültigkeit besitzen und es muss erörtert werden, warum diese auch für andere Situationen und Zeiträume gelten sollen (vgl. ebd. S.23f).

3 Formen der Protokollierung

Qualitative Forschungsprozesse lassen die Zielgruppe des Interesses möglichst selbst zu Wort kommen, um die subjektive Sichtweise erfassen zu können. Menschen sind selbstreflexive Subjekte und sollen als Experten ihrer selbst verstanden werden. Qualitative Sozialforschung bedient sich je nach Forschungsinteresse und Forschungsgegenstand unterschiedlicher Formen der Erhebung. Voraussetzungen für eine gelungene Untersuchung sind sowohl die begründete Auswahl des Erhebungsinstrumentes als auch dessen sachkundige Anwendung (vgl. Przyborski/ Wohlrab-Sahr 2014, S.78).

Im Folgenden möchte ich drei ausgewählte Formen der Protokollierung darstellen.

3.1 Narratives Interview

Das narrative Interview wurde von Soziologen Fritz Schütze Mitte der 1970er Jahre entwickelt. Im Fokus dieses Erhebungsverfahrens steht vor allem das Herausarbeiten von Deutungsmustern und Alltagstheorien im Zusammenhang mit den biographischen

Ereignissen und Erfahrungen der Akteure (vgl. Schütze 1983, S.248f). Das narrative Interview zeichnet sich durch die relativ offene Durchführung des Gesprächs aus, die Befragten können den Gesprächsverlauf (mit)steuern und (mit)gestalten und haben ausreichend Zeit, über besonders entscheidende Phasen ihres Lebens zu sprechen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Methoden der empirischen Sozialforschung. Das Interview
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V334638
ISBN (eBook)
9783668243552
ISBN (Buch)
9783668243569
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit Interviewsequenz
Schlagworte
Qualitative Forschungmethoden, Objektive Hermeneutik, Krankheit und Diskriminierung, empirische Sozialforschung
Arbeit zitieren
Larissa Dittmann (Autor), 2015, Methoden der empirischen Sozialforschung. Das Interview, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334638

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