Das vorliegende Material ist für eine ausführliche Bezugnahme auf die Kompetenzstandards des Berliner Rahmenlehrplans im Zusammenhang einer Unterrichtsreihe zum Thema Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus gut geeignet. Es eignet sich vor allem für eine Auftaktstunde, da der Quellentext gut die von Hitler verfolgten Erziehungsziele der Jugend darstellt. Diese können im Rest der Unterrichtsreihe anhand anderer Quellen und Zeitzeugenaussagen tiefer behandelt und reflektiert werden.
Das Thema Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus kann für die SuS greifbarer, als andere Aspekte der Zeit 1933-45 in Deutschland sein, denn Erziehung und Schule knüpft an der alltäglichen Erfahrungswelt der SuS an. Es hat also für die Schüler eine Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Thema und Sachanalyse
2. Das Material
3. Kompetenzstandards des Berliner Rahmenlehrplans
4. Konkretisierung der Standards und individuelle Kompetenzentwicklung der SuS
5. Aspekte der sprachsensiblen Förderung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen authentischen historischen Quellentext für den Einsatz in einer mehrsprachigen Schulklasse didaktisch aufzubereiten, um die Auseinandersetzung mit den Erziehungszielen im Nationalsozialismus zu ermöglichen und gleichzeitig die sprachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
- Didaktische Reduktion und Aufbereitung eines historischen Quellentextes
- Entwicklung von Arbeitsmaterialien zur Förderung von Analyse- und Deutungskompetenz
- Sprachsensible Gestaltung von Lernumgebungen im DaZ-Kontext
- Verknüpfung von Lehrplanvorgaben mit schülerorientierten Aufgabenformaten
- Methodische Progression vom Textverständnis zur kritischen Urteilsbildung
Auszug aus dem Buch
Hitler in einer Rede über die nationalsozialistische Erziehung (1938):
"Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. Es wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muss erst wieder aus ihren Augen blitzen. Stark und schön will ich meine Jugend. Ich werde sie in allen Leibesübungen ausbilden lassen. Ich will keine intellektuelle Erziehung. Mit Wissen verderbe ich mir die Jugend. Aber Beherrschung müssen sie lernen. Sie sollen mir in den schwierigsten Proben die Todesfurcht besiegen lernen. Das ist die Stufe der heroischen Jugend. Aus ihr wächst die Stufe des Gottmensch."
"Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn nun diese Knaben, diese Mädchen mit ihren zehn Jahren in unsere Organisationen hineinkommen und dort so oft zum ersten Mal überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitler-Jugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre, und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unserer alten Klassen- und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei oder in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK und so weiter. Und wenn sie dort zwei und anderthalb Jahre sind und noch nicht ganze Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs oder sieben Monate geschliffen. (...) Und wenn sie dann nach zwei oder drei oder vier Jahren zurückkehren, dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall rückfällig werden, sofort in die SA, SS und so weiter, und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thema und Sachanalyse: Dieses Kapitel erläutert die Einbettung des Themas "Nationalsozialistische Erziehung" in den Berliner Rahmenlehrplan und stellt den Bezug zum Pflichtthema "Demokratie und Diktatur" her.
2. Das Material: Hier wird das entwickelte Arbeitsmaterial vorgestellt, welches neben dem gekürzten Quellentext auch Arbeitsaufträge, eine Wörterklärungsliste sowie Satzmuster umfasst.
3. Kompetenzstandards des Berliner Rahmenlehrplans: Der Abschnitt analysiert, wie das Material zur Förderung von Deutungs-, Analyse-, Methoden- sowie Urteils- und Orientierungskompetenz bei den Schülern beiträgt.
4. Konkretisierung der Standards und individuelle Kompetenzentwicklung der SuS: Dieses Kapitel beschreibt die methodische Strukturierung der Aufgaben, um sowohl sprachschwache Schüler als auch den gesamten Klassenverband optimal zu fördern.
5. Aspekte der sprachsensiblen Förderung: Hier werden die didaktischen Entscheidungen zur Textbearbeitung, zur Nutzung visueller Hilfen (Propaganda-Bild) und zur Anwendung von Wortschatz- und Satzhilfen im DaZ-Unterricht dargelegt.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Erziehungsziele, Sprachsensible Förderung, DaZ, Berliner Rahmenlehrplan, Historisches Lernen, Quellenarbeit, Methodenkompetenz, Analysekompetenz, Ideologie, Propaganda, Unterrichtsplanung, Textverständnis, Klassenbewusstsein, Hitlerjugend.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Aufbereitung eines historischen Quellentextes (eine Hitler-Rede von 1938) für den Einsatz im Geschichts- oder Deutschunterricht, insbesondere in Klassen mit heterogenen sprachlichen Voraussetzungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die nationalsozialistische Erziehungsideologie, die methodische Förderung von Textkompetenz im Zweitsprachenunterricht (DaZ) und die praktische Umsetzung historischer Kompetenzstandards.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Schülern den Zugang zu komplexen historischen Quellen durch gezielte sprachliche Hilfsmittel und methodische Progression zu erleichtern, um eine kritische Auseinandersetzung mit NS-Erziehungsidealen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der didaktischen Analyse und Materialentwicklung, unter Einbeziehung fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Literatur zur Leseförderung und zum historischen Lernen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Rahmenlehrplanbezug, die Struktur der Aufgaben sowie konkrete Strategien zur sprachsensiblen Textarbeit erläutert, wie etwa Wortklärungen und Satzmuster.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Erziehungsziele, sprachsensible Förderung, DaZ und Methodenkompetenz.
Warum wurde der Quellentext für den Unterricht gekürzt und bearbeitet?
Die Kürzung und Bearbeitung dient der Reduktion kognitiver Überforderung bei sprachschwächeren Schülern, um den Fokus auf die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Ideologie zu legen, ohne durch zu hohe sprachliche Komplexität abzuschrecken.
Welche Funktion hat die Wörterklärungsliste im Material?
Sie unterstützt Schüler bei der Entschlüsselung fachspezifischer oder veralteter Begriffe aus der Zeit des Nationalsozialismus und hilft, Verständnisbarrieren bei der Lektüre der historischen Rede abzubauen.
Warum wurde ein Propagandabild in den Text integriert?
Das Bild dient der Visualisierung und Kontextualisierung, um die Motivation zu steigern und den Inhalt des Textes durch eine authentische visuelle Quelle des Regimes zu verdeutlichen.
- Quote paper
- Benoit Decormeille (Author), 2015, Didaktisierung eines Fachtextes: "Hitler in einer Rede über die nationalsozialistische Erziehung", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334658