Die Frage, was eine Forschungsmethode wissenschaftlich macht und ob es lediglich eine „richtige“ Art des wissenschaftlichen Arbeitens im Sinne von rein qualitativer bzw. rein quantitativer Forschung gibt, hat in der Wissenschaftsdiskussion, besonders im Rahmen des Methodenstreits in den Sozialwissenschaften, eine zentrale Stellung eingenommen.
Je nach Wissenschaftskultur beziehungsweise -disziplin ist eine unterschiedliche Methodenorientierung vorhanden. Tendenziell (und daher auch mit Ausnahmen) können die beiden Richtungen den wissenschaftlichen Bereichen der Naturwissenschaft (quantitativ) und der Geisteswissenschaft (qualitativ) als Grundorientierung zugeordnet werden. Daher ist die Betrachtung von Methodenunterschieden und sich daraus eventuell ergebenden Schwierigkeiten in Kommunikation, Anerkennung und Zusammenarbeit von Personen aus unterschiedlichen Wissenschaftskulturen besonders im Hinblick auf die Perspektive von Interdisziplinarität interessant.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quantitatives Vorgehen
3. Qualitatives Vorgehen
4. Vergleich und Kombination
5. Diskussion und Interdisziplinarität
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden und analysiert, inwiefern die Überwindung methodischer Distanzen die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern kann.
- Grundlagen und Unterschiede quantitativer und qualitativer Forschungsansätze
- Methodenstreit in den Sozialwissenschaften und dessen Einfluss auf die Wissenschaftskultur
- Chancen und praktische Möglichkeiten der Kombination beider Methodiken
- Methodisches Handwerk als Schlüsselfaktor für interdisziplinäre Forschung
Auszug aus dem Buch
Die Nutzung von Fallstudien in der empirischen Sozialforschung kann dazu dienen, die aus Umfragen mittels quantitativer Verfahren konstruierten Typen von Personen zu illustrieren und mit Leben zu erfüllen. Mehrdeutige und verschwommene Antworten auf offene Fragen aus strukturierten Befragungen können durch Intensivinterviews gezielt geklärt werden.
Gehen wir also davon aus, dass eine Kombination der Methoden in gewissen Bereichen eines Forschungsvorhabens (im Sinne der Mixed Methodology) möglich ist, so eröffnet dies die Erforschung eines Phänomens in einer deutlich umfangreicheren und tiefgründigeren Weise, da Aspekte, die mit dem Methodenrepertoire lediglich einer der beiden Ansätze nicht erfasst werden können, nun zugänglich gemacht werden.
Betrachtet man den Gewinn einer Integration qualitativer und quantitativer Forschung für die jeweils andere Seite, so zeigt sich bspw., dass quantitative Forschung durch Einbezug qualitativer Strategien eine neue Form der Nähe zum Untersuchungsobjekt sowie einen direkteren Alltagsbezug erreicht. Qualitative Forschungsprojekte hingegen erlangen durch quantitative Methoden und Forschungsstrategien eine bessere Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit. Quantitative Analysen qualitativer Erhebungen führen zu einer stärkeren Verallgemeinerbarkeit, welches als wichtiges Argument gegen mangelnde Wissenschaftlichkeit fungiert (Vgl. Mayring, 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der methodischen Debatte und die Herausforderungen für die Interdisziplinarität durch verhärtete Fronten zwischen den Disziplinen.
2. Quantitatives Vorgehen: Dieses Kapitel definiert quantitative Ansätze als nomothetisch und deduktiv, mit Fokus auf Messoperationen, Kontrolle von Störvariablen und Verallgemeinerbarkeit.
3. Qualitatives Vorgehen: Hier werden qualitative Methoden als idiographisch und induktiv beschrieben, die darauf abzielen, Phänomene im Feld tiefgründig und holistisch zu erfassen.
4. Vergleich und Kombination: Das Kapitel kontrastiert beide Ansätze anhand von Attributen und erörtert die Potenziale der methodischen Integration sowie der Mixed Methodology.
5. Diskussion und Interdisziplinarität: Es wird diskutiert, wie die gegenseitige Anerkennung beider Ansätze die interdisziplinäre Zusammenarbeit erleichtern und neue Forschungsqualitäten hervorbringen kann.
6. Fazit: Das Fazit unterstreicht die Notwendigkeit, methodische Strukturen neben inhaltlichen Aspekten als essenziell für den Erfolg interdisziplinärer Forschung anzuerkennen.
Schlüsselwörter
Quantitativ, Qualitativ, Interdisziplinarität, Forschungsmethoden, Methodenstreit, Mixed Methodology, Wissenschaftskultur, Nomothetisch, Idiographisch, Datenerfassung, Erkenntnistheorie, Fallstudien, Validität, Wissenschaftliches Arbeiten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Verhältnis zwischen quantitativen und qualitativen Methoden und diskutiert deren Bedeutung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die methodische Differenz zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, der wissenschaftstheoretische Methodenstreit sowie Strategien zur methodischen Kombination.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie eine Annäherung oder Kombination beider Forschungsansätze dazu beitragen kann, interdisziplinäre Forschung auf eine neue, fruchtbarere Stufe zu heben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Gegenüberstellung bestehender wissenschaftlicher Konzepte sowie einer Literaturdiskussion zum Thema Mixed Methodology.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung quantitativer und qualitativer Ansätze, deren tabellarische Gegenüberstellung sowie die Diskussion über die praktische Kombination beider Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Quantitativ, Qualitativ, Interdisziplinarität, Methodenstreit, Mixed Methodology und Wissenschaftskultur.
Inwiefern beeinflussen Vorurteile die interdisziplinäre Arbeit?
Vorurteile wie die Abwertung „schwammiger“ qualitativer Methoden oder die Reduktion auf bloße Zahlen bei quantitativen Ansätzen behindern die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftsdisziplinen.
Welchen Vorteil bietet die Kombination beider Ansätze?
Die Kombination ermöglicht ein ganzheitlicheres Bild von Forschungsphänomenen, indem sie die Stärken beider Welten (z.B. Verallgemeinerbarkeit vs. Tiefenverständnis) vereint.
- Quote paper
- Niclas Niemann (Author), 2016, Qualitative vs. quantitative Methoden. Herausforderung oder Chance für Interdisziplinarität?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334670