Fremdsprachenlehrwerke vermitteln weitaus mehr als Sprachkenntnisse: sie sind oftmals erster und intensiver Kontakt der Lernenden mit der Kultur des Zielsprachenlandes. Die Bilder, die das Lehrbuch von dem fremden Land erschafft, prägen die Vorstellungen der Lernenden oft maßgeblich und weitreichend. Ein relevanter Teil dessen, was wir dabei als Kultur bezeichnen, sind die kulturspezifischen Konzepte von Weiblichkeit und Männlichkeit. Der Vermittlung speziell dieser Konzepte widmet sich die vorliegende Arbeit.
Untersucht werden soll also, wie Frauen und Männer in DaF-Lehrwerken dargestellt werden und ob dies auf eine gendersensible Art und Weise geschieht. Was aber verstehen
wir unter Gendersensibilität? Und was hat eigentlich Sprache mit all dem zu tun? Eben diesem Zusammenhang zwischen Gender und Sprache wird im ersten Teil der Arbeit
nachgegangen. Auf diese Weise wird eine linguistische Basis geschaffen, auf die bei der Lehrwerkanalyse zurückgegriffen werden kann. Zunächst wird ein breiter Überblick über verschiedene DaF-Lehrwerke hinsichtlich des Aspektes "Gender und Sprache" gegeben, bevor sich die Arbeit der Analyse des Lehrwerks "Aspekte" widmet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlage
2.1. Was ist eigentlich „Gender?“
2.2. Warum „Gender und Sprache?“
2.3. Aspekte der linguistischen Gender-Forschung
2.3.1. Sprachgebrauch und Kommunikationsverhalten
2.3.2. Grammatik
2.3.3. Gendersensible Sprache
2.3.4. Textuelle Repräsentation von Geschlechtern
3. „Gender und Sprache“ in DaF-Lehrwerken
3.1. Forderungen an DaF-Lehrwerke
3.1.1. Gendersensible Gestaltung für Unterrichtsmaterialien
3.1.2. Spezifische Anforderungen an DaF-Lehrwerke
3.1.3. Forschungsstand zu DaF-Lehrwerk-Analysen
3.1.4. Zwischenbilanz
4. Analyse: Aspekte Mittelstufe Deutsch
4.1. Analyse der Abbildungen
4.1.1. Quantitative Analyse
4.1.2. Qualitative Analyse
4.2. Analyse der Texte und Übungen
4.2.1. Quantitative Analyse
4.2.2. Qualitative Analyse
4.2.2.1. Beziehungen/Lebensformen
4.2.2.2. Berufsgruppen
4.2.2.3. Interessensgebiete
4.3. Geschlechterstereotype Zuweisungen
4.4. Anrede und Personenbezeichnungen
4.5. Explizite Informationen und Denkanstöße
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die gendersensible Darstellung von Frauen und Männern in DaF-Lehrwerken, um aufzuzeigen, inwieweit kulturelle Konzepte von Geschlecht in Unterrichtsmaterialien reproduziert oder hinterfragt werden.
- Theoretische Verknüpfung von Gender und linguistischer Forschung.
- Analyse von Abbildungen, Texten und Übungen in Lehrwerken der Reihe "Aspekte Mittelstufe Deutsch".
- Überprüfung der Rollenverteilung und Berufsdarstellung in DaF-Materialien.
- Bewertung der gendersensiblen Gestaltung und Identifikationsmöglichkeiten für Lernende.
- Identifikation von Potenzialen zur Integration einer gendersensiblen Didaktik im Unterricht.
Auszug aus dem Buch
2.1. Was ist eigentlich „Gender?“
Der Begriff Gender bezeichnet das soziokulturelle Geschlecht und ermöglicht eine Differenzierung gegenüber dem biologischen Geschlecht, engl. sex. Der Begriff geht auf den Psychoanalytiker Robert Stoller zurück und wurde durch Harold Garfinkels Studie (1967) zur transsexuellen Agnes geprägt. In der soziologischen Verwendung des Begriffs lag der Fokus zunächst auf Abweichungen von Geschlechtsnormen, im Zuge der feministischen Forschung wurde das Genderkonzept aber weiterentwickelt. So beschreibt etwa Erving Goffmann (1977/94) unter dem Namen Gender display Techniken, mit denen der biologische Unterschied der Geschlechter zur grundlegenden Kategorisierung unserer sozialen Wirklichkeit wird und die konstruierte Zweiteilung der Geschlechter die Gesellschaft strukturiert. Besonders wegweisend erwies sich das Konzept des doing gender von West/Zimmermann aus dem Jahr 1987. Geschlechtszugehörigkeit ist ihnen nicht länger etwas, das eine Person einfach von Geburt an hat. Geschlecht ist vielmehr etwas, das getan wird. Geschlecht wird gewissermaßen zu einer Leistung, die im Laufe jeder sozialen Interaktion dynamisch hergestellt wird. Im Laufe unserer kulturellen Sozialisation werden wir mit kulturspezifischen Erwartungen von gender-adäquatem Verhalten konfrontiert. So wird Gender anhand der jeweiligen kulturspezifischen Praktiken des doing gender erlernt (vgl. zu diesem Kapitel Günthner 2013: 361-363).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz von Fremdsprachenlehrwerken als Kulturvermittler und führt in die Fragestellung zur gendersensiblen Darstellung in DaF-Lehrwerken ein.
2. Theoretische Grundlage: Dieses Kapitel etabliert eine linguistische Basis durch die Definition von Gender und die Erläuterung der Bedeutung von Sprache bei der Indizierung von Geschlecht.
3. „Gender und Sprache“ in DaF-Lehrwerken: Hier werden Forderungen an eine gendersensible Gestaltung von Lehrmaterialien formuliert und der bisherige Forschungsstand zu DaF-Lehrwerk-Analysen kritisch reflektiert.
4. Analyse: Aspekte Mittelstufe Deutsch: Das Kernkapitel präsentiert eine detaillierte qualitative und quantitative Untersuchung der Abbildungen, Texte und Übungen des Lehrwerks "Aspekte Mittelstufe Deutsch" hinsichtlich Stereotypen und Rollenbildern.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach zwar eine Bemühung um Gendersensibilität erkennbar ist, aber noch erhebliche Defizite in der detaillierten Ausarbeitung bestehen.
Schlüsselwörter
Gender, DaF-Lehrwerke, Gendersensibilität, Sprachdidaktik, Geschlechterstereotype, doing gender, Rollenbilder, Personenbezeichnungen, Linguistische Gender-Forschung, Identifikationsmöglichkeiten, Sprachgebrauch, Aspekte Mittelstufe Deutsch, Lehrmaterialien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Frauen und Männer in Deutsch als Fremdsprache (DaF)-Lehrwerken dargestellt werden und ob diese Darstellung gendersensibel erfolgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen von Gender in der Linguistik, die Anforderungen an Unterrichtsmaterialien sowie die Analyse konkreter Lehrbuchbeispiele.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis einer linguistischen Analyse aufzuzeigen, ob DaF-Lehrwerke ein gendersensibles Geschlechterbild vermitteln oder ob Stereotype reproduziert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus quantitativer und qualitativer Inhaltsanalyse von Texten und Abbildungen innerhalb der untersuchten Lehrwerke durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von Abbildungen, Personenbezeichnungen, Berufsgruppen und Interessengebieten im Lehrwerk "Aspekte Mittelstufe Deutsch".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Gender, DaF-Lehrwerke, Gendersensibilität, Geschlechterstereotype und linguistische Gender-Forschung.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in Lehrbuch 1 von den Bänden 2 und 3?
Während Lehrbuch 1 ein ausgeglicheneres Verhältnis in den Abbildungen zeigt, ist in den Bänden 2 und 3 ein Anstieg der Differenz zugunsten männlicher Darstellungen festzustellen.
Welche Rolle spielt die "Expertennennung" in der Analyse?
Die Analyse zeigt, dass in Sachtexten überwiegend männliche Experten zu Wort kommen, was ein Ungleichgewicht in der fachlichen Autorität widerspiegelt.
Inwiefern beeinflusst das Lehrwerk die Identifikation der Lernenden?
Das Lehrwerk bietet zwar Identifikationsmöglichkeiten, durch stereotype Zuweisungen und das Übergewicht bestimmter Berufsbilder kann die Vielfalt an Vorbildern jedoch eingeschränkt werden.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, Sprache und Gender in DaF-Lehrwerken. Das Lehrwerk "Aspekte", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334673