Die Schwarze Szene. Musik, Lebens- und Geisteshaltung der Gothics


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 1,0

Bernd Lauert (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist eine Subkultur

3. Wer oder was ist die schwarze Szene

4. Musik der schwarzen Szene

5. Modestile innerhalb der Szene
5.1 Mittelalter
5.2 Barockzeit
5.3 Gothic
5.4 Cybergoth
5.5 Fetischmode

6. Lebens und Geisteshaltung
6.1 Mystik, Okkultismus, Satanismus
6.2 Politische Tendenzen innerhalb der Schwarzen Szene

7. Feldbericht

8. Fazit

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Schwarzen Szene als Subkultur. Ziel der Arbeit ist dabei die Schwarze Szene in ihren Eigenheiten soweit, wie in diesem Rahmen möglich, zu charakterisieren. Bevor ich jedoch die schwarze Szene als solchen beschreibe, werde ich versuchen den Begriff Subkultur zu definieren, damit ein einheitlicher Konsens darüber besteht, was genau die Schwarze Szene aus struktureller Sicht ist. Danach werde ich die präferierte Musik dieser Szene charakterisieren und auf die verschiedenen Modestile sowie auf die Lebens- und Geisteshaltung der Menschen eingehen, wobei ich ein besonderes Augenmerk auf die immer wieder aufkommenden Satanismus-Vorwürfe gegen die Szene legen werde. Beenden werde ich die Hausarbeit mit einem kleinen Feldbericht, welchen ich selber im Zuge einer teilnehmenden Beobachtung angefertigt habe.

Die schwarze Szene ist eine Subkultur, der innerhalb der letzten 30 Jahre immer mehr mediale Aufmerksamkeit zukam. Dies begann mit Berichten in Magazinen und gipfelte in aufwendig produzierten Dokumentationen über die Mitglieder der Subkultur. Dabei wird immer wieder vor allem die Kreativität der einzelnen Szenegänger in den Vordergrund gestellt und auf die Beschäftigung mit Themen wie dem Tod, okkulten Riten und natürlich die Musik eingegangen. Jedoch werden nicht nur positive Dinge über die Schwarze Szene berichtet. So wird sie immer wieder mit dem Satanismus in Verbindung gebracht. Auch Unterstellungen bezüglich rechten Gedankenguts innerhalb der Szene von Seiten der Medien sind nicht selten. Des Weiteren werden die Gothics, beziehungsweise die Mitglieder der Schwarzen Szene, auch mit Ignoranz bezüglich gesellschaftlicher Werte oder mit Friedhofsvandalismus in Verbindung gebracht. Diese negative Berichterstattung zeugt vermutlich daher, dass positive Berichte für den Konsumenten eher langweilig sind, weswegen die Berichte immer negativer und reißerischer ausfallen müssen. Diese Entwicklung ist allerdings nicht nur bei der Berichterstattung über die schwarze Subkultur zu beobachten.(Vgl. Behr 2007: 4f) Schon allein aufgrund dieser dauerhaften Fehlinformation ist es aus meiner Sicht notwendig, dass eine gewisse Aufklärung über die Schwarze Szene stattfindet, damit die Menschen, welche die oft fehlerhafte Berichterstattung mitbekommen, bemerken, dass nicht die Szene an sich schlecht oder gar gefährlich ist, sondern, dass es vereinzelte Menschen innerhalb der Szene sind, welche sich gegen die eigentlichen Werte der Schwarzen Szene, beispielsweise Toleranz und Friedfertigkeit, stellen und deswegen die gesamte Szene in Verruf bringen.

2. Was ist eine Subkultur?

„Kultur ist die Summe aller Institutionen, Bräuche, Werkzeuge, Normen, Weltordnungssystemen, Präferenzen, Bedürfnisse usw.“ (Tyler nach Schwendter 1973: 10) Subkulturen sind ein Teil der Gesellschaft, welche sich allerdings in den eben genannten Merkmalen stark von der gängigen und allgemeinen Institutionen unterscheiden. Ebenso, wie die Kultur, ist auch die Subkultur das Ergebnis von Sozialisationsprozessen. Auch, wenn man bei dem Begriff der Subkulturen meist an jugendliche Bewegungen, wie zum Beispiel Rocker, Hippies und Studentenbewegungen, denkt, so fallen beispielsweise auch fundamentale Christen, Sektenmitglieder und kriminelle Alkoholiker in dieses Definitionsraster, da sich ihre Normen und Werte meist grundlegend von der vorherrschenden Ansicht der Gesellschaft unterscheiden. (Vgl. Schwendter 1973:11) Die Jugendkultur hingegen stellt eine Institution dar, welche von der Jugend selbst geschaffen wurde, um den Bedürfnissen der Jugend selbst gerecht zu werden. Der Begriff der Jugendkultur wird oft mit dem Begriff Szene gleichgesetzt. Das Problem bei der Definition dieses Begriffes ist, dass es viele verschiedene Jugendkulturen und Szenen gibt, welche sich in Auftreten, Kleidung, Körpersprache, Musikpräferenzen und Freizeitaktivitäten unterscheiden. Das einzige, was alle Subkulturen gemeinsam haben, ist, dass es sich dabei um ein „relativ geschlossenes kulturelles System oder Teilsystem der Population [handelt], die innerhalb des Gesamtsystems unserer nationalen Kultur eine Welt für sich darstellen. “ (Thiele nach Behr 2007: 11)

3. Wer oder was ist die Schwarze Szene?

Die Frage danach, was die Schwarze Szene ist, oder wer genau dazu gehört, ist schwieriger zu beantworten, als man im ersten Moment möglicherweise vermutet. Es handelt sich in gar keinem Fall um eine homogene Gruppe, die mit einem uniformen Gedankengut, einem einheitlichen Musikstil, oder einem gemeinsamen Kleidungsstil heraussticht. Im Vergleich zu den Punks lässt sich in der Schwarzen Szene auch keine einheitliche politische Haltung wiederfinden. Im Vergleich zu den Ravern oder den „normalen Diskogängern“ ist auch der Musikgeschmack der gesamten Schwarzen Szene zu divergiert.

Ihren Ursprung hatte die Schwarze Szene Ende der 80er Jahre mit Robert Smith, welcher als Sänger der Band „The Cure“ als Erfinder des Kleidungsstils gilt. Dieser Kleidungsstil wiederum ist nur eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was schon in einigen Teilen der Punkszene zu dieser Zeit Mode war. Die schwarze Kleidung, die auftoupierten Haare und das blass geschminkte Gesicht, wurden schnell von den Anhängern Band übernommen. Durch die eigene kreative Weiterentwicklung des Kleidungsstils seitens der Fans, bildete sich dann schnell ein eigener Stil heraus, der mit der Punk Szene nur noch wenig zu tun hatte. The Cure trug die Themen Tod, Vergänglichkeit und die Sinnlosigkeit der eigenen Existenz an das Volk, welche von den Fans der Band schnell aufgegriffen und adaptiert wurden und heute ein Markenzeichen der Schwarzen Szene sind. (Vgl. Farin 2001: 157f) Die philosophische Beschäftigung mit dem Tod und der eigenen vergänglichen Existenz ist bis heute ein Attribut der Szene, welches sich konsequent in der Literatur, der Kunst und auch in der Musik widerspiegelt. Zur schwarzen Szene gehört, wer sich selbst dazu zählt. Das augenscheinlichste Merkmal der Szene ist die meist schwarze Kleidung und der Schminkstil. Dabei wird das Gesicht beispielsweise sehr blass geschminkt, während die Augen durch schwarzen Kajal betont werden. Doch auch Kleidungs- und Schminkstil sind innerhalb der Untergruppen der Schwarzen Szene teilweise grundlegend verschieden. So unterscheiden sich die sogenannten Cyber-Goths mit ihren Haarteilen aus Kunsthaar, welche aussehen wie fein geflochtene Rastalocken, den hohen Schuhen mit meist sechs oder mehr Zentimetern Absatz, den ansonsten sehr knappen Hosen mit Netzstrumpfhosen darunter und den meist in grellen Farben gehaltenen Oberteilen, sehr stark von den Anhängern der Szene, welche sich in schwere Brokatkleidern aus dem Viktorianischen Zeitalter kleiden. Jedoch ist Schwarz in den meisten Untergruppen der Schwarzen Szene ein konstantes Merkmal der Kleidung.

Die Anhänger der Schwarzen Szene selbst wenden sich mit vehementer Entschlossenheit gegen jegliche Art der Verallgemeinerung. So zählen sich Menschen zu ihr, die äußerlich völlig normal erscheinen, sich jedoch ausgiebig mit der Musik befassen, oder auch Menschen, welche den Kleidungsstil der Gothics übernehmen und sich eben gerne für solche Partys verkleiden, jedoch privat eine ganz andere Musik hören. (Vgl. Behr 2007: 74)

4. Musik der Schwarzen Szene

Die gesamte Genesis der Musik der schwarzen Szene darzustellen wäre ein Projekt, welches den Rahmen dieser Arbeit bei Weitem überschreiten würde. Zur Entstehung der schwarzen und melancholischen Musik sei gesagt, dass es schon in der Zeit der Romantik Musiker gab, die eher die Moll-Tonarten bevorzugten, um damit eine düstere Atmosphäre zu erschaffen. Die berühmtesten Vertreter dieser Richtung dürften Johann S. Bach, Ludwig van Beethoven, und Richard Wagner sein. (Vgl. Schmidt und Neumann-Braun 2004: 254) Die modernen Wegbereiter dieser Musik sind allerdings eher Vertreter des Glam Rock und des psychodelischen Rocks wie Pink Floyd und The Doors. Die Musik der Gothics soll vor allem dazu dienen, die Seele zu beruhigen und Aggressionen abzubauen. Die Musik der Schwarzen Szene ist unter anderem deshalb so vielfältig, weil sie es sich zum Ziel setzt, viele, wenn nicht sogar alle denkbaren Emotionen eines Menschen abzudecken. So gibt es Bands, welche mit lauten, verzerrten Gitarren, schnellen und treibenden Schlagzeugspuren die Aggression der Zuhörer und Bandmitglieder bedienen, aber auch Bands, welche mit sehr melancholischen Klängen zum Nachdenken anregen sollen. Es gibt mittelalterliche Klänge, welche beispielsweise im Dark-Metal mit Rock- und Metalelementen gepaart werden, oder die Industrial-Metal, in welchem Metal mit Elementen aus der Elektronischen Musik verbunden wird. Die Texte differieren auch sehr stark von Untergruppe zu Untergruppe. Von depressiven und suizidalen Gedanken innerhalb der Batcave- und Darkwaveszene über die Auseinandersetzung mit Religion, Satanismus und Philosophie bis hin zum Behandeln historischer Texte in eher mittelalterlich gehaltenen Stücken. Dabei kann man die Musikrichtungen sowohl nach der Verwendung der Texte, als auch nach Verwendung der Instrumente unterscheiden. (Vgl. Behr 2007: 85f und Wallraff 2001: 45ff) Neben dem durch Gitarren getragenen Musikstücken gibt es auch Musik innerhalb der Schwarzen Szene, welche gänzlich auf herkömmliche Instrumente und Gesang verzichtet und nur auf elektronisch erzeugten Klängen und harten Beats basiert. Beispielhaft dafür ist der reine Industrial. Es fällt nicht schwer zu behaupten, dass die Vielfalt der gehörten Musik innerhalb der Szene riesig, beinahe unüberschaubar ist. Selbst Szenegängern, welche sich seit Jahrzehnten innerhalb der Schwarzen Szene bewegen, fällt es oftmals schwer eine eindeutige Einordnung der Bands in eine musikalische Sparte vorzunehmen, was vor allem an der Mischung der Musikstile liegt. Mittelalterliche, romantisch-melancholische Musik, Dark-Metal, Neo-Folk, Folk-Metal, Wave und Dark-Wave, Gothic Rock, Glam Rock, EBM (Electric Body Music, Industrial, Industrial- Metal und sexualisierte SM Musik sind nur einige der Sparten, die man nennen will. Wolle man jedoch jede einzelne der Musikrichtungen in ihren Einzelheiten beschreiben und auf die verwendeten Texte eingehen, könnte man mit dem gesammelten Material ganze Bibliotheken füllen.

5. Modestile in der schwarzen Szene

Für die Mitglieder der Schwarzes Szene ist es wichtig, ihre Szenezugehörigkeit auch nach Außen zu tragen. Aus diesem Grund haben Themen wie Styling, Schmuck, Kleidung und Make-Up höchste Priorität.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Schwarze Szene. Musik, Lebens- und Geisteshaltung der Gothics
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
"Jung sein in einer alternden Gesellschaft"
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V334682
ISBN (eBook)
9783668243316
ISBN (Buch)
9783668243323
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gothic, Schwarze Szene, Wave Gothic Treffen, Grufti, Alternative, Subkulturen, Cyber, Batcave, Horrorpunk, Mittelalter, Industrial, Jugendkultur, Okkultismus, Satanismus
Arbeit zitieren
Bernd Lauert (Autor), 2012, Die Schwarze Szene. Musik, Lebens- und Geisteshaltung der Gothics, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334682

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