Personen sind sozusagen die Atome der Organisationen. Organisationsentwicklung kommt nicht ohne die Entwicklung der beteiligten Personen und ihrer Persönlichkeit aus. Verbleiben die Menschen innerlich dort wo sie sind, so wird sich die Organisation nicht erfolgreich und nachhaltig entwickeln können. Der Organisationsentwickler betrachtet die Organisation und seine eigenen Handlungsmöglichkeiten mit einer bestimmten Haltung.
Der Schluss liegt nahe, dass er auch die Menschen in der Organisation mit einer bestimmten Haltung behandeln muss, damit auch sie sich erfolgreich entwickeln können. Warum liegt dieser Gedanke nahe, welche Haltung könnte dies sein und wie konkret kann er sich verhalten?
Inhaltsverzeichnis
1. Essay
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Haltung von Führungskräften und Personalentwicklern im Kontext der Organisationsentwicklung. Es wird analysiert, inwiefern systemtheoretische Konzepte, wie Autopoiese und Respekt vor der inneren Autonomie der Mitarbeiter, als Grundlage für eine erfolgreiche Personalentwicklung dienen können, um eine nachhaltige Veränderungsbereitschaft zu fördern.
- Die Rolle der Haltung in der systemischen Organisationsentwicklung
- Persönlichkeitsentwicklung als autopoietischer Prozess
- Die Unmöglichkeit linearer Intervention bei menschlichen Subsystemen
- Methoden der wirkungsorientierten Kommunikation und Resonanzbildung
- Reversibilität und Vorbildfunktion als Führungsinstrumente
Auszug aus dem Buch
Die Haltung des Organisationsentwicklers
Die Organisationsentwicklung betrachtet Organisationen mit großem Respekt. Sie schätzt das innere Expertentum der Organisationsmitglieder, seien es Einzelne, Teams oder größere Gruppen. Ja, sie geht sogar davon aus, dass es ausserhalb der Organisation gar keine Experten für das jeweilige Innere gibt. Deswegen legt sie besonderen Wert auf die Begleitung von Entwicklungsprozessen unter größtmöglicher Liberalität dem Prozessinhalt gegenüber. Die Organisation kann sich nur selbst entwickeln. Der Organisationsentwickler kann ihr dabei kompetent helfen und dies kann sich auch entscheidend auf die Qualität und den Erfolg des Entwicklungsprozesses auswirken. Diese respektvolle Haltung der Systemumwelt gegenüber dem System, das sich entwickeln möchte, ist meiner Ansicht nach von entscheidender Wichtigkeit.
Ein ebenso entscheidender Aspekt in der Haltung des Organisationsentwicklers ist die Auffassung, dass Entwicklung in Systemen autopoietisch ist und nur so sein kann. Das System entwickelt sich immer nur aus sich selbst heraus und auf der Grundlage dessen was es bereits ist und kann. Dieser Aspekt ist artverwandt mit dem Aspekt des Respekts. Wenn die Entwicklung nur selbstständig durch das System realisiert werden kann, dann ist letztlich äusserer Druck oder gar Zwang sicher die Ultima Ratio, der letzte Schritt vor dem Alles-oder-nichts. Und selbst dann kann das System die notwendige Entwicklung unter Inkaufnahme des eigenen Unterganges verweigern oder fahrlässig verpassen. Das Gras wächst eben nicht schneller, nur weil man daran zieht. Weil es nicht kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Essay: Der Essay beleuchtet die systemtheoretischen Grundlagen der Personalentwicklung und plädiert für eine respektvolle, indirekte Führungshaltung, die Autonomie und Selbstorganisationsfähigkeit der Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellt.
Schlüsselwörter
Organisationsentwicklung, Systemtheorie, Personalentwicklung, Autopoiese, Führungshaltung, Persönlichkeitsentwicklung, Resonanz, Reversibilität, Kommunikation, Selbstorganisation, Mitarbeiterführung, Interventionsmethodik, Konstruktivismus, Unternehmenskultur, Veränderungsprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen systemischer Organisationsentwicklung und der individuellen Personalentwicklung im betrieblichen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die systemtheoretische Betrachtung von Organisationen, das Menschenbild in der Führung sowie die methodische Gestaltung von Entwicklungsprozessen durch Feedback und Kommunikation.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Führungskräfte durch eine wertschätzende und systemgerechte Haltung die natürliche Entwicklungsdynamik ihrer Mitarbeiter fördern können, anstatt auf lineare, oft ineffektive Zwangsinstrumente zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Reflexion unter Einbeziehung systemtheoretischer und konstruktivistischer Ansätze, untermauert durch Fachliteratur zur Organisationsentwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Analogie zwischen Organisations- und Personalentwicklung, das Prinzip der Autopoiese, die Bedeutung von Respekt und Reversibilität sowie konkrete Ansätze für eine wirkungsorientierte Kommunikation erörtert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Autopoiese, systemische Haltung, Reversibilität und die Abkehr von einer rein zielorientierten hin zu einer wirkungsorientierten Kommunikation.
Warum betont der Autor die "autopoietische" Entwicklung von Systemen?
Weil er argumentiert, dass menschliche Systeme sich nicht von außen "programmieren" lassen, sondern Entwicklung immer nur aus dem System selbst heraus auf Basis der vorhandenen Struktur erfolgen kann.
Was bedeutet das Konzept der "Reversibilität" im Führungskontext?
Reversibilität bedeutet, dass eine Führungskraft nur solche Verhaltensweisen und Kommunikationsstile anwenden sollte, die sie selbst auch als akzeptabel oder wünschenswert empfinden würde, wenn sie ihr gegenüber angewandt würden (Kommunikation auf Augenhöhe).
Wie bewertet der Autor das Sprichwort „Tiger ändern ihre Streifen nicht“?
Der Autor hinterfragt dieses pessimistische Menschenbild und ergänzt es durch die optimistische Perspektive, dass Menschen als lebendige Systeme sehr wohl zu nachhaltigen Entwicklungen fähig sind, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.
- Quote paper
- Ulrich Mann (Author), 2014, Über die Haltung in der systemischen Organisationsentwicklung. Tiger ändern ihre Streifen nicht! Oder vielleicht doch?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334683