Das "Book of Curiosities". Darstellung und Beschreibung der Himmelssphären und Tierkreiszeichen

Eine Quelleninterpretation


Hausarbeit, 2016
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das „Book of Curiosities of the Sciences and Marvels for the Eyes“
2.1.Die kosmographische Abhandlung - Autorschaft, Entstehungszeitraum und Entstehungsort
2.2. Aufbau der kosmographischen Abhandlung und ihre Überlieferung im Manuskript

3. Das Verhältnis des Autors zur Astrologie und das Verständnis vom Kosmos
3.1. Sphären und Planeten
3.2. Die Tierkreiszeichen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1.Primärliteratur
5.1.1.Internetressourcen zur Primärquelle
5.2.Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die mantische Kunst der Astrologie, d. h. die Deutung von Gestirnkonstellationen zur Vorhersage irdischer Geschehnisse, steht seit ihrer Herausbildung in der Antike in einer langen kontinuierlichen Tradition und fasziniert bis heute. Im arabisch-islamischen Kulturraum des Mittelalters war die Astrologie die wohl bedeutendste und höchst angesehenste aller divinatorischen Praktiken.1 So ist aus dieser Zeit eine schier unüberschaubare Fülle an Quellen zur Astrologie erhalten geblieben.2 Die Mehrheit der arabisch-islamischen Quellen ist jedoch aufgrund der unübersichtlichen Quellenlage und der schweren Zugänglichkeit vieler Quellen bislang nicht ausreichend erforscht worden.3

Auch das sogenannte „Book of Curiosities“4, ein arabisches Manuskript aus dem frühen 12. oder späten 13. Jahrhundert, das sich seit Juni 2002 im Besitz der Bodleian Library befindet und eine bis dorthin unbekannte arabische kosmographische Abhandlung aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts enthält, ist im Hinblick auf das Themengebiet der Astrologie noch nicht ausreichend untersucht worden.5 Das „Book of Curiosities ist jedoch für die frühe Geschichte der Astrologie außerordentlich bedeutsam, da es durch die astrologischen Texte und Diagramme des Himmels das Wissen von muslimischen Astronomen, Historiker, Wissenschaftlern und Reisenden des neunten bis elften Jahrhunderts bewahrt.

Die vorliegende Quelleninterpretation soll einen ersten Schritt dazu darstellen, die aufgezeigten Lücken in der Forschung zum „Book of Curiosities“ zu schließen und hat gleichzeitig die Intention, einen kleinen Beitrag zur islamischen astrologischen Quellenarbeit zu leisten. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollen dazu die Darstellung und Beschreibung der Himmelsphären und Tierkreiszeichen im „Book of Curiosities“ untersucht und geschichtswissenschaftlich eingeordnet werden. Dabei wird die Frage im Vordergrund stehen, welches Verständnis vom Kosmos für die divinatorische Praktik der Astrologie von Bedeutung ist und welche Rolle die Sphären und Tierkreiszeichen dabei spielen.

In einem ersten Schritt wird es vonnöten sein, die wichtigsten Fakten zum „Book of Curiosities“ und die Kenntnisse zur Autorschaft, zum Entstehungsraum und zum Entstehungsort des Manuskripts sowie der kosmographischen Abhandlung herauszuarbeiten. Im Zuge dessen soll auch der Aufbau des „Book of Curiosities“ kurz umrissen werden, damit der zu untersuchende Abschnitt über die Sphären und Tierkreiszeichen in das Gesamtwerk eingeordnet werden kann. Im anschließenden Hauptteil der Arbeit wird der Inhalt des Quellenabschnitts zunächst kurz zusammengefasst und in einem nächsten Schritt interpretiert werden. Dazu muss zunächst das Verständnis des Autors vom Kosmos und sein Verhältnis zur Astrologie geklärt werden. Anschließend wird die Darstellung und Beschreibung der Sphären und Tierkreiszeichen analysiert. Es wird sich hierbei vor allem zeigen, dass das Denken in Analogien, Entsprechungen und Zusammenhängen für die divinatorische Praktik der Astrologie, aber auch für das Verständnis der Welt bedeutend war. Die anschließende Schlussbetrachtung soll die erarbeiteten Ergebnisse kurz zusammenfassen und klären, welchen Erkenntniswert die Quelle für die Fragestellung liefert.

2. Das „Book of Curiosities of the Sciences and Marvels for the Eyes“

Im Juni 2002 hat die Bodleian Libary der Universität Oxford ein neu entdecktes, illustriertes Manuskript einer bislang unbekannten arabischen kosmographischen Abhandlung aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts erworben. Das Manuskript, das weder signiert noch datiert ist, wurde vermutlich im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert von einem unbekannten Kopisten in Ägypten angefertigt.6 Der sich reimende arabische Titel des Werkes lautet „Kitāb Gharāʾib al-funūn wa-mulaḥ al-ʿuyūn“ und ist nun unter dem frei ins Englische übersetzten Titel „Book of Curiosities of the Sciences and Marvels for the Eyes“, kurz „Book of Curiosities“, bekannt.7

Das arabische Manuskript und die darin enthaltende kosmographische Abhandlung waren Wissenschaftlern völlig unbekannt, bis das Werk am 10. Oktober 2000 auf einer Londoner Auktion zum Verkauf angeboten wurde.8 Das Manuskript wurde von dem Londoner Antiquitätenhändler Sam Fogg erworben, der das Buch der Bodleian Library zu einem Preis weit unter dem wahren Marktwert anbot. Im Juni 2002 konnte die Bodleian Library der Universität Oxford das arabische Manuskript durch zahlreiche Spenden und Zuschüsse erwerben9 und seitdem befindet sich das Werk im Besitz der Bodleian Library.10

2.1. Die kosmographische Abhandlung - Autorschaft, Entstehungszeitraum und Entstehungsort

Der Autor der kosmographischen Abhandlung konnte bislang nicht identifiziert werden, da sein Name in keiner Kopie genannt wird. Savage-Smith und Rapoport zufolge lassen sich im Text jedoch viele Hinweise auf den ungefähren Entstehungszeitraum und Entstehungsort des Werkes finden, die wiederrum darauf hindeuten, wann und wo der unbekannte Autor gelebt und gearbeitet haben könnte.11

So weise der Autor in der Abhandlung mehrfach lobend auf die Herrschaft der muslimischen Fatimiden-Kalifen hin, die Kairo 973 bis 1171 regierten.12 Die Loyalität des Autors zu den Fatimiden-Kalifen sowie die gelegentliche Verwendung koptischer Begriffe und Monate, lasse Ägypten als Entstehungsort wahrscheinlich erscheinen.13 Ein weiterer Beleg für diese These ist der geographische Fokus der Abhandlung, der auf den im neunten bis elften Jahrhundert maritim bedeutenden, muslimischen Zentren des östlichen Mittelmeers, wie Sizilien, Tinnis im Nil-Delta und Mahdīyah im heutigen Tunesien, liegt. Das Wissen des Autors über diese Gegenden sei Savage-Smith und Rapoport zufolge so detailliert, dass es nur aus erster Hand stammen könne.14 Die beiden Historiker gehen daher davon aus, dass der Autor aus Ägypten stamme und im östlichen Mittelmeerraum viel und weit gereist sei.15

Der Entstehungszeitraum des Werkes wird auf die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts geschätzt, da die Abhandlung mit großer Wahrscheinlichkeit unter der Herrschaft der Fatimiden-Kalifen geschrieben wurde. Savage-Smith und Rapoport beweisen anhand von einigen, in der Abhandlung dargestellten, geschichtlichen Ereignissen, dass das Werk zwischen 1020 und 1050 n. Chr., zusammengestellt worden sein muss.16

2.2. Aufbau der kosmographischen Abhandlung und ihre Überlieferung im Manuskript

Die kosmographische Abhandlung beginnt mit einer Widmung an einen ungenannten Patronen und einem verkürzten Inhaltsverzeichnis. Das Werk bestand ursprünglich aus fünf Büchern, von denen aber nur die ersten beiden Bücher, die sich mit dem Himmel und der Erde beschäftigen, in dem Manuskript kopiert wurden.17

Das erste Buch, das sich mit der Darstellung des Himmels befasst, besteht aus zehn Kapiteln und beinhaltet eine Reihe von einzigartigen Illustrationen des Himmels und seltenen Texten über die Kometen, Sterne und ihren Einfluss auf Ereignisse auf der Erde.18 Das zweite Buch ist der Erde gewidmet und ist in fünfundzwanzig Kapitel unterteilt. Die Abschrift ist unvollständig, da der Kopist das achte und neunte Kapitel des zweiten Buches weggelassen hat. Zudem sind Teile des vorletzen Kapitels des Manuskripts und das letzte Kapitel verloren gegangen.19

3. Das Verhältnis des Autors zur Astrologie und das Verständnis vom Kosmos

Der zu untersuchende Quellenausschnitt20 über die Sphären und Tierkreiszeichen befindet sich im ersten Kapitel des ersten Bandes des „Book of Curiosities“.21

[...]


1 Vgl. Edson 2005, 12.

2 Vgl. Schmidl 2009,125.

3 So gibt es zwar eine Vielfalt an guten Einführungen und Handbüchern zur Astrologie (siehe Becker 1997; Niehenke 2000), sowie zur Geschichte der Astrologie (siehe Knappich 1998; Stuckrad 2003; Heitzmann 2008), von denen sich einige Werke auch mit der Astrologie des Islams auseinandersetzen (siehe Edson et al. 2005). Die Untersuchung und Analyse der verschiedenen islamisch-arabischen Quellen zur Astrologie kommt dabei jedoch bis auf wenige Werke (z.B. Kennedy 1998) zu kurz.

4 Die vorliegende Arbeit wird mit der ins Englische übersetzten Ausgabe von 2014 arbeiten. Siehe SavageSmith/ Rapoport 2014.

5 Das Hauptaugenmerk der Forschung lag bislang hauptsächlich auf der Untersuchung der geographischen Karten der Erde. Zu den zahlreichen Publikationen und Vorträgen zum „Book of Curiosities“ siehe: Emilie Savage-Smith and Yossef Rapoport (eds.), The Book of Curiosities: A critical edition. World-Wide-Web publication. (http://cosmos.bodley.ox.ac.uk/content.php/publications?expand=733,819,) (March 2007), (letzter Abruf am 10.01.2016). Diese Zitierweise wird auf Bitten der Betreiber der Webseite hin verwendet.

6 Savage-Smith/Rapoport zufolge ähnle die Handschrift des Autors der Schrift von Kopisten, die in Groß- Syrien am Ende des 12. Jahrhunderts oder Anfang des 13. Jahrhunderts gearbeitet haben. Das verwendete Papier, die Tinte und die Pigmente des Manuskripts seien hingegen mit Werken aus ägyptisch-syrischer Produktion aus dem frühen 13. bis 14. Jahrhundert vergleichbar. Vgl. Emilie Savage-Smith and Yossef Rapoport (eds.), The Book of Curiosities: A critical edition. World-Wide-Web publication. (www.bodley.ox.ac.uk/bookofcuriosities) (March 2007), (letzter Abruf am 10.01.2016).

7 Die vorliegende Arbeit wird mit der ins Englische übersetzten Ausgabe von 2014 arbeiten. Siehe SavageSmith/ Rapoport 2014.

8 Erst später stellte sich heraus, dass acht weitere Kopien der arabischen Abhandlung in Werken des sechzehnten bis neunzehnten Jahrhunderts zu finden sind. Diese waren jedoch bis zur Entdeckung des Manuskripts unbeachtet geblieben. Vgl. Savage-Smith/ Rapoport 2014, 1.

9 Der Erwerb des Buches wurde durch einen Zuschuss von der Heritage Lottery Fund und großzügigen Spenden aus dem National Arts Collections Fund, von Freunden der Bodleian Universität, Saudi Aramco, mehreren Universitäten Oxfords und eine Reihe von Privatpersonen ermöglicht.

10 Die Bodleian Library hat im Jahr 2007 in Zusammenarbeit mit dem Orientalischen Institut der Universität Oxford eine Webseite für das „Book of Curiosities“ eingerichtet. Die Website enthält sowohl eine elektronische hochwertige Reproduktion des arabischen Manuskripts als auch eine englische Übersetzung des arabischen Texts. Zudem gibt es die Möglichkeit, jegliche Texte, Diagramme oder Karten vergrößert und mit nebenstehenden Erläuterungen auf Englisch zu betrachten. Neben wichtigen Hintergrundinformationen zum Buch, lässt sich auf der Webseite auch didaktisch aufbereitetes Material für den Unterricht sowie eine Suchmaschine für englische und arabische Begriffe finden. Die Webseite stellt somit ein exzellentes Arbeitswerkzeug dar, von dem in der vorliegenden Arbeit gebraucht gemacht wurde. Zur Webseite siehe: Emilie Savage-Smith and Yossef Rapoport (eds.), The Book of Curiosities: A critical edition. World-Wide- Web publication. (www.bodley.ox.ac.uk/bookofcuriosities) (March 2007), (letzter Abruf am 10.01.2016).

11 Vgl. Savage-Smith/ Rapoport 2014, 32.

12 Zu den genauen Textindizien siehe ebenda.

13 Vgl. ebenda.

14 Vgl. ebenda.

15 Vgl. ebenda.

16 Siehe ebenda.

17 Die drei anderen Bücher waren den Pferden, Kamelen und der Jagd gewidmet und sind in einem anderen Manuskript enthalten, das 1565 geschrieben wurde und sich nun in Damaskus befindet.

18 Zum genauen Aufbau und den Inhalten der zehn Kapitel siehe: Emilie Savage-Smith and Yossef Rapoport (eds.), The Book of Curiosities: A critical edition. World-Wide-Web publication. (http://cosmos.bodley.ox.ac.uk/hms/unilister.php?show=chapters&reset=1&expand=732,814,) (March 2007), (letzter Abruf am 10.01.2016).

19 Zum Aufbau und Inhalt des zweiten Buches siehe ebenda.

20 Siehe Savage-Smith/ Rapoport 2014, 333a-333b.

21 Siehe Savage-Smith/ Rapoport 2014, 332-338.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das "Book of Curiosities". Darstellung und Beschreibung der Himmelssphären und Tierkreiszeichen
Untertitel
Eine Quelleninterpretation
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Historisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V334693
ISBN (eBook)
9783668243774
ISBN (Buch)
9783668243781
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Book of Curiosities, Astrologie, islamische Kultur
Arbeit zitieren
Sabrina Rutner (Autor), 2016, Das "Book of Curiosities". Darstellung und Beschreibung der Himmelssphären und Tierkreiszeichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334693

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