Ziel dieser Arbeit ist es, folgender Frage nachzugehen: Wie kann Erlebnispädagogik Kinder mit ADHS bestmöglich unterstützen und fördern?
Um diese Frage beantworten zu können, wird im ersten Teil das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) definiert und die Symptome beschrieben. Anschließend werden Häufigkeit, Entstehungsursachen dieser Störung, Stärken und Bedürfnisse der Kinder mit ADHS betrachtet.
Der zweite Teil befasst sich mit der Erlebnispädagogik. Zuerst werden die Entstehungsgeschichte der Erlebnispädagogik und Definitionsversuche beleuchtet. Danach werden Merkmale, Ziele und Methodik herausgearbeitet und Wirksamkeitsstudien aufgezeigt.
Im dritten Abschnitt wird eine Verknüpfung zwischen dem ADHS-Syndrom und der Erlebnispädagogik hergestellt. Es wird aufgezeigt, an welchen Punkten Erlebnispädagogik ansetzen kann. Gestützt auf Wirksamkeitsstudien erlebnispädagogischer Angebote wird davon ausgegangen, dass Erlebnispädagogik Einfluss nehmen und Kinder mit ADHS unterstützen kann.
Im vierten Teil wird beleuchtet, wie erlebnispädagogische Aktionen bei Kindern mit ADHS angewandt werden können und auf was man allgemein bei der Durchführung achten muss.
Abschließend werden im fünften Kapitel einzelne erlebnispädagogische Elemente aufgeführt und dargestellt, wie sie praktisch an die Bedürfnisse der Kinder mit ADHS angepasst werden können, um sie bestmöglich zu unterstützen und zu fördern.
Immer häufiger hört man von der ADHS-Störung und dass immer mehr Kinder unter dieser leiden sollen. Die Anzahl an Diagnosen ist in den letzten Jahren stark angestiegen und die Verschreibung von Medikamenten immer öfters zu verzeichnen. Die vermehrte Medikamentengabe stößt die Diskussion an, ob die medikamentöse Behandlung unumgänglich ist oder Kinder mit ADHS-Symptomen durch andere Angebote unterstützt werden können.
Erlebnispädagogik wird in vielen unterschiedlichen Arbeitsfeldern eingesetzt und spricht als handlungs- und erlebnisorientierte Methode eine große Zielgruppenspanne an. Erlebnispädagogische Aktionen können an verschiedene Zielgruppen angepasst werden, um individuelle Zielesetzungen zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)
2.1 Diagnostik und Definition ADHS
2.2 Häufigkeit
2.3 Geschlechterunterschiede
2.4 Erklärungsmodelle
2.4.1 Medizinischer Ansatz
2.4.2 Integratives bio-psycho-soziales Modell
2.5 Ressourcen und Stärken der Kinder mit ADHS
2.6 Unterstützungsmöglichkeiten der Kinder mit ADHS
2.6.1 Begegnungsformen
2.6.2 Medikamentöse Behandlung
2.6.3 Multimodale Therapie
2.6.4 Strukturierende Maßnahmen
2.6.5 Lob
2.6.6 Sport
2.6.7 Natur
2.6.8 Selbsthilfegruppen
2.7 Resümee
3 Erlebnispädagogik
3.1 Historischer Einblick
3.1.1 Vordenker der Erlebnispädagogik
3.1.2 Kurt Hahn
3.1.3 Die moderne Erlebnispädagogik
3.2 Definitionsversuche
3.3 Merkmale der Erlebnispädagogik
3.4 Arbeitsfelder, Zielgruppen und Ziele der Erlebnispädagogik
3.5 Methodik der Erlebnispädagogik
3.6 Wirksamkeitsstudien
3.7 Resümee
4 Methoden und Merkmale der Erlebnispädagogik in Bezug auf ADHS
4.1 Wurzeln der Erlebnispädagogik als pädagogische Ansätze für die Arbeit mit Kindern mit ADHS
4.2 Heilsame Wirkung der Natur bei ADHS
4.3 Verknüpfung der Erlebnispädagogik mit der ADHS-Störung
4.4 E-Kette, Erlebnispädagogische Waage und Lernzonenmodell in Bezug auf ADHS
4.5 Entwicklung des Gehirns
4.6 Resümee
5 Praktische Durchführung erlebnispädagogischer Aktionen mit Kindern mit ADHS
5.1 Auswahlkriterien
5.2 Zielsetzung
5.3 Methodik
5.4 Reflexion
5.5 Resümee
6 Angepasste erlebnispädagogische Angebote
6.1 Bogenschießen
6.2 Klettern
6.3 Feuer
6.4 Resümee
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Erlebnispädagogik als unterstützenden Ansatz für Kinder mit der Diagnose ADHS. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten der pädagogischen Förderung zu identifizieren, die über eine rein medikamentöse Behandlung hinausgehen und die besonderen Stärken sowie Bedürfnisse betroffener Kinder in den Mittelpunkt stellen.
- Grundlagen und Klassifizierung von ADHS sowie aktuelle Erklärungsmodelle
- Geschichte, Methodik und Kernelemente der Erlebnispädagogik
- Verknüpfung der erlebnispädagogischen Prinzipien mit der ADHS-Symptomatik
- Praktische Anwendungsbeispiele und notwendige Anpassungskriterien
- Bedeutung von Naturerfahrung und ressourcenorientierter Förderung
Auszug aus dem Buch
Die Pinguin-Geschichte
„Diese Geschichte ist mir tatsächlich passiert. Ich war als Moderator auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert. Da denkt jeder: „Mensch toll! Luxus!“ Das dachte ich auch. Bis ich auf dem Schiff war.
Was das Publikum angeht, war ich auf dem falschen Dampfer. Die Gäste an Bord hatten sicher einen Sinn für Humor, ich hab ihn nur in den zwei Wochen nicht gefunden. Und noch schlimmer: Seekrankheit hat keinen Respekt vor der Approbation. Kurzum: ich war auf der Kreuzfahrt kreuzunglücklich.
Endlich! Nach drei Tagen auf See, fester Boden. „Das ist wahrer Luxus!“ Ich ging in einen norwegischen Zoo. Und dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: „Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen? Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.
Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte…: „Fehlkonstruktion!“
Diese Begegnung hat mich zwei Dinge gelehrt. Erstens: wie schnell ich oft urteile, und wie ich damit komplett danebenliegen kann. Und zweitens: Wie wichtig das Umfeld ist, ob das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt.
Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig. Und wer nicht so ist wie die anderen, sei getrost: Andere gibt es schon genug!
Menschen ändern sich nur selten komplett und grundsätzlich gilt: Wenn Du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus Dir keine Giraffe. Also nicht lange hadern: Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde Dein Wasser. Und dann: Spring! Und schwimm!
Und Du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Relevanz der ADHS-Störung ein und stellt die Forschungsfrage nach der erlebnispädagogischen Unterstützungsmöglichkeiten.
2 Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS): Das Kapitel erläutert klinische Diagnosen, Häufigkeiten, Erklärungsmodelle und die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten für betroffene Kinder.
3 Erlebnispädagogik: Hier werden die historischen Wurzeln, theoretischen Definitionen, Merkmale und Wirksamkeitsnachweise der erlebnispädagogischen Methode dargestellt.
4 Methoden und Merkmale der Erlebnispädagogik in Bezug auf ADHS: Dieses zentrale Kapitel verknüpft die Prinzipien der Erlebnispädagogik gezielt mit den Symptomen und Ressourcen von Kindern mit ADHS.
5 Praktische Durchführung erlebnispädagogischer Aktionen mit Kindern mit ADHS: Es wird eine methodische Handreichung zur Planung, Zielsetzung, Durchführung und Reflexion spezifischer erlebnispädagogischer Maßnahmen gegeben.
6 Angepasste erlebnispädagogische Angebote: Dieses Kapitel präsentiert konkrete Anwendungsbeispiele wie Bogenschießen, Klettern und Feuermachen inklusive spezifischer Anpassungskriterien.
7 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine ressourcenorientierte Erlebnispädagogik eine wertvolle Ergänzung in der Unterstützung von Kindern mit ADHS darstellt.
Schlüsselwörter
ADHS, Erlebnispädagogik, Kinder, Förderung, Naturerfahrung, Selbstwertgefühl, Ressourcenorientierung, Handlungsorientierung, Therapie, Diagnostik, Konzentration, Soziale Kompetenz, Lernzonenmodell, Reflexion, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie erlebnispädagogische Ansätze dazu beitragen können, Kinder mit ADHS in ihrer Entwicklung zu unterstützen und deren Stärken sowie Selbstwertgefühl gezielt zu fördern.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Symptomatik von ADHS, die theoretischen Grundlagen der Erlebnispädagogik und deren gezielte Anwendung und Modifikation für diese spezielle Zielgruppe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie Erlebnispädagogik Kinder mit ADHS bestmöglich unterstützen und fördern kann, wobei der Fokus auf praktischer Anwendbarkeit liegt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und verbindet psychologische Erklärungsmodelle mit erlebnispädagogischen Konzepten und eigenen praktischen Erfahrungswerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Störungsbildes und der pädagogischen Methode, gefolgt von einer detaillierten Verknüpfung beider Bereiche und konkreten Handlungsanleitungen für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie ADHS, Erlebnispädagogik, Selbstwertgefühl, ressourcenorientierte Förderung und handlungsorientiertes Lernen beschreiben.
Warum ist die Natur als Lernfeld für Kinder mit ADHS besonders geeignet?
Die Natur bietet einen reizarmen, aber dennoch herausfordernden Raum, in dem Leistungsdruck minimiert wird und Kinder ihre motorischen Stärken ohne die negativen Zuschreibungen des Alltags ausleben können.
Welche Rolle spielt die Reflexion bei erlebnispädagogischen Angeboten?
Reflexion ist essenziell, um das bloße Erleben in eine nachhaltige Erfahrung und schließlich in eine Erkenntnis zu überführen, die auf den Alltag übertragbar ist.
Welche besonderen Sicherheitsaspekte müssen bei der Arbeit mit ADHS-Kindern beachtet werden?
Aufgrund der Symptomatik wie Unaufmerksamkeit und Impulsivität müssen Sicherheitsregeln stärker strukturiert, visualisiert und durch eine engmaschige Betreuung (kleinere Gruppen) abgesichert werden.
Was ist das "Lernzonenmodell" in diesem Kontext?
Es dient dazu, das optimale Maß an Herausforderung zu finden, bei dem das Kind nicht überfordert wird (Panikzone), aber seine gewohnten Muster verlässt, um neue Entwicklungsschritte zu gehen.
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- Jeanne Scholtes (Author), 2013, Erlebnispädagogik für Kinder mit ADHS. Eine Handreichung zur praktischen Durchführung in der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334697