Die Kontroverse um Hannah Arendts Buch „Eichmann in Jerusalem“

Gelten die Kritikpunkte von damals noch heute oder sind diese mit heutigem Wissen überholt?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

28 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung
1.1 Einführung in die Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Gang der Darstellung

2 Wer war Hannah Arendt?
2.1 Die jüdische Herkunft
2.2 Die Erlebnisse von Flucht und Emigration
2.3 Ihr Wirken in den Vereinigten Staaten und Hintergrund zum Buch „Eichmann in Jerusalem“

3 Die Kontroverse: Die Kritikpunkte im Einzelnen
3.1 Charakterisierung Eichmanns
3.2 Prozessführung durch die israelische Gerichtsbarkeit
3.3 Die Rolle der Judenräte

4 Bewertung der Kritik
4.1 Rolle der Judenräte
4.2 Die Person Eichmann
4.3 Gründe für die ablehnende Haltung in der Gesellschaft
4.4 Die damalige Kritik unter heutigem Gesichtspunkt
4.5 Ein neuer Tätertypus oder das Böse ist eben nicht radikal

5 Kritik in Deutschland als Spiegel der damaligen Gesellschaft
5.1 Abwehrmechanismen in der deutschen Gesellschaft
5.2 Schuld der Überlebenden
5.3 Die Diskussion um die Unfähigkeit zu Trauern

6 Die Goldhagen Debatte – oder wie aus ganz normalen Menschen Täter werden

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Einführung in die Problemstellung

Hintergrund der Arbeit Hannah Arendts

Im Auftrag der amerikanischen Wochenzeitung „The New Yorker“ reiste Hannah Arendt 1961 nach Jerusalem, um als Berichterstatterin über den Eichmann Prozess zu schreiben. Fünf von ihr veröffentlichte Essays wurden zu einem Buch „Eichmann in Jerusalem“ (1963) verarbeitet, das Buch erschien 1964 auch in Deutschland. Ihre Ausführungen über

- Den Charakter Eichmanns
- Die Prozessführung in Israel und
- Über die Rolle der Juden

sowie der Ausdruck „Banalität des Bösen“ entfachte eine weltweite Welle der Kritik, die sich gegen den Ton des Buches, gegen ihre (falsch verstandenen) Ausführungen, aber auch gegen ihre Person selbst richtete. Arendt versuchte, den staatlich angeordneten Mord an Millionen von Juden auf den Grund zu gehen und stellte Erklärungsmodelle hierfür vor. Bedeutet der Totalitarismus die Auslöschung der Autonomie des Einzelnen oder wird der Einzelne zum Fanatiker, der aus purer Überzeugung handelt? Eichmann empfand sie eben nicht als der hochmotivierte Mörder dieser Zeit, sondern als „kleiner Bürokrat“, der am Schreibtisch seinen Dienst tut.

Fragestellung

Hat die Kritik an Arendts Ausführungen heute noch Bestand? Warum lösten ihre Ausführungen einen so starken Protest in Israel und Amerika, vor allem aber auch in Deutschland aus? Arendt hielt an ihren Ausführungen fest, auch wenn sie einräumte, dass die Äußerungen nicht den „richtigen“ Ton trafen. Wie entstand die damalige Kritik in den 60er Jahren des 19. Jh. und war sie berechtigt gewesen und gilt noch heute oder ist im Laufe der Zeit ein Wandel eingetreten? 2011 brache Bettina Stangneth in ihrer Neubewertung der Person Eichmanns eine gänzlich andere Sicht hervor. Die Philosophin hat als wissenschaftliche Beraterin der Ausstellung zum Eichmann Prozess in Berlin eine Forschungsarbeit verfasst und zeichnet das Leben Eichmanns im Exil nach. Stangneth (ebd.) betrachtet die Ausführungen Arendts nicht per se als falsch und unterstreicht den Mut Arendts, „ den unverzichtbaren Begriff des Bösen“ (Stangneth, 2013) geprägt zu haben.

Diese beiden Perspektiven sollen in der vorliegenden Arbeit kontrastiert und gleichzeitig ein Blick auf die damalige und heutige Gesellschaft unter psychoanalytischer Sicht geworfen werden.

1.2 Ziel der Arbeit

Ziel der Arbeit soll die Aufarbeitung der Kontroverse Hannah Arendt unter den neuesten Ausführungen der Forschung sein. Es soll geklärt werden, ob die Debatte in den 1960er Jahren berechtigt oder völlig überzogen war. Allerdings soll hier im Rahmen der Hausarbeit keine Analyse der Person Eichmanns oder gar die Schuldfähigkeit im Prozess 1961 dargestellt werden, was nicht nur den Rahmen der Arbeit sprengen, sondern zugleich mit unzähligen Thesen und Vermutungen über Adolf Eichmann einhergehen würde. Es soll ein Gesamtüberblick über die Kontroverse gegeben werden, wobei die deutsche Nachkriegsgesellschaft und die damaligen Auffassungen aus psychoanalytischer Sicht erklärt werden sollen.

1.3 Gang der Darstellung

Zur besseren Einordnung soll zuerst eine Darstellung der Personen Hannah Arendts erfolgen (Kapitel 2) bevor in den darauffolgenden Kapiteln 3 und 4 auf die eigentlichen Ausführungen Arendts und die Kontroverse eingegangen wird. Die Reaktionen auf Arendts Buch „Eichmann in Jerusalem“ werden mit einem psychoanalytischen Blick auf die deutsche Nachkriegsgesellschaft in Kapitel 5 und 6 erklärt. In Kapitel 7 erfolgen ein Fazit der Erkenntnisse und ein Blick auf aktuelle Themen.

2 Wer war Hannah Arendt?

Hannah Arendt, deutsche Philosophin jüdischer Herkunft, war unbestreitbar eine streitbare Person. 1906 in Hannover geboren, wuchs Hannah Arendt im jüdisch geprägten Königsberg auf und ging dort zur Schule. Das sozialdemokratisch ausgerichtete und bildungsnahe Elternhaus förderte die Bildung Arendts außerordentlich. Mit Beginn des ersten Weltkriegs zog die Familie nach Berlin, nach dem Abitur begann Arendt ihr Studium der Philosophie in Marburg, wo sie den 17 Jahre älteren Philosophieprofessor Martin Heidegger kennen lernte – eine für ihr gesamtes Leben und späteres Wirken sehr bedeutende Verbindung. 1929 heiratete Arendt den Philosophen Günther Stern, mit dem Sie sich durch ihr Judentum und ihre Arbeit verbunden fühlte. Nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten nach Paris, glitt die Ehe in eine Freundschaft über. Drei Jahre später lernte Arendt in Paris Heinrich Blücher kennen, beide ließen sich von ihren Ehepartnern scheiden und heirateten 1940 in Paris, Anfang 1941 flüchtete das Ehepaar nach New York (Vowinckel, 2004).

2.1 Die jüdische Herkunft

Schon früh in der Kindheit wurde Hannah Arendt mit einem latent vorhandenen Antisemitismus und Antiliberalismus konfrontiert, was ganz im Gegensatz zu ihrem liberalen und bildungsbewussten Elternhaus stand. Nicht erst seit der Machtergreifung Hitlers fühlte sie sich fremd und anders und lernte früh mit Ausgrenzungen umzugehen. So wird sie beispielsweise der Schule verwiesen und musste das Abitur extern ablegen, weil sie Mitschüler zum Boykott des Unterrichts aufrief. Ein Lehrer hatte sie wegen ihres Judentums beleidigt (Vowinckel, 2004). Die Ausgrenzung setzte sich im Studium fort, wo sie ebenfalls antisemitischen Äußerungen ausgesetzt war. Es ist bezeichnet, dass eines ihrer ersten Werke von Rahel Varnhagen handelt, einer deutschen Jüdin zur Zeit der Romantik, die sich als Außenseiterin empfand. Auch die Beziehung zu Heidegger zerbrach nicht zuletzt an der Verstrickung Heideggers in den Nationalsozialismus. Nicht nur die Kehrtwendung ihres Mentors und Freunds Heidegger war für Hannah Arendt schwer zu ertragen, sondern auch, dass sich nun viele nicht-jüdische Freunde und Intellektuelle von ihr abwandten (ebd.).

2.2 Die Erlebnisse von Flucht und Emigration

Bereits 1932 erwog das Ehepaar Stern-Arendt die Emigration. Arendt half bereits zu diesem Zeitpunkt in einer zionistischen Organisation ausreisewillige Juden zu unterstützen und zu beherbergen. Sie lebte nach dem Grundsatz „ Wenn man als Jude angegriffen wird, muss man sich als Jude wehren.“ (Arendt, 1964). Nach einer Verhaftung durch die Gestapo verließ sie 1933 Deutschland und floh über die Schweiz nach Paris. Auch hier war Arendt für verschiedene Hilfsorganisationen tätig, unter anderem organisierte sie die Auswanderung von Kindern und Jugendlichen nach Palästina (Vowinckel, 2004) . Hannah Arendt war keine religiöse Person, aber sie war sich ihrer jüdischen Herkunft stets sehr bewusst. Sie war keine Zionistin, aber sie lebte eine ehrliche Solidarität mit den aus Deutschland flüchtenden Juden.

Frankreich und England erklärten Deutschland nach dem Einmarsch in Polen 1939 den Krieg. In der Folge wurden in Frankreich alle deutschen Staatsbürger interniert, so auch das Ehepaar Hannah Arendt und Heinrich Blücher. Arendt wurde zusammen mit 7.000 weiteren deutschen Frauen in ein Lager in Gurs, Südfrankreich, gebracht, ihr Ehemann in ein weiteres Lager. Arendt schaffte mit ca. 200 Frauen die Flucht und traf Heinrich Blücher in Montauban wieder, einem Zentrum für Flüchtlinge. Mit Hilfe von Günther Stern, der bereits in den USA lebte, erhielt das Ehepaar Visa für die Einreise in die Vereinigten Staaten und überlebten knapp. In Lissabon konnten Arendt und Blücher nach New York einschiffen. Alle, die nicht mit Arendt gemeinsam aus dem Lager Gurs geflohen waren, wurden von den Deutschen abtransportiert und haben das spätere Konzentrationslager nicht überlebt. In ihrem ersten bedeutenden Buch „Origins of Totalitarianism“ erklärte Arendt 1951, Flüchtlinge seien Menschen, die von ihren Feinden in Konzentrationslager und von ihren Freunden in Internierungslager gesteckt werden (Vowinckel, 2004, S. 45).

Diese Hintergründe aus dem Leben Arendts sind wichtig zu wissen, denn sie beeinflussten das Denken und Handeln Arendts maßgeblich. Arendt selbst hat darüber später nie berichtet oder referiert. Das hat Arendt mit vielen Opfern gemeinsam, die später nicht mehr über ihre Erlebnisse sprachen, schwiegen und so das Trauma der Erlebnisse oft an die nächste Generation weitergaben.

2.3 Ihr Wirken in den Vereinigten Staaten und Hintergrund zum Buch „Eichmann in Jerusalem“

In den USA arbeitete Arendt als politische Journalistin und für die Conference on Jewish Relations. 1951 veröffentlichte sie nicht nur ihr erstes Buch (siehe 2.2), sondern erhielt auch nach 18 Jahren Staatenlosigkeit die amerikanische Staatsbürgerschaft. Endlich stand sie wieder als Staatsbürgerin unter dem Schutz einer Regierung. Es folgten Lehraufträge an verschiedenen Universitäten und weitere Publikationen.

Das Buch

Im Auftrag für das renommierte Magazin „The New Yorker“ reiste Arendt 1961 nach Jerusalem, um über den Eichmann Prozess zu berichten. Die Nürnberger Prozesse wurden von ihr nur wenig wahrgenommen, umso mehr wollte sie nun die Motive der NS-Verbrechen aus nächster Nähe analysieren (Mommsen, 1986). In fünf Artikeln berichtete Arendt in einer Serie über den Gerichtsprozess, bevor sie 1963 die Essays zu dem Buch „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht über von der Banalität des Bösen.“ erweiterte. Hauptquelle des Buches sind die Prozessmaterialien, die der anwesenden Presse in Jerusalem ausgehändigt wurden. In der 1964 erschienenen deutschen Fassung bemängelt Arendt genau diese Prozessmaterialien in ihrer Vorrede (Arendt, 2013, S. 49 ff.). Das Material sei schwer zugänglich und die Verhandlungen wurden auf hebräisch geführt. Die Presse erhielt unkorrigierte, unredigierte Niederschriften der Simultanübersetzungen. Arendt war der Bericht zudem deshalb wichtig, da sie befürchtete, dass Eichmann für das Verbrechen gegen das jüdische Volk und nicht wegen der in seiner Verantwortung liegenden Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt werde (Vowinckel, 2004). Allein die Tatsache, dass dieser Prozess in Israel stattfand und nicht vor einem internationalen Gericht, war für Arendt Anlass zu glauben, dass eine einseitige Einflussnahme auf den Ablauf des Prozesses kaum zu verhindern sei (ebd.).

Inhalt und Aufbau

In 15 Kapiteln verfasst Arendt einen Bericht über Ablauf und Umstände des Prozesses, die Planung und Durchführung der Judenverfolgung sowie eine ausführliche Darstellung der Person Eichmanns und seinen Aufgaben zur Zeit des Nationalsozialistischen (NS) Regimes. Die 1964 erschienene Ausgabe beinhaltet eine Vorrede von Hannah Arendt, die als erste Antwort auf die Vorwürfe anzusehen ist. Hans Mommsen fügte in einer erweiterten Ausgabe 1986 ein Essay hinzu sowie in 2011 ein Nachwort.

3 Die Kontroverse: Die Kritikpunkte im Einzelnen

Hannah Arendt unternimmt mit ihrem Bericht den Versuch, so distanziert und wahrheitsgemäß über den Prozess und die Person Eichmann zu berichten, ohne dabei Verurteilungen vorzunehmen oder sich in Hypothesen zu verlieren. Sie beschreibt dass, was sie während des Prozesses sieht, hört und aus ihrer Umgebung wahrnimmt. Ihr ging es bei der Darstellung um einen möglichst objektiven Bericht, der auch unangenehme Beobachtungen anspricht. Das Buch umfasst drei Hauptthemenbereiche:

1. Charakterisierung Eichmanns
2. Die Prozessführung durch die israelische Gerichtsbarkeit
3. Die Rolle der Judenräte während der NS-Zeit

Die jahrelange Kontroverse über ihr Werk und die erhitzten, sehr emotional geführten Diskussionen entfachten sich an diesen drei Aspekten, auf die im Folgenden genauer eingegangen wird. Wie aktuell die Fragestellung auch heute noch ist, wird in den Kapiteln 5 und 6 dargestellt werden.

3.1 Charakterisierung Eichmanns

Zu belegen, dass es sich bei den Tätern der NS-Verbrechen größtenteils um ganz normale Menschen handelte oder eben nicht, das versuchten bereits Psychologen unter dem Gerichtspsychologen Douglas Kelly 1946 während der Nürnberger NS-Prozesse (Welzer, 2005, S. 7 ff). Die 24 vor Gericht stehenden NS-Führer wie Göring und Hess mussten umfangreiche psychologische Tests ausfüllen, darunter Intelligenztests und Persönlichkeitstests wie der Rorschachtest. Kelly schickte das Material an 10 führende Rorschachexperten, um ein genaues Bild der Verbrecher zu erhalten. Kein einziger der 10 Experten schickte ein Gutachten. Einer der Experten äußerte sich dazu Jahre später, man war sich

„... nur allzu klar über die Erwartung der Öffentlichkeit, dass die Tests eine einzigartige Psychopathologie aufdecken würden, eine den Nazis „gemeinsame Persönlichkeitsstruktur von besonders abstoßender Art“. Aber genau die war in dem übersandten Material nicht zu entdecken...“ (ebd., S. 9).

Als Arendt nach Israel fuhr, erwartete sie wie die meisten Zeitgenossen eine von Fanatismus und Wahnvorstellungen geprägte Person Eichmann vorzufinden. Staatsanwalt Hausner, der später ebenfalls ein Buch über den Eichmann Prozess veröffentlichte, argumentierte in genau dieser Richtung und versuchte durch die Auswahl der Beweismittel und der Zeugen seine These zu untermauern. Im Gerichtssaal erlebte Arendt jedoch einen völlig farblosen und schlichten Angeklagten von durchschnittlicher Intelligenz und ohne Anzeichen eines Diabolos. Sie war überrascht, dass eine solche Person ein Verbrechen zur Last gelegt wurde, das für sie kaum in Worte noch juristisch zu fassen war. Sie bekam in ihrer Auffassung durchaus Recht, da auch Eichmann im Vorfeld von Psychiatern untersucht wurde und sie den Angeklagten ebenfalls als durchaus „normal“, moralisch und gesetzlich zurechnungsfähig einstuften:

„Immerhin war ein halbes Dutzend Psychiater zu dem Ergebnis gekommen, er sei „normal“ – „normaler jedenfalls, als ich es bin, nachdem ich ihn untersucht habe“, soll einer von ihnen gesagt haben; ...“ (Arendt, 2013, S. 99)

Hausner unterstellte allerdings nach Prozessende Eichmann einen unersättlichen Mordtrieb. Kritisch anzumerken ist hierbei, dass beispielsweise das psychologische Gutachten von Shlomo Kulscár über Eichmann im israelischen Staatsarchiv bis 2031 gesperrt ist (Stangneth, 2014). Bisher liegt lediglich eine Kurzfassung vor. Arendts Beobachtung basiert also teilweise auch auf sogenannte Gerüchte, was in ihrem Umfeld während des Prozesses erzählt wurde. Sie beschrieb Eichmann mit dem durchaus missverständlichen Begriff von der „Banalität des Bösen“, ein philosophischer Begriff, der damit zum Schlagwort wurde.

Aufgrund ihrer Beobachtung sah Arendt in Eichmann einen Bürokraten, der lediglich die Befehle seiner Vorgesetzten ausführte. Genau in diesem Sinne stellte sich Eichmann auch vor Gericht dar. Er war für sie der motivlose Karrieremensch, der unfähig war, seine Handlungen zu reflektieren oder gar sich in seine Opfer einzufühlen.

3.2 Prozessführung durch die israelische Gerichtsbarkeit

Schon früh befürchtete Arendt, dass Israel als junger Staat mit dem Prozess – der erste NS-Prozess, der in Israel stattfand – zudem auch politische Absichten verfolgte. Sie favorisierte daher einen internationalen Gerichtshof, den es aber in dieser Form noch nicht gab. Deutschland strebte zudem kein Auslieferungsverfahren an, womit entschieden war, dass der Prozess in Israel stattfinden sollte. Die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse kurz nach Kriegsende 1946 hatten die Verschwörung zum Angriffskrieg zum Hauptvorwurf. Die Vernichtung der Juden war zwar als Anklagepunkt aufgeführt, allerdings war der Holocaust in seinem vollen Ausmaß noch gar nicht bekannt und Beweismaterial fehlte bisher (Austilat, 2015). Somit wird der Prozess die erste Möglichkeit Israels, der Weltöffentlichkeit das gesamte Ausmaß des Holocausts zu zeigen. Detailgenau kritisierte Arendt beispielsweise, dass der Prozess in hebräischer Sprache geführt wurde und durch Simultanübersetzungen über Kopfhörer verfolgt werden musste. Während die Übersetzungen in Französisch und Englisch gut waren, war ausgerechnet die deutsche Übersetzung schlecht, was bei so vielen aus Deutschland stammenden Israelis nicht nachzuvollziehen ist (Arendt, 2013, S. 69).

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Kontroverse um Hannah Arendts Buch „Eichmann in Jerusalem“
Untertitel
Gelten die Kritikpunkte von damals noch heute oder sind diese mit heutigem Wissen überholt?
Hochschule
International Psychoanalytic University
Veranstaltung
Psychoanalyse im Feld geistes- und kulturwissenschaftlicher Diskurse Psychoanalytische Theorie des Subjekts
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
28
Katalognummer
V334717
ISBN (eBook)
9783668244672
ISBN (Buch)
9783668244689
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hannah Arendt, Kontroverse, Psychoanalyse, Eichmann
Arbeit zitieren
Karola Hanau (Autor:in), 2016, Die Kontroverse um Hannah Arendts Buch „Eichmann in Jerusalem“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334717

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