Durch Topik und Kommentar werden Informationen auf Satzebene strukturell gegliedert, sodass dadurch Perspektivierungen hergestellt werden können. Es gibt viele verschiedene Arten von Topikalisierung und innerhalb dieser Arbeit soll festgestellt werden, ob sie unterschiedliche Anwendung in verschiedenen Textsorten finden. Bei den ausgewählten Textsorten handelt es sich einerseits um die Kolumne von Franz Josef Wagner und andererseits um BILD-Zeitungsartikel. Da beide Textsorten unterschiedliche Funktionen erfüllen, nämlich Meinungsäußerung und Informationsfunktion, können Unterschiede in der Verwendung von Topik und Kommentar auftreten.
Die Texte behandeln Themen, wie die durch Edward Snowden veröffentlichte Datenspionage der USA, die politische Lage in der Türkei und insbesondere die Rolle des türkischen Präsidenten Erdogan, der NSU-Prozess in München, die Machtspiele vom Nordkoreanischen Herrscher Kim Jong-un und der Tod der Eisernen Lady Margaret Thatcher. Insgesamt liegen der Analyse 18 Texte zugrunde, darunter neun BILD-Artikel und neun Texte der Wagner-Kolumne.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
0.1 Korpus
0.2 Fragestellung
0.3 These
1. Terminologie
1.1 Topik und Kommentar (nach MUSAN)
1.2 Bekannt und Unbekannt
1.3 Fokus und Hintergrund
1.4. Thema und Rhema
2. Bekanntheit und Unbekanntheit in Topik und Kommentar
3. Funktionen von Topik und Kommentar
4. Arten von Topik und Kommentar
4.1 Linksversetzung und lose Linksversetzung
4.2 Freies/lexikalisches Topik
4.3 Topik durch Intonation/I-Topikalisierung
4.4 Sätze ohne (explizites) Topik/Anti-Topik-Sätze
4.5 Sätze mit mehreren Topiks
5. Perspektivierung und Evaluierung
5.1 Perspektivierung auf Satzebene
5.2 Evaluierung auf Satzebene
6. Analyse
6.1 Wagner-Kolumne
6.2 BILD-Artikel
6.3 Topik-Kommentar-Strukturen in Wagner-Kolumne und BILD- Artikeln
6.4 Perspektivierung in Wagner-Kolumne und BILD-Artikeln
6.5 Evaluierung in Wagner-Kolumne und BILD-Artikeln
7. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Informationen auf Satzebene durch Topik- und Kommentar-Strukturen gegliedert werden und welchen Einfluss diese auf die Perspektivierung und Evaluierung in journalistischen Texten haben. Dabei wird analysiert, ob sich die Verwendung dieser sprachlichen Mittel zwischen meinungsbetonten Kolumnen und informativen Zeitungsartikeln unterscheidet.
- Strukturelle Gliederung von Informationen durch Topik und Kommentar.
- Vergleich der Textsorten "BILD-Kolumne" und "BILD-Zeitungsartikel".
- Analyse der sprachlichen Mittel zur Perspektivierung.
- Untersuchung von Evaluierungsstrategien (emotional vs. nicht-emotional).
- Rolle der Ich-Perspektive und direkter Adressierung in Kommentaren.
Auszug aus dem Buch
1.1 Topik und Kommentar (nach MUSAN)
Innerhalb des Satzes kann die Einteilungen in die Informationsstruktur Topik und Kommentar vorgenommen werden. Topik beinhaltet hier „das, worüber man etwas sagt“, wohingegen der Kommentar das ist „was darüber gesagt wird“ (MUSAN 2010: 25). Der Grundgedanke der Unterscheidung von Topik und Kommentar ist keineswegs neu, denn schon Aristoteles‘ Einteilung in Subjekt und Prädikat ist darauf anzuwenden. Allerdings lässt sich das Topik nicht auf das Subjekt festlegen und der Kommentar nicht auf das Prädikat (s. MUSAN 2010: 25). Deshalb hat VON DER GABELENTZ (zitiert nach MUSAN: 26) die Termini des psychologischen Subjekts und Prädikats eingeführt, um damit deutlich zu machen, dass die zu betonende Einheit und die weitere Information nicht an grammatische Strukturen gekoppelt sind (s. MUSAN 2010: 25 f.). Die Begriffe Topik und Kommentar wurden dann von HOCKETT (zitiert nach MUSAN: 27) eingeführt und weitestgehend beibehalten (s. MUSAN 2010: 27). MUSAN stellt fest, dass Fragetests die Ermittlung von Topik und Kommentar vereinfachen (s. MUSAN 2010: 28). Hier ein Beispiel:
Frage: Was macht die Katze?
Antwort: [Die Katze TOPIK] [liegt auf dem Tisch KOMMENTAR].
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Einführung in die Thematik der Informationsstruktur auf Satzebene und Vorstellung der untersuchten Textsorten.
0.1 Korpus: Beschreibung der Datengrundlage bestehend aus 18 Texten der BILD-Zeitung und der Kolumne von Franz Josef Wagner.
0.2 Fragestellung: Untersuchung der Unterschiede in der Informationsstruktur und Perspektivierung zwischen den gewählten Textsorten.
0.3 These: Annahme, dass es signifikante Unterschiede in der Verwendung von Topik und Kommentar zwischen Kolumnen und Nachrichtenartikeln gibt.
1. Terminologie: Abgrenzung zentraler Begriffe wie Topik, Kommentar, Fokus, Hintergrund, Thema und Rhema.
2. Bekanntheit und Unbekanntheit in Topik und Kommentar: Analyse der Kombination von bekannten und unbekannten Informationseinheiten.
3. Funktionen von Topik und Kommentar: Erläuterung der Funktionen wie Informational Separation, Prädikation, Adressierung und Rahmensetzung.
4. Arten von Topik und Kommentar: Detaillierte Betrachtung verschiedener Topikalisierungsformen wie Linksversetzung, freies Topik und Sätze ohne explizites Topik.
4.1 Linksversetzung und lose Linksversetzung: Beschreibung der offenen Markierung von Topiks durch Vorfeldbesetzung.
4.2 Freies/lexikalisches Topik: Analyse von Thematisierungsformeln wie "Was X betrifft".
4.3 Topik durch Intonation/I-Topikalisierung: Untersuchung der Markierung durch Akzente.
4.4 Sätze ohne (explizites) Topik/Anti-Topik-Sätze: Betrachtung von Thetischen Sätzen, Spaltsätzen und Topic-Drop.
4.5 Sätze mit mehreren Topiks: Untersuchung von Sätzen mit über- oder untergeordneten Topikelementen.
5. Perspektivierung und Evaluierung: Theoretische Einordnung der Begriffe Perspektivierung und Evaluierung in massenmedialen Texten.
5.1 Perspektivierung auf Satzebene: Anwendung der Topik-Kommentar-Strukturen auf die Perspektivierung.
5.2 Evaluierung auf Satzebene: Untersuchung der emotionalen und wertenden Komponenten in Sätzen.
6. Analyse: Praktische Untersuchung des Korpus hinsichtlich der theoretischen Erkenntnisse.
6.1 Wagner-Kolumne: Analyse der Ich-Perspektive und der spezifischen Topikalisierung bei Franz Josef Wagner.
6.2 BILD-Artikel: Betrachtung der informativen Funktion und der distanzierten Erzählweise in BILD-Artikeln.
6.3 Topik-Kommentar-Strukturen in Wagner-Kolumne und BILD- Artikeln: Vergleich der Häufigkeit und Art der Topikmarkierung.
6.4 Perspektivierung in Wagner-Kolumne und BILD-Artikeln: Analyse der Lenkung der Perspektive durch Topik und Kommentar.
6.5 Evaluierung in Wagner-Kolumne und BILD-Artikeln: Vergleich emotionaler und nicht-emotionaler Bewertungen in beiden Textsorten.
7. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der Unterschiede zwischen den Textsorten.
Schlüsselwörter
Informationsstruktur, Topik, Kommentar, Perspektivierung, Evaluierung, Journalismus, Wagner-Kolumne, BILD-Zeitung, Satzbau, Textlinguistik, Meinungsäußerung, Informationsfunktion, Linksversetzung, Emotion, Sprachwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung der Informationsstruktur in deutschen journalistischen Texten, konkret am Beispiel der Kolumne von Franz Josef Wagner und Artikeln der BILD-Zeitung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Konzepte Topik und Kommentar, die Perspektivierung von Sachverhalten sowie die Art und Weise, wie Texte durch emotionale oder nicht-emotionale Evaluierung geprägt sind.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob sich meinungsbetonte Kolumnen und rein informative Zeitungsartikel hinsichtlich ihrer syntaktischen Informationsstruktur und ihrer evaluativen Strategien unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte Analyse von 18 ausgewählten Texten durchgeführt, wobei die Texte mittels linguistischer Kriterien zur Topik-Kommentar-Struktur, Perspektivierung und Evaluierung untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Terminologie und eine praktische Analyse, in der die Kolumnen und Zeitungsartikel gegenübergestellt und in Bezug auf ihre spezifischen Topikalisierungsmuster und Bewertungswesen analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Informationsstruktur, Topik, Kommentar, Perspektivierung, Evaluierung, journalistische Textsorten sowie die spezifische Anwendung bei Franz Josef Wagner.
Wie unterscheidet sich die Wagner-Kolumne von den BILD-Artikeln bezüglich der Ich-Perspektive?
Wagner schreibt konsequent aus der Ich-Perspektive und macht diese explizit kenntlich, während in den untersuchten BILD-Artikeln der Autor eher in den Hintergrund tritt und eher distanziert berichtet.
Welche Rolle spielt die Linksversetzung in der Wagner-Kolumne?
Die Linksversetzung wird von Wagner sehr häufig zur Markierung von Topiks verwendet, insbesondere um Personen direkt anzusprechen, was die Kolumne von den eher sachlich strukturierten Artikeln abhebt.
Was unterscheidet emotionale von nicht-emotionalen Evaluierungen laut der Arbeit?
Emotionale Evaluierungen nutzen konnotierte Lexik, Metaphern oder Emotionsthematisierungen, während nicht-emotionale Evaluierungen eher auf die sachliche Einordnung des Propositionswertes zielen, wenngleich die Trennung in natürlichen Texten fließend sein kann.
- Arbeit zitieren
- Judith Rieck (Autor:in), 2013, Informationsstruktur von Sätzen. Topik und Kommentar am Beispiel von BILD-Artikeln und der Wagner-Kolumne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334773