Mit dem Thema Mediengewalt befasst sich sowohl die Wissenschaft als auch die Gesellschaft generell. Die Darstellung violenter Medieninhalte wird bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts erforscht.
Das Fernsehen ist neben dem Internet das wohl bedeutendste Medium unserer Zeit und besitzt eine hohe Reichweite. Es ist daher nachvollziehbar, dass es weltweit mittlerweile eine Vielzahl von inhaltsanalytischen Untersuchungen zum Thema Gewaltvorkommen oder Gewaltdarstellung in den Medien gibt. So werden gleichermaßen sowohl nichtfiktionale als auch fiktionale Formate untersucht. Ein Problem vieler Studien besteht darin, dass sie kaum miteinander vergleichbar sind. Es herrscht keine Klarheit über eine einheitliche Definition von Gewalt. Das kann sich natürlich auch auf den Aufbau der Untersuchungsanlage auswirken und dies wiederum kann einen Effekt auf die Ergebnisse einer Studie haben. Man könnte fast etwas überspitzt mutmaßen, es gäbe so viele unterschiedliche Auffassungen von Gewalt wie es Studien gibt.
In der vorliegenden Arbeit soll dieses Problem exemplarisch an den folgenden zwei Studien untersucht werden:
Studie 1: Gewaltprofil des deutschen Fernsehprogramms. Eine Analyse des Angebots privater und öffentlich-rechtlicher Sender (1993)
Studie 2: Gewalt zwischen Fakten und Fiktionen. Eine Untersuchung von Gewaltdarstellung im Fernsehen unter besonderer Berücksichtigung ihres Realitäts- bzw. Fiktionalitätsgrades (2005)
Die beiden Studien untersuchen das Gewaltvorkommen im öffentlich-rechtlichen und im privaten Fernsehprogramm. Sie wurden von unterschiedlichen Landesmedienanstalten in Auftrag gegeben. Es soll herausgearbeitet werden, ob es Unterschiede hinsichtlich der Definition von Gewalt und der damit verbundenen Operationalisierung des Begriffs in der Untersuchungsanlage gibt. Es wird angenommen, dass die Forscher der Studie aus dem Jahr 2005 den Begriff detaillierter definiert und somit auch differenzierter operationalisiert haben als die Forscher der 1993er Studie. Nach der Klärung begrifflicher Grundlagen werden die ausgewählten Studien vorgestellt. Hier liegt das Augenmerk jedoch nicht auf den Ergebnissen, sondern mehr auf dem Forschungsdesign und auf den Forschungsfragen. Schließlich werden beide Arbeiten gegenübergestellt und mit Konzentration auf die Definitionen und die daran anschließende Operationalisierung von Gewalt miteinander verglichen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Wichtige Begriffe
- Quantitative Inhaltsanalyse
- Beschreibung und Ziele
- Nichtreaktivität vs. Reaktivität
- Der Gewaltbegriff
- Mediale Gewalt
- Personale vs. strukturelle Gewalt
- Personale Gewalt vs. Aggression
- Intensionale vs. Extensionale Gewalt
- Operationalisierung
- Konzeptspezifikation und Ablauf
- Gütekriterien: Objektivität, Reliabilität und Validität
- Schwierigkeiten der Operationalisierung
- Die Studien
- Groebel, Jo; Gleich, Uli: Gewaltprofil des deutschen Fernsehprogramms. Eine Analyse des Angebots privater und öffentlich-rechtlicher Sender (1993)
- Grimm, Petra; Kirste, Katja; Weiss, Jutta: Gewalt zwischen Fakten und Fiktion. Eine Untersuchung von Gewaltdarstellungen im Fernsehen unter besonderer Berücksichtigung ihres Realitäts- bzw. Fiktionalitätsgrades (2005)
- Vergleich der Studien
- Die Gewaltdefinition
- Die Operationalisierung
- Die Analyseebenen
- Die Kategorien
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Operationalisierung von Gewalt im Kontext zweier Inhaltsanalysen aus den Jahren 1993 und 2005. Dabei steht im Vordergrund, wie der Begriff der Gewalt in den beiden Studien definiert und operationalisiert wurde und ob sich hier Unterschiede zeigen. Die Arbeit zielt darauf ab, die Vergleichbarkeit von Studien zum Thema Mediengewalt zu verbessern.
- Quantitative Inhaltsanalyse als Forschungsmethode
- Definition und Operationalisierung des Gewaltbegriffs
- Vergleich von Studien zum Thema Mediengewalt
- Analyseebenen und Kategorien in Inhaltsanalysen
- Schwierigkeiten der Operationalisierung von Gewalt
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Problematik der Vergleichbarkeit von Studien zum Thema Mediengewalt dar und führt die beiden untersuchten Studien ein. Kapitel 2 behandelt wichtige Begriffe wie die quantitative Inhaltsanalyse, den Gewaltbegriff und die Operationalisierung. Die beiden Studien werden in Kapitel 3 kurz vorgestellt, wobei der Fokus auf dem Forschungsdesign und den Forschungsfragen liegt. Kapitel 4 widmet sich dem Vergleich der Studien hinsichtlich ihrer Gewaltdefinition und Operationalisierung.
Schlüsselwörter
Mediengewalt, Quantitative Inhaltsanalyse, Gewaltdefinition, Operationalisierung, Vergleichbarkeit von Studien, Forschungsdesign, Analyseebenen, Kategorien.
Häufig gestellte Fragen
Warum sind Studien zur Mediengewalt oft schwer vergleichbar?
Ein Hauptproblem ist die fehlende einheitliche Definition von Gewalt. Unterschiedliche Auffassungen beeinflussen das Forschungsdesign und damit die Ergebnisse der Studien.
Was ist eine quantitative Inhaltsanalyse?
Dies ist eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher Merkmale von Texten oder Medienbeiträgen mittels Zählung und Kategorisierung.
Was bedeutet "Operationalisierung" im Kontext von Mediengewalt?
Operationalisierung ist der Prozess, bei dem der abstrakte Begriff "Gewalt" in messbare Merkmale (Kategorien und Analyseebenen) übersetzt wird, um ihn in einer Untersuchung erfassbar zu machen.
Wie unterscheiden sich die Gewaltstudien von 1993 und 2005?
Es wird angenommen, dass die Studie von 2005 den Gewaltbegriff detaillierter definiert und differenzierter operationalisiert hat als die Untersuchung aus dem Jahr 1993.
Welche Gütekriterien sind bei Inhaltsanalysen wichtig?
Zentrale Kriterien sind Objektivität (Unabhängigkeit vom Forscher), Reliabilität (Zuverlässigkeit der Messung) und Validität (Gültigkeit der Ergebnisse).
- Quote paper
- Toni Maschitzke (Author), 2016, Die Operationalisierung von Gewalt im Fernsehen. Vergleich zweier Inhaltsanalysen aus den Jahren 1993 und 2005, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334879