"Der Recke im Tigerfell" ('RIT') und das Nibelungenlied sind zur selben Zeit entstanden, nämlich um 1200. Dies gibt natürlich Anlass zur Frage nach einem möglichen Verhältnis zwischen beiden Epen. Nach einer Einführung in den Inhalt des georgischen Epos folgen die Entstehungsgeschichte höfischer mittelalterlicher Epik und des 'RIT' sowie dessen Aufstieg zum Nationalepos Georgiens. Dies führt schließlich zu einem Vergleich mit der mittelalterlichen Ritterepik Westeuropas im Allgemeinen und mit dem Nibelungenlied im Besonderen.
Die jetzt folgende Zusammenfassung des Inhaltes vom ‘RIT‘ soll eine Vorstellung liefern, was sich hinter dem Epos mit dem unklaren Titel verbirgt. Dabei wurden wegen fehlender Sprachkenntnisse deutsche Übersetzungen verwendet. Während die einzelnen Autoren bzw. Übersetzer unterschiedliche Strophenformen wählten, unterscheiden sich die Inhalte wenig.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
Der Recke im Tigerfell (Kurzfassung)
Interpretation
Entstehung höfischer Epik in Georgien und Westeuropa
Entstehungsgeschichte des georgischen Nationalepos
Der ‘Recke im Tigerfell‘ und die mittelalterlichen westeuropäischen Ritterepen
Der ‘Recke im Tigerfell‘ und das Nibelungenlied
Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem georgischen Nationalepos „Der Recke im Tigerfell“ von Shota Rustaveli und dem mittelalterlichen deutschen Nibelungenlied, um die Parallelen und Unterschiede in Struktur, Entstehungsgeschichte und gesellschaftlicher Bedeutung der beiden Epen aufzuzeigen.
- Historische Entstehung von höfischer Epik im mittelalterlichen Georgien und Westeuropa.
- Strukturelle Vergleiche der Erzählweise und Brautwerbungsgeschichten.
- Bedeutung der Epen als Nationalepos und deren kulturelle Identitätsbildung.
- Analyse der Rezeption und Literalität im Vergleich beider Kulturkreise.
- Gegenüberstellung von Motiven, Metrik und dem Ausgang der erzählten Handlungen.
Auszug aus dem Buch
Entstehung höfischer Epik in Georgien und Westeuropa
Die uns hier interessierende georgische Literatur entstand im 5. Jahrhundert. Der Priester und Schriftsteller Jakob Zurtaweli schrieb das Martyrium der Heiligen Schuschanik (= Hl. Susanna, †458) zwischen 476 und 483 nieder. Es ist das älteste erhaltene Buch der georgischen Literatur. Man kann somit die Grundlage des georgischen säkularen Epos in christlichen Schriften suchen. Ähnliches gilt für Westeuropa und speziell für Deutschland. Gemäß Wapnewski (1960: 10) ist es die christlich-kirchliche Lehre, auf der die althochdeutsche Literatur fußt. Und Brinkmann (1928:107) ergänzt: „Weitere Untersuchung wird aus Hagiographie und geistlicher Literatur gewiss zahlreiche Belege dafür erbringen können, dass auf diesen Wegen spätantikes Gut unmittelbar ins Mittelalter übergeleitet worden ist.“ Wenn man von christlicher Literatur spricht, dann ist es in diesem Zusammenhang unumgänglich, sich auch die Entstehung des Christentums in den betreffenden Regionen in Erinnerung zu bringen.
Georgien gehört neben Armenien zu den ersten Ländern, die das Christentum annahmen. Bereits 337 wurde in Georgien, im damaligen Königreich Iberien, das Christentum zur Staatsreligion erhoben (dieses „Iberien“ darf nicht mit Spanien verwechselt werden. Die Namensgleichheit ist wohl zufällig). Bereits im 5. Jahrhundert entstanden georgische Klostergründungen u.a. in Palästina, in Antiochien (heute: Antakya/Türkei) im damaligen Syrien und auf dem Berg Athos, und es gab eine georgische Mönchskolonie im Katharinenkloster auf dem Sinai. Auch im bedeutsamen Kloster Mar Saba (auch: Sabaskloster oder Sabazmida) nahe Bethlehem ließen sich sehr bald nach dessen Gründung georgische Mönche nieder. Dieses Kloster wurde im 8.-11. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Stätten des georgischen Schrifttums. (Fähnrich 1994: 8f) Nicht minder wichtig für die Entwicklung georgischer Literatur waren das Kloster Iviron auf Athos und die Klöster in Antiochien, wo es sogar eine Literaturschule gab.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitung in die Bedeutung des georgischen Dichters Shota Rustaveli und die Fragestellung nach einem Vergleich mit dem Nibelungenlied zum 800. Todesjahr.
Einleitung: Historische Einordnung Georgiens und des Entstehungszeitraums des Epos sowie die Problematik der verschiedenen deutschen Buchtitel.
Der Recke im Tigerfell (Kurzfassung): Detaillierte Wiedergabe der ineinander verschachtelten Rahmen- und Binnenhandlung um die Helden Tariel und Awtandil.
Interpretation: Diskussion der literarischen Gattung des Werkes und Einordnung als romantisches Ritterepos.
Entstehung höfischer Epik in Georgien und Westeuropa: Analyse der religiösen und feudalgesellschaftlichen Wurzeln sowie der parallelen, unabhängigen literarischen Entwicklung.
Entstehungsgeschichte des georgischen Nationalepos: Überblick über die Entstehungszeit am Hofe Königin Tamars und die Überlieferungsgeschichte der Manuskripte.
Der ‘Recke im Tigerfell‘ und die mittelalterlichen westeuropäischen Ritterepen: Vergleich von Motiven und Handlungsstrukturen wie der Doppelwegstruktur mit der westlichen Artusepik.
Der ‘Recke im Tigerfell‘ und das Nibelungenlied: Direkter Vergleich von Bekanntheitsgrad, Weltdokumentenerbe, Metrik, Literalität und dem Ausgang der Epen.
Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Erkenntnis über die überraschenden Parallelen trotz der geografischen Distanz und unterschiedlichen kulturellen Bedingungen.
Schlüsselwörter
Shota Rustaveli, Der Recke im Tigerfell, Nibelungenlied, Nationalepos, georgische Literatur, höfische Epik, Ritterwesen, Mittelalter, Kulturgeschichte, Vergleich, Awtandil, Tariel, Feudalwesen, UNESCO-Weltdokumentenerbe, Literaturvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das georgische Nationalepos „Der Recke im Tigerfell“ im Vergleich zum deutschen Nibelungenlied, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Entwicklung und Struktur aufzuzeigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Entstehungsgeschichte beider Epen, ihre Bedeutung als Nationalepos, die Rolle der ritterlichen Tugenden sowie die literarischen Strukturen wie Metrik und Handlungsaufbau.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den kulturellen Austausch und die parallele Entwicklung ritterlich-christlicher Feudalgesellschaften in Georgien und Westeuropa durch den Vergleich ihrer bedeutendsten Epen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine komparatistische Literaturanalyse, die vorhandene Übersetzungen und fachwissenschaftliche Sekundärliteratur vergleichend gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der inhaltlichen Kurzfassung des georgischen Epos, der literarischen Interpretation, der Entstehung höfischer Epik in beiden Regionen sowie detaillierten Vergleichen zu Motiven, Literalität und historischer Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind neben den Namen der Epen Begriffe wie Nationalepos, mittelalterliche Epik, Feudalwesen, höfische Literatur und interkultureller Vergleich.
Wie unterscheidet sich die Literalität im Vergleich der beiden Epen?
Das georgische Epos zeichnet sich durch einen häufigen Briefwechsel zwischen den Hauptfiguren aus, während das Nibelungenlied in der Kommunikation stärker auf mündliche Botschaften setzt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der „Nibelungentreue“?
Der Autor ordnet das Motiv der „Nibelungentreue“ historisch ein und stellt es dem Konzept der Freundschaft im „Recken im Tigerfell“ gegenüber, das bei Rustaveli eine zentrale ethische Pflicht darstellt.
- Quote paper
- Rainer Schoeffl (Author), 2016, "Der Recke im Tigerfell". Das georgische Nationalepos und das Nibelungenlied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334915