Verdammt oder befreit zu glauben? Einem Burnout von der Klinge springen

2. Auflage


Skript, 2017
228 Seiten

Leseprobe

[Dieses Buch ist im Querformat geschrieben und enthält zahlreiche Abbildungen und Tabellen. Formatierung und Grafiken können sowohl in der Vorschau "Im eBook lesen" als auch in dieser Leseprobe nicht dargestellt werden.]

EINSTIEG

[…]

VORWORT

„Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“ Max Frisch

Wenn ich morgens nach dem Aufwachen die kühle Brise um meine Nase und auf meiner Haut spüre, die tanzenden Vögel in den Lüften beobachte, und auch deren Zwitschern in den Wipfeln der Bäume im Lichte der aufgehenden Sonne wahrnehme, dann empfinde ich Dankbarkeit. Dankbarkeit für meinen bisherigen Pfad des Lebens, der auch von vielen Querwegen, Fragen, Zweifeln und Sehnsüchten geprägt ist. Die oben beschriebenen Momente der Dankbarkeit werden auch immer bewusster, da viele Anlässe für vermeintlich nötige Kämpfe ausbleiben. Ich erlebe vermehrt eine innere Stille und größere Zufriedenheit als sehr bereichernd. Diese Wertschätzung überhaupt zu leben gibt mir mehr Raum und lässt die Hektik, Komplexität und auch die häufig zu spürende Ungerechtigkeit, einer durch die Menschen geformten Umwelt, in den Hintergrund treten. Es sind nicht nur diese Inseln des Glücks, sondern auch die Kraftquellen meines beruhigten Geistes, der Zeuge des zeitlosen Kontinuums des Lebens wird.

So liegt Ihnen mit dem vorliegenden Buch meine Zusammenfassung darüber vor, wie es mir möglich wurde, viele meiner Verwicklungen der eigenen Lebenshistorie zu entwickeln, die vielen Fragen meines interessierten Geistes zu beruhigen und auch meinem Körper die passende Wertschätzung zu geben.

Die vielen Erfahrungen, Worte, Beschreibungen und Konzepte, die ich mir über die Jahre hin erarbeitet habe, halfen mir meiner Seelenaufgabe näher zu kommen. Denn ist es nicht so, dass jeder Mensch innerlich spüren kann, was seine eigene Bestimmung ist, und sie nur oft nicht zu leben vermag? Viele „Konzepte bzw. Möglichkeiten die Welt zu sehen“, (u.a. der am Ende genannten Autoren) haben mich bereichert, so dass ich einige Aspekte in Kürze (Teil 2) skizziert und mit meinen Erfahrungen ergänzt habe. Mir war und ist es wichtig, meine mich umgebende Welt zu verstehen, um mit den ineinander verwobenen Fäden in meinem Leben zurecht zu kommen.
Eine ganzheitlich gesunde Entwicklung erscheint mir vor allem davon abhängig, ob und wie es möglich ist, die eigenen Lebensbezüge zu differenzieren und dann wieder zu integrieren. Krisen helfen dabei und sind in deren Aufarbeitung stetig verbunden mit einem Verständnis des eigenen Egos, das die Gesamtheit aller Lebenskonzepte aus Bewertungen und Konditionierungen beinhaltet. Diesen Organisator der Realität wertzuschätzen und an seinen Platz zu verweisen hat einen erheblichen Anteil an der persönlichen Zufriedenheit und enttarnt viele Glaubenskonzepte. Im Laufe der Jahre wurde mir bewusst, dass die Gelassenheit wächst, wenn das Ego in seiner Klugheit und Vernunft nicht abgewertet wird. Dies öffnet leichter den Raum der Hingabe an die Geschenke des Lebens.

Verschiedene Ebenen steuern das Leben. Einmal die Instinkte. Oder dem Leben wird vorrangig auf der Basis der sehr wechselhaften Gefühle, Bedeutung gegeben. Bei genauer Betrachtung sind Gefühle vor allem die im Körper verankerten Erfahrungen der Vergangenheit sind und in der Gegenwart reaktiviert werden. Der Fokus die Regungen des Körpers zu fühlen ist eine andere Form der Lebensgestaltung.

Egal welchen Schwerpunkt Sie bewusst setzen – letztlich wirft eine jede Ebene des Seins irgendwann immer wieder neue Fragen über die persönliche Bedeutung und auch den Sinn des Lebens auf, die vor allem den Geist stetig neu herausfordert. Im Rückblick kann ich eine jede Ebene in meinem Leben erkennen.

Qua bisher bekannter Untersuchungen der Hirnentwicklung fehlt bei einer ganzheitlichen Lebenswahrnehmung ein elementarer Baustein, wenn komplexe Zusammenhänge allein erfühlt (Gefühle) oder gefühlt (Körper) werden. Ohne die bei diesen innerlichen Reaktionen aufkommenden Fragen zu reflektieren, bleibt dieses Erleben allein ein individuelles Erleben. Gerade diese Einsicht ermöglichte es mir die Schönheit des Lebens verstärkt integrierend wahrzunehmen.

Vor allem dadurch, das diese tiefe innere Stille, über die Beruhigung meines Geistes zu erleben ist. Es begeistert mich wie gerade der Geist, als Ausdruck des Bewusstseins, die Puzzlesteine des Augenblicks in Körper, Gefühl und Instinkt verstehen kann und zu steuern vermag.

Auch aus dieser Faszination heraus habe ich vorliegendes sehr persönliche Buch geschrieben. Mir ist es ein Anliegen Ihnen durch meine Ausführungen eine Reflexionsfläche zu bieten.

Ich skizziere Ihnen beispielhaft innere Kämpfe und Zweifel genauso wie die Hochgefühle (m)eines Verstehens. Die Einsichten haben mich durch die Nächte meiner Seele geführt und auch viele Lehrer und „allein um sich selbst drehende Gruppen“ auf meinem Weg hinter mir gelassen. So hat sich mein persönlicher Entwicklungsweg an den Drehpunkten entschieden, als die Klarheit die Richtung vorgab. Dabei integrierte ich schon einige unverbundene Fäden meines Lebens zu einem immer stimmiger werdenden Bild meiner Selbst.

Ohne die Frage „des Glaubens“ (unabhängig von dessen Qualität und Tiefe) oder des Wissens (als mehr oder weniger begründete Meinung) wäre der Inhalt unvollständig. „Glaube“ greift in alle Lebensfelder und ist nicht allein spirituell gemeint. Daher habe ich auch den Titel und das letzte Kapitel diesem grundsätzlichen Lebensthema gewidmet.

Auch wenn allgemein vom „Wissen“ oft als feste Größe gesprochen wird, hat es in letzter Konsequenz einen flüchtigen Charakter. Außer ggf. dann, wenn der Glaube zu einem ganzheitlichen Empfinden in der Stimmigkeit mit dem Leben wird, und dann auch als „tiefe Form des Wissens“ bezeichnet werden kann.

Zuerst geht es um eigene Antworten auf viele Fragen. Letztlich jedoch stellt sich heraus, dass es allein um ein Schauen geht.

Dieses Buch richtet sich an Menschen, die das Leben besser verstehen möchten, da es gerade aus dem Ruder zu laufen scheint. Es ist für Menschen, die in der Tretmühle des Alltags einen neuen Lebenssinn finden wollen und auch an die, die an vielem Konzepten zweifeln, was durch Prägung und Konvention lange Zeit an sie herangetragen wurde.

Das Layout hat das Ziel Sie anzuregen Pausen beim Lesen zu machen. Es ist sinnvoll offen und immer wieder kritisch den Bezug zu Ihrem Leben, Ihren Empfindungen wie auch Gedanken zu finden.

Die in diesem Buch abgebildeten Grafiken sind von Richard Q. H. Beilmann, der seine hier gezeigten Werke in prägnanten Phasen seines Lebens anfertigte. So spiegeln die Bilder leidvolle Situationen im Leben und freudvolle Ausblicke in die Zukunft wider. Mehr Bilder finden sich unter: www.rqhb.de

INHALTSANGABE

EINSTIEG

S.3 … Vorwort

S.6 … Persönliche Motivation

S. 9-10 … Einführung (Formel zur persönlichen Entwicklung)

S. 13-16 … TEIL 1: Der Bausteine („Rückwärtsgang“) des Verstehens

S.18 … Burnout - Phasen im Burnout

S.19-24 … Burnout - Selbstbeobachtung

S.25-28 … Wie ich wurde wer ich bin.

S.29-193 … TEIL 2: Erkenntnisschaubilder – die Welt neu sehen lernen

S.29-111 … 2 A: Allgemeines

S.31-35 … Das integrale Modell: Bewusstseinsebenen

S.36-38 … Das Grundmodell für ein sich entfaltendes Bewusstsein

S.39-50 … Gedanken und Anregungen zu „Komplexität + Wirklichkeit“

S.51-55 … Das integrale Modell: Teil 1 von 5: Linienvielfalt

S.56-71 … Die Entwicklung des Egos – Teil 1 – Einführung

S.72-75 … Das integrale Modell: Teil 2 von 5: Perspektivenvielfalt

S.76-80 … Der „Fünfklang“ des Seins

S.81-93 … Das Rad des Lebens

S.94-97 … Das integrale Modell: Teil 3 von 5: Bewusstseinszustände

S.98-110 … Die Entstehung des Universums aus menschlich „fassbarer“ Sicht

S.111-144 … 2 B: Schwerpunkt Typ „Mann“

S 113-116 … Das integrale Modell: Teil 4 von 5: Der Typ – Die Rollen des Mannes

S.117-126 … Die männliche Evolution & Heldenreise ins Ich (Mann 7.0)

S.127-133 … Männerinitiation!?

S.134-144 … Männerbeziehungen

S.145-193 … 2 C: Schwerpunkt Führung

S.147-154 … Das Reifegradmodell – die Bedeutung von „Willigkeit“ und „Fähigkeit“

S.155-166 … Von der Führungskraft zur Führungspersönlichkeit

S.167-186 … Kommunikation - Grundlagen und Modelle

S.187-193 … Das Enneagramm „5 aus 9“

S.194-212 … TEIL 3: Dankbar auch für Krisen?! Verdammt oder befreit zu Glauben an... (GOTT)?

S.213-220 … Zwischenfazit & Gedankenassoziationen

S.221-228 … Literatur – Anregungen – Abschluss

PERSÖNLICHE MOTIVATION

„Es geht nicht darum neue Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen auf die Welt zu schauen.“ Marcel Proust

Zuerst der Eigennutz. Seit vielen Jahren schon hilft mir Schreiben. Es befreit, fokussiert und lässt mich durch meinen inneren Dialog neue Welten im Außen entdecken. Weiterhin möchte ich Sie anregen, sich neuen Gedanken und Erfahrungsräumen zu öffnen.

Aus meinen Coachings, Seminaren, Beratungen und Lebenserfahrungen weiß ich um viele verschwiegene Kämpfe aus falsch verstandener Scharm, die jeder Mensch mit sich herumträgt. Ich empfinde es immer weniger als Makel sich auch zu inneren Kämpfen zu bekennen. Auch geht es ja gerade uns Männern um ein neues Verständnis zum „Mut zur Lücke“ und das Zeigen eigener Schwäche in einer Welt von oft falsch verstandener Stärke. Denn zunehmend werden menschliche Werte wirtschaftlichen Anliegen und falsch verstandener Leistungsorientierung untergeordnet.

Ebenso gibt es den Versuch Lebensentwürfe konformistisch auszurichten Durch die Funktionalität und Schnelllebigkeit in der Lebensgestaltung lösen sich mehr und mehr die dem Leben zu Grunde liegende Vielfalt und Schönheit auf.

Ich spüre nun die Befreiung durch den Prozess der Klärung folgender Kapitel. Es stellt sich mir wie ein offensichtlicher Tanz zwischen den alltäglichen Herausforderungen, einer ungesunden Leere, den (auch oft unbewussten) Angstattacken sowie der unbeschreiblichen Erfüllung einzelner Lebensmomente dar. Denn lange Zeit funktionierte ich unbewusst und unzufrieden im gesellschaftlichen System. Dabei agierte meinem Muster entsprechend mit stetigem Aktionismus. Ich weihte zuerst wenige Menschen über die im Hintergrund tanzenden Empfindungen und der Sehnsucht nach größerer Erfüllung ein.

Dieses Verhalten erleichtert es mir auch die dunkle Seite der Einsamkeit (ungesunde Leere) eher anzunehmen. Damit verbunden ist jedoch auch das Empfinden einer hellen und bereichernden Fülle (gesunde Leere) im Leben.

Genau diesen Lebensbogen zwischen einem gefühlten schwarz und weiß wurde in mir immer ausgewogener, da der Rückwärtsgang des Verstehens (s. S. 5-13) Raum griff. Ich konnte die wechselhaften Momente nachvollziehen. Meine Fragen des „Wozu“ und „Warum“ fanden ihren Platz im Stimmungswandel meines Lebens.

Mein Schreiben wurde dadurch zur Therapie, beruhigte meinen unruhigen Geist, und ermöglichte mir dann auch diese Reisetappe zu bündeln. So gehören Krisen zum Leben und werden zum Ausgangspunkt, um die Schönheit und Polarität im Alltag bewusster wahrzunehmen. Die Tretmühle des Handelns drehte sich langsamer, die schwere, dunkle hilflose Seite im Leben reduzierte sich.

Ich bin mir sicher, dass dies die Entwicklung einem möglichen Burnout bremste. Denn meine neu erarbeiteten Perspektiven auf das Leben erweiterten meinen Horizont und lassen oft in Gesprächen und den Medien dominierende, einfachen Rezepte der Lebensmeisterung ins Leere laufen.

Denn je vielfältiger die Sichtweisen, desto bunter wird das Leben, nicht jedoch unbedingt einfacher. Dennoch, dadurch begann in mir ein auf Hingabe ausgerichteter dynamischer Tanz zwischen Körper, Verstand, Schatten und Seele, den ich gerne mit Ihnen teilen möchte. Vielleicht kann dadurch Ihre Entwicklung in irgendeiner Form bereichert werden.

[…]

EINFÜHRUNG

Nietzsche hat einmal gesagt: „ Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie!“ Das heißt: Wer um den Sinn seines Lebens weiß, dem verhilft dieses Bewusstsein mehr als alles andere dazu äußere Schwierigkeiten und innere Beschwerden zu überwinden.
Victor Frankl

Fragen zu stellen ist der Beginn von Veränderung. Man wird dadurch nicht nur lebensweiser, sondern öffnet auch sein Bewusstsein für neue Erfahrungen.

Der Spalt zwischen dem Alltag und den wesentlichen Dingen im Leben verringert sich. Um dies zu erkennen, bedarf es eines Prozesses aus Freud und Leid, mit der Einsicht, sich zugehörig zu fühlen, und eine Art reife Geborgenheit zu spüren. Je geringer der Spalt im Laufe der Zeit wird, desto höher ist die Erfüllung im Leben.

So wird eine Art des Verstehens (s.S.5-13) von Lebenszusammenhängen die Eintrittskarte, um die Schleier der Fassaden des Egos (s. S. 47-62) und des vorherrschenden Lebensmusters (s. S. 177-183) zu erkennen.

Eine häufige Hilflosigkeit vieler offener Fragen löst sich nur langsam auf, aber die mit ihnen verbundenen Entwicklungsschmerzen lassen die Pracht des Lebens verstärkt aufscheinen.

Ich möchte mit Ihnen in den folgenden Kapiteln einige Bausteine teilen, die mir persönlich auf meinem „Heilungsweg“ geholfen haben, mich meinen Schattenseiten zu öffnen. Gerade mir als Mann (s. S. 102-135) fiel es schwer sich von anderen (und vor allem Männern) zu öffnen und auch auffangen zu lassen.

In mir wuchs der Anspruch, die schicksalshaften Wegweiser des Alltags sensibler wahrzunehmen, und dann entsprechend zu agieren. Verstärkt wollte ich auch verweilen, um dadurch stimmigere Lösungen für mein Leben zu finden. Dazu zählte es, meinem persönlichen Lebensprogramm auf die Schliche zu kommen, und trotzdem im „alltäglichen“ Leben bestehen zu können. Es war und bleibt ein stetiger Weg des Lernens, bei dem ich vor allem die Kraft bemerkte, authentischer zu werden.

Die einzelnen, Ihnen nun vorliegenden Ausarbeitungen, relativieren für mich die Bedeutung des Menschen im Kosmos allen Lebens. Sie zeigen mir deutlich, wie sich in mir fest verankerte Einstellungen konsequent ineinander verschachtelt weiterentwickeln (daher die später aufgeführten fünf Bausteine zum integralen Modell). Auch wird mir deutlich, wie vor allem der Kontext des Lebens und das Bewusstsein des Umfeldes die Ideale und Axiome meines Lebensprogramms ausbildeten. Dieses zu erkennen war für mich die wesentliche Voraussetzung, um mich dann vertrauensvoll in neue Lebenserfahrungen fallen lassen zu können.

Ohne die Grundlage eines Verstehens* der Lebenszusammenhänge, mit dem Ziel innerlich stiller zu werden, ist die Komplexität täglicher Herausforderungen nicht wahrnehmbar. Erst recht nicht die im Hintergrund wirkenden verdeckten Muster, Schatten und Systeme bleiben sonst verborgen.

Innerhalb meines bisherigen Prozesses entstanden immer wieder neue Fragen und Antworten, die mich tiefer in den eigenen Heilungsprozess führten. Die damit verbundene Akzeptanz verstärkte das Verständnis eigener Handlungen, und ließ die Konflikte und dunklen Momente des Lebens heller werden. Ist dieses Wechselspiel der Gefühle nicht im Menschen angelegt?

[…]

KRISEN ALS CHANCE –„SELBSTBEOBACHTUNG“

Einstieg

Um die Komplexität aus Beruf und Alltag zu bewältigen, wird zumeist die Geschwindigkeit erhöht. Irgendwann dann scheint die Zeit zu kurz und die Aufnahmekapazität übervoll. Durch die damit verbundene fehlende Bewältigung und Aufrechterhaltung der erarbeiteten Position zeigen sich erste Anzeichen einer Krise in Form von Verlust des Selbstwertgefühls und der stetigen Zunahme an Lebenszweifeln. Lange als sicher geglaubte Stützpfeiler des Lebens brechen weg, und es entsteht eine große Welle an Irritation und neuen Fragen ans Leben. Gewohnte Routinen des Alltags und sicher geglaubte Aktivitäten wie auch Kontakte stehen auf dem Prüfstand.

Ein Virus

So sehr ich mich auch anstrengte, meine Physiognomie (als unbewusster Teil meiner Persönlichkeit) zeigte anderen meine innere Befindlichkeit. Es war wie eine Art Virus, der sich in mein Bewusstsein schob. Er öffnete eine innere Tür, die lange Zeit durch eine Art Schleier wie verschlossen schien. Auf dieser Tür standen die Kennzeichen meines Lebensmusters und der Virus wurde zum passenden Schlüssel. Er öffnete mir im Rückblick die Augen und erhellte neue, bisher „verschattete Teile“ meines Lebens.

Neue Lebenstüren

Durch berufliche Umbrüche begründet, hatte ich ungewohnt viel Zeit zur Verfügung, die mich zu einer ungekannten Ruhe führte. Diese nutzte ich qua Lebensmuster eher widerwillig, um neue Antworten zu finden. Hinter der Tür erspähte ich vorsichtig Masken mit unangenehmen Fratzen, die nach Aufmerksamkeit zu schreien schienen, und von denen ich mich schnell wieder abwandte. Dort lagen auch holographisch anmutende Erinnerungen in Form von bewegten Bildern, die mir in ihrer Plastizität Tränen in die Augen trieben. Weiterhin erkannte ich verschieden farbige Pakete, die mehr oder weniger darauf warteten ausgepackt werden zu wollen. Alles zusammen erinnerte mich an vergangene Erlebnisse, die sich wie eine Art Erinnerungsfeld vor meinem inneren Auge ausbreiteten. All dies hatte eine magnetische Wirkung. Gleichzeitig spürte ich in diesem Raum Parallelen zwischen meiner Innenwelt und der mich umgebenden Außenwelt. Es dockten sich unsichtbare Verbindungsfäden an meinen Körper, mein Herz und meine Seele, die ich nicht mehr abzuschütteln vermochte. Dennoch wandte sich mein angespannter Körper ab von diesen mannigfaltigen Eindrücken und versuchte die Tür von außen wieder zu verschließen. So drehte ich mich dann doch wieder entschieden um, griff willkürlich zu einem der Pakete und erhielt innerlich Applaus. Diese wohlige Wärme fehlte mir gerade äußerlich. Denn mein gewohntes, auf das Außen gerichtetes System verwehrte z.Zt. konsequent positive Resonanzen, Anerkennungen oder auch Betätigungen einer Sinnhaftigkeit meines eigenen Tuns. Oder anders formuliert, ich konnte die Chance dieser krisenhaften Zeitepoche nach meinen vorherrschenden Schemata weder faktisch erkennen, noch erleben.

Lebenserweiterungen

So wurde dieses Zupacken ins Ungewisse eines eher noch aus Angst motivierten Handelns im Nachhinein, mein erster Schritt zur Meisterung meiner Krisen.

Ich begann mit viel Herzklopfen das erste von vielen Paketen –in Form von vergangenen Erlebnissen – auszupacken. Ich nutzte die Zeit, um die als ungesund empfundene Leere meiner fehlenden äußeren Befriedigung zu füllen.

[…]

WIE ICH WURDE, WER ICH BIN!

Lebe ich um zu arbeiten, oder arbeite ich um zu leben?

Einstieg

Stimmungsschwankungen, Krise oder Burnout? Unabhängig von der subjektiven Einstufung fühlte ich mich oft als ein Gefallener – und bin, nachdem ich die Krise überstanden habe, stolz. Erst durch den Prozess der Überwindung konnte ich viele Erfahrungen machen und neue Wege gehen. So sehe ich mich –damit bin ich sicher nicht alleine –als jemand, der mit offenen Augen dem Leben begegnet, um unangenehme wie unbeabsichtigte Wendungen zu vermeiden. Es ist mir ein stetiges Anliegen den Situationen adäquat zu begegnen und mein Leben sinnvoll zu verbringen.

Kindheit

Ich erinnere mich daran, schon immer den Ausgleich angestrebt zu haben. Schon in den ersten Jahren war es für mich nötig zu fühlen, welche Emotionen in meiner Familie welche Reaktionen von mir erwarteten. Meine Geschichte begann schon früh zwischen „zwei“ Müttern. Denn durch den frühen Tod meines Vaters studierte meine Mutter und ich hatte eine Ziehmutter. Später dann auch noch „zwei“ Väter, da meine Mutter neu heiratete. So war ich darauf programmiert, auszugleichen, und mich verschiedenen Perspektiven zu öffnen.

Oft verlor ich dabei meine eigene Sicht auf die Dinge, denn zumeist ging es darum, es den anderen Recht zu machen. Als Folge vernachlässigte ich mich oft selbst dabei.

Eine solche Haltung interpretiere ich für mich zu „Fallen“, nicht für sich selbst zu leben, weil Umstände es erfordern. So fiel ich also, und das Aufstehen wurde zu einem wesentlichen Teil meines Lebensprogramms.

Was war die logische Folge? Ich lebte mein Leben oft mehr in meinen Innenwelten, verstärkte mein Lebensmuster durch verschiedene mentale Konstrukte, um den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein. Oft suchte ich Aufmerksamkeit durch Sonderrollen, und gab dem Leben idealistische Wertigkeiten.

Weiterhin prägte ein zwar nie formulierter, jedoch subtil vorherrschender Satz mein Leben. Was du auch tust, „aus Scheiße wird schon Gold“. Dieser begnadete mütterliche Halt, den mein Bruder und ich erleben durften, gab uns viele Freifahrtscheine. Denn egal was geschah oder gemacht, wurde, letztlich war es gut.

Neben diesem glorreichen Getragenwerden verhinderte diese Haltung jedoch auch die Auseinandersetzung mit dem Leben. Denn verbunden mit diesem Satz und dem familiären Kontext schützte ich aufgrund einer inneren Leere andere, umsorgte die Großeltern, übernahm Verantwortung und blendete damit meine Unsicherheit auch durch Charme aus. Die Außenorientierung war geboren.

Heute interpretiere ich dies häufig so, dass mir in den ersten Lebensjahren ein männliches Gegenüber gefehlt hat. Daher war es ja auch so bedeutend für mich – und das hilft sicher allen Männern – sich mit den männlichen Archetypen zu beschäftigen, die Heldenreise des Mannes zu erleben und die Seelenbilder zu durchleben.

Der erste Ausbruch

Meine ersten Ausbruchsversuche aus der liebevollen Umklammerung waren sanft, es war ja erlernt, niemandem weh zu tun. Dann irgendwann wurde der innere Drang zu groß. Ich gab ihm durch Schreiben statt, was ich im Grunde nie konnte. Ich veröffentlichte ein Fachbuch und zeigte Verhaltensweisen, die meiner inneren Reife und meiner Kompetenz nicht immer gerecht wurden.

[…]

VERDAMMT ODER BEFREIT ZU GLAUBEN AN... (GOTT?)

Einführung

Meinen Weg, den Krisen meines Lebens zu begegnen, habe ich oben skizziert. Unterstützt und getragen durch ein nicht selbstverständliches liebevolles Umfeld war es für mich ein wesentlicher Schritt zur Transformation meines Lebens, neue Sichtweisen auf das Leben zu entwickeln. Dies war oft ein anstrengender und langwieriger Prozess mit ungewissem Ausgang. Die wesentliche Grundlage dazu war der Rückwärtsgang des Verstehens und die damit verbundene Entwicklung von Gelassenheit gegenüber den Schwankungen im Leben. Durch meinen intensiven spirituellen Weg – das Viele in dem Einen zu enttarnen, um dann das Viele im Einen zu umarmen – entstand in mir mehr und mehr Demut und Dankbarkeit dem und besonders auch meinem Leben gegenüber.

Meine persönliche Wanderschaft auf den Ebenen des Seins war und ist, mit den jeweiligen Suchbewegungen und Erfahrungsschätzen, ohne eine Reflexion über GOTT oder dem, was sich meinem Bewusstsein an GOTTESBILDERN anbietet, nicht denkbar. Denn gerade in der heutigen Zeit – bei der von der Beeinflussung der Genetik, einer Kontaktlinse, die alle Informationen des Tragenden ins Netz überträgt, gesprochen wird, und sogar die simultane Gedankenübertragung zwischen Menschen real erscheint – fällt es schwer, beim klassischen Verständnis von GOTT stehen zu bleiben. Wer ist denn da GOTT für die Menschen, die sich mit diesen Glaubensmodellen der Künstlichen Intelligenz identifizieren?

Die oben beschriebenen Konzepte geben dem (eigenen) Leben zwar einen entsprechenden „Wert“, wurde mir deutlich, dass es nicht der Wert ist, der mein Leben definiert, sondern erst die Beschäftigung mit den letzten Sinnfragen meine Rolle im Leben. So stellt dieses Kapitel für mich das „i-Tüpfelchen“ dar, um immer mehr die Wunder eines erfüllten Lebens zu erkennen. Denn zumeist hindert uns unser Aktionismus daran diese Wunder zu erforschen, so dass Wege zu GOTT oder andere spirituelle Wege als Hilfestellung gesucht werden.

GOTT oder leben ohne GOTT?

Es gibt viele Auslegungen zu dem was GOTT sein mag. Allein im christlich geprägten Abendland haben sich verschiedene Richtungen herausgebildet: vom evolutionären Humanismus (eine verantwortungsvolle Ethik ohne Rückgriff auf religiöse Grundlagen); dem Naturalismus (die naturwissenschaftliche Methode); der Soziobiologie (nach der der Glaube der entscheidende evolutionäre Vorteil der Spezies Mensch sei) über den Deismus (die Ablehnung religiöser Offenbarung und die Überzeugung, dass die Naturgesetze in all ihrer Stabilität ihren Anfang in einem Schöpfer nahmen, der aber nun nicht mehr weiter eingreift). Ein Arbeitsfeld der theoretischen Physik stellt sich sogar die Aufgabe, die eine Weltformel zu finden.

Christlicher GOTT?

„Das“ christliche Verständnis eines „personifizierten“ dreifaltigen GOTTES hatte im Abendland lange Zeit eine weitreichende und bestimmende Wirkung. Die Grundlagen sind schon fast in unsere menschliche DNA eingedrungen, obwohl seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert die heutige säkularisierte Welt immer stärker an den traditionellen Bildern kratzt. Heute gilt es eher als schick, die Bilder GOTTES zu enttarnen – obwohl oft eine große Sehnsucht nach dem Kern von Nächstenliebe, Achtung der Schöpfung und Gleichheit aller Menschen vorherrscht. Dies wird oft nicht mehr mit der Institution „Kirche“ in Verbindung gebracht. Verbünde von Konfessionslosen und Atheisten, Gruppen für private Sonntagsgottesdienste und eine sich minimierende Teilnahme an klassischen Gottesdienstbesuchen zeigt den Rückgang des Interesses offenkundig. Ist somit das traditionelle christliche Verständnis von GOTT überholt?

[…]

Ende der Leseprobe aus 228 Seiten

Details

Titel
Verdammt oder befreit zu glauben? Einem Burnout von der Klinge springen
Untertitel
2. Auflage
Autor
Jahr
2017
Seiten
228
Katalognummer
V334965
ISBN (eBook)
9783668247765
ISBN (Buch)
9783668247772
Dateigröße
13182 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verdammt, einem, burnout, klinge
Arbeit zitieren
Michael H. Beilmann (Autor), 2017, Verdammt oder befreit zu glauben? Einem Burnout von der Klinge springen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334965

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