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Verlobung unter Ungleichen - Nation, Rasse und Geschlecht in Heinrich von Kleist´s Verlobung in St. Domingo

Title: Verlobung unter Ungleichen - Nation, Rasse und Geschlecht in Heinrich von Kleist´s Verlobung in St. Domingo

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Pascal Grübl (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Heinrich von Kleists Werke sind getragen von der Faszination des Widerstandes. Er sympathisiert mit dem Widerstand gegen Okkupation und Unterwerfung. Dabei behandelt er stets auch die immanente Gefahr der Verselbständigung der Form und Entkoppelung von den ursprünglichen Wertvorstellungen. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren die Ideale, die sich die bürgerliche Revolution in Frankreich 1789 auf ihre Fahnen schrieb. Ideale, die auch Kleist für sich beanspruchen konnte, ließen sie doch einen breiten Interpretationsspielraum offen. Sollte die Freiheit dem französischen Bürger gelten, oder auch den feudal Geknechteten im unfreien Europa? Hatte man bei der Gleichheit auch die der Geschlechter gemeint? Und waren die Sklaven in den Kolonien die Brüder der Revolutionäre Frankreichs? Fragen die in der Nationalversammlung diskutiert und die spätestens mit der Machtübernahme Napoleons de facto verneint worden waren.
Kleists Novelle „Die Verlobung in San Domingo“ spielt, vor dem Hintergrund dieser Wertediskussion, im Jahr 1803 in der französischen Kolonie Saint Domingue. Der Dichter greift die Widerstandsthematik auf und zeichnet darin eine, in seiner Zeit verbreitete Vorstellung gesellschaftlicher Ordnung, patriarchaler und rassistischer Prägung. In der Novelle lässt sich Kleists Variante einer „aufgeklärten“ Nomenklatur herausarbeiten. Diese Arbeit analysiert „Die Verlobung in St. Domingo“ unter den Kategorien Rasse und Geschlecht. Zum besseren Verständnis ist ein historischer Aufriss vorangestellt. Ein erstes kleineres Kapitel betrachtet, wo sich Kleists Skepsis gegenüber Revolutionen und seine nationalistische Kritik an der Eroberungspolitik eines Bonaparte wiederfinden lässt, die nicht mit einer Kritik an den Idealen der Französischen Revolution verwechselt werden dürfen. Viel Spaß beim lesen!

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Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Historischer Hintergrund

3. Revolution & Nation

4. Rassismen

4.1 Sklaverei

4.2 Fronten im Rassenkampf

4.3 Rassistische Stereotype

4.4 Gustavs rassistische Kategorisierungen

5. Schwarze Hure – Weiße Heilige

6. Geschlechterrollen & -bilder

6.1 Die Apolitische

6.2 Motivation Emotion

6.3 Verführter Verführer

6.4 Die Waffen der Frau

6.5 Rollenzuschreibungen

7. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ unter den zentralen Kategorien Nation, Rasse und Geschlecht. Dabei wird untersucht, wie Kleist gesellschaftliche Ordnungsmodelle seiner Zeit, insbesondere im Kontext kolonialer Machtverhältnisse und revolutionärer Umbrüche, literarisch verarbeitet und welche rassistischen sowie patriarchalischen Stereotype in den Figurenkonstellationen und Handlungsverläufen wirksam werden.

  • Historische Kontextualisierung des Sklavenaufstands auf Haiti und Kleists Revolutionskritik.
  • Strukturanalyse der rassischen Kategorisierungen und der Dichotomie von Schwarz und Weiß.
  • Untersuchung der Geschlechterrollen im Lichte zeitgenössischer philosophischer Ansätze.
  • Die Rolle der Täuschung und List als weibliche Verteidigungsstrategie in einer männlich dominierten Ordnung.

Auszug aus dem Buch

4.4 Gustavs rassistische Kategorisierungen

Wie oben dargestellt steht der fließenden Farbstiftung der Figuren eine Dichotomisierung des Rassenkonflikts auf Handlungsebene, wie ideologisch gegenüber. Rassistische Zuschreibungen von Charakteren kennen nur die Extreme schwarz und weiß. Und sie sind fester Bestandteil des Weltbilds Gustavs: Auf der Flucht gerät er in Abhängigkeit von Toni und Babekan - zwei Personen, weder schwarz, noch weiß. Diese Begegnung stellt ihn vor arge Zuordnungsprobleme und die binäre Rassenkonstruktion in seinem Scheitern rekursiv in Frage.

„[S]eid ihr eine Negerin?“ – mit diesen Worten führt sich Gustav in die Novelle ein. Auf der Flucht vor marodierenden Schwarzen sind es nur Weiße, die ihm die gesuchte Sicherheit stiften können. Babekan, an die sich die Frage richtet, und Toni wissen dies und sind bemüht, ihm eine Schicksalsgemeinschaft mit den Weißen vorzutäuschen: „>Ist es nicht, als ob die Hände eines Körpers, oder die Zähne eines Mundes gegen einander wüten wollten, weil das eine Glied nicht geschaffen ist, wie das andere? Was kann ich [Babekan], deren Vater aus St. Jago, von der Insel Cuba war, für den Schimmer von Licht, der auf meinem Antlitz, wenn es Tag wird, erdämmert? Und was kann meine Tochter, die in Europa empfangen und geboren ist, dafür, dass der volle Tag jenes Weltteils von dem ihrigen widerscheint?< - Wie? rief der Fremde [Gustav]. Ihr, die Ihr nach Eurer ganzen Gesichtsbildung eine Mulattin, und mithin afrikanischen Ursprungs seid, Ihr wäret samt der lieblichen jungen Mestize, die mir das Haus aufmachte, mit uns Europäern in einer Verdammnis? - >Beim Himmel! [...] Wenn wir uns nicht durch die List [...] zu schützen wüssten: der Schatten von Verwandtschaft, der über unsere Gesichter ausgebreitet ist, der, könnt Ihr sicher glauben, tut es nicht<“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Der Autor erläutert den thematischen Fokus auf Widerstand und Ideale in Kleists Werk sowie die Analyse der Novelle unter rassischen und geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten.

2. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel liefert einen Abriss der Unabhängigkeitskämpfe auf Haiti und der biographischen sowie zeitgeschichtlichen Einflüsse auf Kleists Text.

3. Revolution & Nation: Hier wird Kleists kritische Haltung zur Französischen Revolution und napoleonischer Herrschaftspolitik beleuchtet, ohne diese mit einer Ablehnung der bürgerlichen Ideale zu verwechseln.

4. Rassismen: In diesem Hauptteil wird die Sklaverei sowie die rassische Konstruktion der Figuren untersucht, wobei insbesondere die Fronten im Konflikt und die ideologischen Stereotype analysiert werden.

5. Schwarze Hure – Weiße Heilige: Das Kapitel analysiert die extremen weiblichen Rollenbilder, zwischen denen Toni im kolonialen Kontext verortet wird.

6. Geschlechterrollen & -bilder: Es erfolgt eine detaillierte Untersuchung des Frauenbildes bei Kleist, unter Einbeziehung philosophischer Ansätze wie denen von Rousseau und Fichte.

7. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, wie das Scheitern der Protagonisten als notwendige Konsequenz der Inszenierung von Täuschung und Macht innerhalb starrer gesellschaftlicher Rollenmuster verstanden werden kann.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Die Verlobung in St. Domingo, Haiti, Sklaverei, Rassismus, Kolonialismus, Geschlechterrollen, Frauenbild, Revolution, Jean-Jacques Rousseau, Identität, Widerstand, Täuschung, Patriarchat, Nation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ kritisch hinsichtlich der Darstellung von Nation, Rasse und Geschlecht vor dem Hintergrund kolonialer Konflikte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die rassistischen Stereotype gegenüber Schwarzen, die Darstellung der Rolle der Frau sowie Kleists spezifische Revolutionskritik im zeitgeschichtlichen Kontext.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kleist in seiner Novelle gesellschaftliche Ordnungsmodelle inszeniert und inwieweit das Scheitern der Protagonisten mit den rassistischen und patriarchalen Vorstellungen der damaligen Zeit korrespondiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit zeitgenössischen philosophischen Quellen (u.a. Rousseau, Fichte) und historischen Diskursen verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Machtstrukturen, die rassistische Dichotomisierung von Schwarz und Weiß sowie die Analyse der Geschlechterrollen, etwa durch die Theorie der „List der Frau“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Identität, Rasse, Kolonialismus, Geschlechterrollen, Widerstand und die ideologische Strukturierung innerhalb der Novelle.

Wie wird das Rollenverständnis von Toni in der Arbeit bewertet?

Toni wird als eine Figur analysiert, die zwischen den Fronten steht, ihre „Rassenzugehörigkeit“ bzw. deren Wahrnehmung durch andere wechselt und deren Handeln durch die patriarchale Ordnung und ihre eigene Leidenschaft bestimmt wird.

Welchen Stellenwert nimmt die „List der Frau“ in der Analyse ein?

Die „List der Frau“ wird als zentrale Verteidigungsstrategie der Protagonistinnen gegen die als übermächtig wahrgenommenen kolonialen und patriarchalen Strukturen gedeutet, was letztlich in einer Katastrophe endet.

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Details

Title
Verlobung unter Ungleichen - Nation, Rasse und Geschlecht in Heinrich von Kleist´s Verlobung in St. Domingo
College
University of Hamburg
Grade
1,0
Author
Pascal Grübl (Author)
Publication Year
2001
Pages
26
Catalog Number
V33508
ISBN (eBook)
9783638339582
Language
German
Tags
Verlobung Ungleichen Nation Rasse Geschlecht Heinrich Kleist´s Verlobung Domingo
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Pascal Grübl (Author), 2001, Verlobung unter Ungleichen - Nation, Rasse und Geschlecht in Heinrich von Kleist´s Verlobung in St. Domingo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33508
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