In dieser Seminararbeit wird unter Berücksichtigung des aktuellen Standes der Wissenschaft das Lebewesen Schleimpilz genauer betrachtet und sein Verhalten mithilfe selbst durchgeführter Versuche erläutert. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die rätselhafte Form von Intelligenz gerichtet, die es dem Schleimpilz ermöglicht, ein Verkehrsnetz zu planen.
Unter anderem werden folgende Punkte behandelt: Klassifikation von Schleimpilzen, Beschreibung des Lebenszyklus von Physarum Polycephalum, Geschwindigkeitsmessung und experimenteller Labyrinthversuch.
"Der unermesslich reichen, stets sich erneuernden Natur gegenüber wird der Mensch, soweit er auch in der wissenschaftlichen Erkenntnis fortgeschritten sein mag, immer das sich wundernde Kind bleiben und muss sich stets auf neue Überraschungen gefasst machen."
Diese Worte des Physikers Max Planck waren einem japanischen Forscherteam im Januar 2010 wohl so präsent wie noch nie. Es war ihm gelungen, eine Amöbe dazu zu bringen, eines der komplexesten Systeme überhaupt nachzubilden: Das Bahnnetz einer Großstadt. Der Einzeller hatte die Aufgabe glänzend gelöst. Er bildete das gesamte Verkehrsnetz rund um Tokio mithilfe seines eigenen Körpers maßstabsgetreu nach. Dabei übertraf der Protist mit kürzeren, effizienteren und – im Gegensatz zum Original – ausfallsichereren Verbindungen sogar die japanischen Ingenieure.
Besagter Organismus ist wohl einer der wundersamsten und rätselhaftesten Einzeller überhaupt: Der Schleimpilz. Der Myxomycet (gr. „Schleimpilz“) ist noch weitestgehend unerforscht. Diese Tatsache könnte sich aber bald ändern, da der Versuch des japanischen Forscherteams den Schleimpilz in den Fokus der Wissenschaft rückte. Es stellt sich die Frage, wie es einem Lebewesen ohne Gehirn und ohne höhere Sinnesorgane gelingen konnte, ein hochmathematisches Problem binnen Stunden zu lösen. Kann ein Schleimpilz, der nur aus einer einzigen Zelle besteht, einen Menschen mit etwa 100 Billionen Zellen in Sachen Verkehrsplanung übertreffen?
Eine höchst beängstigende Vorstellung. Andererseits stellt sich die Frage, wo das Talent des Myxomyceten hilfreich sein könnte. Das Forscherteam aus Japan will mithilfe des Schleimpilzes nicht nur Bahn-, sondern auch Strom-, Telefon- und Computernetze überarbeiten. Doch bis es soweit ist, werden wohl noch einige Jahre der Erforschung des Einzellers vergehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung / Vorwort
2. Physarum Polycephalum
2.1 Allgemeines
2.2 Reichsspezifische Zuordnung
2.3 Erzeugung eines künstlichen Lebensraumes
3. Entwicklungszyklus
3.1 Sporen
3.2 Myxamöben
3.3 Plasmodium
3.3.1 Fortbewegungsgeschwindigkeit
3.3.2 Chemotaxis
3.4 Fruktifikation
3.5 Tod
4. Der Myxomycet und Intelligenz
4.1 Labyrinthversuch
4.1.1 Durchführung des Experiments
4.1.2 Auswertung und Deutung des Ergebnisses
4.2 Bahnnetzversuch
4.2.1 Durchführung des Experiments
4.2.2 Auswertung und Deutung des Ergebnisses
5. Bedeutung des Schleimpilzes für die Biologie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhalten des Einzellers Physarum Polycephalum, insbesondere seine Fähigkeit zur Problemlösung bei der Planung effizienter Netzwerke, und prüft, ob dieses Phänomen als eine Form von Intelligenz gewertet werden kann.
- Biologische Charakterisierung und Entwicklungsstadien von Physarum Polycephalum.
- Erzeugung eines künstlichen Lebensraums zu Beobachtungszwecken.
- Experimentelle Analyse der Fortbewegungsgeschwindigkeit und chemosenorischen Wahrnehmung.
- Vergleichende Untersuchung der räumlichen Problemlösungskompetenz durch Labyrinth- und Bahnnetz-Experimente.
- Reflexion über die biologische Bedeutung und das Verständnis von Intelligenz bei Einzellern.
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Chemotaxis
Als Chemotaxis oder chemosenorische Wahrnehmung bezeichnet man die Fähigkeit des Schleimpilzes äußere Einflüsse zu registrieren und zu verarbeiten. Man unterscheidet zwischen positiver und negativer Chemotaxis, dem Zu- oder Abwenden eines Reizauslösers. Bemerkbar macht sich diese Fähigkeit des Schleimpilzes bereits beim Züchten. Füttert man ein Plasmodium, so bewegt es sich meist sehr direkt auf die Futterquelle zu.20 Die Chemotaxis ist also praktisch gesehen der Ersatz für einen Geruchs-, Geschmacks- oder Sehsinn.
Um die chemosenorische Wahrnehmung des Schleimpilzes nachweisen zu können, setzt man ein Stück von Physarum Polycephalum in eine frische Petrischale. Etwas entfernt positioniert man den positiven Reiz: Nahrung in Form von Haferflocken (siehe Abb. 10).
Nun wartet man einige Stunden, bis Physarum Polycephalum auf den positiven Reizauslöser reagieren konnte. Unter den gegebenen Bedingungen nimmt dieser Vorgang etwa 12 Stunden in Anspruch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung / Vorwort: Einführung in die Thematik der erstaunlichen Problemlösungsfähigkeiten des Schleimpilzes, motiviert durch wissenschaftliche Experimente zur Verkehrsnetzplanung.
2. Physarum Polycephalum: Detaillierte Betrachtung der Biologie, Taxonomie und der Haltung des Schleimpilzes unter künstlichen Bedingungen.
3. Entwicklungszyklus: Darstellung der verschiedenen Lebensstadien des Einzellers, von Sporen über Myxamöben und Plasmodien bis hin zur Fruktifikation und dem natürlichen Tod.
4. Der Myxomycet und Intelligenz: Durchführung und Auswertung praktischer Versuche, die zeigen, wie der Organismus Labyrinthe durchquert und komplexe Netzwerke modelliert.
5. Bedeutung des Schleimpilzes für die Biologie: Reflexion über die wissenschaftliche Relevanz des Einzellers und seine Fähigkeit, menschliche Konzepte von Intelligenz und Planung herauszufordern.
Schlüsselwörter
Physarum Polycephalum, Schleimpilz, Myxomycet, Intelligenz, Biologie, Entwicklungszyklus, Plasmodium, Chemotaxis, Verkehrsnetzplanung, Labyrinthversuch, Bahnnetzversuch, Einzeller, Netzwerke, Phagozytose, biologische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die biologischen Grundlagen und die bemerkenswerten Problemlösungsfähigkeiten des Schleimpilzes Physarum Polycephalum.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit umfasst den Lebenszyklus des Organismus, Methoden zu seiner Haltung sowie experimentelle Ansätze zur Untersuchung seiner Intelligenz und Netzwerk-Bildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Verhalten des Schleimpilzes bei der Planung effizienter Wege und Netze zu beleuchten und zu hinterfragen, ob diese Leistungen als eine Form von Intelligenz interpretiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden Literaturanalysen mit selbst durchgeführten, kontrollierten Versuchen zur Beobachtung von Fortbewegung, Chemotaxis und Problemlösungsverhalten in Petrischalen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biologische Einordnung, die detaillierte Beschreibung des Lebenszyklus und eine praxisorientierte Versuchsreihe, bestehend aus einem Labyrinthtest und der theoretischen Aufarbeitung eines Bahnnetzversuchs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Physarum Polycephalum, Intelligenz, Netzwerke, Biologie und der gesamte Lebenszyklus eines Myxomyceten.
Warum ist die Wahl des Schleimpilzes als Untersuchungsobjekt sinnvoll?
Der Schleimpilz gilt als "experimentierfreudig" und ist aufgrund seiner einfachen Haltung sowie der Fähigkeit, komplexe räumliche Probleme effizient zu lösen, ein ideales Forschungsobjekt für Biologie-Seminare.
Was sind die "gegebenen Bedingungen" für die Experimente?
Dies bezieht sich auf eine Haltung in einem abgedunkelten Raum bei Raumtemperatur, normalem Druck und Luftfeuchtigkeit, wobei der Schleimpilz auf befeuchtetem Filterpapier gehalten wird.
Welche Rolle spielt die Chemotaxis für das Problemlösungsverhalten?
Die Chemotaxis fungiert als chemosenorische Wahrnehmung, die es dem Einzeller ermöglicht, Futterquellen zu orten und sich gezielt auf diese zuzubewegen, was als Grundlage für seine Netzwerkbildung dient.
Was verdeutlicht der Bahnnetzversuch über das Verhalten des Schleimpilzes?
Der Versuch zeigt, dass Physarum Polycephalum in der Lage ist, eine hochgradig effiziente und ausfallsichere Struktur zur Verbindung verschiedener Futterquellen aufzubauen, die verblüffende Ähnlichkeiten zu von Ingenieuren geplanten Verkehrsnetzen aufweist.
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- Jennifer Ettner (Author), 2011, Der Schleimpilz. Ein intelligentes Lebewesen unter der Vielfalt der Pflanzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335094