Die Wahl des Wechselkursregimes

Kriterien, Einfluss sowie mögliche Gestaltungsformen der jeweiligen Systeme


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Schweiz als jüngstes Beispiel für Änderung des Wechselkursregimes

2 Das Trilemma des Wechselkursregimes
2.1 Freier Kapitalverkehr und stabiler Wechselkurs
2.2 Autonome Geldpolitik und stabiler Wechselkurs
2.3 Autonome Geldpolitik und freier Kapitalverkehr

3 Kriterien für die Wahl des Wechselkursregimes und deren Einfluss
3.1 Außenhandel
3.2 Faktormobilität
3.3 Produktdifferenzierung
3.4 Preisniveaustabilität
3.5 Internationale Liquidität

4 Mögliche Gestaltungsformen von Wechselkursregimen
4.1 Festkurssysteme
4.1.1 Währungsunion und Währungsübernahme
4.1.2 Currency Board
4.1.3 Bindung an Einzelwährung oder an Währungskorb
4.2 Systeme flexibler Wechselkurse
4.2.1 Verschiedene Arten des Floating
4.2.2 Vollständig flexible Kurse

5 Die Wahl des Wechselkursregimes in der Praxis
5.1 Die Diskussion um die Währungspolitik Chinas
5.2 Das Currency Board Argentiniens in den 90er-Jahren
5.3 Die Euro-Bindung des Schweizer Franken 2011-2015

6 Fazit und Ausblick

1 Schweiz als jüngstes Beispiel für Änderung des Wechselkursregimes

„Schweizer Notenbank gibt Franken frei“1 - diese Schlagzeile verbreitete im Jahr 2015 die Änderung des bis dahin bestehenden Wechselkursregimes durch die Schweizer Notenbank. Weiterhin waren Überschriften wie zum Beispiel „Schweizer Notenbank lässt den Euro fallen“2 zu lesen. Offensichtlich hatten Veränderungen der wirtschaftlichen Lage beziehungsweise entsprechender Indikatoren und Kennzahlen das bereits erwähnte oberste Geldinstitut der Schweiz dazu bewogen, den vorher eingeschlagenen Kurs zu überdenken.

Doch worauf bauen Entscheidungen über die Wahl des Wechselkursregimes wie diese makroökonomisch auf und auf welcher Grundlage werden sie getroffen? Welche Regimeformen gibt es, welche Möglichkeiten haben Zentralbank und/oder Regierung als Entscheidungsträger und vor allem welche Auswirkungen werden erhofft und erwartet?

Diesen und ähnlichen Fragen soll im Folgenden in dieser Hausarbeit nachgegan- gen werden. Dazu wird zuerst die entsprechende makroökonomische Theorie wie das Trilemma des Wechselkursregimes und mögliche Entscheidungskriterien so- wie Gestaltungsformen von Wechselkurssystemen erarbeitet. Im Anschluss soll dieses Wissen dazu genutzt werden, einige Beispiele für die Wahl oder eine Än- derung des Wechselkursregimes wie den obigen Fall aus dem vergangenen Jahr zu erläutern und zu analysieren.

2 Das Trilemma des Wechselkursregimes

Die grundsätzliche Entscheidung eines Landes zwischen festen und flexiblen Wechselkursen will gut überlegt sein, denn davon hängt signifikant die Umsetz- barkeit zweier anderer möglicher Ziele ab. Genauer können von den drei Anliegen

- stabiler Wechselkurs,
- vollständige Kapitalmobilität und
- geldpolitische Autonomie

nur jeweils zwei gleichzeitig erreicht werden.3

2.1 Freier Kapitalverkehr und stabiler Wechselkurs

Logischerweise ergeben sich aus obiger These drei mögliche Schwerpunktsetzungen. Die erste Möglichkeit soll einen freien Kapitalverkehr und einen stabilen Wechselkurs präferieren, woraus - wiederum aus ebendieser Aussage - der Verzicht auf eine autonome Geldpolitik folgen muss.

Dies lässt sich folgendermaßen veranschaulichen: Angenommen sei eine Abwer- tung der inländischen Währung. Eine mögliche Gegenmaßnahme der entspre- chenden Zentralbank wäre nun offensichtlich Devisenverkauf zur Reduktion der Geldmenge. Sinkt die Geldmenge, dann steigen dadurch die inländischen Zinsen und die Währung wird für ausländische Anleger attraktiver. Die Währung wertet in diesem Fall somit solange auf, wie der inländische Zins über dem Weltmarkt- niveau liegt.

Allgemeiner formuliert entstehen durch Abweichungen des inländischen Zinssatzes vom Weltmarktzins stets Wechselkursveränderungen. Dies impliziert aber bereits die Behauptung, denn wenn die Zentralbank den Zins zugunsten eines stabilen Wechselkurses ständig auf Weltmarktniveau halten muss, dann ist eine individuelle (expansivere oder restriktivere) Geldpolitik im Inland nicht möglich. Insgesamt wird also die geldpolitische Autonomie für einen stabilen Wechselkurs und vollständige Kapitalmobilität aufgegeben.4

2.2 Autonome Geldpolitik und stabiler Wechselkurs

Werden die Prioritäten auf autonome Geldpolitik bei einem stabilen Wechselkurs gesetzt, dann darf beispielsweise die inländische Währung trotz einer Zinserhö- hung der Zentralbank nicht aufwerten. Dies ist offenbar nur dann möglich, wenn der Kapitalverkehr - hier Kapitalzufluss aus dem Ausland - beschränkt wird.5 An dieser Stelle ist jedoch anzumerken, dass diese Variante der Beschränkung des Kapitalverkehrs kaum mehr als echte Alternative angesehen wird, sondern voll- ständige Kapitalmobilität vielmehr a priori vorausgesetzt wird.6 Diese Entschei- dung liegt in den unverzichtbaren Vorteilen eines freien Kapitalverkehrs begrün- det: So führt beispielsweise die Deutsche Bundesbank die Wachstumssteigerung durch die stets global effizienteste Allokation der Ersparnisse als zentralen Punkt an, welcher sich auch empirisch durch den Vergleich der Wachstumsraten von Entwicklungsländern mit und ohne Beschränkung des Kapitalverkehrs belegen lässt. Dabei waren die Wachstumsraten ohne Beschränkung des Kapitalverkehrs signifikant höher.7

2.3 Autonome Geldpolitik und freier Kapitalverkehr

Die verbleibende dritte Möglichkeit ist nun die Kombination aus freiem Kapital- verkehr und autonomer Geldpolitik, woraus sich als Konsequenz fehlender Ein- fluss auf die Entwicklung des Wechselkurses ableiten lässt. Werden zum Beispiel die Zinsen zur Beschleunigung der Wirtschaft gesenkt, dann sinkt die Nachfrage nach inländischer Währung und diese wertet ab. Der Effekt sind nun erhöhte (weil billigere) Exporte und verringerte (weil teurere) Importe, wodurch sich die Handelsbilanz offensichtlich verbessert.8 Es sei hier noch darauf hingewiesen, dass eine Verbesserung der Handelsbilanz nur dann eintritt, wenn die sogenann- te Marshall-Lerner-Bedingung erfüllt ist, wovon laut Blanchard/Illing (2006) in der Realität aber ausgegangen werden kann. Näheres dazu kann in eben erwähn- tem und zitiertem Werk nachgelesen werden.

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass sich der jeweilige Entscheidungsträger bei der Wahl des Wechselkursregimes in diesem nun ausgeführten Trilemma des Wechselkursregimes festlegen muss. Dabei beschränkt sich das Problem aber nach Abschnitt 2.2 auf das Dilemma zwischen dem möglichen Ziel eines stabilen Wech- selkurses und dem einer autonomen Geldpolitik - also konkret auf die Frage, ob zugunsten der Kontrolle über das Tauschverhältnis die geldpolitische Einfluss- möglichkeit auf die Wirtschaft aufgegeben werden sollte oder umgekehrt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Trilemma des Wechselkursregimes (Eigene Abbildung in An- lehnung an Huber (2002): S. 5)

3 Kriterien für die Wahl des Wechselkursregimes und deren Einfluss

Für obige Fragestellung gibt es eine Reihe von Kriterien, deren Berücksichtigung bei der Entscheidungsfindung sinnvoll erscheint. Zusammen mit der jeweiligen Wirkung und Bedeutung sollen diese nun im Folgenden beschrieben werden.

3.1 Außenhandel

Analog zu Kapitel 2.3 kann im Bezug auf Außenhandel auch der umgekehrte Ef- fekt einer Aufwertung der inländischen Währung auf die Nettoexporte betrachtet werden. Da in diesem Fall die Exporte für ausländische Konsumenten teurer wer- den, können Wechselkursschwankungen auch zu einem Beschäftigungsrückgang im Inland führen - was folglich für eine Fixierung des Tauschverhältnisses sprä- che.

Als ein weiteres Argument für feste Wechselkurse sind an dieser Stelle noch die sogenannten monetären Effizienzgewinne anzubringen. Sie entsprechen „den ge- samten Unsicherheits-, Konfusions-, Kalkulations- und Transaktionskosten, die flexible Wechselkurse mit sich bringen“9 und entfallen demnach mit der Ein- führung eines festen Wechselkurses. Dieser monetäre Effizienzgewinn fällt umso höher aus, je größer der Anteil des Außenhandels an der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung des jeweiligen Landes ist und je stärker die betreffenden Länder ökonomisch integriert sind. Letzterer Punkt spielt auf die in Abschnitt 3.2 näher be- trachtete Faktormobilität an: Bei einem festen Wechselkurs sind die Erträge von Investitionen oder Tätigkeiten im Ausland verlässlicher kalkulierbar.10

3.2 Faktormobilität

Für die genauere Betrachtung lassen sich hier „zwei Formen unterscheiden, die geographische Faktormobilität zwischen Regionen und die Faktormobilität zwi- schen Industrien.“11 Beide Arten spielen für die hier betrachtete Entscheidung zwischen festen und flexiblen Wechselkursen eine zentrale Rolle. Der nun bereits mehrfach erwähnte Anpassungseffekt über Auf- oder Abwertungen der Wäh- rung und die damit einhergehende Veränderung der Nettoexporte, welcher bei festen Wechselkursen als Ventil zum Ausgleich von externen Schocks fehlt, kann durch Arbeitskräftewanderung oder durch entsprechende Substitution auf den Gütermärkten kompensiert werden. Die Arbeitskräftewanderung kann dabei sowohl regional als auch zwischen Industrien erfolgen.

Insgesamt lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass ein fester Wechselkurs nur bei einer hohen Flexibilität der Arbeits- und Gütermärkte realisierbar ist.12

3.3 Produktdifferenzierung

Als ein etwas uneindeutiges Entscheidungskriterium stellt sich die Struktur einer Volkswirtschaft, beziehungsweise genauer die Produktdifferenzierung, heraus. Je geringer diese in einem Land ist, desto stärker wird die betreffende Konjunktur von Schwankungen auf dem jeweiligen Markt getroffen. „Um Marktänderungen nicht einseitig ausgesetzt zu sein“13, wird sich ein Land mit geringer Produkt- differenzierung eher für einen festen Wechselkurs entscheiden, schreiben Bel- ke/Schneider im Rückgriff auf ein Werk von Manfred Willms aus dem Jahr 2008. Zu beachten bleibt aber laut Renate Ohr (1993), dass im Falle einer Nachfrage- änderung auf diesem Markt wiederum der Ausgleichsmechanismus über den Wechselkurs fehlt und somit höhere Auswirkungen auf Auslastung und Beschäf- tigung zu erwarten sind.14

Auch Rolf Caspers (2002) vertritt Ohrs Ansicht und schreibt im Umkehrschluss, dass sich „Länder mit starker Produktdifferenzierung und breitem Exportsortiment [...] daher eher feste Wechselkurse leisten“15 können.

3.4 Preisniveaustabilität

Einig sind sich die Fachautoren dagegen beim Zusammenhang des Wechselkursregimes mit der Preisniveaustabilität. In Abschnitt 2.1 wurde ausführlich dargelegt, dass autonome Geldpolitik in Verbindung mit einem festen Wechselkurs (Kapitalmobilität sei hier wieder vorausgesetzt) nicht möglich ist. Fest steht daher, dass die Übereinstimmung der geldpolitischen Ziele zweier Länder mit festem Wechselkurs gegeben sein muss.

[...]


1 Schlagzeile von „n-tv.de“ vom 15.01.2015, abgerufen am 05.04.2016

2 Schlagzeile von „Spiegel Online“ vom 15.01.2015, abgerufen am 05.04.2016

3 vgl. Belke, Schneider (2012): S. 228

4 vgl. Belke, Schneider (2012): S. 228

5 vgl. dazu wieder Belke, Schneider (2012): S. 229

6 vgl. ebd., S. 229

7 vgl. Deutsche Bundesbank (2001): S. 21 f.

8 vgl. Blanchard, Illing (2006): S. 553 f.

9 Krugman, Obstfeld (2009): S. 750

10 vgl. ebd. sowie auch Belke, Schneider (2012): S. 229 f.

11 Aschinger (1993): S. 14

12 vgl. Belke, Schneider (2012): S. 230

13 ebd.

14 vgl. Ohr (1993): S. 35

15 Caspers (2002): S. 156

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Wahl des Wechselkursregimes
Untertitel
Kriterien, Einfluss sowie mögliche Gestaltungsformen der jeweiligen Systeme
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Wirtschaftswissenschaft)
Veranstaltung
Volkswirtschaftliches Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V335104
ISBN (eBook)
9783668249424
ISBN (Buch)
9783668249431
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wechselkurse, feste Wechselkurse, flexible Wechselkurse, Wechselkursregime, Argentinien, Currency-Board, Schweiz, Schweizer Franken, Trilemma des Wechselkursregimes
Arbeit zitieren
Ben Spies (Autor), 2016, Die Wahl des Wechselkursregimes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335104

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