Analyse der Strukturationstheorie und ihre Implikationen für das Management


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhalt

Grundlegende Annahmen

Dualität von Handlung und Struktur

Die Dimensionen der Struktur

Vergleich Ortmann und Sydow/Windeler

Kritische Würdigung

Implikationen für das Management

Literaturverzeichnis

Die formale Theorie der Strukturationstheorie fand ihren Ursprung in der Soziologie und befasst sich mit Fragen nach dem Zusammenhang zwischen individuellen Handlungen und sozialer Struktur. Es handelt sich folglich nicht um eine klassische Organisationstheorie, vielmehr werden generell Aussagen zu sozialen Systemen getätigt. Per Definition besteht ein soziales System aus sozialen Handlungen von Akteuren (vgl. Ortmann 1995, S. 49). Diese breite Auslegung erlaubt es der Strukturationstheorie, als Analyseobjekt sowohl die Gesellschaft im Allgemeinen als auch einen kleineren Teilausschnitt dieser, wie beispielsweise eine Organisation, zu betrachten. Die Theorie wurde 1984 von dem britischen Soziologen Anthony Giddens in seinem Buch ‚The Constitution of Society‘ erstmals formuliert. Dieses Werk diente sowohl Ortmann als auch Sydow/Windeler als Grundlage ihrer Interpretation der Strukturationstheorie. Ortmann bezieht sich dabei auf die Mikropolitik in Organisationen, während Sydow/Windeler interorganisationale Netzwerke aus strukturationstheoretischer Perspektive analysieren. Beide Autorengruppen setzen bei ihrer Auslegung der formalen Theorie unterschiedliche Schwerpunkte und nehmen unterschiedliche Modifikationen vor, wobei ein Konsens über die grundlegenden Aspekte der Theorie herrscht. Im Folgenden sollen die Grundgedanken der Strukturationstheorie auf Basis aller drei Werke erläutert werden, bevor die Unterschiede in der Gewichtung der einzelnen Aspekte durch die beiden Autoren(gruppen) aufgezeigt werden. Daraufhin folgt eine kritische Reflexion der Theorie, bevor mögliche Fragestellungen anschließender Forschung aufgeworfen werden.

Grundlegende Annahmen

Als eine der Soziologie entsprungene Theorie befasst sich die Strukturationstheorie mit menschlichem Handeln. Handeln wird hierfür definiert als „to intervene in the world, or to refrain from such intervention with the effect of influencing a specific process or state or affairs“ (Giddens 1984, S.14) und zeichnet sich durch einige Grundannahmen aus. Eine dieser Annahmen und gleichzeitig konstitutiver Bestandteil des Handelns (vgl. Ortmann 1995, S. 50) ist das Konzept der „Dialectic of Control“. Gemäß diesem Konzept besitzen handelnde Akteure stets die Macht bzw. Autonomie, anders handeln zu können. ‚Anders‘ ist hierbei auf entgegen der externen Zwänge („Constraints“) bezogen. Die bloße Existenz von „Constraints“ nimmt handelnden Akteuren selbst in Situationen von stark asymmetrischer Machtverteilung zu ihren Ungunsten nicht die Autonomie, ihr Handeln letztlich selbst zu bestimmen, wenngleich „Constaints“ ein bestimmtes Handeln taxierbar machen (vgl. Ortmann 1995, S. 51). Nach dieser Auffassung kann man nur von Handeln sprechen, wenn eine gewisse Autonomie gegeben ist (ebd.).

Eine weitere Kernannahme der Strukturationstheorie findet sich in der Auffassung des Menschen als ‚Knowledgeable Agent“ (KA). Nach diesem Verständnis verfolgt der KA die Geschehnisse um ihn herum sowie sein eigenes Handeln reflexiv („reflexive Monitoring“). Diese Reflexivität, die über Selbstbewusstsein hinausgeht, ermöglicht es dem KA, zielgerichtet und begründet zu handeln (vgl. Giddens 1984, S. 3). Als Grundlage des Handelns kann hierbei das praktische oder diskursive Bewusstsein, sowie das Unterbewusstsein dienen. Zwischen praktischen und diskursiven Bewusstsein herrscht ein fließender Übergang, während das Unterbewusstsein strikt separiert ist. Handlungen, die auf Grundlage des diskursiven Bewusstseins vorgenommen werden, sind solche, die expliziert und rationalisiert werden. Im Gegensatz dazu werden Handlungen auf Grundlage des praktischen Bewusstseins charakteristischerweise routiniert ausgeführt, ohne tiefergehende kognitive Auseinandersetzung mit der Handlung; der Akteur handelt aber nicht unbewusst (vgl. Giddens 1984, S. 6 f.). Das praktische Bewusstsein stellt die im Alltag meistgenutzte Handlungsbasis da, auch wenn der KA in der Lage ist, diskursiv zu reflektieren. Das Handeln der KAs wird von der Strukturationstheorie stets innerhalb des Flusses des umgebenden sozialen Geschehens betrachtet (vgl. ebd., S. 2).

Handlungen von Akteuren werden nun aber nicht nur durch die Bewusstseinsebenen bestimmt, sondern stets auch durch eine Handlungsmotivation. „If reasons refer to the grounds of action, motives refer to the wants which prompt it“(ebd. S. 6). Die den Handlungen zugrundeliegende Handlungsmotivation kann der Akteur allerdings nicht immer identifizieren, da sie oft unterbewusst vorliegt.

Weiterhin muss man beachten, dass die Reflektion von Akteuren bezüglich ihres Handelns ihnen nicht garantiert, alle Voraussetzungen ihres Handelns zu kennen und zu verstehen. Hieraus ergibt sich, dass neben den intendierten Folgen des Handelns selbst strikt intentionales Handeln stets auch nicht intendierte Folgen nach sich ziehen kann, gesetzt dem Fall es bestehen unbekannte oder unbeachtete Handlungsvoraussetzungen (vgl. Sydow/Windeler 1998, S. 266). Diese nicht intendierten Handlungsfolgen können nun in der nächsten Handlungssequenz eine Rückkopplung auslösen, was zu weiteren unbekannten Handlungsvoraussetzungen führen kann.

Der Zusammenhang der beschriebenen Einflussaspekte des Handelns KAs wird durch das „Stratification Model of the Agent“ in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Stratification Model of the Agent (In Anlehnung an Giddens 1984, S. 5)

Dualität von Handlung und Struktur

Aus den dargestellten Grundannahmen über das Handeln der Akteure lässt sich die Kernidee der Strukturationstheorie, die Dualität von Handlung und Struktur ableiten. Der Strukturationstheorie sind sowohl Ansätze, die das Handeln der Akteure als vollständig von Strukturen bestimmt ansehen, als auch solche, die Strukturen als durch Handlungen nahezu beliebig formbar interpretieren, zu einseitig. Tatsächlich lassen sich beide 'imperialistischen' Ansätze widerlegen.

Wie unter dem Konzept der „Diaelctic of Control“ dargestellt, hat ein Akteur - egal wie restringierend die umgebende Struktur ist - stets die Möglichkeit, entgegen den Constraints zu handeln, anderenfalls kann man nicht von Handlung sprechen. Dennoch handelt ein Akteur nie völlig losgelöst von der ihn umgebenden Struktur. Häufig bestehen sogar unerkannte Handlungsvoraussetzungen, die wiederum zu unintendierten Handlungsfolgen führen, was es dem Akteur unmöglich macht, Strukturen, die er nicht einmal gänzlich begreift, beliebig zu formen. Zwar sind Strukturen nicht als völlig statisch zu verstehen, ein einzelner Akteur wird sie jedoch nicht nach seinen singulären Vorstellungen formen können. Folglich greift eine exklusive Fokussierung auf entweder Strukturen oder Akteure zu kurz und die Auffassung von dem Verhältnis von Struktur und Handlung als Dualismus entpuppt sich als zu einseitig.

Dementsprechend begreift die Strukturationstheorie das Verhältnis von Struktur und Handlung als Dualität, sprich als ein rekursives und sich gegenseitig bedingendes Verhältnis (vgl. Sydow/Windeler 1998, S. 270).

Die Struktur wird dabei als Medium des Handelns verstanden. Zum einen hat sie einen restringierenden Charakter, da der Kontext und die Geschichte eines Akteurs die Handlung stets beeinflusst. Zum anderen ermöglichen Strukturen erst intendiertes Verhalten, da sie Stabilität bieten und somit Akteure befähigen Vorhersagen zu treffen (Vgl. Ortmann 1995, S.57). Sie haben folglich auch einen ermöglichenden Charakter: Struktur als Medium des Handelns.

Doch nicht nur die Struktur beeinflusst das Handeln, auch das Handeln beeinflusst die Struktur. Ohne Handeln hätte Struktur nur eine theoretische Existenz, da die Struktur lediglich durch das Handeln von Akteuren, die sich an strukturelle Gegebenheiten orientieren (müssen), reproduziert wird (vgl. ebd., S. 58). Dadurch wird sie gelebt und somit (implizit) beobachtbar und real. Die Struktur ist folglich nicht nur Medium des Handelns, sondern auch Produkt der Handlungen. Hieraus ergibt sich ein rekursives, sich bedingendes Verhältnis von Handlung und Struktur.

Den Prozess der rekursiven Konstituierung und Stabilisierung von Strukturen bezeichnet man als Strukturation (vgl. ebd., S. 77). Untersuchungsgegenstand ist hierbei weniger ein einzelner Handlungsakt, als vielmehr soziale Praktiken, die in einen sozialen Kontext eingebettet sind (vgl. Sydow/Windeler 1998, S. 266).

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Analyse der Strukturationstheorie und ihre Implikationen für das Management
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Management)
Veranstaltung
Management interorganisationaler Beziehungen
Note
1.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V335126
ISBN (eBook)
9783668249509
ISBN (Buch)
9783668249516
Dateigröße
1340 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, strukturationstheorie, implikationen, management
Arbeit zitieren
Lukas Hackl (Autor), 2015, Analyse der Strukturationstheorie und ihre Implikationen für das Management, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335126

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