Das Studium der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien ist modern geworden. Immer mehr Maturanten entscheiden sich dieses Fach zu inskripieren. Das Studium der Völkerkunde hat klar über jenes der Volkskunde gesiegt, in Popularität und Effizienz. Mit der zunehmenden Anzahl an Absolventen, und damit Ethnologen wurde das Forschungsgebiet (-feld) schon vor einiger Zeit gegenüber dem traditionellen weit ausgeweitet. Ethnologische Studien im Internet sind genauso anerkannt wie Feldforschung in Zaire. Die Ethnologie Europas wird als Teilgebiet mit der Ethnologie Afrikas gleichgestellt, und doch gibt es noch ein eigenes, weniger populäres Studium der Volkskunde. Es hat den Anschein, als wären wir gerade im Prozess das letztere in das erstere einzugliedern, in diesem Prozess laufen wir allerdings Gefahr die unpopuläreren Themen (die im Moment zur Volkskunde zählen) zu vernachlässigen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es eine besondere Kompetenz ist in seinem eigenen Land ethnologisch zu forschen. Sei auch der Fremdblick in der Forschung durchaus nützlich, lässt es sich doch nicht verleugnen, dass wir als Österreicher, doch im allgemeinen am meisten über Österreichische Kultur wissen.
Genauso wie viele der Studenten am Institut für Kultur- und Sozialwissenschaften gilt mein vorwiegendes Interesse nicht den Kulturen Österreichs, doch mit dieser Arbeit will ich in diese Richtung gehen, und ein Thema aufgreifen, welches mir persönlich sehr nahe steht, da ich in diesem Gebiet aufgewachsen bin.
Traibach gibt es heute noch, vorwiegend bewaldet käme keiner der Erholungssuchenden auf die Idee dass hier früher Menschen ihr tägliches Leben bestreiten mussten, unter erschwerten Bedingungen der Abgeschiedenheit und der Armut. Ein einziger, der früher hier lebenden Bauern ist noch im selben Gebiet angesiedelt; die Familie verdient ihr Geld heute mit den Einkünften aus der Bewirtung von ruhesuchenden Almgästen, zusätzlich zu den erwirtschafteten Landwirtschaftseinnahmen.
In den folgenden Seiten möchte ich die Zeit zurückdrehen, um Traibach nicht mehr nur als Erholungsmöglichkeit für Wiener-Wochendurlauber, Mountainbikestrecken oder Wanderwege zu sehen, sondern als eigene Gesellschaft, die es nicht schaffte zu überleben. Heute findet man noch einige Menschen, die Teil dieser Gesellschaft waren, doch in einigen Jahren wird wohl vergessen werden, welche Geschichten des täglichen Lebens der Traibach zu erzählen hat.
Inhaltsverzeichnis
1. INHALTSVERZEICHNIS
2. EINLEITUNG
3. TRAIBACH
4. BRAUCHTUM
4.1 Geburt und Taufe
4.2 Schule
4.3 Hochzeit
4.4 Krankheit und Tod
5. ZUSAMMENFASSUNG
6. QUELLENVERZEICHNIS
7. ANHANG
Fotos
Interview
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das tägliche Leben und die sozialen Strukturen der mittlerweile verschwundenen bäuerlichen Gesellschaft in Traibach, indem sie diese durch eine ethnologische Betrachtung von Brauchtum, Sitte und dem Alltag der Bewohner rekonstruiert.
- Historische Entwicklung des Siedlungsgebiets Traibach
- Soziologische Analyse von Traditionen im Lebenslauf (Geburt, Schule, Hochzeit, Tod)
- Die Rolle der katholischen Religion in bäuerlichen Übergangsriten
- Der sozioökonomische Wandel und Niedergang der bäuerlichen Gemeinschaft
- Dokumentation einer untergehenden Lebenswelt durch Zeitzeugengespräche
Auszug aus dem Buch
4.1 Geburt und Taufe
Schon einige Zeit vor ihrer Niederkunft, bemühte sich die künftige Mutter für ihr Kind eine Patin zu finden. Mit Vorliebe bittet man die Schwester des Kindsvaters oder der Kindsmutter (die VaterSchwester oder die MutterSchwester). Schon am Tag nach der Geburt ging die Patin mit der Hebamme zur Taufe. Hier ist die Verbundenheit mir der katholischen Religion zu sehen. Mechthild Wiswe schreibt, dass in Braunschweig die Taufe auf Ostern und Pfingsten beschränkt war, und die Taufe dadurch oft erst geraume Zeit nach der Geburt erfolgte (Wiswe 1982:5). Im Traibach war es unvorstellbar das Kind nicht so schnell wie möglich zu taufen, um es damit zu einem würdigen und vollwertigen Mitglied der Gesellschaft zu machen.
Zur Kirche hin trug die Hebamme das Kind2, zurück jedoch die Patin. Auch Wiswe schreibt für ihre auf Deutschland gerichtete Analyse dass die Mutter bei der Taufe nicht teilnahm (Wiswe 1982:15). Meist wählte die Mutter den Namen des Kindes aus, nur ausnahmsweise überließ man es der Patin. Bei der Wahl des Namens achtete man streng darauf dem Kind einen Namen zu geben, dessen Namenstag vor dem Geburtstag des Kindes lag, das als „Zurücktaufen“ oder „Namen zurückschmeißen“war verpönt; man glaubte dass in diesem Fall auch das Kind körperlich und geistig zurückbliebe.
Zusammenfassung der Kapitel
2. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Autorin, sich mit der lokalen bäuerlichen Kultur von Traibach auseinanderzusetzen, und verdeutlicht den Kontrast zwischen dem heutigen Erholungsgebiet und der früheren Lebenswirklichkeit.
3. TRAIBACH: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss des Gebietes seit 1344, dokumentiert die demografische Entwicklung sowie die sozioökonomischen Bedingungen der dort ansässigen Bauern und Herrschaften.
4. BRAUCHTUM: Der theoretische und empirische Hauptteil analysiert den Begriff Brauchtum und beschreibt detailliert die Lebensabschnitte Geburt, Schule, Hochzeit sowie Krankheit und Tod im Kontext der traditionellen Lebenswelt.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Das Fazit reflektiert das Ende der untersuchten bäuerlichen Gesellschaft durch den Wandel in der Moderne und stellt fest, dass sich der Charakter traditioneller Bräuche durch den schwindenden Einfluss der Kirche stark verändert hat.
Schlüsselwörter
Traibach, Ethnologie, Brauchtumsforschung, Sitte, Bäuerliche Gesellschaft, Volkskunde, Übergangsriten, Sozialanthropologie, Tradition, Dorfgeschichte, Lebenslauf, Ahnenforschung, Agrargeschichte, Heimatkunde, Landleben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser ethnologischen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der historischen und soziologischen Aufarbeitung der verschwundenen bäuerlichen Gesellschaft im Gebiet Traibach.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Mittelpunkt stehen die bäuerliche Lebensweise, soziale Strukturen, religiöse Einflüsse und die spezifischen Bräuche im Lebenslauf von der Geburt bis zum Tod.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die vergessenen Lebensgeschichten und Traditionen einer Gesellschaft zu dokumentieren, die heute als eigenständige bäuerliche Gemeinschaft nicht mehr existiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Neben einer Literaturanalyse zur Brauchtumsforschung nutzt die Autorin eine qualitative Feldforschungsmethode, insbesondere Zeitzeugeninterviews, sowie Archivrecherche in lokalen Gemeindeämtern.
Was genau wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung des Ortes Traibach und eine detaillierte ethnografische Beschreibung von Ritualen bei Geburt, Taufe, Schulausbildung, Hochzeiten sowie Sterbeprozessen und Begräbnissen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Brauchtum, Sitte, Traibach, bäuerliche Lebenswelt, Tradition und Übergangsriten.
Warum spielt die Religion in dieser Studie eine so tragende Rolle?
Die Autorin verdeutlicht, dass alle untersuchten bäuerlichen Bräuche tief in der christlichen Religion verwurzelt waren und das gesamte soziale Gefüge maßgeblich prägten.
Welchen Stellenwert nimmt das Interview im Anhang ein?
Das Interview liefert eine persönliche, authentische Innenperspektive eines ehemaligen Bewohners, die die wissenschaftliche Analyse durch gelebte Erfahrungen und Erzählungen ergänzt und lebendig macht.
- Quote paper
- Sabine Putzgruber (Author), 2003, Traibach - Brauchtumsstudie über eine verschwundene Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33514