Die Biotechnologie als Innovations- und Wachstumsbranche erfreut sich steigender Wichtigkeit bei der Entwicklung neuer Medikamente und Wirkstoffe. Die Branche ist geprägt durch eine sehr hohe Dynamik und Innovation aber auch Unsicherheit. Eben diese Faktoren zeichnen auch die in diesem Segment tätigen Unternehmen aus.
Die hohen regulatorischen Anforderungen während des Arzneimittelentwicklungsprozesses führen zu beträchtlichen F&E-Kosten und Risiken. Aus diesem Grund sind Biotechnologieunternehmen geprägt durch hohe Unsicherheiten und F&E-Kosten während der Entwicklungsphasen, sowie negative Cashflows bis zur Produktzulassung. Diese Faktoren müssen bei einer fundierten Bewertung von Biotechnologieunternehmen adäquat berücksichtigt werden.
Aufgrund der dargestellten Merkmale stoßen herkömmliche Verfahren meist an ihre Grenzen. Daher wendet man in der Praxis, je nach Entwicklungsstadium des Biotechnologieunternehmens, das Multiplikatoren-Verfahren, die DCF-Methode (Standardverfahren und Szenariotechnik) oder auch Realoptionen. Während Multiplikatoren grundsätzlich im gesamten Lebenszyklus der Unternehmen verwendet werden können, verwendet man den DCF-Szenarioansatz und Realoptionen hauptsächlich während der klinischen Entwicklungsphasen. Das DCF-Standardverfahren hingegen wird bei Unternehmen mit bereits zugelassenen Produkten angewandt.
Die beschriebenen Methoden zeichnen sich dadurch aus, dass sie die gegebenen Unsicherheiten und Potentiale mithilfe von Wahrscheinlichkeitsgewichtungen, Vergleichswerten oder Optionspreisen reflektieren. Doch auch bei der Anwendung dieser Methoden ergeben sich Schwierigkeiten bei der Entwicklung belastbarer und glaubwürdiger Annahmen. Aus diesem Grund muss die Anwendung der beschriebenen Methoden stets durch Markt- und Branchenexperten durchgeführt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung in die Unternehmensbewertung
2.1 Anforderungen an die Unternehmensbewertung
2.2 Anlässe zur Unternehmensbewertung
2.3 Ausgewählte Verfahren der Unternehmensbewertung
2.3.1 Überblick relevanter Bewertungsverfahren
2.3.2 Kurze Erläuterung relevanter Verfahren
2.3.2.1 DCF-Methode
2.3.2.2 Multiplikatoren-Methode
2.3.2.3 Realoptions-Ansatz
3 Biotech-Branche im Überblick
3.1 Definition und Einordnung von Biotechnologie
3.2 Markt- und Strukturdaten, Trends
3.3 Charakterisierung typischer Biotechnologieunternehmen
3.4 M&A Aktivitäten und Finanzierungen
4 Besonderheiten bei der Bewertung von Biotechnologieunternehmen
4.1 Spezifische Herausforderungen bei der Bewertung von Biotechnologieunternehmen
4.2 Verwendete Methoden zur Bewertung von Biotechnologieunternehmen
4.2.1 DCF-Szenariotechnik
4.2.2 DCF-Standardverfahren
4.2.3 Multiplikatoren-Verfahren
4.2.4 Realoptions-Ansatz
5 Diskussion und Ausblick
5.1 Vergleich der Anwendbarkeit der dargestellten Methoden in der Praxis
5.2 Weitere praktische Aspekte bei der Bewertung von Biotechnologieunternehmen
5.3 Vergleich von Realoptions-, Multiplikatoren und DCF-Ansatz
5.4 Empfehlungen und Ausblick
6 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die spezifischen Anforderungen und methodischen Herausforderungen bei der Unternehmensbewertung im Biotechnologiesektor zu analysieren und einen kritischen Vergleich gängiger Bewertungsansätze für unterschiedliche Unternehmensphasen zu erstellen.
- Grundlagen der Unternehmensbewertung und ihre Anwendbarkeit in der Biotechnologie
- Strukturanalyse des Biotech-Marktes inklusive F&E-Prozessen und Finanzierungsdynamiken
- Methodische Bewertung von Firmen in der Frühphase versus Unternehmen mit zugelassenen Produkten
- Kritische Diskussion der DCF-Szenariotechnik, Multiplikatoren-Verfahren und Realoptions-Ansätze
- Bedeutung qualitativer Faktoren wie Management-Qualität und IP-Rechte
Auszug aus dem Buch
4.2.1 DCF-Szenariotechnik
Einen nützlichen Ansatz zur Bewertung von Biotechnologieunternehmen stellt die sog. DCF-Szenariotechnik dar, oftmals auch als erweiterte NPV-Algorithmus bezeichnet (die Begriffe werden in dieser Arbeit synonym verwendet). Der Ansatz ist eine Spezialform der bereits dargestellten DCF-Methode (s. Kapitel 2.3.2.1).
Theorie: Der NPV ist eine zukunftsorientierte Finanzkennzahl mit der eine optimale Ressourcenallokation erreicht, sowie der Unternehmenswert maximiert werden soll. Sich verändernde zukünftige Barmittelzuflüsse und –abflüsse werden mit berücksichtigt (vgl. BODE-GREUEL/ GREUEL 2010: 295).
Vorbereitung: Zur Vorbereitung für die erweiterte NPV-Methode sollte zunächst das F&E Portfolio des betrachtenden Unternehmens strukturiert werden. Oftmals führen Biotechnologieunternehmen mehrere Forschungsprojekte zeitgleich durch, um somit die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Produktentwicklung zu erhöhen. Ziel dieser Strukturierung ist die Identifikation wichtiger Entscheidungspunkte in der F&E Phase neuer Wirkstoffe. Hiermit sollen durchgeführte Projekte priorisiert werden und weniger erfolgreiche abgebrochen bzw. auslizensiert werden. Des Weiteren ergeben sich möglicherweise aus der Forschung an einem Wirkstoff eine Vielzahl an therapeutischen oder diagnostischen Anwendungen. Diese verschiedenen Entwicklungsströme können wiederum inhouse entwickelt werden oder an Vertragspartner lizensiert bzw. veräußert werden. Durch die Definition sog. Projektzielgruppen können für die einzelnen Projekte Produktentwicklungspläne sowie Umsatzprognosen erstellt werden. In diesen Projektzielgruppen sollen auch geplante Entwicklungsresultate präklinischer und klinischer Studien sowie Marktrisiken und Konkurrenzprodukte miteinbezogen werden. Am Ende dieses Strukturierungsprozesses soll eine transparente Aufstellung derzeit laufender Entwicklungen stehen. Diesen Prozessen sollten dann auch bereits Entwicklungs-, Vermarktungs- und Bewertungsstrategien zugeordnet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Problemfeldes der Bewertung von Biotechnologieunternehmen aufgrund hoher Volatilität und Forschungsrisiken.
2 Einführung in die Unternehmensbewertung: Theoretischer Überblick über Bewertungsgrundsätze sowie die gängigen Verfahren (DCF, Multiplikatoren, Realoptionen).
3 Biotech-Branche im Überblick: Analyse der Branchenstruktur, der F&E-Phasen sowie der Finanzierungssituation und Marktdaten.
4 Besonderheiten bei der Bewertung von Biotechnologieunternehmen: Detaillierte Betrachtung der Herausforderungen und praktische Anwendung der Bewertungsmodelle auf Biotech-Beispielfirmen.
5 Diskussion und Ausblick: Kritische Würdigung der Methodenwahl in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium und Einbezug weiterer qualitativer Faktoren.
6 Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse mit der Schlussfolgerung, dass die Methodenwahl stark phasenabhängig sein muss und durch Fachexperten validiert werden sollte.
Schlüsselwörter
Biotechnologie, Unternehmensbewertung, DCF-Methode, Multiplikatoren-Verfahren, Realoptions-Ansatz, F&E-Kosten, Arzneimittelentwicklung, Unternehmenswert, Marktvolatilität, Projektbewertung, Investitionsrisiko, klinische Studien, Finanzplanung, Szenariotechnik, Innovationsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Methoden der Unternehmensbewertung im Biotechnologiesektor, unter besonderer Berücksichtigung der hohen Risiken und Forschungsaufwendungen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Neben den theoretischen Bewertungsgrundlagen liegt der Fokus auf der Branchenanalyse der Biotechnologie, der Differenzierung nach Entwicklungsstadien sowie der kritischen Prüfung spezifischer Finanzmodelle.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie Biotechnologieunternehmen trotz hoher Unsicherheit und oft fehlender operativer Cashflows fundiert bewertet werden können und welche Methoden sich für welche Entwicklungsphasen am besten eignen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es erfolgt eine qualitative Analyse der Bewertungsmethoden, ergänzt durch eine quantitative Beispielrechnung (DCF-Szenariotechnik und Realoptions-Ansatz) zur Verdeutlichung der Anwendung in der Praxis.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Branchenübersicht, die Analyse spezifischer Bewertungsherausforderungen und eine detaillierte Gegenüberstellung der DCF-Szenariotechnik, der Multiplikatorenmethode und des Realoptions-Ansatzes.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Dokument charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Unternehmensbewertung, Biotechnologie, DCF-Verfahren, Realoptionen, Multiplikatoren, Entwicklungsrisiko und klinische Studien beschreiben.
Wie verändert sich die Bewertungsmethode je nach Entwicklungsphase eines Unternehmens?
Frühphasige Unternehmen (Technologieplattformen) werden meist über Vergleiche und Multiplikatoren bewertet, während in der klinischen Phase die Szenario- oder Realoptionsanalyse überwiegt und bei zugelassenen Produkten das klassische DCF-Standardverfahren zum Einsatz kommt.
Warum spielt die Flexibilität des Managements beim Realoptions-Ansatz eine so große Rolle?
Der Realoptions-Ansatz berücksichtigt, dass das Management auf neue Informationen reagieren kann (z.B. Abbruch bei negativen Studienergebnissen), was den Unternehmenswert im Vergleich zu statischen Modellen präziser abbildet.
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- Markus Bauer (Author), 2015, Unternehmensbewertung von Biotechnologieunternehmen. Kritischer Vergleich anwendbarer Methoden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335160