Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Pflichten des Sokrates, beruhend auf den Schriften des Platon, "Apologie" und "Kriton".
In diesen beiden Werken des Platon hat es den Anschein, als werden Formen der Pflicht beschrieben – in der "Apologie" gegenüber Gott und im Dialog „Kriton" gegenüber dem Staat. Ich werde in dieser Untersuchung beide Texte untersuchen sowie gegenüberstellen.
Die Frage, welche zu beantworten ist, lautet: Beschreibt Platon in seinen Werken Formen der Pflicht? Beschreibt er womöglich zwei grundverschiedene Formen? Kann man überhaupt von einer Pflicht sprechen und wenn nicht, welches Wesen tragen dann die beschriebenen Handlungen des Sokrates?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Sokrates Pflicht gegenüber Gott
2.2 Sokrates Pflicht gegenüber dem Staat
2.3 Des Sokrates Pflichten im Vergleich
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Handlungen des Sokrates in Platons Dialogen „Die Verteidigung des Sokrates“ und „Kriton“, um zu ergründen, ob und in welcher Form sich darin ein Pflichtbewusstsein gegenüber Gott und dem Staat manifestiert.
- Analyse des Pflichtbegriffs im Kontext der Verteidigungsrede des Sokrates.
- Untersuchung der moralischen Verpflichtung gegenüber dem Staat im Dialog „Kriton“.
- Gegenüberstellung von göttlicher und staatlicher Pflicht.
- Reflektion über die Rolle von Gerechtigkeit und individuellem Handeln.
- Einordnung in philosophische Konzepte von Pflicht und Gesetz.
Auszug aus dem Buch
2.3 Des Sokrates Pflichten im Vergleich
Die beiden ersten Kapitel dieser Untersuchung bilden die Grundlage für meinen angestrebten Vergleich. Dieser bezieht sich auf die zwei Formen des Pflichtbewusstseins, welche durch Sokrates zum Ausdruck gebracht wurden. Die Unterschiede beider Probleme lassen sich an sieben Punkten festmachen.
Punkt Eins: Sokrates fühlt sich in beiden Werken des Platon gegenüber einem äußeren Willen verpflichtet fühlt. Die Pflicht gegenüber Gott ist für Sokrates jedoch von bedeutend höherer Priorität als jene gegenüber dem Staat. Denn für ihn ist klar, dass er stets der Suche nach der Weisheit vorrangig begegnen wird, als dem gehorsamen Verhalten gegenüber dem Staat.
Punkt Zwei: Die Ausübung, beziehungsweise die Befolgung der Pflicht ist verschieden. Jene gegenüber dem Staat ist passiv, lediglich die Pflichtverletzung ist aktiv. Die Pflicht gegenüber Gott ist jedoch in der Ausführung aktiv, denn man muss Initiative zeigen, um diese zu erfüllen. Aufgrund dessen bedarf sie des Handelns. Ich möchte hierbei auf den Handlungsbegriff von Hannah Arendt verweisen. Sie sieht in dem Handeln eine natürliche Fähigkeit des Menschen und dieses Vermögen ist abhängig von der Pluralität innerhalb der Gesellschaft. Für diese Untersuchung ist entscheidend, dass das Handeln nur im Bereich des Öffentlichen stattfindet und gekennzeichnet ist durch Taten und Worte. Mithilfe dieser Eckpfeiler der Theorie Arendt’s ist schon zu erkennen, dass das, was Sokrates tat, eine Handlung war. Er hat sich nicht systemkonform verhalten, sondern Initiative gezeigt. Er hat durch seine Suche nach der Weisheit den öffentlichen Bereich mit seinen Reden genährt und die Pluralität innerhalb der Gesellschaft aufrechterhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Platons Schriften über Sokrates zwei grundverschiedene Formen der Pflicht beschreiben oder ob Sokrates in seinem Handeln einem übergeordneten Pflichtgefühl folgt.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Verteidigungsrede bezüglich Gottes, die Untersuchung der staatlichen Pflicht im „Kriton“ und einen abschließenden Vergleich beider Pflichtarten.
2.1 Sokrates Pflicht gegenüber Gott: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass Sokrates seine Suche nach Weisheit als einen von Gott gegebenen, aktiven Auftrag betrachtet, dem er auch gegen gesellschaftliche Widerstände folgt.
2.2 Sokrates Pflicht gegenüber dem Staat: Hier wird dargelegt, dass für Sokrates der Gehorsam gegenüber den Gesetzen des Staates eine moralische Pflicht darstellt, die sogar in der Gefängnissituation und angesichts des Todesurteils Bestand hat.
2.3 Des Sokrates Pflichten im Vergleich: In diesem Kapitel werden sieben Differenzierungspunkte erarbeitet, die den Unterschied zwischen der subjektiven, göttlichen Pflicht und der objektiven, staatlichen Pflicht verdeutlichen.
Schlüsselwörter
Sokrates, Platon, Pflicht, Gerechtigkeit, Verteidigungsrede, Kriton, Staat, Gott, Weisheit, Handeln, Ethik, Philosophie, Gesetz, Moral, Gehorsam
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Handeln des Sokrates in den platonischen Werken „Die Verteidigung des Sokrates“ und „Kriton“, um herauszufinden, ob sein Verhalten auf einem Pflichtbewusstsein gegenüber Gott und dem Staat basiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die philosophische Anthropologie, insbesondere das Verhältnis zwischen individueller Gewissenspflicht, göttlichem Auftrag und staatlicher Gesetzestreue.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob Platon zwei verschiedene Formen der Pflicht beschreibt, ob man überhaupt von einer Pflicht sprechen kann und welches Wesen die Handlungen des Sokrates in den beiden Werken haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse und Gegenüberstellung von Quellentexten (Platon) sowie eine theoretische Einordnung durch Begriffe von Philosophen wie Hannah Arendt, Aristoteles und Immanuel Kant.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Sokratess Pflicht gegenüber Gott und dem Staat in den entsprechenden Werken und führt diese in einem sieben Punkte umfassenden Vergleich zusammen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sokrates, Platon, Pflicht, Gerechtigkeit, Weisheit, Staat, göttlicher Auftrag und ethisches Handeln.
Warum unterscheidet der Autor zwischen „objektiver“ und „subjektiver“ Pflicht?
Die staatliche Pflicht wird als „objektiv“ bezeichnet, da sie durch Gesetze für jeden Bürger bekannt ist, während die göttliche Pflicht als „subjektiv“ gilt, da sie auf einem individuellen, inneren Auftrag beruht.
Welche Rolle spielt die Fluchtdebatte im Dialog „Kriton“?
Die Debatte verdeutlicht Sokrates’ moralische Verpflichtung gegenüber den Gesetzen Athens, die ihn davon abhält, trotz eines ungerechten Todesurteils aus dem Gefängnis zu fliehen.
Wie bewertet der Autor die Sanktionen bei Pflichtverletzungen?
Bei einer Verletzung der staatlichen Pflicht droht eine sichtbare, rechtliche Strafe, während bei der göttlichen Pflicht die „Schande“ als innerer, subjektiver Affekt dient.
- Quote paper
- Peter Manzei (Author), 2015, Die Pflichten des Sokrates anhand Platons "Apologie" und "Kriton". Die Pflichten gegenüber dem Staat und gegenüber Gott, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335217