Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Reise des Protagonisten Fortunatus und versucht die Frage zu beantworten, inwiefern die Reise als eine Reise des Protagonisten zur Selbsterkenntnis angesehen werden kann. Dazu wird zunächst für ein besseres Verständnis Hintergrundinformation zum Reisen im Mittelalter geliefert. Danach wird die Reise des Fortunatus näher untersucht und schließlich wird die metaphorische Ebene seiner Reise im Hinblick auf die Identitätskrise des Protagonisten fokussiert.
Das Volksbuch Fortunatus wurde 1509 von einem unbekannten Autor veröffentlicht und erlangte zu seiner Zeit und in den darauf folgenden Jahrhunderten einen Bestseller-Status. Im 16. Jahrhundert erschien der Prosatext in 20 Auflagen, in elf Auflagen im 17. Jahrhundert und in neun Auflagen im 18. Jahrhundert und wurde in dreizehn Sprachen übersetzt. Die Hauptthematik des Romans beinhaltet den Protagonisten Fortunatus, der seine Heimat, die Insel Zypern, verlässt und sich mit einem Glückssäckel und Wunschhütlein einer abenteuerlichen Reise begibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Reisen im Mittelalter
3. Die Reisen des Fortunatus
4. Die metaphorische Bedeutung der Reise
4.1 Die Identitätskrise des Fortunatus
4.2 Geld als Ersatz für Identität
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Volksbuch „Fortunatus“ mit dem Ziel zu klären, inwiefern die Reise des Protagonisten als eine Reise zur Selbsterkenntnis interpretiert werden kann. Dabei wird analysiert, ob das Verlassen der Heimat eine bewusste Suche nach Identität darstellt oder ob der Erhalt magischer Reichtümer diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst und verändert.
- Historischer Kontext des Reisens im Mittelalter
- Die topografische und psychologische Struktur der Reise des Fortunatus
- Analyse der Identitätskrise im Kontext der Literaturwissenschaft
- Die Rolle des Geldes als Ersatz für eine gewachsene Identität
- Werkimmanente Untersuchung des Volksbuchs
Auszug aus dem Buch
Die Identitätskrise des Fortunatus
Aus der Reiseepisode des Fortunatus konkludiert Prager, dass es sich bei Fortunatus um eine neue Art von Figur in der Literatur handelt – um einen „Wanderheld“ - und dass dieser gegen die Identitätskrise ankämpft, in der er sich befindet.
[T]hat he perceives himself as estranged and expresses the anxieties associated with the ’Frembde’ suggests that new and different issues are at stake in this text. […] Fortunatus is […] in search of wealth and social prestige (which he acquires in the West) and later a traveler on a personal quest for knowledge and divertissement (aligned with the East). He is a new character type, a Wanderheld […] struggeling with a crisis of identity.
Jedoch was genau kann man sich unter der Begrifflichkeit der „Identitätskrise“ vorstellen? Der Psychoanalytiker und Psychologe Erik Erikson erklärt dieses Phänomen folgendermaßen:
Erikson popularized the idea of the ’identity crisis’ through which perplexed youth passes on ist way to adulthood. The resolution of the identity crisis leads to ’final self-definition, to irreversible role patterns, and thus to commitments for life’. The person with a successfully achieved sense of individual identity feels unique, whole and coherent, although in pathological cases identity formation may fail and the person suffer from ’identity diffusion’.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Volksbuch „Fortunatus“, dessen Rezeptionsgeschichte und die zentrale Forschungsfrage zur Reise als Selbsterkenntnisprozess.
2. Reisen im Mittelalter: Darstellung der sozioökonomischen Bedingungen des Reisens, der Ständeordnung und der unterschiedlichen Reiseanlässe wie Pilgerfahrten oder Handel.
3. Die Reisen des Fortunatus: Analyse der Reisemotivation und des Routenverlaufs des Protagonisten, unterteilt in die sozioökonomisch geprägte Westreise und die fantastische Ostreise.
4. Die metaphorische Bedeutung der Reise: Untersuchung der Identitätskrise des Fortunatus und der Bedeutung von Geld als Ersatz für eine stabile Identitätsbildung.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse, die das Scheitern der Selbsterkenntnis und die Ersetzung durch das materielle Streben bestätigen.
Schlüsselwörter
Fortunatus, Volksbuch, Mittelalter, Identitätskrise, Selbsterkenntnis, Reise, Wanderheld, Geld, Kapitalismus, Identitätsbildung, Famagosta, Fremdbegegnung, Sozialer Aufstieg, Literaturwissenschaft, Werkanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Volksbuch „Fortunatus“ unter der Fragestellung, ob die Reisen des Protagonisten als Weg zur Selbsterkenntnis verstanden werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die mittelalterliche Reisekultur, das Konzept der Identitätskrise in der Literatur und die Funktion von Geld als Identitätsersatz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die psychologische Entwicklung des Fortunatus zu analysieren und zu prüfen, ob die Reise tatsächlich zu einer Reifung oder lediglich zur materiellen Absicherung führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer werkimmanenten Interpretation des Textes unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher und psychologischer Theorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung des Reisens, die Analyse der spezifischen Reiseabschnitte des Fortunatus und eine theoretische Fundierung der Identitätskrise.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit?
Zu den Schlüsselbegriffen gehören „Wanderheld“, „Identitätskrise“, „Fremdbegegnung“ und die „symbolische Bedeutung des Reisens“.
Warum ist Famagosta als Ausgangspunkt für die Reise von Bedeutung?
Famagosta markiert den Ort der sozialen Isolation des Protagonisten, von wo aus er ausbricht, um in der Fremde eine neue soziale Identität zu finden.
Welche Rolle spielt die „Jungfrau des Glücks“ für den Protagonisten?
Sie fungiert als Wendepunkt, da sie Fortunatus den Geldsäckel überreicht, wodurch seine authentische Identitätsbildung durch ein materielles Äquivalent ersetzt wird.
Führt die Reise des Fortunatus zur erhofften Selbsterkenntnis?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Reise eben nicht zur Selbsterkenntnis führt, da Fortunatus nach seinem Scheitern die Flucht in den materiellen Reichtum wählt.
- Quote paper
- Sirwm Kolburan (Author), 2013, Reise als Motiv in der Literatur des Mittelalters. Identitätskrise und Selbsterkenntnis im Volksbuch "Fortunatus", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335558