Professor Helbig pflegte in seiner Vorlesung zur Deutschen Syntax immer zu sagen: „Wenn ein Verb in einen Satz tritt, ist es, als wenn man in einem dunklen Raum das Licht anknipst.“ (Vorlesung zur Deutschen Syntax, SS 1998). Er nahm hierbei natürlich Bezug auf die Valenz des Verbs, d.h. seine Fähigkeit Leerstellen zu eröffnen, die wiederum durch Aktanten besetzt werden müssen oder können. Barbara Wotjak unterscheidet dabei zwischen obligatorischen (nicht weglassbaren) und fakultativen (weglassbaren) Aktanten, Eberhard Gärtner differenziert valenzabhängige (weglassbare bzw. nicht weglassbare), valenznotwendige (valenzabhängige und nicht weglassbare) und valenzunabhängige bzw. valenzfreie Aktanten. Als Beispiel wäre anzuführen: Ayer, el profesor (le) entregó el libro a la estudiante.
Valenzabhängig sind demnach sowohl das Subjekt des Satzes (el profesor), das direkte Objekt (el libro) als auch das indirekte Objekt (a la estudiante). Valenznotwendig, d.h. nicht weglassbar, ist hingegen nur das direkte Objekt „el libro“. Da das Spanische im Gegensatz zum Deutschen eine Nullsubjektsprache ist, kann das Subjekt des Satzes (el profesor) eliminiert werden, da es implizit in der finiten Verbform „entregó“ enthalten ist. Auch das indirekte Objekt des Satzes (a la estudiante) ist nicht valenznotwendig, d.h. weglassbar, wie bereits erwähnt wurde. Als valenzunabhängige bzw. valenzfreie Komponente des Satzes wäre die temporale Adverbialbestimmung „ayer“ zu bezeichnen. Die Weglassbarkeit bzw. Wertigkeit sind allerdings nicht die einzigen Aspekte, die es bei der Beschreibung der syntaktischen Valenz zu berücksichtigen gilt. Wie z.T. bereits angedeutet, zählen zur syntaktischen Valenz auch die syntaktische Funktion der Satzglieder als auch deren Wortklasse/ Wortgruppenstruktur. Bevor wir jedoch näher auf die Beschreibung der syntaktischen Valenz an Hand von Beispielen aus dem Korpus eingehen, sollen die Termini der semantischen und syntaktischen Valenz zunächst näher beleuchtet und erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Einführung
1.2 Semantische und syntaktische Valenz
1.3 Valenzabhängige Konjunktionalsätze
2. Textanalyse
2.1 Subjektsätze
2.1.1 Subjektsätze bei einem verbalen Prädikat
2.1.2 Subjektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und Adjektiv
2.1.3 Subjektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und Substantiv
2.1.4 Subjektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und PP
2.1.5 Subjektsätze bei einem Funktionsverbgefüge als Prädikat
2.2 Prädikativsätze
2.3 Objektsätze
2.3.1 Direkte Objektsätze
2.3.1.1 Direkte Objektsätze bei einem verbalen Prädikat
2.3.1.2 Direkte Objektsätze bei einem verbo-nominalen Prädikat aus Verb und Objektsprädikativ
2.3.1.3 Direkte Objektsätze bei einem Funktionsverbgefüge als Prädikat
2.3.2 Präpositionale Objektsätze
2.3.2.1 Präpositionale Objektsätze bei einem verbalen Prädikat
2.3.2.2 Präpositionale Objektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und PP bzw. SP
2.3.2.3 Präpositionale Objektsätze bei einem Funktionsverbgefüge als Prädikat
2.3.3 Direkte Objektsätze, die der Struktur Subjekt + Prädikat + indirektes Objekt folgen
2.3.4 Präpositionale Objektsätze, die der Struktur Subjekt + Prädikat + direktes Objekt folgen
3. Systematische Auflistung aller gefundenen Beispiele
3.1 Subjektsätze
3.1.1 Subjektsätze bei einem verbalen Prädikat
3.1.2 Subjektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und Adjektiv
3.1.3 Subjektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und Substantiv
3.1.4 Subjektsätze bei einem Funktionsverbgefüge als Prädikat
3.2 Prädikativsätze
3.3 Objektsätze
3.3.1 Direkte Objektsätze
3.3.1.1 Direkte Objektsätze bei einem verbalen Prädikat
3.3.1.2 Direkte Objektsätze bei einem verbo-nominalen Prädikat aus Verb und Objektsprädikativ
3.3.2 Präpositionale Objektsätze
3.3.2.1 Präpositionale Objektsätze bei einem verbalen Prädikat
3.3.2.2 Präpositionale Objektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und PP bzw. SP
3.3.2.3 Präpositionale Objektsätze bei einem Funktionsverbgefüge als Prädikat
3.3.3 Direkte Objektsätze, die der Struktur Subjekt + Prädikat + indirektes Objekt folgen
3.3.4 Präpositionale Objektsätze, die der Struktur Subjekt + Prädikat + direktes Objekt folgen
4. Alphabetische Auflistung nach Valenzträgern
4.1 Alphabetische Auflistung der verbalen Valenzträger
4.2 Alphabetische Auflistung der nominalen Valenzträger
5. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die syntaktische Valenz von que-Konjunktionalsätzen im Spanischen. Ziel ist es, anhand einer korpusbasierten Analyse des Romans "Corazón tan blanco" von Javier Marías die syntaktischen Funktionen dieser Sätze im Kontext unterschiedlicher Prädikatstypen aufzuzeigen und systematisch zu kategorisieren.
- Untersuchung von Subjektsätzen bei verschiedenen Prädikatstypen (verbal, nominal, Funktionsverbgefüge).
- Klassifizierung von Objektsätzen in direkte und präpositionale Konstruktionen.
- Analyse der syntaktischen Umgebung und strukturellen Abhängigkeiten von Konjunktionalsätzen.
- Systematische Auflistung und Belegführung gefundener Beispiele aus dem Primärtext.
Auszug aus dem Buch
1.1 Einführung
Professor Helbig pflegte in seiner Vorlesung zur Deutschen Syntax immer zu sagen: „Wenn ein Verb in einen Satz tritt, ist es, als wenn man in einem dunklen Raum das Licht anknipst.“ (Vorlesung zur Deutschen Syntax, SS 1998). Er nahm hierbei natürlich Bezug auf die Valenz des Verbs, d.h. seine Fähigkeit Leerstellen zu eröffnen, die wiederum durch Aktanten besetzt werden müssen oder können. Barbara Wotjak unterscheidet dabei zwischen obligatorischen (nicht weglassbaren) und fakultativen (weglassbaren) Aktanten1, Eberhard Gärtner differenziert valenzabhängige (weglassbare bzw. nicht weglassbare), valenznotwendige (valenzabhängige und nicht weglassbare) und valenzunabhängige bzw. valenzfreie Aktanten2. Als Beispiel wäre anzuführen:
Ayer, el profesor (le) entregó el libro a la estudiante.
Valenzabhängig sind demnach sowohl das Subjekt des Satzes (el profesor), das direkte Objekt (el libro) als auch das indirekte Objekt (a la estudiante). Valenznotwendig, d.h. nicht weglassbar, ist hingegen nur das direkte Objekt „el libro“. Da das Spanische im Gegensatz zum Deutschen eine Nullsubjekt sprache ist, kann das Subjekt des Satzes (el profesor) eliminiert werden, da es implizit in der finiten Verbform „entregó“ enthalten ist. Auch das indirekte Objekt des Satzes (a la estudiante) ist nicht valenznotwendig, d.h. weglassbar, wie bereits erwähnt wurde. Als valenzunabhängige bzw. valenzfreie Komponente des Satzes wäre die temporale Adverbialbestimmung „ayer“ zu bezeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretische Grundlagen: Erläutert die Konzepte der semantischen und syntaktischen Valenz sowie die Definition valenzabhängiger Konjunktionalsätze.
2. Textanalyse: Detaillierte methodische Gliederung und Analyse der Konjunktionalsätze in Subjekt-, Prädikativ- und Objektsätze in Abhängigkeit vom Prädikatstyp.
3. Systematische Auflistung aller gefundenen Beispiele: Umfassende Zusammenstellung aller aus dem Roman extrahierten Beispielsätze, unterteilt nach ihrer syntaktischen Funktion.
4. Alphabetische Auflistung nach Valenzträgern: Verzeichnis der Beispielsätze, geordnet nach den zugrunde liegenden verbalen und nominalen Valenzträgern.
5. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Forschungsliteratur und des untersuchten Primärtextes.
Schlüsselwörter
Spanische Syntax, Valenztheorie, Konjunktionalsätze, que-Sätze, Subjektsätze, Objektsätze, Prädikativsätze, Funktionsverbgefüge, Korpusanalyse, Javier Marías, Corazón tan blanco, syntaktische Funktion, Valenzträger, Substantivsätze, generative Semantik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der syntaktischen Analyse von Konjunktionalsätzen im Spanischen, die durch die Konjunktion "que" eingeleitet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Valenztheorie (semantisch und syntaktisch) sowie deren Anwendung auf satzwertige Konstruktionen in der spanischen Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Identifikation und systematische Einordnung der syntaktischen Funktionen (Subjekt, Objekt, Prädikativ) von que-Sätzen innerhalb des untersuchten Romans.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine korpusbasierte textanalytische Methode, bei der Beispiele aus dem Roman "Corazón tan blanco" extrahiert und nach grammatikalischen Kriterien klassifiziert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Differenzierung der Konjunktionalsätze nach ihren syntaktischen Rollen und den jeweils übergeordneten Prädikatstypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören spanische Syntax, Valenz, que-Sätze, Konjunktionalsätze und Korpusanalyse.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen verbalen und nominalen Prädikaten in Bezug auf Subjektsätze?
Die Untersuchung differenziert zwischen Subjektsätzen, die von Verben abhängen, und solchen, die durch nominale Prädikate (Kopula + Adjektiv/Substantiv/PP) eingeleitet werden.
Welche Rolle spielen Funktionsverbgefüge bei der Analyse?
Funktionsverbgefüge werden als eigene Prädikatstypen betrachtet, deren Valenzpotenzial hinsichtlich der Einleitung von Objekt- oder Subjektsätzen gesondert untersucht wird.
- Quote paper
- Doreen Walter (Author), 2004, Komplexe Sätze mit valenzabhängigen Konjunktionalsätzen im Spanischen. Eine Textanalyse von Auszügen des Romans "Corazón tan blanco" von Javier Marías (1992), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33577